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Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald: Umwelt- und Planungsausschuss stimmt für Bebauungsplan

Bahnhofswald

Bahnhofswald: Das Flensburger Naturhabitat ist die Heimat seltener Fledermausarten und soll für den Bau eines Hotels und Parkhauses der Axt zum Opfer fallen. – Foto: Marco Johns

Auch die Grünen stimmen mehrheitlich für den Bebauungsplan und damit für die Abholzung des Bahnhofswalds

Dazu untenstehend ein Beitrag von Cordelia Feuerhake und anschließend ein Gedächtnisprotokoll der SUPA-Sitzung von Helmreich Eberlein

Der SUPA hat gestern leider aber erwartungsgemäss mehrheitlich für die Aufstellung des Bebauungsplans für das Bahnhofshotel / Hauptpost gestimmt.
Es wurde einfach nach Geschäftsordnung abgearbeitet….
Keiner, weder Verwaltung noch Politik, scheint das Gefühl zu haben, dass wir als Gesellschaft in einer grundlegenden (Corona-)Krise stecken, die eigentlich Anlass sein sollte, alles grundlegend
zu überdenken…
Will die Stadt weiterhin Wald, Biotope, Grünflächen für zufällige Bebauung zu opfern? Zufällig, weil es ja immer nach den Vorstellungen eines Investors geht, der ein Projekt auf einer zufällig erworbenen Fläche umsetzen möchte.
Wäre es nicht an der Zeit, Schluss zu machen mit weiterer Naturzerstörung? Sämtliche noch vorhandene Naturflächen in Flensburg zu markieren als „ nicht bebaubar und geschützt“?
Wenn es schon kein umfassendes stadtplanerisches Gesamtkonzept für Bauentwicklungen gibt, dann wenigstens für nicht bebaubare Flächen ??
Oder müssen wir weiterhin zusehen, wie ein Bauprojekt nach dem anderen Grünflächen in Anspruch nimmt und der Politik schmackhaft gemacht wird durch Worthülsen wie „Arbeitsplätze“, „Stadtentwicklung“, „Tourismusförderung“, „Unternehmensstrategie“ usw usw…….
Technisch ist – fast – alles machbar, jedenfalls kurzfristig ( irgendwann schlägt die Natur vielleicht doch zurück..) dh, Hänge kann man technisch abfangen, Wasser kann man umleiten, Bäume kann man woanders pflanzen, Geschädigten kann man Geld zahlen, Kleingärtner kann man umsiedeln,
Verkehre kann man leiten usw……….

Aber werden dadurch die Lebensbedingungen in der Stadt und für die Stadt besser?? Für die Bevölkerung insgesamt ??
Bisher meint die Politik, dass jedes umgesetzte Bauprojekt Verbesserung bringt. Ich meine, das muss grundsätzlich in Frage gestellt werden. Die Lebensqualität – für alle Bewohner der Stadt – wird vielleicht nur dadurch erhalten oder gar verbessert, indem noch vorhandene Naturräume geschützt und nicht „entwickelt“ werden.
Das alleinige Ziel „Wachstum“ führt an Grenzen und wird absurd, wenn es mit Zerstörungen erreicht wird.
Ich finde, darüber muss Politik ,Verwaltung und Öffentlichkeit grundlegend diskutieren! Bisher werden Begriffe wie „Klimapakt Flensburg“, „Suffizienz“, „Nachhaltigkeit“ gern verwendet, sind aber reine Worthülsen geblieben, im konkreten Entscheidungsfall zählen sie nicht!
Und außerdem:
Brauchen wir noch ein Kongress-Hotel? Wenn Videokonferenzen und Homeoffice auch nach Corona bleiben werden? Welches Image haben – so allgemein gesehen – Bahnhofshotels in anderen Städten?

Gedächtnisprotokoll

der SUPA-Sitzung am 2.6.2020 zum TOP 3 Bebauungsplan Hauptpost (Bahnhofswald und Hotelprojekt) von Helmreich Eberlein, Mitglied der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg

Zunächst brachte ein Herr von der Verwaltung eine – schwer verständliche – Einführung in die Beschlussvorlage. Dabei wurden die vielen Einwendungen (gegen das Projekt und die geplante Abholzung des Bahnhofswalds, d. Red.) nur sehr kurz, pauschal und sehr oberflächlich zusammengefasst dargestellt und die Antwort der Verwaltung dazu gegeben. Die geringen Veränderungen der Planung (die größte ist die Reduktion der maximalen Höhe des Parkhauses von 36m auf 33,5m, nur einige Aufbauten dürfen darüber hinausreichen) wurden dargestellt. Etwas ausführlicher wurde dargestellt, was alles in dem „Städtebaulichen Vertrag“ der Stadt mit den Investoren geregelt werden soll. Die Redebeiträge der SUPA-Mitglieder waren ebenfalls kurz; nur die Herren Paysen, Pfingsten, Hamann, Dierking und Ambrosius sprachen kritisch gegen das Bauprojekt. Unser Brief (den hatte die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel vor der Sitzung an die Mitglieder des SUPA geschickt, mit der Bitte dem Bebauungsplan nicht zuzustimmen, d. Red.) klang v. a. im Beitrag von Sigmund Pfingsten an, der Zweifel an der Gültigkeit der Belichtungsberechnung des Gutachters Bioconsult anmeldete. Hubert Ambrosius sprach davon, dass die vorgeschlagenen Standort-Alternativen nicht abgewogen, sondern abgewimmelt worden seien.

Auf Antrag eines Mitglieds von Flensburg wählen! wurde namentlich abgestimmt. Gegen den Bebauungsplan stimmte von den Grünen nur Arndt Scherding, vom SSW Sigmund Pfingsten und Glenn Dierking, von der Linken Herr Hamann, von der WiF Hubert Ambrosius, von Flensburg wählen! 1 Mitglied, zusammen 6 Stimmen, während CDU, FDP und SPD geschlossen und von den Grünen Pelle Hansen und Herr Simon für den B-Plan und damit für die Zerstörung des Waldes stimmten.

Am 25.6. wird die Ratsversammlung den endgültigen Satzungsbeschluss fassen. Damit ist der Wald aber noch nicht entwidmet, das wird erst geschehen, wenn die Investoren einen Bauantrag einreichen. Bei dessen Prüfung wird auch erst ein Gutachten über die Hangstabilität gefordert.

Ich habe immer noch Hoffnung, dass die Investoren vor dem Bauantrag zurückschrecken werden, denn in diesen Zeiten sind Millionen-Investitionen in ein großes Hotel wohl eher riskant, und auch das Parkhaus braucht viele Jahre zur Refinanzierung.

Wir sollten weiter Sand im Getriebe sein und für die Fragestunde der Ratsversammlung unangenehme Fragen einreichen, die deutlich machen, dass der B-Plan nicht rechtssicher ist. Sabine z. B. fragte sich, was denn passiert, wenn die Investoren das Hotel doch nicht bauen wollen?

Mehr Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald hier

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg unter: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Hotel und Parkhausprojekt am Bahnhofswald: Es gibt Alternativen!

Am Dienstag, den 02.06. soll unter TOP 3. auf der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung über den Bebauungsplan „Hauptpost“ (Nr. 303) und den dazugehörigen Satzungsbeschluss entschieden werden. Damit würden endgültig die Weichen für den Bau des umstrittenen Hotels und Parkhauses gestellt. Das würde gleichzeitig das Ende für den Bahnhofswald bedeuten. Claus Kühne, Mitglied der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg, Anwohner der Schleswiger Straße und vom Bauprojekt direkt betroffen, hat sich Gedanken über mögliche alternative Standorte auf der anderen Seite des Carlisle-Parks, am Mühlendamm gemacht. Dort gibt es mehrere Hektar unbebaute Fläche, die sich zudem im Eigentum der Stadt befindet. Untenstehend sein Vorschlag dazu:

Die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg hat in einem Brief an die Ratsfraktionen die Mitglieder des SUPA gebeten, in der Sitzung am 02.06. den Beschlussvorlagen zu TOP 3 ihre Zustimmung zu verweigern. Mehr dazu hier

Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald: Entscheidung auf der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses am 2.6.

Bahnhofswald

Bahnhofswald: Das Flensburger Naturhabitat ist die Heimat seltener Fledermausarten und soll für den Bau eines Hotels und Parkhauses der Axt zum Opfer fallen. – Foto: Marco Johns

Die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg bittet in einem Brief die Mitglieder des SUPA, nicht für den Bebauungsplan zu stimmen

Am Dienstag, den 02.06. soll auf der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung die Entscheidung über das Hotel- und Parkhausprojekt am Bahnhofswald fallen. Unter TOP 3. soll über den Bebauungsplan „Hauptpost“ (Nr. 303) und dem dazugehörigen Satzungsbeschluss entschieden werden. Damit würden endgültig die Weichen für den Bau des umstrittenen Hotels und Parkhauses gestellt. Die Investoren könnten somit relativ kurzfristig mit dem Bau beginnen. (Die entsprechenden Beschlussvorlagen zur Sitzung gibt es hier)
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Die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg hat nun in einem Brief an die Ratsfraktionen die Mitglieder des SUPA gebeten, in der Sitzung am 02.06. den Beschlussvorlagen zu TOP 3 ihre Zustimmung zu verweigern. Wir dokumentieren untenstehend den Text des Briefs:

Ratsfraktion …                                                                                                                                Flensburg, 25.05.2020

Sehr geehrte(r) …

Am 2.6.20 werden Sie im SUPA über den B-Plan 303 Hauptpost und damit über das Schicksal des Bahnhofswaldes entscheiden müssen. Sie werden sich davor durch 135 Seiten Einwendungen und Abwägungen und durch 50 Seiten erneutes Gutachten der Firma Bioconsult quälen müssen. Wir versuchen uns deshalb kurz zu fassen und nur die wichtigsten Dinge anzusprechen; aber Sie sollen erfahren, dass die schweren Einwände vieler Bürger gegen das Projekt keineswegs ausgeräumt sind, und warum.

1.) Das beginnt mit der Befürchtung eines durch das Bauprojekt ausgelösten Hangrutsches. Trotz der Aufforderung durch zahlreiche Einwendungen, VOR dem Satzungsbeschluss über den B-Plan das – anerkannt notwendige – Gutachten zur Stabilität des Hanges während und nach dem Bau von Hotel und Parkhaus mit Verlust eines Teils des Bewuchses und unter den Bedingungen des Klimawandels zu erstellen, verschiebt die Verwaltung dieses Gutachten konsequent auf die Phase des Bauantrages. Sie verweigert damit jede Betrachtung der Folgen des Klimawandels auf die Hangstabilität. Das ist in etwa so, als würde die Stadt durch einen B-Plan zur Bebauung eines hochwassergefährdeten Gebietes einladen, es aber den künftigen Bauherren zuschieben, ein Gutachten über die Hochwassergefahr zu erstellen. Würden Sie das akzeptabel finden? Wir nicht! Dass der Klimawandel mit Zunahme von Starkregenereignissen in Häufigkeit und Stärke sowie langen Trockenheits- und langen Regen-Perioden Bedeutung für die Hangstabilität hat, ist jedem offensichtlich,  der die Hangrutsche an den Flensburger Hängen in den letzten Jahren beobachtet hat – alle nach  Starkregenereignissen. Es ist fahrlässig, dass die Verwaltung das ignoriert.

2.) Auch nach dem ergänzenden Gutachten von Bioconsult vom April 2020 über die Lichtverschmutzung des Fledermaushabitats aus den Fenstern des Hotels bleibt die Besorgnis bestehen, dass dies zu einem Verbotstatbestand nach §44 BNSchG führt. Wortreich und mit vielen Rechnungen behauptet Bioconsult, das sei nicht so – aber erreicht die Unterschreitung des Grenzwertes für die Beleuchtung des Habitats von 0,1 lx (S. 14 des Gutachtens) nur durch einen unzulässigen Trick: Wenn Sie die Tabellen auf den Seiten 44-50 durchsehen, wird nur durch die Abschattung durch die Vegetation der Grenzwert unterschritten, die verminderte Transmission der Fenster allein reicht dafür nicht einmal in 40 m Entfernung. Für die Vegetation setzt Bioconsult aber einen Abschattungsfaktor von 85% ein, der nach Seite 13 für den Effekt des Blätterdachs der Kronen eines intakten Mischwaldes gilt. Hier kommt aber das Licht nicht durch das dichte Kronendach, sondern von der Seite, sozusagen in die offene Flanke, die noch dazu durch die Entnahme einiger Bäume Lücken aufweist. Das Bild zeigt eine vergleichbare Stelle am Klueser Wald. Sie sehen, wie weit zwischen die Stämme Sie schauen können – da gibt es kein dichtes Blätterdach, das Sie hindern würde! Ebenso wird das Licht von den Hotelfenstern in den Bahnhofswald hineinscheinen und eine „Störung“ im Sinne des §44 BNSchG erzeugen – was verboten ist.

3.) Die Erhaltung eines Waldes ist ein hohes öffentliches Interesse, seine Umwandlung ist nur erlaubt, wenn ein noch höherwertiges öffentliches Interesse nicht auf anderem Wege erreichbar ist. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass die Prüfung von Alternativen sorgfältig und vollständig erfolgt ist. Wir haben diesen Eindruck nicht, im Gegenteil, wir haben den Eindruck, dass die zahlreichen  Alternativen bewusst abgewimmelt werden, um die Pläne am Bahnhofswald alternativlos aussehen zu lassen. Es ist nicht einzusehen, weshalb

a) eine Parkpalette für PKW-Fahrer zum Bahnhof nicht an der Ecke Backensmühle/Schleswiger Str. mit Zuwegung zum Bahnsteig eingerichtet werden kann. Dafür wäre eine Tunnel-Verlängerung nur eine der Möglichkeiten, einfacher noch wäre ein Aufzug und Treppe von der Brücke über die Schleswiger Str. zum Bahnsteig 1 realisierbar. Die Anbindung an den ÖPNV ist bereits vorhanden: Haltestellen „Bahnhof/Tegelbarg“ und „Bahnhof/Serpentine“. Eine für Bahnfahrer bessere Lösung als das geplante Parkhaus! Die Quartiersgarage für Pendler, die gar nicht zum Bahnhof wollen, kann an anderer Stelle sein: als Tiefgarage unter der künftigen Feuerwache, als Parkhaus auf dem Gelände des VfB Nordmark.

b) Nicht einzusehen ist, weshalb eine Tiefgarage unter der Feuerwache als Quartiersgarage nicht eingeplant werden kann. Dort ist laut Ergebnis des Architekten-Wettbewerbs ohnehin eine Tiefgarage geplant (also machbar), sie müsste nur vergrößert werden. Das Gelände ist groß genug! Auch eine mehrgeschossige Tiefgarage wäre denkbar, vielleicht sogar leichter realisierbar, weil der Abstand zum festen Untergrund kleiner wird. Dass das so in dem bisherigen preisgekrönten Entwurf des Architekten nicht vorgesehen ist, liegt nur daran, dass es nicht in der Anforderung der Verwaltung stand: Es kann nachgebessert werden. Überdies ist der vorliegende Entwurf nicht mit dem endgültigen Planungsergebnis gleichzusetzen, sonst könnte man sich jede Bürgerbeteiligung dazu sparen.

c) Nicht einzusehen ist, weshalb eine Quartiersgarage nicht auf dem riesigen Gelände des VfB Nordmark einzurichten ist, wo auch reichlich Platz für ein Bahnhofshotel wäre – wenn denn dafür überhaupt noch ein Bedarf besteht.

d) Nicht einzusehen ist, weshalb die PKW-Fahrer zum Bahnhof nicht auf der Exe parken und mit einem Shuttle-Dienst zum Bahnhof gebracht werden können – das Hauptargument der Verwaltung, dass damit noch keine Quartiersgarage erreicht ist, zieht nicht, da diese Quartiersgarage an anderer Stelle errichtet werden kann, s. o. Außerdem könnten doch auch Pendler in die Innenstadt diesen Shuttledienst nutzen! Auch eine S-Bahn Flensburg, die den Bahnhof einbezieht, würde das Parken in Bahnhofsnähe unnötig machen – die Stadt sollte sich endlich mit der NEG über die Trasse einigen!

Aus diesen Gründen ist in unseren Augen das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Waldes weiterhin weit überwiegend, die Waldumwandlung nicht gerechtfertigt. Wenn die Corona-Krise eines unmissverständlich deutlich gemacht hat, dann ist es die Bedeutung der Erhaltung von ungestörten Lebensräumen für Wildtiere wie Fledermäuse, und dass wir ihnen keine zu enge räumliche Nähe zu Menschen  aufdrängen sollten.

Wir bitten Sie, Ihre Stimme im SUPA nicht davon bestimmen zu lassen, dass doch schon so lange diskutiert wurde, sondern diesen B-Plan abzulehnen.

Mit freundlichen Grüßen

Sprecher/-in der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg

Kundgebung im Carlisle Park: Teilnehmer*innen fordern Erhalt des Bahnhofswalds und eine Wende in Flensburg

Baumprotest im Carlisle-Park am Bahnhof

Ein Beitrag und Fotos von Jörg Pepmeyer

Klarmachen zur Wende!

So lässt sich das Motto beschreiben, unter dem sich heute rund 70 Teilnehmer*innen zu einer Protest-Kundgebung, natürlich unter Wahrung der Corona-Regeln, im Carlisle-Park am Bahnhof trafen. Eingeladen dazu hatten die beiden Umweltaktivisten Christiane Schmitz-Strempel und Günter Strempel. Unterstützt wurden sie von der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg, von Greenpeace, attac und weiteren Mitstreiter*innen verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen und Bürgerinitiativen sowie Einzelpersonen in Flensburg. Somit ein sehr breites und buntes Bündnis.

Vorrangig ging es zwar um den Erhalt des Bahnhofswalds, der im Rahmen eines Hotelneubaus der Axt zum Opfer fallen soll, aber die Protestler hatten noch eine ganze Menge mehr im Gepäck. Sie präsentierten eine Aktion, die deutlich machen sollte, dass in Flensburg eine Wende überfällig sei, im Bereich des Verkehrs, in der Stadtplanung, beim nachhaltigen Schutz wertvoller Naturflächen, bei der Bürgerbeteiligung und vieles mehr. Also hin zu einer wirklich lebenswerten, ökologischen, solidarischen und demokratischen Stadt. Im Park bauten sie dazu aus alten Ästen und Stämmen einen Baum nach, der mit großen Blättern bestückt wurde, auf denen die Kritikpunkte standen. Anschließend wendeten die Aktivisten dann gemeinsam das Blatt. Nun wurden die Alternativen und die Forderungen an die Politik sichtbar.

Günter Strempel spricht zu den Anwesenden

Das war dann auch Thema der Ansprache von Günter Strempel an die Kundgebungsteilnehmer*innen. Er machte ebenso deutlich, dass die Flensburger Politik derzeit nicht nur das Vertrauen der Bürger*innen verspiele, sondern gleichzeitig mit ihren Entscheidungen wertvolle Naturflächen vernichte und vorrangig die privaten Interessen von Investoren und Bauspekulanten bedienen würde. Ohne dass die Bürger*innen die Möglichkeit hätten, angemessen gehört und beteiligt zu werden. So dürfe es nicht mehr weitergehen. Deshalb bedürfe es einer grundsätzlichen Wende in der Stadt. Seine Rede ist hier nachzulesen: Auftakt_Rede Guenter Strempel

Dass die vielgescholtenen Flensburger Kommunalpolitiker*innen sich mehrheitlich die Chance entgehen ließen, mit den Protestlern ins Gespräch zu kommen, war außerordentlich schade. Es wäre sicherlich ein spannender Dialog geworden. Trotz Einladung an die Ratsfraktionen, bei denen lediglich Arne Rüstemeier von der CDU sich ebenso wie die Grünen, die allerdings nur über ihre Fraktions-Geschäftsführerin, per Mail entschuldigte und eine Absage erteilte, war LINKE-Ratsfrau Gabi Ritter die einzige Kommunalpolitikerin, die den Weg in den Carlisle-Park fand und von der Baum-Aktion besonders angetan war.

LINKE-Ratsfrau Gabi Ritter unterstützt die Kritik und die Forderungen der Protestierenden im Carlisle-Park

Sie unterstützt die Kritik und Forderungen der Aktivisten voll und ganz und zweifelt daran, dass angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise der geplante Hotelneubau am Bahnhof tatsächlich irgendwann realisert werden kann. Sie sieht ebenso keinen Grund ausgerechnet den Bahnhofswald dafür zu opfern.

Sie fordert gleichzeitig ein völlig neues Denken und eine neue Debatte zur zukünftigen Entwicklung Flensburgs. Angesichts der drohenden wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Folgen der Corona-Krise stünden die Stadt Flensburg und die Kommunalpolitiker*innen vor Herausforderungen, die mit einem „Weiter so“ nicht zu bewältigen seien. Das gelte insbesondere für die Stadtplanung, die Kultur- und Bildungseinrichtungen, den Wohnungsbau, städtische Investitionsvorhaben, wie die Verlagerung des Wirtschaftshafens und viele weitere Dinge.
Um das wirklich sozial fair und nachhaltig zu bewältigen, braucht es ganz erheblich mehr Bürgerbeteiligung und Demokratie in der Stadt, so Gabi Ritter.

Fasst man die Kundgebung zusammen, dann war doch sehr überraschend, wie trotz Corona viele Flensburger*innen weiterhin bereit sind, sich mit viel Kreativität, Sachverstand und Engagement in die Politik einzumischen. Bei den Gesprächen mit den Teilnehmer*innen und Gabi Ritter war zudem festzustellen, dass die Sorge um die zukünftige Entwicklung in der Stadt außerordentlich groß ist. Groß ist aber auch das Bedürfnis, die möglichen Probleme und Aufgaben mit den Entscheidungsträgern aus Verwaltung und Politik zu lösen und gemeinsam Handlungsalternativen zu entwickeln. Offensichtlich hat man aber im Rathaus und in den Parteien mehrheitlich nicht begriffen, dass dieses bürgerschaftliche Engagement, das Wissen und die Lebenserfahrung dieser Menschen eine große Ressource sind, die man zur Bewältigung der Krise und ihrer Folgen unbedingt nutzen sollte. Bezieht man die Menschen nicht mit ein, oder agiert mit ihnen nicht fair und auf Augenhöhe, wird es weitere und möglicherweise noch schärfere Konflikte in der Stadt geben.

Zum Abschluss:

Manchmal müssen auch nach der Wende die Dinge noch mal richtig gestellt werden, so der Unterstützer und Musiker Ueze Oldenburg…

Nachtrag

Untenstehend der Bericht über die Aktion von Marc Reese in der Flensborg Avis vom 13.05.2020 Überschrift übersetzt: „Ein toter Baum wird gefüllt mit Leben.“ 

Kundgebung am 12. Mai im Carlisle Park: Wald ist Zukunft – Bahnhofswald retten!

Aufruf zur Kundgebung im Carlisle-Park
am Dienstag, d. 12.Mai 2020 um 11.00 Uhr

Umdenken ist an der Zeit! Natur verlangt mehr denn je unseren Schutz. Und das gilt insbesondere für ein Stück Natur, das vor unserer Haustür liegt. Mitten in der Stadt blieb er bis heute erhalten und ist nun akut bedroht: der Flensburger Bahnhofswald. Er bietet dringend benötigten Lebensraum für eine Vielzahl von Vögeln und streng geschützte Fledermausarten. Innerstädtische Wälder sind unschätzbar wertvolle Refugien der Artenvielfalt in Zeiten des schlimmsten Artensterbens seit der Zeit der Dinosaurier. Trotzdem sollen wertvolle Bäume gefällt werden für den Bau eines Hotels und eines Parkhauses.

Hier zwei weitere Betonburgen hinzusetzen steht in krassem Widerspruch zu allen Klimaschutzzielen, die von der Flensburger Kommunalpolitik verkündet wurden. Die vorliegenden Pläne offenbaren ein veraltetes Verkehrskonzept und einmal mehr die alte Orientierung an Wachstum und Profit.

Kein Wunder, dass sich der Widerstand gegen das Bauvorhaben immer stärker formiert. Ablesbar an unzähligen, ablehnenden Stellungnahmen von Naturverbänden, Beiräten und Einzelpersonen; eine Online-Petition wurde mehr als 78.000 mal unterschrieben.
Wir wollen diesen Widerstand auch in Corona-Zeiten sichtbar machen bei einer Kundgebung in unmittelbarer Nachbarschaft des Bahnhofswalds: Wir treffen uns auf der großen Rasenfläche im Carlislepark am Dienstag, den 12. Mai 2020 um 11.00 Uhr!
Mitglieder der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg bereiten eine Baum-Aktion vor, die bildlich zum Ausdruck bringt, warum Wald Zukunft bedeutet.

Alle, die kommen wollen, um den Widerstand gegen das Bauvorhaben zu unterstützen, bitten wir, sich entsprechend den geltenden Corona-Regeln zu verhalten. Tragt Masken, um andere zu schützen, und haltet mindestens den vorgeschriebenen Abstand ein, um euch selbst nicht zu gefährden.

V.i.S.d.P.: Christiane Schmitz-Strempel, flensburg@attac.de

Mehr zum Thema Bahnhofswald und dem geplanten Hotel- und Parkhausprojekt hier

Corona und der Bahnhofswald

Bahnhofswald

Bahnhofswald: Das Flensburger Naturhabitat ist die Heimat seltener Fledermausarten und soll für den Bau eines Hotels der Axt zum Opfer fallen.   – Foto: Marco Johns

Was die miteinander zu tun haben?  Lassen Sie es mich erklären.

Ein Beitrag von Dr. med. Helmreich Eberlein

Das neuartige Corona-Virus ist ein Erreger, der eigentlich in Fledermäusen lebte, und, vermutlich erst auf Schuppentiere und von diesen auf einem Markt in China auf Menschen übergesprungen ist und sich an sie angepasst hat. Solche Entwicklungen gibt es immer wieder und zunehmend häufig; bei Ebola, SARS, HIV, MERS war es ähnlich. Die Wissenschaft erklärt dies mit der zunehmenden Zerstörung von Lebensräumen durch den Menschen. Die Zeitung „Le Monde Diplomatique“ schreibt darüber: „Durch die Zerstörung der Lebensräume droht zahlreichen Arten die Aus­rot­tung …. Den überlebenden Arten bleibt nichts anderes übrig, als sich in die reduzierten Lebensräume zurückzuziehen, die ihnen die menschlichen Siedlungen übrig lassen. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie in engen Kontakt mit Menschen kommen, und so können Mikroben, von denen sie besiedelt sind, in unsere Körper gelangen, wo sie sich möglicherweise in tödliche Krankheitserreger verwandeln. … Wenn man die Bäume der Fledermäuse fällt, zwingt man sie, auf Bäume in unseren Gärten und auf unseren Farmen auszuweichen.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hielt am 2.4. dazu eine Pressekonferenz, auf der sie erklärte: „Jetzt ist die Zeit für akute Krisenbekämpfung. Aber es wird eine Zeit nach der Pandemie geben. Spätestens dann sollten wir die Ursachen dieser Krise verstanden haben, um für die Zukunft besser vorbeugen zu können. Die Wissenschaft sagt uns, dass die Zerstörung von Ökosystemen Krankheitsausbrüche bis hin zu Pandemien wahrscheinlicher macht. Das zeigt: Die Naturzerstörung ist die Krise hinter der Coronakrise. Umgekehrt gilt: Gute Naturschutzpolitik, die vielfältige Ökosysteme schützt, ist eine wichtige Gesundheitsvorsorge gegen die Entstehung neuer Krankheiten.“ Zitiert wurde Professor Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung: „Der Erhalt intakter Ökosysteme und ihrer typischen Biodiversität kann das Auftreten infektiöser Krankheiten generell reduzieren.“

Bezogen auf Flensburg bedeutet das: Artenschutz und der Erhalt von naturnahen Lebensräumen muss einen viel höheren Stellenwert in der Stadtplanung bekommen. Grundsätzlich und bei allen Vorhaben. Nicht zuletzt aber auch am Bahnhofswald. Es ist einfach keine gute Idee, den Lebensraum von ums Überleben kämpfenden Fledermausarten noch weiter einzuschränken und ein Hotel mit vielen Menschen unmittelbar daneben zu setzen. Die Stadt sollte stattdessen diesen Lebensraum unter Schutz stellen!

 

Hotelprojekt am Bahnhofswald: Ein Segen für den Flensburger Arbeitsmarkt?

Bahnhofswald

Bahnhofswald: Das Flensburger Naturhabitat soll für den Bau eines Hotels der Axt zum Opfer fallen. Die Befürworter sprechen von angeblich 100 neuen Arbeitsplätzen  – Foto: Marco Johns

Ein Leserbrief von Sabine Scholl, Flensburg

Die medial verbreitete Botschaft lautet zwar, die Flensburger Bürger unterstützten das Bauprojekt mehrheitlich und alles sei ohnehin schon in trockenen Tüchern. Aber dem ist nicht so, und es gibt noch einiges zu sagen.

Intelligente Verkehrskonzepte ohne das Parkhaus am geplanten Ort und machbare Standortalternativen wurden immer wieder vorgeschlagen – und ebenso konsequent ignoriert.

Nun soll das Hotelprojekt den Flensburgern 100 Arbeitsplätze bescheren. Ein Blick auf die Internetseite der Hotelkette lässt jedoch Zweifel daran entstehen. Die Nachfrage in einem Intercity Hotel vergleichbarer Größe ergab folgendes:

Dort werden 25 bis maximal 30 Mitarbeiter beschäftigt. Den Zimmerservice stellt eine angeheuerte Firma, die etwa 10 Arbeitskräfte einsetzt. Schwer anzunehmen, dass am Standort Flensburg ein innovativeres Personalkonzept verwirklicht wird. Die Huazhu Group, Shanghai, die sich bei Steigenberger eingekauft hat, wird eventuell einen geringeren Personalschlüssel ansetzen, da das chinesische Unternehmen natürlich reine Profitmaximierung verfolgt. Daran ändern auch die sozial- und umweltverträglichen Konzepte nichts, mit denen die Intercity Hotels werben. Wie die Huazhu Group angesichts der derzeitigen Krise jetzt und in Zukunft dasteht, ist auch ungewiss.

Nico Semsrott beschrieb es in einer Satireshow einmal so: „Bei Arbeitsplätzen geht es gar nicht um Logik, um richtige oder falsche Entscheidungen – es geht um Arbeitsplätze! Und Arbeitsplätze sind immer das Totschlagargument.“

Recht hat er.

Warum also nicht noch eine Weile warten, bis zum Beispiel das Brauereigelände neue Möglichkeiten eröffnen wird, oder ein anderer Standort, an dem ein wirklich angemessenes  und zukunftsweisendes Gesamtkonzept verwirklicht werden kann?

Ratsfraktion der WiF spricht sich gegen Hotelneubau am Bahnhofswald aus

Die Ratsfraktion der Wählergemeinschaft Wir in Flensburg (WiF) spricht sich gegen das geplante Hotel in Nachbarschaft der Hauptpost an der Bahnhofstraße aus. In einer Mitteilung der Fraktion heißt es:

Das Hotel an der heruntergekommenen Hauptpost ist aus Sicht der WiF-Ratsfraktion kein attraktiver Standort für ein Hotel. In der näheren Bahnhofsumgebung entsteht ein komplett neuer Stadtteil in dem es weitaus bessere Optionen für einen Hotelstandort dieser Größe und Qualität gibt. Darüber hinaus teilen wir die Befürchtungen der Flensburger Einwohnerinnen und Einwohner, dass der Neubau an dieser Stelle einen ökologisch als auch geologisch bedenklichen Eingriff mit vermutlich weitreichenden heute schwer absehbaren Folgen für diesen Standort und alle Nachbargebäude haben wird.

Wahrnehmungsstörungen? Leserbrief von Claus Kühne zum Hotelprojekt am Bahnhofswald

Claus Kühne ist Anwohner der Schleswiger Straße und vom Bauprojekt direkt betroffen

Wahrnehmungsstörungen ?

Wenn eine Planung so verfahren ist, wie die Planungen des Hotels / Parkhauses am Bahnhof, sollte man einmal an den Beginn der Planungen erinnern bzw. dorthin zurückkehren.

In der Beschlussvorlage RV-102/2017 vom 28.6.2017 wird eine Zielsetzung wie folgt begründet:

Zitat: „Die Planung verfolgt das Ziel, den Standort der Hauptpost neu zu entwickeln und wesentliche städtebauliche Impulse für die Entwicklung des Bahnhofsumfeldes anzustoßen. Hierzu sollen Optionen einer Entwicklung von Gewerbe- oder Wohnnutzung mit „kleinteiligem“ Einzelhandel geprüft werden. Weiterhin sollen Entwicklungsmöglichkeiten für die Ansiedlung von Beherbergungsbetrieben mit einer öffentlich zugänglichen „Parkpalette“ geschaffen werden.“  

Eigentlich eine gute Idee, der  sicherlich die meisten Bürger hätten zustimmen könnten.

Nur was wurde aus den Planungen? Aus der angedachten „Parkpalette“ wurde ein überdimensioniertes Parkhaus und aus „kleinteiligem Einzelhandel und Beherbergungsbetrieben“ ein für diese Gegend monströses Hotel und das mitten in einen für die Innenstadt wichtigen, durch das Umweltministerium  anerkannten, Habitatwald.

So ärgerlich es jetzt für die Investoren sein mag, das Technische Rathaus und Parteien hätten rechtzeitig auf die groben Abweichungen von der o.g. Beschlussvorlage RV-102/2017 verweisen müssen; ein Versagen der entsprechenden Gremien!

Vor der letzten bedauerlichen SUPA-Sitzung bekamen die SUPA-Mitglieder ein „mutiges“ Schreiben des Investors „JARA“, in dem zu lesen ist:

Zitat: „Der Zuspruch aus der Bevölkerung, aus Unternehmen, aus Politik, Kultur und Verwaltung der letzten Monate aber insbesondere der letzten Wochen nach ihrer letzten Sitzung geben uns den Optimismus, dass das Gesamtprojekt in Flensburg bei deutlicher Mehrheit eine positive Resonanz findet. Wir fühlen uns deshalb ermutigt und verpflichtet, im Bahnhofsviertel Flensburg und für Flensburg an dieser Stelle ein tolles zukunftsträchtiges und für das Bahnhofsviertel richtungsweisendes Projekt zu errichten.“

Zeigen sich hier Wahrnehmungsstörungen? Die Realität sieht vollkommen gegensätzlich  aus!

Gegen das Projekt haben sich ausgesprochen:

  1. Der Umweltbeirat
  2. Der Gestaltungsbeirat
  3. Der Verschönerungsverein
  4. Alle fünf Umweltverbände
  5. 211 Seiten Einwendungen d.h. von etwa 60 Flensburger Bürgern.

Zudem wurde am 18.2.2020  durch eine Gruppe besorgter Bürger *innen eine

„Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg“ gegründet, mit dem Ziel, sich besonders für das geschützte Grün einzusetzen.

Die o.g. „Wahrnehmungsstörungen“ könnten möglicherweise virulent (ansteckend) sein, denn mehreren Mitgliedern des SUPA scheint der Widerstand der Bürger*ìnnen nicht bekannt zu sein, oder egal.

Claus Kühne

 

Leserbrief zum Hotelprojekt am Bahnhofswald von Sabine Scholl

Bahnhofswald

Bahnhofswald: Das Flensburger Naturhabitat beherbergt über 140 Jahre alte Bäume und geschützte Fledermäuse und soll für den Bau eines Hotels der Axt zum Opfer fallen.  – Foto: Marco Johns

Die Zeiten klimawandeln sich – Entscheidungen müssen neu überdacht werden!

Muss dieses Bauvorhaben an dieser Stelle um jeden Preis gebaut werden, nur weil ein Investor es kann?

Die Darstellungen, mit denen JARA Immobilien werben, geben nicht die Realität wieder. Vor dem Gebäude wird es keine Bäume und dahinter keinen Wald mehr geben. Das Unterholz bis zum Wohngebäude am Bahnhof wird zwangsläufig komplett ausgeräumt. Man möchte aber hier den Eindruck erwecken, der riesige Siebenstöcker schmiege sich harmonisch in die Natur ein. Der Realitätsschock wird zu spät kommen.

Wie es sich auswirken wird, wenn dort eine fünf Meter tiefe Baugrube ausgehoben wird, ist noch unklar. Das Gutachten über die Hangstabilität soll eventuell nach Baubeginn erstellt werden. Wo doch aber gerade vor wenigen Tagen in Glücksburg ein Hang hinter einer Villa abrutschte, mutet das blauäugig an.

Bedeutet  im Jahr 2020 der Erhalt dieses Biotops mit seinen dort lebenden und zu schützenden Arten einen Stillstand für die Stadtentwicklung?
Wer berücksichtigt die unermüdliche und effektive Klima-Arbeit, die dieser Wald leistet und von denen die Flensburger schließlich profitieren?

„Dieser Eingriff in die Natur ist zu massiv“, und „es ist doch zu viel Fläche, die neu versiegelt wird“, so drückte es ein Mitglied der Grünen aus, einer derjenigen, die den Mut hatten,  es sachlich und ehrlich zu beurteilen und nach anderen Lösungen zu suchen.

Immer mehr Flensburger wollen kein „Augen zu und durch!“, nur weil der Weg vor Jahren einmal so eingeschlagen wurde und damals gut erschien!

Sabine Scholl, Flensburg

Leserbrief zum Hotelprojekt am Bahnhofswald von Christiane Schmitz-Strempel

Bahnhofswald

Bahnhofswald: Das Flensburger Naturhabitat beherbergt über 140 Jahre alte Bäume und geschützte Fledermäuse und soll für den Bau eines Hotels der Axt zum Opfer fallen.  – Foto: Marco Johns

Auch wenn die Investoren des geplanten Bahnhofshotels und des Parkhauses behaupten, es gäbe eine weitreichende Akzeptanz für ihr Projekt in der Flensburger Bevölkerung. Diese Akzeptanz gibt es nicht!

Von den zuständigen Politikern und den Investoren wird allerdings versucht, den Flensburgern durch falsche Angaben und Schönfärbereien Sand in die Augen zu streuen, damit sie die tatsächlichen Folgen der Zerstörung des Bahnhofwaldes erst begreifen, wenn es zu spät ist. Ratsherr Edgar Möller, Mitglied im zuständigen Ausschuss und Mitglied im Aufsichtsrat des Selbsthilfe Bauvereins sollte mit der Geschossanzahl eines geplanten Gebäudes absolut vertraut sein. Auf dem letzten Stadtteilforum Rude am 19.02.2020, das Herr Möller moderierte, fragte ich ihn, wie viele Stockwerke das Hotel bekommen wird. Seine Antwort kam sehr zögerlich:“Jaa, weiß ich gar nicht so genau; ich glaube, es werden drei Stockwerke.“

Dieses „Nichtwissen“ ist wenig glaubhaft, Herr Möller! Jeder, der sich in die Planungsunterlagen eingearbeitet hat, weiß sehr gut, dass das Hotel sieben Stockwerke haben wird! Ein Politiker, der sich wie Herr Möller seit vielen Jahren mit Bauplanung befasst, weiß das auch genau und hat offensichtlich gute Gründe den Flensburgern die Wahrheit vorzuenthalten.

Auch die Behauptung, es werde ein größerer Teil des Waldes stehenbleiben, ist falsch! Nach ausführlicher Auskunft der unteren Forstbehörde wird kein Stück des Waldes übrigbleiben können, da der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand zwischen einem Wald und einem Gebäude sonst nicht eingehalten werden kann. Einige wenige große Bäume sollen zunächst (!) stehenbleiben.  Aber: Auch die Bäume, die übrigbleiben, werden allein durch den Einsatz der großen Baumaschinen in ihrem Bestand gefährdet und wahrscheinlich so stark beschädigt, dass sie ebenfalls gefällt werden müssen.

Den Fledermäusen, den Vögeln, den Insekten, allen Bewohnern des Bahnhofswaldes wird die Lebensgrundlage komplett entzogen. Und was bleibt übrig?: Ein zerstörtes Biotop eingerahmt von einer winzigen Heckenanpflanzung und daneben ein dunkelbrauner, riesengroßer Betonklotz Hässlichkeit: das Intercity Hotel Flensburg samt Parkhaus.

Christiane Schmitz-Strempel

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel

Bahnhofswald: Mit Fake-News die Öffentlichkeit hinters Licht führen

Steckbriefe an den Bäumen im Bahnhofswald: „Ich bin zu klein und wurde in der Planungs nicht einmal als Baum berücksichtig“ –  Foto: Marco Johns

Es reicht langsam, wie sich auch manche Grüne als Lobbyisten der Hotelinvestoren betätigen und den Hotelprojekt-Gegnern und Naturschützern Fake-News unterstellen. Das Gegenteil ist der Fall, Verwaltung, Politik und Investoren versuchen mit Relativierungen, Ungenauigkeiten und Falschbehauptungen für das Hotelprojekt zu werben und die geplante, weitgehende Abholzung des Bahnhofswalds klein zu reden. So wird sogar verbreitet, das sei kein Wald, sondern ein „Knick“, ein „waldartiges Gehölz“ etc. Doch das nebenstehende Schreiben des Umweltministeriums in Kiel lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um einen Wald handelt.

Und tatsächlich handelt es sich um einen Wald!

Tatsächlich werden ein Großteil der Bäume auf dem Gelände für das geplante Hotel und Parkhaus, wie aber auch der Jungwuchs, der per amtlicher Definition (Alter, Stammumfang, Höhe) nicht als Baum bezeichnet wird, der Säge zum Opfer fallen. Dazu gehört übrigens auch ein über 100-jähriger Haselnußstrauch.

Das sind allein rund 50 stattliche, teilweise bis zu 140 Jahre alte Bäume. Zusätzlich werden zahlreiche Bäume zwar nicht gefällt, werden aber durch die Bauarbeiten massiv geschädigt und absterben. Auch dies liegt in einer Größenordnung von etwa 15-20 Bäumen. Der angebliche neue „Park“ hat in keinem Fall mehr die ökologische Bedeutung und Besonderheit des alten Walds. Und als Park wird er auch für die Öffentlichkeit nur bedingt zugänglich sein, weil der Hang Richtung Bahnhofstraße viel zu steil ist. Und dann von einer ökologischen Aufwertung der Fläche zu sprechen ist geradezu zynisch und unverschämt. Und im Übrigen werden auch auf dem Gelände für das Parkhaus 5 Bäume gefällt. In unmittelbarer Nähe des geplanten Parkhauses nochmal drei stattliche Bäume. Zu diesen Daten auch der entsprechende AKOPOL-Beitrag vom 28.09.2019 mit den Planzeichnungen für die angedachten Fällungen:

„Hilf mir!“ – Steckbrief- und Cleanup-Aktion für den Erhalt des Flensburger Bahnhofswalds https://akopol.wordpress.com/2019/09/28/hilf-mir-steckbrief-und-cleanup-aktion-fuer-den-erhalt-des-flensburger-bahnhofswalds/

 

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