Abbruch vertagt: Eine Woche Galgenfrist für Bunnies Ranch

Kehraus auf Bunnies Ranch – Foto: Jörg Pepmeyer

Bisher kein Ausweichquartier für Bunnies Ranch

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Eigentlich sollte am heutigen Dienstag endgültig Schluss sein. Schluss mit  einem Kultur- und Naturprojekt im Bahnhofstal, das über Jahre hinweg mit vielerlei Aktionen, Werkstatt-Veranstaltungen, künstlerischen Events und naturpädagogischen Veranstaltungen eine außerordentliche Bereicherung für die Stadt und ihre Bevölkerung war.

Ende letzten Jahres hatte die Kommunalpolitik entschieden, dass der Pachtvertrag für das etwa einen halben Hektar große Gelände im Bahnhofstal über den 28. Februar hinaus mit dem Verein Bunnies Ranch nicht mehr verlängert wird. Ein Versuch des Vereins am 7. Februar in einem Treffen mit Oberbürgermeisterin Simone Lange, dem Geschäftsführer der Sanierungsgesellschaft (IHRSan), Markus Pahl und dem Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung, Axel Kohrt (SPD) doch noch eine Lösung für die weitere Fortführung der Vereinsarbeit im Bahnhofstal zu finden, scheiterte. Axel Kohrt machte kompromisslos klar, die Ratsmitglieder hätten halt so entschieden und dass sei nun das Aus für Bunnies Ranch Ende Februar. Eine Ausweichfläche wurde dem Verein jedoch nicht angeboten.  Auch der Offene Brief, mit dem der Verein Bunnis Ranch Mitte Februar die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung bat, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen, um mögliche Alternativen auszuloten, blieb unbeantwortet.

Ortsbegehung: Bunnies Ranch Vorstandsfrau Hanna Kalkutschke im Gespräch mit Markus Pahl von IHRSan (Mitte) und einem Mitarbeiter des von der Stadt beauftragten Abbruch-Unternehmens – Foto: Jörg Pepmeyer

Am Ende war für den 1. März um 10 Uhr die Übergabe des Arreals am Mühlendamm 19 mitsamt des dort befindlichen und vom Verein genutzten Gebäudes an die Stadt bzw. den Sanierungsträger vereinbart. Pünktlich erschien dann heute Markus Pahl vom Sanierungsträger IHRSan, um das Ganze im Rahmen einer Begehung zusammen mit den Vereinsverantwortlichen Hanna Kalkutschke, Bianca Möller und Sebastian Reincke  zu begutachten und die Abnahme zu machen. Ebenfalls dabei ein Mitarbeiter des von der Stadt für die Abbrucharbeiten beauftragten Unternehmens.

Fristverlängerung bis nächste Woche Dienstag

Begleitet wurden sie von PressevertreterInnen und einer Kommunalpolitikerin sowie von UnterstützerInnen, die bereits schon seit dem Wochenende beim Kehraus und Entrümpeln mitgeholfen hatten. Ebenso waren etliche AktivistInnen der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel erschienen. Es zeigte sich jedoch sehr schnell, dass es noch viel zu tun gibt und der avisierte Übergabetermin so nicht gehalten werden kann. Zwar bestand Markus Pahl anfangs darauf, dass bis spätestens morgen früh um acht Uhr alles erledigt sein und das Gelände quasi besenrein vom Verein übergeben werden müsse. Wenig später entschied er sich dann aber, wohl auch nach Rücksprache mit seinen Mitarbeitern, die Frist für die endgültige Übergabe um eine Woche zu verlängern. Eine Galgenfrist, wie einige auf dem Platz meinten. Anschließend soll ein Abbruchunternehmen das Gebäude abräumen und alles planiert werden.

Bunnies Ranch Vorstandsfrau Bianca Möller und die Künstlerin Elke Mark im Gespräch mit einer Journalistin des shz – Foto: Jörg Pepmeyer

Vielfache Kritik am Vorgehen der Stadt

Das und die kompromisslose Haltung der Stadt und Kommunalpolitik ist Anlass für vielfache Kritik. Denn bisher ist auch nicht ansatzweise klar, wie und wann das Gelände genutzt oder bebaut werden soll. Christiane Schmitz-Strempel, Aktivistin der BI Bahnhofsviertel und bis Mitte Dezember Mitglied im Umwelt- und Planungsausschuss sieht überhaupt keine Notwendigkeit Bunnies Ranch aus dem Bahnhofstal zu vertreiben.

Denn tatsächlich existiert bis heute lediglich ein Rahmenplan, der allenfalls eine grobe städtebauliche Entwicklung des Bahnhofstals und der zumeist in städtischem Eigentum befindlichen Flächen skizziert und vor kurzem per SUPA-Beschluss forgeschrieben wurde. Ein verbindlicher Bebauungsplan und Investoren, die die Absicht haben und das Geld mitbringen, um dort Wohnungen zu bauen, sind am stadtplanerischen Horizont bisher nicht auszumachen.

Wollen nicht aufgeben und hoffen weiterhin auf ein Angebot der Stadt: Der Vorstand des Bunnies Ranch e. V. (von links) Bianca Möller, Hanna Kalkutschke und Sebastian ReinckeFoto: (c) Bunnies Ranch

Im Übrigen dürfte eine Bebauung nicht unproblematisch sein. Das gesamte Bahnhofstal mit seinen Bachläufen ist außerordentlich feucht und streckenweise sumpfig, der Boden großflächig durch den Betrieb eines ehemaligen Bahnbetriebswerks kontaminiert. Es gibt sicherlich optimaleren Baugrund in Flensburg, was die Investoren offensichtlich veranlasst, eben nicht Schlange zu stehen.

Unnötiger Zeitdruck

Umso unverständlicher ist, warum ein derartiger Zeitdruck aufgebaut wird. Das erinnert stark an das Vorgehen der Stadt beim VfB-Nordmark-Gelände, in direkter Nachbarschaft zu Bunnies Ranch. Dort hatte die Stadt vor rund acht Jahren nach der Insolvenz des VfB Nordmark Tatsachen geschaffen und den Sportplatz mitsamt den zugehörigen Gebäuden und den Tennisplätzen ohne Not dem Erdboden gleich gemacht. Das, obwohl etliche Sportvereine in Flensburg dringend Sportplätze zum Austragen von Fußballspielen und für ihr Training benötigen. Der dafür verantwortliche Fachbereichsleiter, der immer wieder betonte einen besonders guten Draht zu den Akteuren der Bau- und Immobilienwirtschaft zu haben, ist heute im Ruhestand. Aber seine Ideen und Vorstellungen geistern offensichtlich immer noch in der Flensburger Politik und Stadtverwaltung herum.

Die einzige Erklärung dafür ist, dass die Stadt mit dem Segen der Kommunalpolitik auf Biegen und Brechen Investoren und Bauspekulanten anlocken will, indem sie ihnen baureife und planierte Brachflächen möglichst preiswert anbietet. Unabhängig von der tatsächlichen Notwendigkeit und auf Kosten der dort befindlichen Projekte. Das zeigt nicht nur  das Beispiel Bunnies Ranch, sondern das betrifft auch das Kühlhaus, das ebenfalls von seinem Standort verschwinden soll. Oder auch den Konflikt um die ehemalige Luftschloss-Fabrik an der Harniskaispitze.

Eine derartige „Stadtplanung“ ist jedoch nicht sozial, nachhaltig, dialog- und kompromissbereit, sondern bedient lediglich die Profitinteressen einiger weniger und ist zum Scheitern verurteilt, weil sie den Widerstand der Zivilgesellschaft geradezu heraufbeschwört und das Vertrauen der BürgerInnen in die Verwaltung und Politik untergräbt.

Für die Aktiven von Bunnies Ranch ist das sicherlich kein Trost, aber umso mehr sollte sich die Stadt deshalb bemühen dem Verein zeitnah ein alternatives Grundstück zur Verfügung zu stellen.

Weitere Infos: www.bunniesranch.de

Nicht alle trotzen dem Ganzen mit Galgenhumor – Foto: Jörg Pepmeyer

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Veröffentlicht am 1. März 2022, in Ökologie, Bahnhofsviertel, Bahnhofswald Flensburg, Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Inklusion und Integration, Kultur, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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