Flensburger Arbeitslosenquote im Juni 2018 weiterhin bei 8,3 %

25 Arbeitslose weniger als im Vormonat – Arbeitslosenquote durch verdeckte Arbeitslosigkeit in Flensburg weitaus höher

Zahl der Flensburger SGB II-Regelleistungsberechtigten („Hartz IV“) steigt im Juni  um 32 auf 11.663 Personen

Arbeitsmarkt:

Im Stadtgebiet Flensburg sank die Zahl der Arbeitslosen nach Angaben der Agentur für Arbeit Flensburg im Juni 2018 im Vergleich zum Vormonat um 25 (-0,6 Prozent) auf 4.321.  Im Vorjahresvergleich sank die Zahl der Arbeitslosen im Juni 2018 um 166 (3,7 Prozent).
Die Arbeitslosenquote lag damit wie im Vormonat bei 8,3 Prozent (Juni 2017: 8,9 Prozent)

17 offene Stellen mehr als im Vormonat – 9 mehr als im Juni 2017

832 sozialversicherungspflichtige Stellen waren in der Stadt Flensburg zu vergeben, 9 oder 1,1 Prozent mehr als vor einem Jahr, +17 oder +2,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der größte Bedarf bestand bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (215), im Handel (137) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (88).

Ausbildungsstellenmarkt:

Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2017 meldeten sich in der Stadt Flensburg 663 Bewerber für Berufsausbildungsstellen, genau so viel wie im Vorjahreszeitraum. Zugleich gab es 768 Meldungen für Berufsausbildungs-stellen, ein Plus von 0,7 Prozent.

Top 5 der gemeldeten Ausbildungsstellen:

1. Kaufmann/-frau im Einzelhandel
2. Verkäufer/in
3. Kaufmann/-frau – Büromanagement
4. Fachmann/-frau für Systemgastronomie
5. Handelsfachwirt/in (Ausbildung)

Top 5 der gesuchten Ausbildungsplätze:

1. Verkäufer/-in
2. Kaufmann/-frau – Büromanagement
3. Kaufmann/-frau im Einzelhandel
4. Medizinische/r Fachangestellte/r
5. Kraftfahrzeugmechatroniker – PKW-Technik

Entwicklung des Arbeitsmarktes im Agenturbezirk Flensburg

Quelle: Bundesagentur für Arbeit / Agentur für Arbeit Flensburg

Tatsächliche Arbeitslosenquote in Flensburg aufgrund der verdeckten Arbeitslosigkeit bei mindestens 12%

Die genannten Arbeitslosenzahlen der Flensburger Arbeitsagentur beeinhalten jedoch nicht die Menschen, die sich in der sog. verdeckten Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung befinden. In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt.

Komponenten der Unterbeschäftigung: Zahlen für den gesamten Agenturbezirk Flensburg

Arbeitsmarktreport der Agentur für Arbeit Flensburg, Juni 2018, S. 9

Für den gesamten Agenturbezirk Flensburg, also mit den Geschäftsstellenbezirken Flensburg, Husum, Kappeln, Niebüll, Schleswig, Westerland und Tönning, ergibt sich im Juni 2018 eine Zahl von 14.071 Arbeitslosen (Vormonat  14.598 ), zuzüglich der Unterbeschäftigung sind es jedoch 18.793 (Vormonat  19.337). Nicht inbegriffen in der offiziellen Arbeitslosenstatistik sind aber auch die Arbeitslosen, die aufgrund von Alter, Krankheit oder sonstigen Gründen als nicht mehr vermittelbar gelten und/oder vorzeitig zwangsverrentet wurden und in den SGB-XII-Leistungsbereich fallen.  (Mehr dazu auch im Arbeitsmarktreport für_AA 119 Flensburg_201806 ) Entsprechend sind prozentual auch die tatsächlichen Arbeitslosenzahlen in Flensburg erheblich höher, wie die gleich folgenden Zahlen verdeutlichen.

Arbeitsuchende werden bei der Arbeitslosenquote nicht mitgerechnet

Über 5.000 Arbeitsuchende tauchen in der Statistik des Geschäftsstellenbereichs Flensburg nicht als Arbeitslose auf

Zu der offiziellen Zahl Arbeitslosenzahl kommen noch die Arbeitslosen hinzu, die aus dem Leistungsbezug des ALG I rausgefallen sind, keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben und als arbeitsuchend gemeldet sind. Unten die Zahl der Arbeitsuchenden im Geschäftsstellenbereich Flensburg, der die Stadt Flensburg und Randgemeinden umfasst.

Eckwerte des Arbeitsmarktes für den Geschäftsstellenbereich Flensburg

Arbeitsmarktreport der Agentur für Arbeit Flensburg, Juni 2018, S. 20

Zahl der Arbeitsuchenden im Geschäftstellenbereich Flensburg sinkt im Vergleich zum Vormonat nur um 55 (-0,5%) auf 11.327 Personen

Somit betrug die Zahl der Arbeitsuchenden im Juni 2018 im Geschäftsstellenbereich Flensburg insgesamt 11.327 Personen, im Vormonat waren es 11.382. Das sind zur  Zahl der gemeldeten Arbeitslosen von 6.310 im Geschäftsstellenbereich Flensburg noch mal 5.017 Personen zusätzlich (siehe Arbeitsmarktreport für_AA 119 Flensburg_201806 S. 20).

Damit dürfte auch die eigentliche Zahl der Arbeitslosen in Flensburg im Juni 2018 nicht 4.321 betragen haben, sondern lag hochgerechnet bei mehr als 6.000 Personen und die tatsächliche Arbeitslosenquote bei mindestens 12%.

Etwas weniger Arbeitsuchende im Agenturbezirk

Für den gesamten Agenturbezirk Flensburg, also mit den Geschäftsstellenbezirken Flensburg, Husum, Kappeln, Niebüll, Schleswig, Westerland und Tönning, lag im Juni 2018 die Zahl der Arbeitsuchenden und inklusive der statistisch registrierten Arbeitslosen bei 24.462 Personen und damit um 248 (-1,0%) unter der vom Mai 2018 mit 24.710 Personen (siehe Arbeitsmarktreport für_AA 119 Flensburg_201806 S. 6). Dies sind im Vergleich zu den für den Agenturbezirk offiziell gemeldeten Arbeitslosenzahl von 14.071 aber immer noch 10.391 Personen zusätzlich. Darunter fallen wieder die Arbeitslosen, deren Arbeitslosengeld I ausgelaufen ist und die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II nach dem SGB II haben oder die auf Inanspruchnahme derartiger Leistungen verzichten. Sie gelten daher ebenso nicht als arbeitslos im eigentlichen Sinne und tauchen in der Arbeitslosenstatistik nicht auf.

Und die von der Agentur für den Juni 2018 offiziell gemeldete Arbeitslosenquote liegt im gesamten Agenturbezirk Flensburg bei 5,6 Prozent. (Vorjahr 6,3 Prozent, Vormonat 5,8 Prozent). Diese Quote dürfte aber angesichts der vorangegangenen Erläuterungen ebenso erheblich höhher liegen

Eckwerte des Arbeitsmarktes für den Agenturbezirk Flensburg

Arbeitsmarktreport der Agentur für Arbeit Flensburg, Juni 2018, S. 6

Die Juni-Zahlen des Jobcenter Flensburg

Die Zahl der SGB II-Bedarfsgemeinschaften in Flensburg fällt um 11, im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöht sie sich aber um 77.

Die Zahl der Regelleistungsberechtigten (Hartz IV) steigt um 32 Personen, im Jahresvergleich steigt sie aber um 256 auf jetzt 11.663 Personen.

Das Jobcenter Flensburg betreute im Juni 2018 3.179 arbeitslose Flensburger (Empfänger von Arbeitslosengeld II); das sind 3 Personen mehr als im Vormonat (+0,1%) bzw. 103 Personen (-3,1%) weniger als im Vorjahresmonat und der geringste Wert in einem Juni seit Bestehen des Jobcenters.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften fiel im Juni im Vergleich zum Vormonat um 11 auf 6.725 (- 0,2%); im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhte sie sich um 77 (+1,2%).

Die Zahl der Regelleistungsberechtigten stieg im Vergleich zum Vormonat um 32 auf 11.663 (+0,3%), im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg sie um 256 (+2,2%).

Die Steigerungen bei den Bedarfsgemeinschaften und den Regelleistungsberechtigten
sind weiterhin in erster Linie auf den Personenkreis der Zufluchtsuchenden zurückzuführen.

 

Zum politischen Streit um die Schönung der Arbeitslosenzahlen in Schleswig-Holstein auch ein Beitrag von Till H. Lorenz vom 3.10.2016 auf shz.de:
Arbeitsagentur in SH : So viele Menschen sind in Schleswig-Holstein wirklich arbeitslos
Tausende Erwerbslose werden aus der Statistik der Arbeitsagentur herausgerechnet – weil die Politik es so möchte.
unter: http://www.shz.de/deutschland-welt/wirtschaft/so-viele-menschen-sind-in-schleswig-holstein-wirklich-arbeitslos-id14995576.html

Ein Beitrag des ZDF vom 2.11.2017: Eine Million Arbeitslose mehr – Wie die Arbeitslosenzahl schöngerechnet wird

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich freundlich. Seit Jahren sinkt die Zahl der Arbeitslosen. Doch viele Arbeitslose werden gar nicht mitgezählt. Unter https://www.zdf.de/nachrichten/heute/arbeitslose-wer-in-der-statistik-nicht-beruecksichtigt-wird-100.html

Und zum gleichen Thema ein Beitrag von correktiv.org vom 31. Mai 2017:

Warum eine Million Arbeitslose in der offiziellen Statistik nicht sichtbar sind
Die am Dienstag vorgestellte Arbeitslosenzahl ist um mindestens eine Million zu niedrig. Die geschönte Zahl kommt durch mehrere Gesetzesänderungen zu Stande. Sogar die Bundesagentur für Arbeit spricht sich für eine neue Berechnungsgrundlage aus, damit die offizielle Arbeitslosenzahl mehr der Wirklichkeit entspricht
https://correctiv.org/recherchen/arbeit/artikel/2017/05/31/zeit-fuer-die-echte-arbeitslosenzahl/

 

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Veröffentlicht am 29. Juni 2018 in Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Hartz IV, Soziales, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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