Drohende Rodung des Bahnhofswaldes: Leserbrief von Anwohner Claus Kühne

Hat Flensburg ein Glaubwürdigkeitsproblem – macht sich zum Schilda ?

Als ich unerwartet meinen Namen auf einem Flyer von Greenpeace  „Retten statt roden“ wiederfand mit der Bemerkung, ich würde über die „beheimateten Pflanzen und Tiere“ sprechen, war ich leicht schockiert, war mir doch bewusst, dass mir für eine solche Begleitung das fachliche Wissen fehlen würde. Da mir zugeflüstert wurde, dass die Stadt gerade Gutachten über Flora und Fauna des Gebiets bekommen hätte, pilgerte ich zu Herrn Dr. Schroeders, (damaliger Stadtplaner), bat ihn, mir Einblick in die Gutachten zu gestatten. Herr Dr. Schroeders verweigerte mir die Gutachten, massiv unterstützt durch Herrn A. Kohrt (SPD), der „unerwartet“ hinzukam.

Mit der Bemerkung, ich würde mich bei unserer Oberbürgermeisterin beklagen, verabschiedete ich mich erbost. Wenige Tage später hatte ich die Gutachten in Händen.

Mir wurde natürlich sofort klar, warum man mir die Gutachten nicht ausgehändigt hatte, wurde in diesen u.a. doch erwähnt, dass in dem anerkannten Habitat-Wald vier geschützte Fledermausarten ihr Quartier haben würden; das sollte natürlich nicht an die Öffentlichkeit !

Fassungslos war ich, als bei der darauf folgenden Sitzung des Umwelt- und Planungsausschuss (SUPA) die genannten Herren Dr. Schroeders und der Vorsitzende der Sitzung Herr A. Kohrt (SPD), die Mitglieder des SUPA baten, sich für eine Entwidmung des Waldes (Entzug Schutzstatus) auszusprechen, obwohl man die o.g. Gutachten den Mitgliedern des SUPA vorenthalten hatte. Ein Vorgang, der eigentlich ausgereicht hätte, den Vorsitzenden Herrn Kohrt als befangen abzulehnen und Herrn Dr. Schroeders eine Rüge o.ä. zu erteilen.

Aber es kam noch dicker: Uns Bürgern wurde immer vorgegaukelt, bei einer Realisierung der Bauvorhaben würden 1 bis max. 2 Bäume gefällt werden müssen; unglaublich, lt. neuesten Planungen sollen um die 60 Bäume einem überflüssigen, monströsen Parkhaus weichen.

Obwohl immer wieder zugesichert, dass man die zahlreichen Bedenken und Voten der Umweltverbände, der Bürger (viele hundert in Flensburg), über 77.000 bundesweit bei den Planungen berücksichtigen würde, siehe http://www.grain.one/schuetztunserealtenriesen/ hat sich seit Beginn nichts geändert.

Interessant, in der Beschlussvorlage 303 war und ist noch immer von einer „Parkpalette“ die Rede, lt. Wikipedia eine „ offene Flachbauweise mit 2 – 3  Ebenen“, kein Parkhaus, dieses wurde und wird sowohl von den Planern, als auch den pol. Mandatsträgern  ignoriert. (*)

Herr Bürgermeister Brüggemann setzt sich Jahren für den sog. Klimapakt ein, wie passt das zusammen, wenn gleichzeitig ein besonders für das Klima wichtiger Wald vernichtet würde.

Macht Flensburg sich zum „Schilda“ ?

Was stimmt eigentlich nicht im Zusammenspiel zwischen Verwaltung und den politischen Gremien ?

Sollte wider Erwarten der SUPA am 7.5. / 16 oo Uhr  dem Wald den Schutzmantel entziehen, dürften wir uns sicherlich auf das Votum unserer Oberbürgermeisterin verlassen. Nachdem Frau Lange  den jungen Menschen  „Friday for future“ angeboten hatte, evtl. Entschuldigungsschreiben zu unterzeichnen, wird sie sich hüten, einer Entwidmung zuzustimmen; über diese „Glaubwürdigkeitsbrücke“ wird sie nicht gehen – nicht unsere Oberbürgermeisterin.

Claus S. Kühne

Schleswiger Straße 34
24941 Flensburg                                                                                           den 5.5.2019

* Anmerkung der Redaktion: Achtung, in der aktuellen Beschlussvorlage für die morgige Ausschussitzung ist von einer „öffentlich zugänglichen Parkpalette“ u n d einem „Parkhaus“ für das Hotel die Rede. Offensichtlich ist vielen nicht klar, dass es sich hierbei um zwei unterschiedliche Dinge handelt. Liest man die Vorlage genau, hieße das, dass nach einem entsprechenden Beschluss irgendwann auch noch eine Parkpalette dazu kommen könnte! Und wenn man sich die Grundstücksgrenzen zu den Häusern an der Schleswiger Str. im Plan unten ansieht, wird es erhebliche Probleme geben, bei den Baumaßnahmen einen entsprechenden und vorgeschriebenen Abstand einzuhalten. Wie das planungsrechtlich funktionieren soll, bleibt schleierhaft. Das bietet auf jeden Fall die Möglichkeit gegen die Entscheidung des SUPA zu klagen, weil die Belange der Anlieger nicht im notwendigen Umfang berücksichtigt werden. Hier geht´s zur oben angesprochenen Beschlussvorlage https://akopol.files.wordpress.com/2019/05/beschlussvorlage_supa-27-2019.pdf

Plan für die Baumfällungen – Rund 60 Bäume sind mit X markiert

Zum Thema auch der AKOPOL-Beitrag vom 21.04.2019, da finden sich detaillierte und umfangreiche Infos und auch der komplette Plan für den drohenden Waldfrevel:
Waldstück an der Schleswiger Straße: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollendete Tatsachen schaffen?
unter: https://akopol.wordpress.com/2019/04/21/waldstueck-an-der-schleswiger-strasse-unter-ausschluss-der-oeffentlichkeit-vollendete-tatsachen-schaffen-profit-vor-naturschutz-und-anwohnerinteressen/

Siehe dazu ebenfalls den AKOPOL-Beitrag vom 03.11.2018:
Waldstück an der Schleswiger Straße – Profit vor Naturschutz und Anwohnerinteressen? BürgerInnen kämpfen gegen drohende Abholzung und Hotelneubau
unter: https://akopol.wordpress.com/2018/11/03/waldstueck-an-der-schleswiger-strasse-profit-vor-naturschutz-und-anwohnerinteressen/

Mehr zum Thema, dem neuen Hotelprojekt und den Gefahren für Wald und Hang auch in dem AKOPOL-Beitrag vom 06.07.2018:
Geplanter Hotelneubau an der Bahnhofstraße sorgt weiter für Ärger – Stellungnahme von Anwohner Dr. Thomas Gädeke
https://akopol.wordpress.com/2018/07/06/geplanter-hotelneubau-an-der-bahnhofstrasse-sorgt-weiter-fuer-aerger/

Ebenso auch der AKOPOL-Beitrag vom 05.07.2018:
Hotelneubau an der Bahnhofstraße: Naturschutz in Flensburg – Nur eine Farce?
Scharfe Kritik am Bauvorhaben – Stellungnahme von Anwohner Claus Kühne
https://akopol.wordpress.com/2018/07/05/hotelneubau-an-der-bahnhofstrasse-naturschutz-in-flensburg-nur-eine-farce/

Zum Thema drei Beiträge auf shz.de:

Zum Problem des Hangs und der dortigen Häuser ein Beitrag auf shz.de. Da gibt es auch eine entsprechende Planskizze, die das Problem verdeutlicht. Carlo Jolly am 1. Febrauer 2018 auf shz.de Hotel und Parkhaus am Flensburger Bahnhof : Ohne Brücke zur Schleswiger Straße Quelle: https://www.shz.de/18964206 ©2018

Carlo Jolly am 28. Dezember 2017 auf shz.de Hotel- und Parkhaus-Planung in Flensburg : Es rumort am Hang des Mühlenteichs
Nachbarn an der Schleswiger Straße sind besorgt, dass eine geplante Parkpalette die Statik des sensiblen Geländes verändern könnte – Quelle: https://www.shz.de/18671291 ©2018

Joachim Pohl am 25. Juni 2018 auf shz.de Hotels in Flensburg : Steigenberger an der Bahnhofstraße
Von den drei aktuellen konkreten Hotel-Planungen ist das an der Bahnhofstraße das jüngste. Ebenso wie das am Rathaus geplante wird es das Quartier, in dem es vorgesehen ist, städtebaulich prägen. Die beiden Flensburger Investoren Ralf Hansen und Jan Duschkewitz haben es für das derzeit unbebaute Areal zwischen der Bahnhofstraße und dem Hang hinauf zur Schleswiger Straße vorgesehen.
Quelle: https://www.shz.de/20242492 ©2018

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Veröffentlicht am 6. Mai 2019, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

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