Archiv für den Tag 7. Mai 2019

Keine Mehrheit im Flensburger Planungsausschuss für Hotel- und Parkhausprojekt am Bahnhof

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Der Flensburger Umwelt- und Planungsausschuss hat in seiner heutigen Sitzung über die Beschlussvorlage zur Änderung des Flächennutzungsplanes „Bahnhofstraße an der Hauptpost“ und Bebauungsplan „Hauptpost“ (Nr. 303) entschieden. (Die gibt´s hier: https://akopol.files.wordpress.com/2019/05/beschlussvorlage_supa-27-2019.pdf )

Eine mehrheitliche Zustimmung der Ausschussmitglieder wäre die Voraussetzung für den Bau eines Hotels und Parkhauses zweier Investoren an der Bahnhofstraße gewesen. Dem millionenschweren Bauvorhaben hätte dann allerdings auch eine geschützte Waldfläche mit über hundert Jahre alten Bäumen und seltenen Fledermäusen weichen müssen. Zudem gab es Bedenken, dass die Baumaßnahmen und die Rodung des Waldes die Stabilität des Hangs an der Schleswiger Straße und die Standsicherheit der dortigen Häuser gefährden würden. Im Vorfeld der Sitzung des Planungsausschusses hatte es deshalb schon seit Monaten massive Kritik von Umweltverbänden, Anwohnern der Schleswiger Straße und zahlreichen BürgerInnen an den Planungen gegeben. Dazu gab es mehrere, auch von der Stadt Flensburg in Auftrag gegebene Gutachten und Stellungnahmen, die der Waldfläche einen besonderen ökologischen und schützenswerten Status attestierten. Ebenso hatte sich das Kieler Umweltministerium gegen Eingriffe in den Wald ausgesprochen.

In der heutigen Debatte kam es denn auch zu einer lebhaften Diskussion, in der sich auf der einen Seite die Befürworter des Bauvorhabens von SPD, CDU und FDP und auf der anderen Seite die Kritiker von SSW, Flensburg Wählen, WiF und DIE LINKE gegenüber standen. Schlussendlich waren dann aber die Grünen das Zünglein an der Waage. Von den drei Grünen Ausschuss-Mitgliedern verweigerten zwei, Arndt Scherdin und Catarina Mierwald der Beschlussvorlage ihre Zustimmung, während Stefan Thomsen dafür stimmte. Am Ende stand ein Patt von 8:8 Stimmen. Damit war die Beschlussvorlage ohne Mehrheit und abgelehnt.

Wie es nun weitergeht, ist nicht ganz klar. Denkbar ist, dass trotz Scheitern der Vorlage im Auschuss einige Fraktionen versuchen werden, diese mit Änderungen in der kommenden Ratsversammlung nochmal zur Abstimmung zu stellen. Zwar entspräche das ganz und gar nicht den kommunalpolitischen Gepflogenheiten, aber Insider weisen darauf hin, dass es offensichtlich ein sehr großes Interesse einiger Lobbyisten gäbe, mit einer entsprechenden Mehrheit der Ratsversammlung das angedachte Hotel und Parkhaus doch noch realisieren zu können. Aufgrund des heutigen Abstimmungsverhaltens der Grünen dürfte das allerdings schwierig werden, zumal auch Rasmus Andresen, ebenfalls grünes Ratsmitglied und Landtagsabgeordneter, sich aufgrund des zu massiven Eingriffs in die Natur gegen die Planungen  ausgesprochen hat. CDU, SPD und FDP bräuchten aber die Stimmen der Grünen in der Ratsversammlung, um tatsächlich noch eine Mehrheit für das Projekt zustande zu bringen.  Es bleibt also abzuwarten, ob die Befürworter es auf eine Abstimmung in der Ratsversammlung ankommen lassen. Bis dahin wollen die Kritiker des Projekts jedoch weiterhin aktiv und wachsam bleiben.

Mehr zum Thema hier:

AKOPOL-Beitrag vom 6.5.2019 Drohende Rodung des Bahnhofswaldes: Leserbrief von Anwohner Claus Kühne
unter https://akopol.wordpress.com/2019/05/06/drohende-rodung-des-bahnhofswaldes-leserbrief-von-anwohner-claus-kuehne/

AKOPOL-Beitrag vom 3.5.2019: Stellungnahme des BUND zum Bauprojekt Hotel und Parkhaus an der Bahnhofstraße
unter: https://akopol.wordpress.com/2019/05/03/stellungnahme-des-bund-zum-bauprojekt-hotel-und-parkhaus-an-der-bahnhofstrasse/

AKOPOL-Beitrag vom 21.04.2019, da finden sich detaillierte und umfangreiche Infos und auch der komplette Plan für den drohenden Waldfrevel:
Waldstück an der Schleswiger Straße: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollendete Tatsachen schaffen?
unter: https://akopol.wordpress.com/2019/04/21/waldstueck-an-der-schleswiger-strasse-unter-ausschluss-der-oeffentlichkeit-vollendete-tatsachen-schaffen-profit-vor-naturschutz-und-anwohnerinteressen/

Siehe dazu ebenfalls den AKOPOL-Beitrag vom 03.11.2018:
Waldstück an der Schleswiger Straße – Profit vor Naturschutz und Anwohnerinteressen? BürgerInnen kämpfen gegen drohende Abholzung und Hotelneubau
unter: https://akopol.wordpress.com/2018/11/03/waldstueck-an-der-schleswiger-strasse-profit-vor-naturschutz-und-anwohnerinteressen/

Mehr zum Thema, dem neuen Hotelprojekt und den Gefahren für Wald und Hang auch in dem AKOPOL-Beitrag vom 06.07.2018:
Geplanter Hotelneubau an der Bahnhofstraße sorgt weiter für Ärger – Stellungnahme von Anwohner Dr. Thomas Gädeke
https://akopol.wordpress.com/2018/07/06/geplanter-hotelneubau-an-der-bahnhofstrasse-sorgt-weiter-fuer-aerger/

Ebenso auch der AKOPOL-Beitrag vom 05.07.2018:
Hotelneubau an der Bahnhofstraße: Naturschutz in Flensburg – Nur eine Farce?
Scharfe Kritik am Bauvorhaben – Stellungnahme von Anwohner Claus Kühne
https://akopol.wordpress.com/2018/07/05/hotelneubau-an-der-bahnhofstrasse-naturschutz-in-flensburg-nur-eine-farce/

Zum Thema drei Beiträge auf shz.de:

Zum Problem des Hangs und der dortigen Häuser ein Beitrag auf shz.de. Da gibt es auch eine entsprechende Planskizze, die das Problem verdeutlicht. Carlo Jolly am 1. Febrauer 2018 auf shz.de Hotel und Parkhaus am Flensburger Bahnhof : Ohne Brücke zur Schleswiger Straße Quelle: https://www.shz.de/18964206 ©2018

Carlo Jolly am 28. Dezember 2017 auf shz.de Hotel- und Parkhaus-Planung in Flensburg : Es rumort am Hang des Mühlenteichs
Nachbarn an der Schleswiger Straße sind besorgt, dass eine geplante Parkpalette die Statik des sensiblen Geländes verändern könnte – Quelle: https://www.shz.de/18671291 ©2018

Joachim Pohl am 25. Juni 2018 auf shz.de Hotels in Flensburg : Steigenberger an der Bahnhofstraße
Von den drei aktuellen konkreten Hotel-Planungen ist das an der Bahnhofstraße das jüngste. Ebenso wie das am Rathaus geplante wird es das Quartier, in dem es vorgesehen ist, städtebaulich prägen. Die beiden Flensburger Investoren Ralf Hansen und Jan Duschkewitz haben es für das derzeit unbebaute Areal zwischen der Bahnhofstraße und dem Hang hinauf zur Schleswiger Straße vorgesehen.
Quelle: https://www.shz.de/20242492 ©2018

TauschRausch Nr. 8 – am 12. Mai 2019 von 13-16 Uhr in der Ostseeschule Flensburg

Greenpeace lädt ein zur Kleidertauschparty

Wann?
Am Sonntag, 12.05.2019 von 13 – 16 Uhr

Wo?
In der Ostseeschule in Mürwik,  Klosterholzweg 30, 24944 FL-Mürwik

Wie?
Ihr nehmt mindestens ein gewaschenes Kleidungsstück mit, das ihr nicht mehr tragt. Bitte keine ausgeleierten Schlafshirts! Nach Abgabe dürft ihr nach Herzenslust alles tauschen, was euch gefällt.
Getauscht werden Schuhe, Accessoires und Frauen-, Männer- und Kinderkleidung.

Warum?
Die Produktion von Kleidung ist ein schmutziges Geschäft! Durch die zahlreichen Chemikalien, die für den aufwändigen Produktionsprozess eingesetzt werden, wird die Umwelt stark verschmutzt. Greenpeace setzt sich für einen alternativen und langlebigeren Konsum ein. Durch Kleidertauschpartys wird die Lebenszeit eurer Kleidung verlängert! Während der Veranstaltung könnt ihr euch an unserem Infostand über die Textilproduktion und nachhaltigen Konsum informieren.

Wir freuen uns auf euch!

Veranstalter: Greenpeace Flensburg

„Tag der Städtebauförderung“ am 11. Mai 2019 in Flensburg: Stadt gewährt Einblick in zwei aktuelle Projekte

Altbaubestand im Sanierungsgebiet auf Duburg – Foto: Jörg Pepmeyer

Flensburg. Als Gemeinschaftsinitiative des Bundesbauministeriums, der Länder, des Deutschen Städtetages und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes feiert der Tag der Städtebauförderung am 11. Mai 2019 Jubiläum. Bereits zum fünften Mal findet er mit Veranstaltungen rund um die Städtebauförderung in ganz Deutschland statt. Flensburg als eine der Städte in Schleswig-Holstein, die aktiv eine Vielzahl von Städtebauförderungsmaßnahmen durchführt, ist auch in diesem Jahr wieder mit zwei Veranstaltungen dabei und möchte dabei über Projekte informieren und mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen.

Das Programm

1. Veranstaltung: Spatenstich – Neugestaltung der Straßen Duburgs

Termin: 11.05.2019, um 13.00 Uhr, Duburg | Burgstraße, Flensburg.

Auf Duburg werden die Berg-, Burg-, Knappen-, Ritter- und Königstraße neugestaltet. Dies wird mit einem feierlichen Spatenstich gestartet. Das Sanierungsgebiet Duburg besteht seit 2005. Die Umgestaltung der Straßen ist die letzte große Maßnahme in diesem Sanierungsgebiet. Das Ziel der Maßnahme besteht in der Aufwertung und Neuordnung des Straßenraumes, Steigerung der Aufenthaltsqualität und der Attraktivität des öffentlichen Raumes. Es besteht die Erwartung, dass der Umbau der Straßen die Wahrnehmung dieses Stadtteils als attraktives, innenstadtnahes Wohnquartier mit historischem Flair erheblich stärken wird.

2. Veranstaltung: Neue Erkenntnisse zum Eckenerhaus / Alt-Flensburger Haus

Termin: 11.05.2019, um 14.00 Uhr, im Eckenerhaus, Norderstraße 8-10, Flensburg, mit einer Führung durch Eiko Wenzel.

Das Eckenerhaus ist eines der geschichtsträchtigen Gebäude in der Flensburger Altstadt. Die Bausubstanz geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Hier entstand einer der für die Altstadt typischen Kaufmannshöfe, das Vorderhaus erhielt im 18. Jahrhundert einen prächtigen Barockgiebel. Am Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen hier Hugo und Alexander Eckener auf, die als Luftschiffer bzw. Maler und Grafiker berühmt wurden. 1914 wurde das Haus auf Initiative des Museumsdirektors Ernst Sauermann als historisches Bürgerhaus eingerichtet und erhielt den Namen „Alt-Flensburger Haus“.
Nachdem das Haus über Jahre leer stand und durch einen Wasserschaden in Mitleidenschaft gezogen war, hat es die Stadt Flensburg 2016 erworben, um es im Rahmen einer Städtebauförderungsmaßnahme im Sanierungsgebiet „Westliche Altstadt“ instand zu setzen und einer neuen Nutzung zuzuführen. Im Rahmen der Veranstaltung sollen die bisherigen denkmalpflegerischen Untersuchungen erläutert und die Frage der zukünftigen Nutzung diskutiert werden.

Der Tag der Städtebauförderung ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern, Deutschem Städtetag sowie Deutschem Städte- und Gemeindebund. Beim vierten Tag der Städtebauförderung zeigen Städte und Gemeinden gemeinsam mit Ihren Bürgerinnen und Bürgern, was die Städtebauförderung mit ihren Programmen vor Ort verändert. Die Programme der Städtebauförderung sind: Soziale Stadt, Stadtumbau, Städtebaulicher Denkmalschutz, Aktive Stadt- und Ortsteilzentren, Kleinere Städte- und Gemeinden und Zukunft Stadtgrün.

Mit ihnen sind auf ganz unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Stadtgesellschaft Veränderungen und Entwicklungen möglich. Die Bandbreite reicht von der Umgestaltung einer Fußgängerzone, einer Straße oder eines Quartiers, wie beispielsweise in Fruerlund-Süd, bis zum Bau von Spielplätzen, von der energetischen Sanierung einer Schule bis zur Umsetzung innovativer Mobilitätskonzepte oder dem barrierefreien Umbau von Gebäuden.

Mehr zum Tag der Städtebauförderung 2019 gibt es unter: https://www.tag-der-staedtebaufoerderung.de/startseite/

Bündnis zur Erhaltung des Bahnhofswaldes: Treffen am 12. Mai im Aktivitetshuset

Sonntag, den 12. Mai um 19 Uhr
im Aktivitetshuset
Norderstraße 49 – 24939 Flensburg

Bündnis zur Erhaltung des Bahnhofswaldes Kontakt: wald@fridux.de

Die Stadtverwaltung und Teile der Flensburger Politik wollen vor dem Bahnhof Raum für ein Parkhaus und ein siebenstöckigen Hotel schaffen und nehmen dafür die Zerstörung des Waldes zwischen der Bahnhofstraße und der Schleswiger Straße billigend in Kauf. Zudem sollen noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten zugunsten von Gewerbe geprüft werden. Sollte es nach den Wünschen der Investorinnen, Investoren und der Politik gehen, ist davon auszugehen, dass das gesamte Gebiet als wichtige, ökologische “grüne Lunge” der Stadt unwiederbringlich verloren geht. Die Erschließung des Hotels und des Parkhauses soll zudem über die Bahnhofsstraße erfolgen, was eine Zerstörung des Alleecharakters der Straße zufolge hätte. Der Vorschlag für eine Reduzierung des Baukörpers und einen damit angeblich verbundenen “sanfteren” Eingriff in die Natur überzeugt – auch aufgrund bisheriger Erfahrungen mit ähnlichen Vorhaben – zum aktuellen Zeitpunkt nicht. So zeigt beispielsweise die Erweiterung des Tagungshotels am Rathausvorplatz 2015, dass die ursprünglich geplante Höhe von 51,82 Metern durch einen Nachtrag 2017 auf  56,41 Meter angepasst worden ist.

Weiter kritisieren wir, dass eine – wenn auch im Verhältnis 1:3 stattfindende – Aufforstung außerhalb der Stadt, dem Stadtbild im Stadtkern schaden und dieses weiter verengen wird. Die Aufforstung durch sieben Linden in unmittelbarer Nähe kann in keiner Weise für den zerstörten Wald und den abhandenkommenden Alleecharakter entschädigen.
Obendrein ist unklar, wie es um die Festigung des Steilhanges bestellt ist; ob dieser ebenfalls weiter abgerodet werden muss, da er sonst womöglich eine Gefahr für die Gebäude darstellt, oder ob Hoffnung auf Erhalt besteht.
Klar ist jedoch, dass eine vierundzwanzigstündige Bewirtschaftung einen erheblichen Einfluss haben wird, beispielsweise auf die ansässigen Fledermäuse, die sich in ihrem hoffentlich noch verbleibenden Lebensraum durch die Beleuchtung und den kontinuierlichen Lärm stets gestört und bedroht fühlen werden. Wir fordern den langfristigen Erhalt des Waldbiotops in seiner jetzigen Form, damit er weiterhin als Habitat für Fledermäuse fortbestehen kann: Dies schließt den Erhalt des Waldes und der einzelnen Bäume ein, sowie die zusätzliche Versiegelung der Flächen aus.
Der Stadtpolitik obliegt die Verantwortung dafür, einen Alternativstandort für ein Hotel zu suchen, bei dem keine natürlichen Flächen versiegelt werden müssen!

Luca Grimminger | Tyll Reinisch | Dorothea Buescher | Nicolas Jähring

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