Waldstück an der Schleswiger Straße: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollendete Tatsachen schaffen?

Plan für die Baumfällungen – Mehr als 60 Bäume sind mit X markiert

Hotelneubau an der Bahnhofstraße: Kahlschlag als „Waldumwandlung“?

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Die Planungen für ein neues Hotel in der Bahnhofstraße, das von der Steigenberger-Kette betrieben werden soll, sorgen weiterhin für Ärger bei Anwohnern und zahlreichen Bürgern. Die beiden Investoren Ralf Hansen und Jan Duschkewitz wollen einen siebenstöckigen Neubau mit über 38 Meter Höhe zwischen Bahnhofstraße und Schleswiger Straße platzieren und gleichzeitig auch ein ebenso hohes Parkhaus bauen. Auch die angrenzenden Flächen um das alte Postgebäude sollen umgekrempelt werden.
Insbesondere für das Parkhaus müssten die Investoren allerdings bis hinauf in den Hang zur Schleswiger Straße bauen. Damit sind nicht nur erhebliche Risiken für die Hangstatik und angrenzenden Häuser an der Schleswiger Straße verbunden. Am Hang zwischen der Schleswiger Straße und der Bahnhofstraße befindet sich zudem auch ein Waldstück, in dem es noch einen Teil der Valentiner Allee gibt. Diese wurde um 1880 geplanzt und verlief einst am inzwischen zugeschütteten Mühlenteich entlang. Für den Neubau des Hotels und des Parkhauses sollen zahlreiche Bäume gefällt werden. Dagegen laufen die betroffenen Anlieger an der Schleswiger Straße bereits seit anderthalb Jahren Sturm.

Auch ein von der Stadt Flensburg in Auftrag gegebenes Gutachten vom Biologenbüro GGV macht deutlich, dass es sich bei dem Wald um ein besonders wertvolles und schützenswertes Biotop handelt. Das ökologische Gutachten vom 14. September 2018 kommt sogar zu dem Schluss: „Das Plangebiet hat eine lokal bedeutsame ökologische Funktion für Fledermäuse und stellt innerhalb der Stadt Flensburg mit vier nachgewiesenen Arten ein schützenswertes Habitat dar.“ Und weiter heißt es im Gutachten: „Nicht ausgeglichen werden kann der Biotopverbund, daher muss ein möglichst breiter Gehölzbereich erhalten bleiben.“ Das Kieler Umweltministerium hatte schon am 28. Mai 2018 in einer Antwort auf ein Schreiben von Anwohner Claus Kühne deutlich gemacht, dass es sich bei dem genannten Gebiet um eine Waldfläche handelt, die nach dem Landeswaldgesetz unter besonderem Schutz stehen würde.  Diesen Status aufzuheben sei sehr schwierig, zumal der Wald für die Erholung der Bevölkerung von wesentlicher Bedeutung sei. Einen Eingriff in den Wald und die Fällung von Bäumen befürwortet das Ministerium daher nicht.

Da sich weder die Parteien noch die Stadt Flensburg von den Gutachten beeindrucken ließen, starteten Claus Kühne und seine Mitstreiter neben einer Petition auf Papier eine Online-Petition (zu der geht es hier: http://www.grain.one/schuetztunserealtenriesen/ ) mit dem Ergebnis, dass sich inzwischen über 77.000 Bundesbürger für den Erhalt des Waldes ausgesprochen haben. Ebenso hat Claus Kühne  Oberbürgermeisterin Simone Lange in einem Brief über die Petition informiert. Frau Lange scheine aber die Kritik an dem geplanten Bauvorhaben und dem drohenden Kahlschlag am Hang nicht besonders ernst zu nehmen, erklärt Claus Kühne.

Obwohl der NABU, Greenpeace, der BUND, der Umweltbeirat mit Uwe Maßheimer und der einberufene Gestaltungsbeirat sich ebenfalls frühzeitig gegen das geplante Bauvorhaben ausgesprochen haben, unterstützen die meisten Ratsfraktionen weiterhin den Bau des Hotels und Parkhauses. Erstaunlicherweise haben die Flensburger Grünen und ihre Ratsmitglieder bisher noch keine klare Position. Bisher haben sie nicht deutlich gemacht, ob oder wie sich sich für den Wald einsetzen wollen.

Da bestimmte Abstandsgrenzen zu dem Wald eingehalten werden müssen, soll das Bauvorhaben realisiert werden, will man nun versuchen den Schutzstatus für dem Wald aufzuheben bzw. auf bestimmte Flächen einzuschränken. Damit könnten dann alle mit einem „X“ gekennzeichneten Bäume gefällt werden, wie man diesem Plan entnehmen kann. Im technischen Rathaus spricht man allerdings nicht von Kahlschlag, sondern weist daraufhin, dass für einige Teile des Hangs im Gegenzug eine „Waldumwandlung“ vorgesehen sei. Was nur bedeutet, dass dort lediglich auf Fällungen verzichtet wird.

Dennoch hält man bei der Stadt aber in diesem Zusammenhang von Transparenz und Bürgerbeteiligung nicht viel. Denn jüngst wurden die Mitglieder des Stadtplanungsausschusses von Carsten Barz vom Fachbereich Stadtentwicklung und Klimaschutz der Stadt Flensburg zu einer Ortsbesichtigung am Dienstag, den 23.04.2019 um 14.45 Uhr auf dem Parkplatz hinter dem Postgebäude eingeladen. Dort sollen die Planungen erläutert werden.

Besonders pikant dabei ist, dass dieser Termin ausschließlich Ausschussmitgliedern vorbehalten ist. Eine Begleitung der Ausschussmitglieder durch Presse und Öffentlichkeit ist nicht vorgesehen. Da stellt sich unweigerlich nicht nur für Claus Kühne die Frage, was hat das Planungsamt, was haben Herr Barz, seine Mitarbeiter und die Kommunalpolitiker zu verbergen?

Ein Grund mehr für alle interessierten und kritischen Bürger am kommenden Dienstag ebenfalls auf dem Treffen zu erscheinen und ihre Bedenken den Kommunalpolitikern und Mitarbeitern des Planungsamtes vorzutragen.

Siehe dazu ebenfalls den AKOPOL-Beitrag vom 03.11.2018:
Waldstück an der Schleswiger Straße – Profit vor Naturschutz und Anwohnerinteressen?BürgerInnen kämpfen gegen drohende Abholzung und Hotelneubau
unter: https://akopol.wordpress.com/2018/11/03/waldstueck-an-der-schleswiger-strasse-profit-vor-naturschutz-und-anwohnerinteressen/

Mehr zum Thema, dem neuen Hotelprojekt und den Gefahren für Wald und Hang auch in dem AKOPOL-Beitrag vom 06.07.2018:
Geplanter Hotelneubau an der Bahnhofstraße sorgt weiter für Ärger – Stellungnahme von Anwohner Dr. Thomas Gädeke
https://akopol.wordpress.com/2018/07/06/geplanter-hotelneubau-an-der-bahnhofstrasse-sorgt-weiter-fuer-aerger/

Ebenso auch der AKOPOL-Beitrag vom 05.07.2018:
Hotelneubau an der Bahnhofstraße: Naturschutz in Flensburg – Nur eine Farce?
Scharfe Kritik am Bauvorhaben – Stellungnahme von Anwohner Claus Kühne
https://akopol.wordpress.com/2018/07/05/hotelneubau-an-der-bahnhofstrasse-naturschutz-in-flensburg-nur-eine-farce/

Zum Thema drei Beiträge auf shz.de:

Zum Problem des Hangs und der dortigen Häuser ein Beitrag auf shz.de. Da gibt es auch eine entsprechende Planskizze, die das Problem verdeutlicht. Carlo Jolly am 1. Febrauer 2018 auf shz.de Hotel und Parkhaus am Flensburger Bahnhof : Ohne Brücke zur Schleswiger Straße Quelle: https://www.shz.de/18964206 ©2018

Carlo Jolly am 28. Dezember 2017 auf shz.de Hotel- und Parkhaus-Planung in Flensburg : Es rumort am Hang des Mühlenteichs
Nachbarn an der Schleswiger Straße sind besorgt, dass eine geplante Parkpalette die Statik des sensiblen Geländes verändern könnte – Quelle: https://www.shz.de/18671291 ©2018

Joachim Pohl am 25. Juni 2018 auf shz.de Hotels in Flensburg : Steigenberger an der Bahnhofstraße
Von den drei aktuellen konkreten Hotel-Planungen ist das an der Bahnhofstraße das jüngste. Ebenso wie das am Rathaus geplante wird es das Quartier, in dem es vorgesehen ist, städtebaulich prägen. Die beiden Flensburger Investoren Ralf Hansen und Jan Duschkewitz haben es für das derzeit unbebaute Areal zwischen der Bahnhofstraße und dem Hang hinauf zur Schleswiger Straße vorgesehen.
Quelle: https://www.shz.de/20242492 ©2018

 

Über akopol

Netzwerk für mehr Öffentlichkeit, Transparenz und Demokratie in Flensburg

Veröffentlicht am 21. April 2019, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

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