Endlich ein Deserteursdenkmal in Flensburg?

Angesichts der Ausstellung über die Nazi-Miltärjustiz in der Bürgerhalle des Flensburger Rathauses möchten wir den Blog-LeserInnen die untenstehenden Beiträge nicht vorenthalten
Im Übrigen unterstützen wir als AKOPOL-Ratsfraktion das Anliegen von Herrn Dr. Eberlein nach Aufstellung eines Deserteursdenkmal nicht nur für diejenigen, die sich dem Dienst in der Nazi-Wehrmacht während des II. Weltkrieges entzogen und Opfer der Militärjustiz wurden. Wir werden uns mit anderen Ratsfraktionen bemühen, über eine enstprechende politische Initiative die Aufstellung des Denkmals an einem öffentlich Platz noch in diesem Jahr zu erreichen. (Wer mehr zum Thema Deserteursdenkmäler in Deutschland wissen möchte, hier gibt´s mehr Informationen: http://www.pk-deserteure.at/index.php?id=49 )

Immer noch  Unrecht

Leserbrief zur Ausstellung „Was damals Recht war…“ und zum Artikel „Johann Süß’ letzte Fahrt nach Flensburg“ im  Flensburger Tageblatt (Ausgabe vom 12. Januar)

Am Dienstag, 10. Januar, wurde in der Bürgerhalle des Rathauses in Flensburg eine beeindruckende Ausstellung unter dem Titel „Was damals Recht war…“ eröffnet. Sie zeichnet die Unrechtsprechung der Wehrmachtsjustiz im Dritten Reich nach, die zigtausende Todesurteile fällte und vollstreckte gegen alle, die sich nicht verheizen lassen wollten für Hitlers Krieg, den sie als Verbrechen erlebt hatten oder den sie als aussichtslos erkannten. Am furchtbarsten sind die Todesurteile gegen Soldaten, die nach der Kapitulation einfach glaubten, der Krieg sei aus, und sie könnten nach Hause gehen. Während die NS-Größen sich hier im Polizeipräsidium gegenseitig falsche Pässe ausstellten und über die Grenze halfen, wurden diese kleinen Leute noch nach Kriegsende hier in Flensburg als Deserteure erschossen!

Heute erkennen wir alle, dass dies alles Unrecht war, dass die Deserteure Recht hatten und Hitlers Generäle einen Unrechtskrieg führten. Gott sei Dank sind die Wehrmachtsdeserteure seit 2002 endlich rehabilitiert. Aber in einer Hinsicht setzt Deutschland dasselbe Unrecht immer noch fort: Wenn Soldaten aus einem anderen Land, die sich nicht an einem Unrechtskrieg beteiligen wollen, zu uns fliehen, dann gelten sie hier immer noch als Verbrecher. Man verweigert ihnen grundsätzlich den Asylschutz und schickt sie zurück. Stellen Sie sich vor, ein syrischer Soldat, der sich weigert, auf seine demonstrierenden Landsleute zu schießen, würde es schaffen, hierher zu kommen: Er würde an Assad zurückgeschickt! So geschah es, als russische Soldaten nicht auf ihre Familien in Tschetschenien schießen wollten und als in den Balkan-Kriegen Soldaten der verschiedenen Parteien das Morden nicht mitmachen wollten und zu uns flohen. Wir machen uns zu Handlangern der Unrechtskriege, indem wir die Deserteure ihren Verfolgern ausliefern. Auch aus Flensburg.

Wussten Sie, dass es in Flensburg ein Denkmal für diese Deserteure gibt? Für die Wehrmachts-Deserteure und die heutigen, für alle, die sich nicht für einen verbrecherischen Krieg missbrauchen ließen. Leider steht es versteckt in einem Hinterhof. Die Stadt weigert sich seit 1994, ihm einen öffentlichen Platz zu geben. Angeblich gibt es keinen speziellen Bezug zu Flensburg.

Ich finde, das ist ein Skandal. Schauen Sie sich die Ausstellung an, dann wissen Sie, dass gerade Flensburg einen ganz besonderen Grund hat, aus der Unrechtsgeschichte zu lernen und dazu beizutragen, das heutige Unrecht gegen Deserteure zu beenden.

Dr. Helmreich Eberlein
Flensburg
***
Bemerkenswerte Aktion von den Schülern der Goetheschule als Ergänzung zur neuen Ausstellung im Rathaus. In einem Punkt irrt der Autor des Artikels. Johann Süß und Asmus Jepsen wurden nicht auf dem heutigen Gelände des Walddorfes Tremmerup hingerichtet, sondern 200 Meter davon entfernt auf dem ehemaligen militärischen Schießgelände am Tremmerupweg, wo sich heute der Asmus-Jepsen-Weg befindet.

Klaus Thomsen
Tremmerupweg, Flensburg

Hier ist der oben zitierte Artikel Johann Süß’ letzte Fahrt nach Flensburg aus dem Flensburger Tageblatt zu finden: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/article//johann-suess8217-letzte-fahrt-nach-flensburg.html

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Veröffentlicht am 19. Januar 2012 in Aufrufe, Bildung, Flensburg News, Kultur und mit , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Hierzu passt ergänzend gut mein Leserbrief am 17.7.1996 im Flensborg Avis (Antwort zu Karl Otto Meyer) „Ein Mann mit Profil“ : “ Es war einmal ein Graf, der schwor einen heiligen Eid auf Führer und Vaterland, und als er, nachdem er ihm Jahre gedient hatte, merkte, dass sein Führer ein Wahnsinniger war, beschlossen seine Freunde und er, diesen zu beseitigen. Der Anschlag schlug fehl, die Verschwörung flog auf, die Verschwörer hingegen vor Gericht gestellt ubd hingerichtet.
    Da war ein Volk, das schämte sich gar sehr über seine Missetaten, die es begangen hatte und gedachte beglückt der Widerstandskämpfer des 20.Juli 1944, für die man sogleich eine Gedenkstätte erbaute, zu der man einmal im Jahr pilgern konnte, um der edlen Deutschen zu gedenken, die das getan hatten, was man selbst auch getan hätte, wenn man nur Gelegenheit gehabt hätte – und den Mut.
    Da gab es aber auch unter den Millionen, die zumeist gezwungen worden waren, zu Ehren des Führers und des Reiches Länder zu erobern und Völker zu vernichten, an die vierzigtausend, die dieses Unrecht nicht ertragen konnten, es waren einfache Menschen, wie Du und ich, kein Oberst und Chef des Stabes, wie jener Graf. Sie gehorchten ihrem Gott, ihrem Gewissen mehr als dem Führer, sie widerstanden und desertierten, wohl wissend, das dieses ihren sicheren Tod bedeuten könnte.
    An die Zwanzigtausend wurden hingerichtet, die anderen in Strafbattalione kommandiert – nur wenige überlebten. Diese Wenigen, die überleben durften und nicht inzwischen verstorben sind, leben hinfort mit ihren Familien in Schande, da sie auch fünfzig Jahre nach Beendigung des Krieges noch nicht rehabilitiert worden sind, (sind sie inzwischen) wo man sie doch eigentlich hätte ehren müssen. Da gibt es eine kleine Stadt im Norden, die noch kurz dem Zusammenbruch Reichshauptstadt wurde und in deren Mauern die letzten Schandurteile gefällt und vollstreckt wurden; und als Christen dieser Stadt sich dieser unseligen Geschichte erinnerten und auf ihre Kosten ein „Denk-mal“ auf öffentlichem Platz errichten wollten, lehnte der Rat der Stadt das ab; wie üblich in solchen Fällen wurde zunächst einmal ein Ausschuss gebildet, in der Hoffnung: „da wird gewiss Gras drüber wachsen !“ Und das sitzen sie nun beieinander, die sog. Christen, die Sozialdemokraten, stecken die Köpfe zusammen und überlegen, wie das Problem wohl zu lösen sei. Und sie kommen zu dem salomonischen Urteil, wir brauchen ein „Eintopf- oder Saucendenkmal“, eines für die „Opfer der Gewaltherrschaft“, das gibt es zwar zig- und hundertfach in Deutschland, aber damit fallen wir nicht auf, die Deserteure könnten wir ja mit einbeziehen, wir müssen alles nur gut verpacken ! Vermutlich waren es aber gerade bekennenden Christen und Sozialdemokraten, die aus religiösen und weltanschaulichen Gründen desertierten, erstaunlich, dass dieses gerade von denen, die sich Sozialdemokraten und Christen nennen, vergessen wird.
    Lieber Karl Otto Meyer, wie wohltuend ist es doch, dass es Politiker gibt, die Profil haben, die nicht glatt und stromlinienförmig sind, wie Du einmal wieder mit DEINEM KOMMENTAR „Et savnet mindesmærke“ bewiesen hast. Ich wünschte mir für Flensburg Politiker, mit gleichviel Profil und dass es neben „Vordenkern“, die es wohl in jeder Partei gibt und die den Ton angeben und die Richtung bestimmen, auch „Nachdenker“ gibt, die in sich hineinhorchen und dann eine Entscheidung treffen, deren sie sich eines Tages nicht schämen müssen, denn es wird eine Schmach sein für alle, die zu Unrecht Entehrte nicht ihre Würde zurückgeben, übrigens auch für Flensburg, wenn das „Denk-mal“ u.U. in einer anderen Stadt aufgestellt werden würde. Übrigens erlaube ich mir anzumerken, dass ich kein Pazifist bin und voll hinter dem Verteidigungsauftrag der Bundeswehr stehe, unser Land zu verteidigen, allerdings auch nur dafür, aber, was hat unsere Bundeswehr auch mit der damaligen Wehrmacht zu tun ? Claus S. Kühne

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