Blog-Archive

Umfangreiches Programm am Tag des offenen Denkmals am 09.09.2018 in Flensburg

Am Sonntag, den 9. September 2018 wird der Tag des offenen Denkmals wieder bundesweit gefeiert und mittlerweile ist der Tag des offenen Denkmals zu einem festen Termin in jedem Kulturkalender geworden. Auch dieses Jahr macht Flensburg wieder mit und das umfangreiche Programm ermöglicht, dass der Tag des offenen Denkmals für viele Bürger und Gäste ein erlebnisreicher Tag werden kann.  Das Programm für Flensburg gibt es hier

Mehr Infos zum Tag des offenen Denkmals: https://tag-des-offenen-denkmals.de/laender/sh/kreisfrei/1015/

Advertisements

Tag des offenen Denkmals am 10.09.2017: Umfangreiches Programm in Flensburg

Am Sonntag, den 10. September 2017 wird der Tag des offenen Denkmals wieder bundesweit gefeiert und mittlerweile ist der Tag des offenen Denkmals zu einem festen Termin in jedem Kulturkalender geworden. Auch dieses Jahr macht Flensburg wieder mit und das umfangreiche Programm ermöglicht, dass der Tag des offenen Denkmals für viele Bürger und Gäste ein erlebnisreicher Tag werden kann.  Das Programm für Flensburg gibt es hier

Mehr Infos zum Tag des offenen Denkmals: https://tag-des-offenen-denkmals.de/laender/sh/kreisfrei/1015/

Tag des offenen Denkmals am 11.09.2016 in Flensburg

Am Sonntag, 11. September 2016 wird der Tag des offenen Denkmals wieder bundesweit gefeiert und mittlerweile ist der Tag des offenen Denkmals zu einem festen Termin in jedem Kulturkalender geworden. Auch dieses Jahr macht Flensburg wieder mit und das umfangreiche Programm ermöglicht, dass der Tag des offenen Denkmals für viele Bürger und Gäste ein erlebnisreicher Tag werden kann. Mehr Infos zum Tag des offenen Denkmals und das Programm gibt es hier: http://www.flensburg.de/Startseite/Tag-des-offenen-Denkmals.php?object=tx%7c2306.5&ModID=7&FID=2306.6353.1

Einweihung des Flensburger Deserteursdenkmal am 7.1.2014

From Wikimedia Commons, the free media repository https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flensburg_Deserteursdenkmal.jpg

From Wikimedia Commons, the free media repository https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flensburg_Deserteursdenkmal.jpg

Nach über zwei Jahrzehnten endlich ein würdiges Andenken

Seit mehr als zwanzig Jahren haben sich Flensburger BürgerInnen  für die Ehrung derjenigen Menschen eingesetzt, die sich im II. Weltkrieg den völkermordenden Kriegsplänen der Nazis verweigerten und als Deserteure hingerichtet wurden. Nun soll durch die Aufstellung eines Denkmals am Platz der Gärtner, neben dem Flensburger Rathaus, diesen Menschen ein würdiges Andenken zuteil werden. Zur Einweihung, zu der ganz offiziell auch die Stadt Flensburg, vertreten durch Oberbürgermeister Simon Faber und Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar eingeladen haben, wird ebenso die schleswig-holsteinische Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, Anke Sporendonk erscheinen. Claus Kühne, einer der Initiatoren dieser jahrzehntelangen Bemühungen, schreibt dazu in einer Einladungsmail:

Am 28. Februar 2013 beschloss der Kulturausschuss der Stadt Flensburg mehrheitlich, unser Denkmal,

„……für Menschen, die sich nicht missbrauchen ließen für einen verbrecherischen Krieg“,

das zuvor fast 20 Jahre bei mir auf dem Hof gestanden hatte, an einem würdigen Platz aufzustellen zu lassen; eine feierliche Einweihung findet jetzt am 7. Januar um 15 Uhr statt, zu der ich alle Interessierten einlade.

Besonders freut mich in diesem Zusammenhang, dass sich die Stadt endlich ihrer historischen Verantwortung stellt. In Flensburg wurden selbst noch nach Kriegsende Menschen als Fahnenflüchtige verurteilt und hingerichtet, teils weil sie einfach meinten, der Krieg sei beendet, sie könnten nach Hause, teils weil sie sich dem Befehl widersetzten, ihr Kriegsschiff für einen neuen Krieg an der Seite der Westmächte gegen die Sowjetunion bereit zu machen.
Insgesamt 30.000 Soldaten desertierten, 20.000 von ihnen wurden hingerichtet. Diese Urteile wurden 2002 endlich pauschal aufgehoben, nachdem sie als Unrechtsurteile erkannt worden waren.
Mit genanntem Denkmal wird dem Mut der Betreffenden, sich dem verbrecherischen Krieg zu widersetzen, endlich ein Denkmal gesetzt.

Herzliche  Grüße

Claus Kühne

Ps. Einige Worte zum Ablauf:

1.  Begrüßung durch unsere Stadtpräsidentin Frau Swetlana Krätzschmar
2.  Grußworte Frau Ministerin Anke Sporendonk
3.  Rede Dr. Helmreich Eberlein für CfA, Christen für Abrüstung 

Würdevoll umrahmt durch den Posaunenchor Mürwik.

Untenstehend die offizielle Einladung der Stadt FlensburgEinweihung Deserteursdenkmal

Nachtrag vom 10.1.2014:

Hier gibt es die Rede von Dr. Helmreich Eberlein zur Einweihung des Deserteursdenkmals am 7.1. in Flensburg Helmreich Eberlein Rede zur Einweihung des Denkmals 7.1.2014 sowie untenstehend der Bericht des Flensburger Tageblattes vom 8.1.2014 Einweihung Flensburg Deserteursdenkmal FT 8.1.2014

Abriss eines historischen Hauses und Neubau in der Norderstraße 41 in Flensburg

Öffentlichkeitsbeteiligung vor Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens

(Pressemitteilung der Stadt Flensburg) Am 20. August steht die Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens für den Neubau des Gebäudes Norderstraße 41 zur Entscheidung im Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung an. Vor der Entscheidung wird der Öffentlichkeit Gelegenheit gegeben, bis zum 15. August Anregungen und Einwände zu diesem Vorhaben einzubringen. Nähere Informationen gibt es im Internet unter http://www.flensburg.de/bauen-wohnen/aktuelle-bauanfragen/norderstrasse-41/index.php oder direkt bei der Stadt- und Landschaftsplanung im Technischen Rathaus, Am Pferdewasser 14.

Für das Gelände des ehemaligen Roxy gibt es eine Entwurfsplanung aus dem Jahr 2011, der vom zuständigen Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung zugestimmt wurde. Diese umfasst das gesamte Gelände der Grundstücke Norderstraße 41 – 45.

Damals war man von einem Erhalt des Gebäudes Norderstraße 41 ausgegangen. In der weiteren Ausführungsplanung hat sich ergeben, dass das Gebäude nun doch abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll. In dem dreigeschossigen Neubau sollen eine Gewerbefläche (an der Norderstraße) und bis zu sechs Wohnungen entstehen.

Die denkmalgeschützte Straßenfassade wird in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde erhalten.

Die Verwaltung empfiehlt die Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens. Das Vorhaben entspricht in seiner Nutzung den Festsetzungen des Bebauungsplanes und der Neubau hält die Baugrenzen ein. Die Grundstücksausnutzung fügt sich in die Umgebung ein.

Tag des Offenen Denkmals in Flensburg am Sonntag, den 9. September 2012

Flensburg. Der Tag des offenen Denkmals feiert in diesem Jahr ein Jubiläum – es gibt ihn nun zum 20. Mal. Flensburg war von Anfang an dabei und lädt die Geschichtsinteressierten auch in diesem Jahr wieder ein, einige der Kulturdenkmale der Fördestadt kennenzulernen. Es wird wieder eine bunte Mischung von Denkmalen geöffnet sein.

Neben den bewährten Publikumsmagneten – der Marineschule, der „Alex“, den Hauptkirchen, der Bergmühle, dem Christiansenpark  und den Museen gibt es auch immer aktuelle Sanierungsprojekte im Programm des Denkmaltages. Am 9. September  wird ein vormaliges Bordellhaus im „Oluf“ geöffnet sein, das ein Flensburger Ehepaar gekauft hat und es nun mit viel Liebe zur Geschichte instandsetzen möchte.

Clemens Teschendorf, Pressestelle des Rathauses, Stadt Flensburg

Umfangreiche Infos mit dem Programm, Orts- und Wegbeschreibungen gibt es unter: http://tag-des-offenen-denkmals.de/laender/sh/kreisfrei/1015/ und  hier  http://www.presse-service.de/medienarchiv.cfm?medien_id=118236

Geschafft: Flensburger Ratsversammlung beschließt Aufstellung eines Denkmals für Deserteure

Nachdem vor einigen Monaten die Debatte um die Aufstellung eines Denkmals für Deserteure in Flensburg nach jahrelanger Pause wieder aufgenommen wurde, hat nun die Ratsversammlung mit Ihrem Beschluss vom 22.3.2012 endgültig den Weg für die Aufstellung frei gemacht. Die AKOPOL-Fraktion, wie auch die MitstreiterInnen  des Arbeitskreises Kommunalpolitik freuen sich natürlich hierüber besonders, dauerte es doch rund 18 Jahre, bis sich die Kommunalpolitiker mehrheitlich für eine Aufstellung des Denkmals im öffentlichen Raum entschieden.

Untenstehend nun mehr zum Beschluss der Ratsversammlung in einem Artikel des Flensburger Tageblattes und zwei erläuternde Leserbriefe aus der Flensborg Avis von den beiden Initiatoren für die Denkmal-Aufstellung, Dr. Helmreich Eberlein und Claus S. Kühne.

FLENSBURGER TAGEBLATT vom 27. März 2012 Mutig oder oberflächlich? – Wort und Ort für Denkmal gesucht von Holger Ohlsen unter: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/article//wort-und-ort-fuer-denkmal-gesucht.html

Mutig oder oberflächlich? – Wort und Ort für Denkmal gesucht

Mehrheit im Rat beschließt, dass das Relief zum Gedenken an Deserteure aufgestellt wird / CDU wollte Entscheidung der Kunstkommission übertragen

Flensburg. 18 Jahre hat es in der Stille und Abgeschiedenheit eines Hinterhofs Patina angesetzt – jetzt drängt es nach einer lauten Debatte im Rat in den Vordergrund: Das 1994 von der Gruppe „Christen für Abrüstung“ in Auftrag gegebene Deserteur-Denkmal soll einen öffentlichen Platz in Flensburg bekommen. So wollte es eine deutliche Mehrheit im Rat nach anderthalb Stunden teils leidenschaftlicher Debatte.
Die Fraktion um Frank Markus Döring stand auf verlorenem Posten. Der CDU-Fraktionschef hatte sich vergebens bemüht, Zweifel an der Integrität des Reliefs zu säen, das als pazifistisches Zeichen wider verbrecherische Kriege geschaffen wurde. Die eher undifferenzierte ursprüngliche Aussage, die Desertion ohne Ansehen der individuellen Gründe ehre, werde dem Thema nicht gerecht, meinte Döring. Es gebe starke ethische Gründe für Desertion, meinte Döring, machte aber auch deutlich, dass er diese Menschen durch das Relief nicht gut vertreten sieht. Denn es gebe durchaus eigennützige Motive. Ob dieser Widerspruch – wie in der von WiF und SSW unterstützten Beschlussvorlage der SPD, der Grünen und der Linken vorgeschlagen – durch eine erläuternde Tafel aufgelöst werden könne, bezweifelte Döring ganz erheblich. „Wenn wir unsere besondere Flensburger Verantwortung darstellen wollen, warum mit einem Deserteurs-Denkmal?“, meinte er. „Die gab es schließlich überall!“ Er stellte in einer eigenen Vorlage zur Abstimmung, ein Deserteur-Denkmal zwar aufzustellen, doch Art und Ort dem Urteil der Kunstkommission anheim zu stellen.
Damit lieferte der CDU-Politiker freilich eine forsche Vorlage für die Mehrheit der Denkmalbefürworter. Billige Ausflüchte bescheinigte ihm Elmar Westphal (WiF); Simone Lange fühlte sich gar angegriffen, dass „wir 67 Jahre nach Kriegsende nicht den Mut aufbringen, ein Denkmal für Menschen aufzustellen, die mutig waren.“
Immerhin: Uwe Lorenzen (Grüne), 1994 einer der Initiatoren für die Entstehung des umstrittenen Reliefs, sah gewisse künstlerische Schwächen, die durch die in der Vorlage mit zu beschließende Erläuterungstafel hoffentlich ausgeglichen werden würden. Seniorenbeirat Ekkehard Krüger, auch er einer der Christen gegen Abrüstung, sah die Sinnhaftigkeit des Deserteur-Denkmals schon durch die nachhaltige Ratsdebatte als erwiesen an. „Es geht nicht um einen Ort für Kranzniederlegungen, sondern um ein Denkmal. Und es geht um Diskussionen. Wie diese hier!“
Die Mehrheit lehnte Dörings Vorlage ab und beschloss den Antrag des Grüne-Linke-SPD-Bündnisses. Das Deserteur-Denkmal wird inklusive Erläuterungstafel aufgestellt. Ein Platz wird gesucht. Ein Erläuterungstext auch.

Leserbrief von Dr. Helmreich Eberlein in der Flensborg Avis vom 30. März 2012:

Tut der Bundeswehr einen Bärendienst

Jens Christian Krause (JCK) polemisiert in seinem Leserbrief vom 24.3. gegen das Denkmal für Deserteure, das seit 18 Jahren im Hinterhof von Claus Kühne steht; die Ratsversammlung hat gerade mitdeutlicher Mehrheit beschlossen, es öffentlich aufzustellen.JCK hat offenbar Verschiedenes nicht mitbekommen.
Weder, dass es heute durchaus noch in Deutschland (und Dänemark!) Neonazis gibt, noch dass dieses Denkmal keineswegs deutsche Soldaten zum desertieren auffordert, die im Einsatz gegen Terroristen sind.
Dieses Denk-Mal ehrt »Menschen, die sich nicht missbrauchen ließen für einen verbrecherischen Krieg«. Also z.B. Soldaten, die sich in Syrien weigern, auf die demonstrierenden Bürger zu schießen und dafür ihr Leben riskieren.Gerade erst wurde einem syrischen Deserteur der Schutz verweigert, er wurde aus Deutschland gnadenlos abgeschoben.
Oder die Serben und Bosnier, die in den Balkankriegen flohen, weil sie nicht auf ihre Nachbarn und Verwandten schießen wollten, und die hierzulande als Verbrecher behandelt wurden und kein Asyl erhielten. Oder die Dänen, die wie Karl Otto Meyer nicht für einen Diktator und Besatzer von Dänemark sterben wollten, sondern für Demokratie kämpfen wollten.
Den deutschen Soldaten in Afghanistan kann unser Denkmal höchstens eine Mahnung sein, das ernst zu nehmen, was unser Gesetz von ihnen verlangt: ihr Gewissen zu prüfen,ob ihnen nicht Verbrechen befohlen werden.
Dann nämlich sind sie verpflichtet, so einen Befehl zu verweigern. Unser Verfassungsgericht hat schon mehrfach so geurteilt: den Soldaten der DDR, die an der Mauer auf flüchtende Bürger geschossen hatten, hat es vorgehalten, sie hätten einen solchen Befehl verweigern müssen, selbst entgegen den damals geltenden Gesetzen.
Und einem Major der Luftwaffe,der sich im Irak-Krieg weigerte, die Awacs-Aufklärungsflugzeuge der Nato über dem Irak zu fliegen, hat es Recht gegeben. Also tut JCK der Bundeswehr einen Bärendienst,wenn er gegen die Mahnung durch unser Denk-Mal polemisiert.
Überflüssig ist diese Mahnung bestimmt nicht! Wenn Sie sehen, was der Krieg mitunter aus amerikanischen Soldaten gemacht hat, soll niemand meinen, deutsche oder dänische Soldaten seien gegen solche seelische Deformierung immun.
Es ist ein Unterschied, ob man in einem Rechtsstaat lebt oder in einem Staat, der kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen anerkennt. In einem solchen Staat bleibt einem, der sich nicht für Verbrechen missbrauchen lassen will, nur die Desertion – dafür verdient er Anerkennung und Schutz. Bei uns ist eine Desertion nicht nötig.
Sich nicht missbrauchen zu lassen für Verbrechen heißt bei uns, einen verbrecherischen Befehl zu verweigern, oder, wenn das eigene Gewissen jede Beteiligung an Krieg verbietet, dann heißt das, den Kriegsdienst zu verweigern, offen und legal. Nicht desertieren.
Deshalb kommt in der Widmung unseres Denkmals auch nirgends das Wort »Deserteur« vor.
Geehrt wird der Widerstand gegen einen verbrecherischen Krieg, mit den Mitteln, die dazu jeweils angemessen sind.
Gezeigt wird ein Soldat, der die Waffen abgelegt hat, weil wir das Unrecht an den Gewissens-Deserteuren ansprechen wollen. Aber das kann durchaus auch ein Kriegsdienst-Verweigerer sein.
JCK meint, wir sollten lieber die Soldaten unterstützen, die zu Einsätzen wie in Afghanistan geschickt werden. Vielleicht würden ja viele solche »Humanitären Kriegseinsätze« überflüssig, wenn wir stattdessen den Gewaltherrschern ihre Macht untergraben würden,indem wir ihren desertierenden Soldaten die Flucht bahnen und ihnen eine bessere Perspektive bieten würden!

Leserbrief von Claus S. Kühne vom 29. Mäz 2012 auf Flensborg Avis Online unter:  http://www.fla.de/?UNF=28&G=a8c4

Die Debatte über das Deserteur-Denkmal

Sehr geehrter Herr Krause, auf den ersten Teil Ihres Leserbriefes (24.3. in FlA) möchte ich nicht eingehen, dieser zeigt bereits eine grobe Fehleinschätzung und Unkenntnis Ihrerseits, zumal Sie die Demonstranten gegen Faschismus pauschal als Menschen hinstellen, die ihre Sozialhilfe versaufen.
Sie hatten mich in dem Leserbrief bzgl. des Denkmals namentlich erwähnt, weshalb ich wohl Stellung beziehen sollte: Zugegeben, das Bild des Denkmals in Flensborg Avis ist nicht so berauschend, ich lade Sie aber ein, rufen Sie mich an, ich werde Ihnen das »Denk-mal« gerne zeigen.
Mit Ihrem Vorurteil »et afskyeligt makværk« stehen Sie allerdings nicht alleine, die meisten Ratsmitglieder, die sich gegen das Denkmal ausgesprochen hatten, versuchten auch aus Mangel an nachvollziehbaren Gegenargumenten die künstlerische Qualität in Frage zu stellen, obwohl sie das Denkmal nie gesehen hatten.
Es ist natürlich immer schwierig, einen Leserbrief zu beantworten, der unstrukturiert verschiedene Dinge versucht in einen Topf zu werfen, zunächst die o.g. Demonstranten, dann die künstlerische Qualität des Denkmals, meine angebliche Botschaft, ich würde alle Deserteure meinen, obwohl ausdrücklich gesagt wird: »Menschen, die sich nicht missbrauchen lassen für einen verbrecherischen Krieg«, dann lenken Sie plötzlich ab auf den Krieg in Afghanistan, meinen, es sei meine Pflicht, an die Soldaten zu denken, die sich dort für unsere Freiheit einsetzen würden, wie gesagt, ein »Kuddelmuddel«.
Natürlich bin ich sehr dankbar, dass sich die Mehrheit der Ratsversammlung endlich für das Denkmal ausgesprochen hat, ich hoffe, die Neinsager haben nicht so entschieden, weil sie Ewiggestrige sind, sondern weil sie nach 18 Jahren die Intention für die Aufstellung noch immer nicht begriffen haben. Sie wollten noch zwei weitere Monate zum Nachdenken; es ist aber keine Brücke abgebrochen, so dass auch Zögerliche im Nachhinein noch ein positives Votum abgeben könnten – ihre Meinung revidieren. Dieses möchte ich vor allen Dingen den beiden großen Fraktionen ans Herz legen, deren Vorsitzende sich zuvor klar pro Denkmal ausgesprochen hatten, deren Fraktionen dann aber contra stimmten; sicherlich ein Glaubwürdigkeitsproblem, das diese beiden Fraktionen den Bürgern erklären sollten.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei der Presse bedanken, vor allen Dingen beim Tageblatt, doch auch Flensborg Avis und MoinMoin, sogar der taz-Hamburg, die alle sorgfältig und umfassend über die wichtigen Gründe berichtet hatten, warum gerade Flensburg aus seiner historischen Vergangenheit das Denkmal benötigt.
Gegenüber der C.P.-Skolen, auf dem Vogt-Platz, steht ein Denkmal mit folgender schauriger Inschrift, ich zitiere:
»Wachse, o Freiheit der deutschen Eichen,
Wachse empor über ihre Leichen
Freudig geopfert dem Vaterland«.
Ich bin sicher, dass die Ratsversammlung so etwas heute nicht mehr formulieren würde – würden Sie es, Herr Krause?
Ich gestehe, mir gefällt der Spruch, der unbedingt am Denkmal angebracht werden soll, sehr viel besser.

Leserbrief von Jens Christian Krause vom 24.3.2012 auf Flensborg Avis Online unter: http://www.fla.de/?UNF=1c&G=a767

Mod facisme og for dessertører

I lørdags stod en menneskemængde på omkring 120 på Søndertorv i Flensborg. De kaldte sig antifascister og var alle klædt i sort og spillede rædselsfuld musik fra nogle medbragte højtalere.
Selv om de hævdede at være mod fascismen, så virkede deres sorte mundering noget truende.
Fascisme er ifølge Nudansk Ordbog en »stærk statsmagt uden egentlig indflydelse fra vælgernes side«.
Den havde vi jo her i Tyskland mellem 1933 og 45. Man kan så hævde, at de gæve antifascister i deres sorte hættetrøjer er en smule sent ude. Men hellere sent end aldrig, må man sige, når det nu var for den gode sag, at de demonstrerede. Og så fik de og deres hunde deres motion den dag, for ellers ville de jo bare sidde i deres lejlighed på Hafermarkt og drikke øl for deres bistandspenge.
En anden borger, der nidkært ombejler det gode, er Claus Kühne. Han slår et slag for, at et mindesmærke for desertører skal finde vejen fra hans baggård over i offentlighedens søgelys. Tja, hvis der stod sådan et afskyeligt makværk, som det, der har været afbilledet i avisen gentagne gange, i min baggård, så ville jeg da skam også sætte fantasien i gang for at skaffe mig af med det.
Kühne mener i ramme alvor, at »kunstens« budskab ikke blot gælder for soldater, der var indrulleret i den nazistiske hær, men at det stadig er gældende.
Det burde være Kühnes gode pligt at bakke op om vores tapre soldater, der gør en dygtig indsats for at forhindre terroren i at sprede sig fra Afghanistan og til vores endnu nogenlunde sikre Tyskland og Danmark.
Men i stedet lukker han øjnene og vil ikke se sammenhængen mellem uddannelseslejre dér og 11. september og andre terrorattentater i den vestlige verden.

Öffentliche Debatte um Denkmal für Deserteure in Flensburg – Kulturausschuss und Ratsversammlung sollen über Aufstellung entscheiden

Nachdem die öffentliche Debatte um die Aufstellung eines Denkmals für Deserteure in Flensburg an Fahrt aufgenommen hat, gibt es mittlerweile zwei Anträge für die kommende Kulturausschuss-Sitzung am 8. März und für die Sitzung der Ratsversammlung am 22. März. Dumm nur, dass beide Anträge, gestellt jeweils von den Grünen und Linken sowie von der SPD, faktisch inhaltlich gleich sind. Warum man sich nicht bemüht hat, einen fraktionsübergreifenden Antrag zu formulieren, bleibt ein Geheimnis der Antragsteller. Die AKOPOL-Fraktion unterstützt die Aufstellung des Denkmals im öffentlichen Raum ohne wenn und aber und hält es für notwendig, mit allen Fraktionen gemeinsam einen enstprechenden Antrag im Kulturausschuss und auf der kommenden Ratsversammlung zu verabschieden.

Untenstehend dokumentieren wir zwei (leider in der größten Flensburger Tageszeitung nicht erschienene) Leserbriefe zum Thema sowie Zeitungsartikel und die beiden Anträge.

Leserbrief

von Ingeborg Czapla am 14.2.12 eingeschickt

Deserteur-Denkmal

Dieses Mahnmal ist keine Aufforderung für Bundeswehrangehörige, zu desertieren!

Das geht eindeutig aus dem Text auf der Bronzeplatte hervor: „Denk-Mal für Menschen, die sich nicht missbrauchen liessen für einen verbrecherischen Krieg“.

Insofern meint das Denkmal nicht nur Deserteure der Wehrmacht, sondern betrifft die Gegenwart. Wir machen uns heute schuldig, indem wir Deserteuren Asyl verweigern.

Asylanträge werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit der Begründung abgelehnt: “ Bestrafung wegen Desertion stellt keine politische Verfolgung dar“. Und auch die Gerichte entscheiden nach dieser Maxime.

500.000 Menschen desertierten im jugoslawischen Bürgerkrieg aus diversen Armeen. Tausende, die nach Deutschland kamen, wurden zurückgeschickt. Deutsche Behörden entschieden, dass sie keinen Anspruch auf Asyl haben, sondern im Gegenteil an die Kriegsparteiuen überstellt werden müssten. Deserteure aus dem dem Tschetschenien-Krieg, dem Krieg zwischen Armenien und Aserbeidschan wurden ebenfalls in ihre Länder zurückgeschickt und den Behörden übergeben.

Dort wurden sie zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Im Irak desertierten 200.000 Menschen. Sie wurden ausgeliefert und nach islamischem Recht abgeurteilt. Es wurde ihnen die rechte Hand abgehackt, oder ein Ohr abgeschnitten. Auf die Stirn wurde ihnen ein X mit heissem Eisen eingebrannt..

Unser Grundgesetz sagt: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“. Es steht dort nicht:: „kein Deutscher darf gezwungen werden“.

In Lybien und Syrien waren und sind die Deserteure die wichtigste Hoffnung der Menschen. Wir sollten sie ermutigen und ehren, ihnen sicheren Schutz und eine Perspektive bieten, statt sie weiter als Straftäter anzusehen und ihren Verfolgern auszuliefern.

Ein Mahnmal für Deserteure ist überfällig. Besonders in der „Reichshauptstadt Flensburg“. 30 andere Städte haben seit Jahren so ein Mahnmal (siehe auch unter: www.pk-deserteure.at ).Hat denn Flensburg immer noch nichts gelernt?

Leserbrief

Zu: Ein Denkmal, das keiner haben will – Antwort auf den Leserbrief vom Thilo Rüder vom 15.2.12 im Flensburger Tageblatt

In seinem Leserbrief vom 15.2. behauptet Herr Rüder, die Wehrmachts-Deserteure seien „fast ausschließlich“ geflohen, um sich der Verurteilung für „kriminelle Machenschaften“ zu entziehen; für solche Leute bräuchten wir in Flensburg kein Denkmal.

Anscheinend hat Herr Rüder die Entwicklung der letzten 20 Jahre gar nicht mitbekommen, die derzeitige Wanderausstellung über die Militärjustiz der Wehrmacht im Rathaus und die begleitenden Vorträge nicht zur Kenntnis genommen, sonst könnte er diesen längst widerlegten Unsinn nicht weiter verbreiten. Tatsache ist, dass der Deutsche Bundestag 2002 mit überwältigender Mehrheit die Urteile der Militärjustiz über Deserteure alle als Unrechtsjustiz gebrandmarkt und aufgehoben und die Deserteure rehabilitiert hat. Aus guten Gründen: die Schwere der persönlichen Schuld spielte bei ihren Urteilen keine Rolle, entscheidend war der Druck der militärischen Führung, durch extrem harte Urteile gegen jeden, der nur 24 Stunden unerlaubt der Truppe fernblieb, die Disziplin und beliebige Einsetzbarkeit der Truppe durchzusetzen. Wenn Herr Rüder behauptet, die Hälfte der Deserteure sei schon vorbestraft eingezogen worden, dann muss dazu gesagt werden, dass es im NS-System auch im Zivilleben durchaus ehrenhaft sein konnte, nicht angepasst zu sein! Wofür wurde man da nicht alles bestraft – deshalb trauten sich doch so Viele nicht aufzumucken! Umgekehrt muss man wohl fragen, ob nicht auch manche der Soldaten, für die hier überall Kriegerdenkmäler stehen, an Verbrechen ganz anderer Art als Schwarzmarkt-Geschäften beteiligt waren. Lesen Sie in dem Buch „Soldaten“ von SÖNKE NEITZEL und HARALD WELZER, wie sich deutsche Wehrmachtssoldaten über ihre Tätigkeit selbst geäußert haben, da wird Ihnen schlecht!

Im Übrigen ist es unerheblich, aus welchen Gründen im Einzelnen jemand sich der Teilnahme an einem Verbrechen entzieht. Dass er nicht mitmacht, unter Einsatz seines Lebens, ist eine zu ehrende Tat. Darum geht es bei dem Denkmal, über dessen Aufstellung wir reden: um Menschen, die sich nicht missbrauchen ließen für einen verbrecherischen Krieg. Ob es Hitlers Vernichtungskrieg im Osten war oder der Krieg, den zur Zeit Assad gegen das eigene syrische Volk führt, oder die Bruderkriege auf dem Balkan in den 90er Jahren. Für diese Menschen braucht gerade Flensburg ein Denkmal, davon bin ich überzeugt.

Dr. med. Helmreich Eberlein
24941 Flensburg

Untenstehend die beiden Anträge und Zeitungsartikel:

Antrag Grüne/DIE LINKE Antrag Grüne LINKE Deserteursdenkmal   Antrag SPD Beschlussvorlage_SPD_KA-4-2012

Zeitungsartikel Mahnmal1  Mahnmal2 Mahnmal3

Aufstellung des Deserteursdenkmal in Flensburg noch in diesem Jahr?

Bereits vor ein paar Wochen hatten wir im Rahmen der Bemühungen einer Initiative zur Aufstellung eines Deserteursdenkmal in Flensburg einen Leserbrief von Dr. Helmreich Eberlein veröffentlicht. Die AKOPOL-Fraktion unterstützt das Anliegen der beiden Sprecher der Initiative, Claus Kühne und Dr. Helmreich Eberlein, und plant gemeinsam mit anderen Ratsfraktionen einen Antrag im Kulturausschuss einzubringen, um noch in diesem Jahr die Aufstellung des Denkmals an einem öffentlichen Platz in Flensburg zu ermöglichen.

Am 8.2. 2012 erschien zum gleichen Thema ein ausführlicher und Artikel im Flensburger Tageblatt, den wir deshalb untenstehend dokumentieren:

Flensburger Tageblatt  vom 8.2.2012 Ein Denkmal, das keiner will

Flensburg

Ein Denkmal, das keiner will

Sie desertierten, um sich Kriegsverbrechen zu widersetzten. Jenen Soldaten wurde ein Denkmal gesetzt. Seit 18 Jahren steht es in einem Hinterhof. Die Initiatoren hoffen auf eine neue Chance.

Flensburg. Flensburgs am besten verstecktes Denkmal steht in einem Hinterhof an der Schleswiger Straße. Genauer: Hinter einer Ecke dieses Hinterhofs: Nicht einmal ein Spaziergänger, der sich zufällig in den Hof verirrt, würde es entdecken. Dabei ist das zwei Meter hohe Marmorrelief, das einen Soldaten mit zerbrochenem Gewehr zeigt, eigentlich gar nicht zu übersehen. Doch das Denkmal für Deserteure, die sich Kriegsverbrechen widersetzten, ist im Hof von Claus Kühne mittlerweile drauf und dran, volljährig zu werden. Seit fast 18 Jahren lehnt das Relief (…) an diesem Schuppen. (…)

Wieso Kühne dem Mahnmal Asyl gewährt hat? Der Kaufmann im Ruhestand gehörte zu der aus der Friedensbewegung entstandenen Flensburger Gruppe „Christen für die Abrüstung“, die das Denkmal 1994 in Auftrag gab. Die rund 12.000 Euro teure Arbeit war seinerzeit bestellt worden, nachdem die SPD im Rat ihre Zustimmung signalisiert hatte, das Deserteurs-Denkmal in der Stadt aufzustellen und zumindest schon die kleine Grünen-Fraktion den Beschluss mittragen wollte.

„Plötzlich standen die Grünen alleine mit dem Antrag da“

Doch dann müssen wohl die Bedenkenträger in der SPD die Überhand gewonnen haben, wie Kühne sich erinnert: „Plötzlich standen die Grünen ganz allein da mit dem Antrag, der ursprünglich von der SPD kam.“ Es gab jedenfalls eine engagierte Diskussion darüber, ob man für Deserteure ganz generell ein Denkmal aufstellen dürfe, also für jeden Fahnenflüchtigen: „Dann ist ein Arbeitskreis gegründet worden, wie man das eben so macht, wenn man nicht mehr weiter weiß“, sagt Uwe Lorenzen von den Grünen, heute dienstältester Ratsherr. Die Diskussion nahm jedenfalls den erwarteten Fortgang – sie verlief im Sande.

Stadt-Sprecher Clemens Teschendorf wies am Dienstag daraufhin, dass sich damals auch die Kunstkommission der Stadt mit der Deserteursfrage und der potentiellen Standortfrage beschäftigt habe – ohne positives Ergebnis für das Mahnmal. Heute, fast 20 Jahre später, wird über das Deserteursdenkmal viel weniger angestrengt diskutiert. „Es wurde ja präziste geäußert, dass es solche Deserteure gemeint sind, die sich verbrecherischem Handeln widersetzen“, sagt der Sprecher der Stadtverwaltung. Auch sei die Bundeswehr nach Teschendorfs Recherchen aufgeschlossener gewesen als seinerzeit manches Ratsmitglied. Und wenn aus dem Umfeld der vielbeachteten Ausstellung in der Bürgerhalle über die NS-Militärjustiz jetzt ein neuer Denkanstoß komme? Dann müsse der Weg nicht über die Verwaltung, sondern über die Politik eingeschlagen werden.

„Wir wollen eine Gedenkstätte für alle Opfer“

„Die Stadt weigert sich seit 1994, dem Deserteurs-Denkmal einen öffentlichen Platz zu geben. Angeblich gibt es keinen speziellen Bezug zu Flensburg“, kritisiert dagegen Helmreich Eberlein, einer der Initiatoren von damals. „Flensburg als letzte Reichshauptstadt trägt eine besondere Verantwortung“, findet auch Claus Kühne.

Die Befürworter der Aufstellung des Denkmals, für das zum Beispiel als Standort der I.C.-Möller-Platz vorgeschlagen wird, wollen das Erinnern bewusst nicht auf die Zeit der Nazi-Diktatur beschränken. „Noch heute werden Deserteure zurückgeschickt“, sagt Kühne. Man müsse sich nur an Serbien oder den Tschetschenien-Krieg erinnern. Kühne: „Wir wollen eine Gedenkstätte für alle Opfer.“

Leserbriefe:

Die Berichterstattung des Flensburger Tageblattes zum Deserteursdenkmal sorgt für ein lebhaftes öffentliches Echo. Aus diesem Grund möchten wir den AKOPOL-Blog-LeserInnen zwei Leserbrife die am 10.2. im Tageblatt erschienen, nicht vor enthalten:

Denkmal-Skandal

Zu: „Ein Denkmal, das in Flensburg keiner haben will“ (Ausgabe vom 8. Februar) und zum Leserbrief „Immer noch Unrecht“ (Ausgabe vom 17. Januar)

Dr. Eberlein schreibt in seinem Leserbrief vom 17. Januar, es sei ein Skandal, dass ein Denkmal, das für Deserteure in aller Welt geschaffen wurde, in Flensburg versteckt auf einem Hinterhof steht, weil die Stadt sich weigert, ihm einen öffentlichen Platz zu geben. Ich habe mich bei der Stadt erkundigt, und die Auskunft erhalten, dass die Stadt plant, ein zentrales Mahnmal für die Opfer des Naziregimes aufzustellen, und „dass wir dieses zentrale Gedenken nicht durch weitere Denkmäler aufweichen möchten.“ Das soll der Grund sein? Erst seit 1989 gibt es auf deutschem Boden keine Unrechtsurteile mehr, die gegen Menschen gefällt und vollstreckt wurden, die es in ihrem Staat nicht mehr ertragen konnten, und deren einziges Verbrechen in der „Republikflucht“ bestand. Darf an die Toten an der Mauer nicht erinnert werden, weil das Deserteur-Denkmal auch an die Opfer des Naziregimes erinnert? Auch die Deserteure aus den Balkankriegen und Tschetschenien, die sich weigerten, auf ihre eigenen Landsleute zu schiessen, sind es offenbar nicht wert, dass man ihrer gedenkt. Ebenfalls diejenigen nicht, die jetzt täglich den Unrechtstaaten, in denen sie leben, den Rücken kehren.

Soldaten der Bundeswehr dürfen heute nicht nur, sondern sie müssen sich sogar einem Unrechtsbefehl verweigern. Alle, die sich gegen Unrecht auflehnen, haben Anspruch auf unseren Respekt. Dass das Deserteur-Denkmal in Flensburg nicht aufgestellt werden darf, ist wirklich ein Skandal!

Heinz Kellermann, Flensburg

Es würde meiner Heimatstadt Flensburg gut zu Gesicht stehen, nach dem Idstedt-Löwen jetzt auch das bisher „versteckte“ Mahnmal zur Erinnerung an die vielen tausend in Nazi-Deutschland ermordeten Deserteure der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Denn auch in Flensburg im letzten Winkel des „Dritten Reiches“ unter der Hitler-Nachfolgeregierung Dönitz sind Unrechtsurteile gesprochen und vollstreckt worden. Am Flensburger Hafen sollte sich eine geeigneter Standort finden lassen. Es bleibt zu wünschen, dass die Flensburger Ratsversammlung sich dieses auch heute noch aktuellen Themas annimmt und zu einer würdigen Entscheidung findet.

Dr. Hans-Werner Johannsen, Tarp

Deserteur-Denkmal:
Offen sein bei Standort

Zu: „Ein Denkmal, das in Flensburg keiner haben will“ (Ausgabe vom 8. Februar)

Für die Aufstellung des Denkmals für Deserteure muss eine Lösung gefunden werden. Der jetzige Zustand ist unwürdig, er ist eine Beleidigung für alle, die sich dem NS-Unrechtsregime entzogen oder widersetzt haben. Wir haben deshalb die moralische Verpflichtung, hier etwas zu tun. Der Standortdiskussion stehen wir offen gegenüber. Sie sollte sachlich, mit hoher Sensibilität und mit allen Beteiligten geführt werden. Klar ist: Ein „versteckter“ Standort geht nicht, er muss öffentlich zugänglich sein. Das, was an Standorten diskutiert wird (wie Friedhof Friedenshügel, Carlisle-Park, Gedenkstätte Ladelund) sind nur einige Möglichkeiten. Wichtig ist ein Standort im öffentlichen Raum.

Die Berichterstattung über die Diskussion der Vergangenheit bedarf einer Korrektur: Die SPD war es, die am 18. Mai 1995 einen Antrag an die Ratsversammlung stellte. Der Beschlussvorschlag wörtlich: „Die SPD-Ratsfraktion beantragt die Aufstellung eines Denkmals für die Opfer der Willkürjustiz, für Widerstandskämpfer und Deserteure im NS-Unrechtssystem.“ Zum fünfzigsten Jahrestag des Kriegsendes meinte die SPD, dass die Zeit gekommen sei, zu mahnen und nachdenkend zu handeln. Dem war nicht so: Bei 18 Ja-Stimmen von SPD und Grünen, 22 Nein-Stimmen von CDU und SSW sowie einer CDU-Enthaltung wurde der Antrag abgelehnt.

Der in der Berichterstattung erwähnte rot-grüne Antrag war eine vorherige Fassung, hatte noch weniger Durchsetzungschancen, wurde deshalb zurückgezogen und durch den hier zitierten ersetzt. Mahnen und erinnern – dieser Verpflichtung dürfen wir uns nicht entziehen.

Helmut Trost, SPD-Ratsherr

Endlich ein Deserteursdenkmal in Flensburg?

Angesichts der Ausstellung über die Nazi-Miltärjustiz in der Bürgerhalle des Flensburger Rathauses möchten wir den Blog-LeserInnen die untenstehenden Beiträge nicht vorenthalten
Im Übrigen unterstützen wir als AKOPOL-Ratsfraktion das Anliegen von Herrn Dr. Eberlein nach Aufstellung eines Deserteursdenkmal nicht nur für diejenigen, die sich dem Dienst in der Nazi-Wehrmacht während des II. Weltkrieges entzogen und Opfer der Militärjustiz wurden. Wir werden uns mit anderen Ratsfraktionen bemühen, über eine enstprechende politische Initiative die Aufstellung des Denkmals an einem öffentlich Platz noch in diesem Jahr zu erreichen. (Wer mehr zum Thema Deserteursdenkmäler in Deutschland wissen möchte, hier gibt´s mehr Informationen: http://www.pk-deserteure.at/index.php?id=49 )

Immer noch  Unrecht

Leserbrief zur Ausstellung „Was damals Recht war…“ und zum Artikel „Johann Süß’ letzte Fahrt nach Flensburg“ im  Flensburger Tageblatt (Ausgabe vom 12. Januar)

Am Dienstag, 10. Januar, wurde in der Bürgerhalle des Rathauses in Flensburg eine beeindruckende Ausstellung unter dem Titel „Was damals Recht war…“ eröffnet. Sie zeichnet die Unrechtsprechung der Wehrmachtsjustiz im Dritten Reich nach, die zigtausende Todesurteile fällte und vollstreckte gegen alle, die sich nicht verheizen lassen wollten für Hitlers Krieg, den sie als Verbrechen erlebt hatten oder den sie als aussichtslos erkannten. Am furchtbarsten sind die Todesurteile gegen Soldaten, die nach der Kapitulation einfach glaubten, der Krieg sei aus, und sie könnten nach Hause gehen. Während die NS-Größen sich hier im Polizeipräsidium gegenseitig falsche Pässe ausstellten und über die Grenze halfen, wurden diese kleinen Leute noch nach Kriegsende hier in Flensburg als Deserteure erschossen!

Heute erkennen wir alle, dass dies alles Unrecht war, dass die Deserteure Recht hatten und Hitlers Generäle einen Unrechtskrieg führten. Gott sei Dank sind die Wehrmachtsdeserteure seit 2002 endlich rehabilitiert. Aber in einer Hinsicht setzt Deutschland dasselbe Unrecht immer noch fort: Wenn Soldaten aus einem anderen Land, die sich nicht an einem Unrechtskrieg beteiligen wollen, zu uns fliehen, dann gelten sie hier immer noch als Verbrecher. Man verweigert ihnen grundsätzlich den Asylschutz und schickt sie zurück. Stellen Sie sich vor, ein syrischer Soldat, der sich weigert, auf seine demonstrierenden Landsleute zu schießen, würde es schaffen, hierher zu kommen: Er würde an Assad zurückgeschickt! So geschah es, als russische Soldaten nicht auf ihre Familien in Tschetschenien schießen wollten und als in den Balkan-Kriegen Soldaten der verschiedenen Parteien das Morden nicht mitmachen wollten und zu uns flohen. Wir machen uns zu Handlangern der Unrechtskriege, indem wir die Deserteure ihren Verfolgern ausliefern. Auch aus Flensburg.

Wussten Sie, dass es in Flensburg ein Denkmal für diese Deserteure gibt? Für die Wehrmachts-Deserteure und die heutigen, für alle, die sich nicht für einen verbrecherischen Krieg missbrauchen ließen. Leider steht es versteckt in einem Hinterhof. Die Stadt weigert sich seit 1994, ihm einen öffentlichen Platz zu geben. Angeblich gibt es keinen speziellen Bezug zu Flensburg.

Ich finde, das ist ein Skandal. Schauen Sie sich die Ausstellung an, dann wissen Sie, dass gerade Flensburg einen ganz besonderen Grund hat, aus der Unrechtsgeschichte zu lernen und dazu beizutragen, das heutige Unrecht gegen Deserteure zu beenden.

Dr. Helmreich Eberlein
Flensburg
***
Bemerkenswerte Aktion von den Schülern der Goetheschule als Ergänzung zur neuen Ausstellung im Rathaus. In einem Punkt irrt der Autor des Artikels. Johann Süß und Asmus Jepsen wurden nicht auf dem heutigen Gelände des Walddorfes Tremmerup hingerichtet, sondern 200 Meter davon entfernt auf dem ehemaligen militärischen Schießgelände am Tremmerupweg, wo sich heute der Asmus-Jepsen-Weg befindet.

Klaus Thomsen
Tremmerupweg, Flensburg

Hier ist der oben zitierte Artikel Johann Süß’ letzte Fahrt nach Flensburg aus dem Flensburger Tageblatt zu finden: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/article//johann-suess8217-letzte-fahrt-nach-flensburg.html

%d Bloggern gefällt das: