Flensburger Arbeitslosenquote im Dezember 2016 bei 8,8%

Mehr Arbeitslose und weiter steigende Zahl von SGB II-Bedarfsgemeinschaften und Regelleistungsberechtigten in Flensburg

Verdeckte Arbeitslosigkeit und Zahl der Arbeitsuchenden erheblich höher

Arbeitsmarkt:

Im Stadtgebiet Flensburg sank die Zahl der Arbeitslosen im Dezember 2016 um 50
(-1,1 Prozent) auf 4.427 im Vorjahresvergleich, im Vergleich zum Vormonat stieg
die Zahl um 95 (2,2 Prozent).
Die Arbeitslosenquote sank auf 8,8 Prozent (Dezember 2015: 9,1 Prozent; Vormonat
8,6 Prozent).
735 sozialversicherungspflichtige Stellen waren in der Stadt Flensburg zu vergeben,
21 oder 2,9 Prozent mehr als vor einem Jahr, 41 oder 5,9 Prozent mehr gegenüber
November 2016. Der größte Bedarf bestand bei den sonstigen wirtschaftlichen
Dienstleistungen (226), im Handel (99) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen
(97).

agenturf-arbeit-fl-dez-2016

Verdeckte Arbeitslosigkeit bzw. Unterbeschäftigung nimmt weiter zu – Tatsächliche Arbeitslosenquote bei rund 12%

Die genannten Arbeitslosenzahlen der Flensburger Arbeitsagentur beeinhalten nicht die Menschen, die sich in der sog. verdeckten Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung befinden. In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Für den gesamten Agenturbezirk Flensburg, also mit den Geschäftsstellenbezirken Flensburg, Husum, Kappeln, Niebüll, Schleswig, Westerland und Tönning, ergibt sich somit eine Zahl von 16.889 Arbeitslosen (Vormonat 15.926) , zuzüglich der Unterbeschäftigung sind es 21.613 (Vormonat 20.841). Entsprechend sind prozentual auch die tatsächlichen Arbeitslosenzahlen in Flensburg erheblich höher. Mehr dazu im arbeitsmarktreport-fuer_aa-119-flensburg_201612 auf bzw. ab Seite 9.

Nicht inbegriffen sind auch die Arbeitslosen, die aufgrund von Alter, Krankheit oder sonstigen Gründen als nicht mehr vermittelbar gelten und/oder vorzeitig zwangsverrentet wurden und in den SGB-XII-Leistungsbereich fallen. Tatsächlich dürfte  die Arbeitslosenquote in Flensburg somit bei etwa 12 % liegen. Rechnet man noch die Arbeitslosen und Arbeitsuchenden dazu, die aus dem Leistungsbezug rausgefallen sind bzw. keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben, dürfte die Quote sogar noch höher liegen.

Hohe Zahl von Arbeitsuchenden

Auffällig ist auch die hohe Zahl von Arbeitsuchenden, die für den gesamten Agenturbezirk Flensburg mit 27.983 Personen im Dezember deutlich über der des Vormonats von 27.123 lag. Dies sind im Vergleich zu den offiziell gemeldeten Arbeitslosen knapp 11.100 Personen zusätzlich. Darunter fallen unter anderem auch Arbeitslose, deren Arbeitlosengeld I ausgelaufen ist und die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II nach dem SGB II haben.

Jobcenter:

Das Jobcenter Flensburg betreute im Dezember 3.292 arbeitslose Flensburger
(Empfänger von Arbeitslosengeld II); das sind 57 Personen mehr als im Vormonat
bzw. 134 Personen (-3,9 Prozent) weniger als im Vorjahresmonat und auch der
niedrigste Wert in einem Dezember seit Bestehen des Jobcenters.

Höchster Stand seit drei Jahren: Trotz sinkender Arbeitslosenquote immer mehr SGB II-Bedarfsgemeinschaften und Regelleistungsberechtigte („Hartz IV“)

Der sinkenden Arbeitslosenquote im Bereích des SGB II steht jedoch eine steigende Zahl von SGB II-Bedarfsgemeinschaften und Regelleistungsberechtigten bzw. Regelleistungsbeziehern gegenüber. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften stieg im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 59 auf 6.358 (+0,93%), im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen sie um 56 (+0,88%).
Die Zahl der Regelleistungsbezieher stieg im Vergleich zum Vormonat um 111 auf
10.552 (+1,0%), im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen sie um 252 (+2,4%).

Betrachtet man die langfristige Entwicklung, so ist im Drei-Jahres-Vergleich der Dezember 2016 derjenige Monat mit der höchsten Anzahl von Regelleistungsberechtigten. Allerdings muss hierbei berücksichtigt werden, dass zunehmend auch Flüchtlinge, die das Asylverfahren erfolgreich durchlaufen haben, in Flensburg bleiben und über kein eigenes Einkommen und eine Arbeit verfügen, jetzt Leistungen nach dem SGB II beantragen können. Dies schlägt sich natürlich auch in der Statistik und im Anstieg der Zahl der Bedarfsgemeinschaften und Regelleistungsberechtigten nieder.

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Zum politischen Streit um die Schönung der Arbeitslosenzahlen in Schleswig-Holstein auch ein Beitrag von Till H. Lorenz vom 3.10.2016 auf shz.de:
Arbeitsagentur in SH : So viele Menschen sind in Schleswig-Holstein wirklich arbeitslos
Tausende Erwerbslose werden aus der Statistik der Arbeitsagentur herausgerechnet – weil die Politik es so möchte.
unter: http://www.shz.de/deutschland-welt/wirtschaft/so-viele-menschen-sind-in-schleswig-holstein-wirklich-arbeitslos-id14995576.html

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