Offener Brief von Flensburger Gruppen, Initiativen und Persönlichkeiten zum Revolutionären Kollektiv: „Innerlinke“ Gewalt und Frauenverachtung – ausgeschlossen!

„Jugendwiderstand“ und „Revolutionäres Kollektiv“: Hass- und Gewaltparolen an Flensburger Häuserwänden

Liebe Freund*innen, liebe Genoss*innen,

in der linken Szene droht eine Auseinandersetzung zu eskalieren, wie wir das seit Jahren nicht mehr erlebt haben: Was scheinbar mit ein bisschen Plakate-Abreissen-Stress unter verschiedenen Gruppen in FL begann, ist unter der Federführung der in FL noch recht jungen Gruppe „Revolutionäres Kollektiv“ (RK) heftig zugespitzt worden.

Dabei ging es in der Chronologie von konkreter Zusammenarbeit (etwa um die Jahreswende bis zur großen FL-Widerstandsdemo vom 3. Febr.) bis hin zu sich schnell steigerndem Streit zunächst um Aufkleber und Parolen-Sprayen und dann zu massiven Attacken gegen das hiesige „AZ“ [zur Erläuterung: die RK’ler generell haben AZ = Autonome Zentren zu ihren Hauptfeinden erklärt, das sind für sie „versiffte Penner- und Drogenzentren“]. In FL sind ein autonomes Wohnprojekt, die „Senffabrik“, nebst dem Infoladen „Subtilus“ die Hauptzielscheibe der ungehemmten Aggressionen des RK. Zuletzt sind sie dort am Zaun mit ca. 12 – 15 Leuten aufgekreuzt und haben die Leute im Wohnprojekt massiv mit Sprechchören angepöbelt: „Stellt euch„, „kommt raus„, usw. Der Gipfel waren dann die Rufe „Jetzt gibts Schwanz ihr Fotzen„. (siehe Anhang)
Aus der Hooligan-Szene kommen solche Begriffe wie „
Stellt euch!= lasst es uns per Faust, Mann-gegen-Mann austragen.

Die RK-Fakten sind:
Das „Revolutionäre Kollektiv“ hat
neben spezifischen politischen Positionen – ein bewusst-inszeniertes Power-mässiges Macho-Gebahren, ein grober, platter „Maoismus“, u.a. (das alles mag ja noch diskutabel sein) – aber vor allem einen ausgeprägten Hang zur gewalttätigen Auseinandersetzung innerhalb der Linken und zur bewussten Frauenverachtung.
Beides ist innerhalb der Linken ein „no-go“ – zumal es ideologisch propagiert wird.

Konkret zur Frage der Gewaltandrohung gegen andere Linke heisst es in einer Flensburger Erklärung des RK:

Innerlinke“ Gewalt. Ein rotes Tuch?
(…) Kein „allgemeiner Konsens gegen innerlinke Gewalt“ schützt Individuen, die politisch keine Praxis außer Drogenkonsum in ihren versifften AZs betreiben vor unserem konsequenten Schutz unserer Propaganda und Politik. (…) Wir distanzieren uns nicht von „innerlinker“ Gewalt, also Gewalt an Antikommunisten, die ihre Szenezugehörigkeit als soziales Kapital benutzen um sich ungestraft wie die größten Reaktionäre aufzuführen (..)

Und konkret zur Frauenverachtung:

(…) Und wenn ihr uns mit euren Maßstäben messt, dann mögt ihr Recht haben, dann sind wir wahrscheinlich verschieden. Wir gendern nicht und wir brechen zu Leuten nicht den Kontakt ab, weil sie mal „Fotze“ gesagt haben. (…)

Mensch mag das ja für besondere Skurrilitäten halten, für zu belächelnde „Kinderkrankheiten“ bei einer neuformierten jungen, linken Aktivistengruppe.

Damit allerdings wird dieses menschenverachtende Gebaren verharmlost!
Es droht die handfeste Konfrontation – Angst und Furcht sollen in Flensburg verbreitet werden.

Wir, alle linken und fortschrittlichen Kräfte in Flensburg sind gefordert, deutlich Stellung zu beziehen:

Keinerlei Toleranz, keinerlei Nachsicht gegenüber der propagierten Gewalt unter Linken und der propagierten Frauenverachtung durch das sogenannte „Revolutionäre Kollektiv“.
Wir alle haben unsere unterschiedlichen Vorstellungen von Politik und Lebensweise – das schliesst leidenschaftliche Debatten und Auseinandersetzungen ein, ist ein qualitativer Gewinn für alle und hilft bei der Suche nach Alternativen zum real-existierenden Kapitalismus.
Eine Zusammenarbeit auf Basis von „innerlinker“ Gewalt und Frauenverachtung ist ausgeschlossen!

Erstunterzeichner*innen:

Refugees Welcome Flensburg,
DFG-VK FL,
DKP FL,
Die ganze Bäckerei FL,
Red and Anarchist Skinheads (RASH) – FL,
Bündnis „gemeinsam solidarisch widerständig“ FL,
Antifaschistische Aktion FL,
Black Mosquito FL,
Infoladen Subtilus FL,
Wohnprojekt Hafermarkt FL,
»Wir sagen Moin« FL,
die autonome Gruppe „Kommando Breitcord“, FL
SAV-FL
anarchist black cross (abc) Flensburg
AKOPOL Flensburg
FAU FL
Wohnprojekt Senffabrik FL
Kreisvorstand DIE LINKE FL
Roter Stern Flensburg
Freies Radio Fratz
Kulturzentrum Volksbad

Katrine Hoop, Henning Nielsen (Vors. RLS-SH), Gregor Hübner, Gabi Ritter (Fraktionsvorsitzende Die LINKE, FL), Jörg Pepmeyer, Gerd Habermann, Herman U. Soldan (Kreisvorsitzender DIE LINKE Flensburg), Katharina Petersen, Leiv Eirik Voigtländer,

sowie:
Antifaschistische Aktion Neumünster


Positionspapier des RK auf FACEBOOK

Erklärung der Senffabrik:
https://de.indymedia.org/node/21274

Info-Artikel aus AKOPOL:
https://akopol.wordpress.com/2018/06/15/pseudomaoistisches-revolutionaeres-kollektiv-treibt-in-flensburg-sein-unwesen-linke-ueber-beurteilung-uneins/


…. weitere Unterzeichnerinnen wenden sich bitte an
werkstatt utopie <info@werkstatt-utopie.de>

Dazu ein Kommentar von Jörg Pepmeyer (AKOPOL):

Nix gelernt aus der linken Geschichte!

Wenn man sich mit der Geschichte, dem theoretischen Überbau, der politischen Praxis und Debatte der linksradikalen und maoistischen Gruppen Ende der sechziger und den siebziger Jahren in Westdeutschland beschäftigt, wie z.B. der KPD/ML, wird man feststellen, dass das „Revolutionäre Kollektiv“ und der ihm direkt verbundene „Jugendwiderstand“ nichts anderes als ein farbloser Retro-Aufguss sind.

Da bedienen sich RK und JW vermeintlicher Parolen, der Rhetorik und Ikonografie dieser politisch gescheiterten Gruppen und glauben sich dann das Label maoistisch anheften zu können. Soviel Geschichtsvergessenheit muss man erst mal an den Tag legen können. Ganz davon abgesehen, dass die „maoistische“ Politik des RK bei der Analyse der gesellschaftlichen Bedingungen, der Produktions- und Machtverhältnisse in Deutschland, wie aber auch weltweit, vollkommen schematisch und ungenau vorgeht. Ganz besonders bedenklich ist dabei auch der unverhohlene Antisemitismus und Sexismus des RK.

Im Ergebnis kommt dabei ein die gesellschaftliche Realität negierender und simplifizierender Theorie- und Politikansatz  heraus, der ganz und gar nicht das „revolutionäre“ Subjekt erreicht oder im Auge hat, sondern zu einem eindimensionalen und totalitären Wahrheitsanspruch führt. Mit dem glaubt man dann, die eigene ideologische Sichtweise der Welt sowie politische Praxis legitimieren und autoritär anderen Menschen überstülpen zu können. Bis hin zur Gewaltanwendung selbst gegen Menschen und politische Organisationen, denen es tatsächlich um die Befreiung der Menschen von Ausbeutung und Unterdrückung geht. Mit linker Politik hat das definitiv nichts zu tun, ganz im Gegenteil.

Gleichzeitig führt eine derartig ignorante und gewaltverherrlichende Politik in der öffentlichen Wahrnehmung zur De-Legitimierung linker und libertärer Politik im Allgemeinen und verhindert im Besonderen die Einheit einer breiten, von Solidarität und Respekt getragenen politischen und demokratischen Bewegung gegen die Herrschenden und ihr ausbeuterisches Wirtschaftssystem. Da freut sich am Ende nicht nur der Staatsschutz….

Das „Revolutionäre Kollektiv“ ist zudem der „erwachsene“ Klon der Gruppe „Jugendwiderstand“. Dazu auch der Zeitungsbeitrag: Stimmungsmache mit der Splittergruppe – Maoistische Gruppe »Jugendwiderstand« sorgt durch Gewalt und Israelhass immer wieder für Aufregung unter: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1087250.debatte-ueber-jugendwiderstand-stimmungsmache-mit-der-splittergruppe.html

Ebenfalls berichtete die taz am 17.5.2018: Angriffe auf Andersdenkende in Berlin – „Was machst du hier? Du Zionist“ Die maoistische Gruppe „Jugendwiderstand“ attackiert Linke, die nicht in ihr antizionistisches Weltbild passen. Jetzt gibt es Widerstand aus der Szene. unter: http://www.taz.de/!5503830/

Ein aufschlussreicher Beitrag auf der Website ruhrbarone.de vom 9.4.2018, in dem auch die krude Macho- und Gewaltideologie beschrieben wird:Diese Jugendwiderständler haben versucht Journalisten einzuschüchtern unter: https://www.ruhrbarone.de/jugendwiderstand-einschuechterung-journalisten/153617

 

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Über akopol

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Veröffentlicht am 27. Juni 2018, in Aufrufe, Bürgerbeteiligung, Flensburg News, Inklusion und Integration, Kultur, Soziales. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Es gibt Neues vom Jugendwiderstand und RK.

    Die Kameradschaft »Jugendwiderstand« und die Neonazis: Von der NPD zum Jugendwiderstand ist es nur ein kurzer Weg
    Doch beim Liebäugeln bleibt es beim „Jugendwiderstand“ offenbar nicht. Die Gruppe kennt keine kritische Distanz zur extremen Rechten und scheut sich nicht, Neonazis stillschweigend in ihre Strukturen aufzunehmen. Aktuell hat der „Jugendwiderstand“ mindestens ein zentrales Mitglied, das ehemals tief in NPD-Strukturen verhaftet war. Alleine im Jahr 2013 war er an mehreren geschichtsrevisionistischen und rassistischen Kundgebungen beteiligt. Nach Aussage eines anderen Antiimperialisten war diese Person bis 2015 Mitglied in der NPD.
    http://friedensdemowatch.de/2018/12/07/die-kameradschaft-jugendwiderstand-und-die-neonazis/

    Gewalttätige Politsekte „Jugendwiderstand“ Maos Schläger aus Berlin-Neukölln
    Der „Jugendwiderstand“ attackiert systematisch Andersdenkende – am liebsten ebenfalls Linke. Nun kommt raus: Ihr Wortführer ist ein Kreuzberger Kindergärtner.
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/gewalttaetige-politsekte-jugendwiderstand-maos-schlaeger-aus-berlin-neukoelln/23729980.html?fbclid=IwAR2V9a7OQYIB16XEPPeACa0p-WWyhW0GJM-_CQt4lhNYWrICsxPCvKL3ess

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  2. Warum wird mit keinem Wort der Antisemitismus des RK erwähnt, welcher sie per se jedem emanzipatorischen, progressiven Diskurs disqualifizieren sollte?

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    • Hallo Lennart. Welche antisemitische Äußerung(en) meinst du genau?
      Wie ich RK gelesen habe, wehren sie sich gegen die Lüge ihres unterstellten Antisemitismus. Ich kopiere das mal hier hin:

      „Der Vorwurf des Antisemitismus schwingt in der gelogenen Behauptung mit „einige Kurden“ (weil die
      haben immer Recht!!!) hätten sich über
      das Auftreten des roten Blocks und die Palästina Parolen beschwert.
      Wir haben ein gutes Verhältnis zu unseren kurdischen Genossen und gemeinsam mit ihnen riefen wir die
      Parolen „Dersim, Kabul, Gaza Stadt

      Macht die scheiß Besatzer platt!“, sowie „Palästin
      a Kurdistan

      Intifada Serhildan!“. Es ist seit jeher Teil der imperialistischen Strategie der Herrschenden im nahen Osten,
      Araber gegen Kurden zu stellen“
      (Kopieren aus einem pdf-Format hinterlässt Textverschiebungen)

      Aber hier das Textoriginal dieser Gruppe

      https://akopol.files.wordpress.com/2018/06/revolutionc3a4res-kollektiv-flensburg-19-maerz.pdf

      Lennart, glaubst du, für ein freies Palästina zu sein, wäre antisemitisch? Was ist, wenn Palästinenser ebenfalls Semiten sind?

      Schreib doch bitte mal zurück, Grüße

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  1. Pingback: Pseudomaoistisches „Revolutionäres Kollektiv“ treibt in Flensburg sein Unwesen – LINKE über Beurteilung uneins | AKOPOL - Arbeitskreis Kommunalpolitik

  2. Pingback: Radio Fratz in Flensburg mit den Juli-Terminen und Erklärung der Radioaktivisten zum sogenannten „Revolutionären Kollektiv“ | AKOPOL - Arbeitskreis Kommunalpolitik

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