False-Flag Anschlag in Berlin?
„Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2014 hat sich der Kontext grundlegend verschoben. Was zuvor als Kritik an westlicher Militärpolitik formuliert werden konnte, geriet in eine Lage, in der jede Form von Infrastrukturangriff objektiv Teil einer allgemeinen Destabilisierug wird. Eine Welt, in der alte und neue autoritäre Staaten offen Grenzen verschieben, Städte zerstören und Zivilbevölkerung bombardieren, ist keine Bühne mehr für symbolische Akte, die leicht und falsch instrumentalisiert werden können.“
Für den Anschlag auf die Strominfrastruktur im Berliner Südwesten sei nach Angaben der Behörden eine „linksextremistische“ Gruppe namens Vulkan verantwortlich. Davon sei aufgrund eines Bekennerschreibens auszugehen. Nun hat sich die Gruppe auf Indymedia klar von dem Anschlag distanziert und weist jede Verantwortung entschieden von sich. Dazu unten die Erklärung, die am 07.01.26 auf indymedia veröffentlicht wurde.
Gegen Vereinnahmung und falsche Kontinuitäten – Distanzierung
Diese Erklärung ist notwendig, weil unser Name in einen Zusammenhang gestellt wird den wir nicht tragen. In Veröffentlichungen, Bekennerschreiben und medialen Kurzschlüßen wird eine Kontinuität behauptet, die es nicht gibt. Unser früheres Handeln wird benutzt, um aktuelle Angriffe zu legitimiren, zu erkären oder politisch aufzuladen. Das weisen wir zurück.
Wir melden uns, weil in unserem Namen gesprochen wird, gehandelt wird, veröffentlich wird, ohne dass es unser Handeln ist.
Die Texte und Aktionen der letzten Jahre stammen nicht von uns. Sie widersprechen dem, wofür wir standen und warum wir überhaupt gehandelt haben.
Wir waren die Vulkangruppe der Jahre 2011. Unser Bezugspunkt war klar und begrenzt. Unser Ziel waren Bundeswehreinsätze, deutsche Kriegsbeteiligung und Waffenexporte. Infrastruktur war für uns kein Selbstzweck und kein Spielfeld, sondern Symbol und Träger militärischer Gewalt nach außen. Unsere Interventionen richteten sich gegen Kriegspolitik, nicht gegen gesellschaftliche Grundversorgung, nicht gegen Menschen im Alltag.
Schon damals war unser Ansatz defensiv gemeint, auch wenn er als Angriff gelesen wurde. Wir wollten Unterbrechung, nicht Eskalation. Störung von Normalität, nicht ihre Zerstörung. Es ging um Sichtbarkeit von Verantwortung, nicht um moralische Überhöhung oder um eine Logik der permanenten Sabotage.
Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2014 hat sich der Kontext grundlegend verschoben. Was zuvor als Kritik an westlicher Militärpolitik formuliert werden konnte, geriet in eine Lage, in der jede Form von Infrastrukturangriff objektiv Teil einer allgemeinen Destabilisierug wird. Eine Welt, in der alte und neue autoritäre Staaten offen Grenzen verschieben, Städte zerstören und Zivilbevölkerung bombardieren, ist keine Bühne mehr für symbolische Akte, die leicht und falsch instrumentalisiert werden können.
Wir haben erkannt, dass unsere früheren Mittel unter den geänderten Bedingungen neu gedacht werden müssen, nicht weil sie falsch waren, sondern weil sie anders gelesen werden als zu einer Zeit, in der Fronten klarer schienen, Adressaten benennbar waren und Wirkung noch nicht sofort in Vereinnahmung, Verkürzung oder falsche Anschlussfähigkeit kippte.
Deshalb hatten wir Abstand genommen. Nicht aus Bequemlichkeit, nicht aus Anpassung, sondern aus Verantwortung. Weil wir nicht Teil einer Dynamik sein wollten, in der Kritik an Militarismus mit der faktischen Schwächung von Gesellschaften zusammenfällt.
Wir distanzieren uns ausdrücklich von allen Aktionen der letzten Jahre, die unter unserem Namen oder mit Bezug auf uns durchgeführt wurden. Diese Veröffentlichungen sprechen nicht für uns. Sie verschieben Inhalte, vermengen Analysen mit Rechtfertigungen und benutzen einen Namen, der für etwas anderes stand.
Unser Rückzug ist kein Widerruf unserer Kritik an Krieg, Aufrüstung und Waffenexporten. Diese Kritik bleibt. Machen wir uns nichts vor – die Saat des Todes ist gesäht und sie geht längst auf. Die nächsten Jahre wird die Welt brennen, langsam, dann schneller. Alte und neue Machtblöcke haben ihre Ansprüche abgesteckt, Figuren wie Putin und Trump stehen dabei nur stellvertretent, austauschbar. Europa wird nicht durch Moral fallen, sondern durch seine eigene Technologie, durch das was es exportiert, verkauft und perfektioniert.
Wir sagen das nicht, um verstanden zu werden.
Wir sagen es, weil Schweigen in diesem Fall Zustimmung wäre.
Veröffentlicht unter: https://de.indymedia.org/node/566531
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Dazu ein Kommentar von Jörg Pepmeyer:
False-Flag und Celler Loch
Ich halte die vermeintlichen „Bekennerschreiben“ zum Anschlag auf die Strominfrastruktur in Berlin für linksradikal-floskelhafte, teils zu glatte und fehlerfreie, KI-generierte Staatsschutzprodukte. Mein Verdacht stützt sich dabei auf eine umfangreiche und entsprechende Textanalyse und die Distanzierung der Vulkan-Gruppe vom 7. Januar 2026. https://de.indymedia.org/node/566531
Es wäre nichts Neues, wenn Staatsschutzbehörden, wie beim „Celler Loch“ geschehen, für einen derartigen Anschlag verantwortlich wären. Im Fall von Berlin ginge es dann wohl um die Desavouierung linker Politik im Allgemeinen und linksradikaler Aktionsformen im Besonderen. Das in einer Stadt, in der sich die sozialen Widersprüche und Konflikte immer weiter zuspitzen und linke Politik eine immer breitere Zustimmung aus der Bevölkerung erfährt. Man sollte den Behörden in Berlin und der bürgerlichen Presse nicht alles glauben. Mehr zur Geschichte des „Celler Loch“ https://de.wikipedia.org/wiki/Celler_Loch
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