Blog-Archive

E-Autos: Wie steht es mit Ladestationen im öffentlichen Raum?

Interview mit Frank Axen, Stadt Flensburg

Ein Beitrag von Julia Born VCD Ortsgruppe Flensburg

Wenn der Strom aus erneuerbarer Energie kommt, sind Elektromotoren effizient und verursachen wenig Schadstoffe. Zum Aufladen brauchen E-Autos aber die entsprechende Infrastruktur. Im Interview erläutert Frank Axen, Abteilungsleiter Strategische Projekte, Verkehr und Umwelt, die Pläne der Stadt Flensburg für Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum – und empfiehlt Carsharing.

Anfrage der Grünen: Wie steht es mit Ladestationen für E-Autos in Flensburg?

Im Dezember 2020 hatten die Grünen im Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung (SUPA) beantragt, die Stadtverwaltung solle, gemeinsam mit Stadtwerken und TBZ, Möglichkeiten finden, dass Privatpersonen ihr E-Auto im öffentlichen Raum aufladen können. Denn besonders für Menschen, die in der Altstadt in Geschosswohnungen leben, ist es schwierig, eine Lademöglichkeit für ihr Auto einzurichten.
Geachtet werden sollte dabei auf Wohnsitznähe, Kosten-/Nutzenattraktivität, gewährleistbare Verfügbarkeit, niederschwellige Zugänglichkeit und 100% Ökostrom.

Beim SUPA am 23.03.2021 trug Frank Axen, Abteilungsleiter Strategische Projekte, Verkehr und Umwelt, nun die Ergebnisse vor. Wir haben ihm dazu einige Fragen gestellt.

Frank Axen: Entwicklung schreitet “rasant” voran – Schnellladen kommt

  • Wie Sie beschrieben haben, schreitet die technische Entwicklung in Bezug auf das Aufladen von E-Autos „rasant“ voran. Was heißt denn das genau, was ist aus Ihrer Sicht zu erwarten?

Natürlich möchte jeder sein E-Auto möglichst schnell aufladen. Aber die Ladegeschwindigkeit ist begrenzt: Einerseits hat die Batterie eine bestimmte Kapazität und ist ausgelegt auf eine maximale Ladegeschwindigkeit. Andererseits bringt auch die Ladestation nur eine bestimmte Leistung. Beides bestimmt, wie lange man an einer Ladestation „hängen“ muss.

Nun stagnieren aber die Ladeleistungen mit Wechselstrom bei 11-22 Kilowatt. Die Technik scheint weitgehend ausgereizt. Gleichstrom bietet mehr: Hier steigen die Ladeleistungen stark an. In Verbindung mit den entsprechenden Batterien werden sich weit über 150 Kilowatt durchsetzen. Man rechnet damit, dass „Laden wie Tanken“, z.B. an Tankstellen, normal wird.

Das langfristige Laden an öffentlichen Ladesäulen wird damit zunehmend unattraktiv. Damit steigt die Gefahr, als öffentlicher Anbieter hier Fehlinvestitionen in die Ladeinfrastruktur zu tätigen.
Stattdessen sollten private Anbieter unterstützt werden, die Schnelllademöglichkeiten anbieten wollen. Mittlerweile gibt es dazu erste konkrete Anfragen. Auf Bundesebene hat eine Diskussion begonnen, Tankstellenbetreiber zur Bereitstellung von Schnelllademöglichkeiten zu verpflichten.

Private Ladestation: Einrichtung muss geduldet werden

  • Welche Möglichkeiten hat man denn als Mieter:in oder Besitzer:in einer Wohnung, eine Ladestation vor Ort einzurichten?

Mieter:innen und Eigentümer:innen haben inzwischen das Recht, auf eigene Kosten eine Ladestation einzurichten. Das muss durch die Vermietenden bzw. Eigentümergemeinschaften geduldet werden. Faktisch ist das natürlich dadurch begrenzt, dass eine Anschluss- und Abstellmöglichkeit erforderlich ist (Gebäude-Elektromobilitätsinfrastrukturgesetz und Modernisierung des Wohneigentumgesetzes).

  • Nun gibt es ja in der Altstadt teilweise wenig Möglichkeiten, ein Auto im privaten Raum abzustellen. Kann man denn im öffentlichen Raum solche Ladestationen, z.B. für mehrere Anwohnende, einrichten?

Acht öffentliche Ladestationen im Stadtgebiet, weitere in Vorbereitung

Bis jetzt gibt es im Stadtgebiet an acht Orten öffentlich zugängliche Ladestationen: Neumarkt, ZOB, Nordertor, Twedter Plack, Munketoft, Ochsenmarkt, Neue Straße und Nordergraben. Weitere sind in Planung.
Beim weiteren Ausbau haben wir gerade die Altstadt im Fokus. Diese Ladepunkte würden dann jedermann zur Verfügung stehen. Die elektrische Infrastruktur wird aber nur die oben genannten geringen Ladeleistungen mit Wechselstrom ermöglichen, wenn es mehrere Ladestationen geben soll.

Grundsätzlich ist es vorstellbar, dass auch Privatakteure im öffentlichen Raum frei zugängliche Ladeinfrastruktur an für sie interessanten Punkten im Stadtgebiet schaffen. Eine allgemeine Regelung dafür im Rahmen der Sondernutzung ist in Vorbereitung.

  • Gibt es Pläne, in den Parkhäusern oder andernorts im Nahbereich entsprechende Plätze zu einzurichten?

Standorte für die Ladeinfrastruktur werden mit dem TBZ als Aufgabenträger abgestimmt. Parkhäuser sind in Flensburg aber im Privateigentum oder vom TBZ verpachtet. Hier können wir nur appellieren, Lademöglichkeiten in Parkhäusern anzubieten, und auf Fördermöglichkeiten aufmerksam machen. Die Pachtverträge über die städtischen Parkhäuser ermöglichen den Betreibern, Ladepunkte zu installieren. Es gibt jedoch keine entsprechende Verpflichtung.

Carsharing: Rechnet sich bei Fahrleistung unter 10.000 Kilometer/Jahr

  • Inzwischen stehen an zehn Orten im Flensburger Stadtgebiet Car-Sharing-Autos bereit, an der Schützenkuhle auch ein E-Mobil (Cambio – mehr). Könnte das eine Alternative zum eigenen E-Auto sein? Ist der Ausbau dieses Angebots vorgesehen?

Wir sehen Carsharing als wichtige Alternative zum eigenen Auto. Wenn man weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fährt, rechnet sich Car-Sharing nach Angaben der Anbieter auch wirtschaftlich. Gleichzeitig ersetzt ein Carsharing-Fahrzeug bis zu 20 Pkw. Die „Blechmenge“ gerade in der Stadt lässt sich so stark reduzieren.

Der Anbieter Cambio ist aktuell mit zehn Stationen im Stadtgebiet vertreten und hat durchaus Interesse, das Angebot an E-Fahrzeugen in Flensburg auszuweiten. Die Stadt Flensburg unterstützt das. Allerdings muss es sich für den Anbieter auch rechnen. Erweiterungsvorhaben durch Cambio wurden 2020 wegen der durch Corona geringeren Nachfrage vorerst verschoben.

Die Stadt Flensburg begrüßt darüber hinaus grundsätzlich den weiteren Ausbau des privatwirtschaftlich betriebenen Carsharing-Angebots. Zur Stärkung ist z.B. die Verankerung im Rahmen von Mobilitätskonzepten bei Neubauvorhaben (Flensburger Stellplatzsatzung) möglich. Dazu laufen verschiedene Vorgespräche mit Vorhabenträgern.

Weiterlesen

  • Cambio Carsharing: Stationen in Flensburgmehr
  • Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung (SUPA), 23.03.2021:
    Antwort und Information der Stadtverwaltung zum Antrag der Grünen, Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum zu schaffen (01.12.2020). PDF-Datei – mehr
    – Protokoll-Ausschnitt der anschließenden Diskussionmehr
  • Stadt Flensburg: Elektromobilitätskonzeptmehr

Vorbild für Flensburg: „LeiLa Liefert“ – und das klimaneutral

Klimaneutrales Online-Shopping in Göttingen

Ein Beitrag von Julia Born, VCD Flensburg

Online-Shopping wird klimaneutral und regional! Das ist die Idee von „LeiLa Liefert“ in Göttingen. Im Frühjahr 2020 gründete Leila Morgenroth dort einen Lieferservice mit dem Lastenrad. Über ein gemeinsames Online-Portal oder anderweitig bestellte Waren werden am gleichen Tag ins Haus gebracht. Unterstützer sind neben anderen der Verein Pro City Göttingen und die Stadt Göttingen. Ein Vorbild auch für Flensburg?

Leila Morgenroth, Göttingen Leila liefert – unterwegs in Göttingen.

Inhaltsübersicht:

  • LeiLa liefert – Interview mit Leila Morgenroth
  • Die Göttinger Klimakarte
  • Von Göttingen lernen: Mut, Zusammenarbeit und Servicebereitschaft

LeiLa Liefert – Interview mit Leila Morgenroth

Die Universitätsstadt Göttingen in Niedersachsen hat knapp 120.000 Einwohner:innen. Seit 2020 gibt es dort einen Lieferservice mit dem E-Lastenrad. Initiatorin Leila Morgenroth erklärt das Projekt.

  • Leila, wie funktioniert euer Lieferdienst?

Ganz einfach: Man bestellt per Telefon oder online etwas in einem Laden seiner Wahl. Die Läden geben uns Bescheid, wir holen die Waren ab und liefern noch am selben Tag an die Wunschadressen aus. Dieser Service ist für das Stadtgebiet Göttingen abrufbar.
Hintergrund war die Corona-Krise, die letztes Jahr sehr deutlich gemacht hat: Der Innenstadt-Einzelhandel braucht eine gemeinsame Online-Plattform, verbunden mit einem lokalen Lieferdienst, der möglichst noch am Tag der Bestellung die Ware zu den Kund:innen bringt. Das ist bei uns derzeit in Planung. ProCity Göttingen hat ein erstes Portal dazu bereitgestellt: “Einkaufen-in-Goettingen.de”.

  • Wie kann so ein Angebot kostenlos sein?

Inzwischen sind wir ein Team von sieben, fünf davon sind Fahrer:innen. Alle sind ehrenamtlich dabei und erhalten keine Vergütung. Sehr wichtig ist ein weiterer Unterstützer als Mechaniker, der uns auf Zuruf spontan platte Reifen, ausfallende Akkus oder reparaturbedürftige Bremsen in Ordnung bringt. Auch andere Begeisterte bringen sich ein, wenn es ihre Zeit erlaubt. Verantworlich für Aufgaben wie Netzwerken, Kommunikation mit den Kund:innen, den Läden, Organisation, Presse- und Medienarbeit ist die Initiatorin.

Gemeinsame Verantwortung für das Projekt

Ich kann mir vorstellen, dass mittelfristig eine Vergütung angezeigt ist für den Arbeitsaufwand, die Kosten für Reparaturen, Verwaltung, Koordination usw. Vorläufig läuft das Angebot aber auf Spendenbasis.
Deshalb sind wir sehr dankbar für die Unterstützung unserer Partnergeschäfte, des ADFC, der e-bike-family, der Energieagentur, der Stadt Göttingen, den Grünen, ProCity – und zufriedenen Kund:innen für Trinkgelder. Unsere ehrenamtliche Leistung wird kostenlos angeboten, aber alle Beteiligten tragen mit ihrer Unterstützung und Spende dazu bei, dass das Projekt bleibt.

  • Und wie wird euer Lieferdienst angenommen?

Nur positiv tatsächlich – der Lieferdienst wird super angenommen, gerade weil er kontaktlos und unkompliziert ist, und genau dafür ist er ja auch ins Leben gerufen worden. In beiden Lockdowns hatten bzw. haben wir sehr viel zu tun. Wir erleben viele dankbare Kunden, kriegen hier und da Schokolade zugesteckt, und die Beziehungen zu den Läden machen auch richtig Spaß. So ist es doch toll, wenn man mal wieder den “Bello” sieht oder den neuen Klima-Punkt vorbeibringt für die Klimakarte der Energieagentur Göttingen: Eine Lieferung von uns ist gleich ein Punkt auf der Klimakarte (siehe unten).

Gemeinsame Online-Plattform “Einkaufen in Göttingen”

  • Wieviele Läden machen fest bei euch mit? Und was macht man, wenn ein Geschäft euch nicht auf der Liste hat?

Eine ganze Reihe von Läden haben unser Angebot fest in ihrem Repertoire und bewerben es, zum Beispiel Buchhandlungen, eine Weinhandlung, Optiker, der Waschbär-Umweltladen und mehr.
Ist ein Geschäft noch nicht dabei, kann man bei uns anfragen, ob das Geschäft schon einmal über uns geliefert hat. Gern besprechen wir dann mit den Zuständigen, wie man mit uns unkompliziert zusammenarbeitet. Wir liefern die neuen Sachen dann flott und zuverlässig an eine Wunschadresse in Göttingen.

  • Und wie gefällt dir deine Tätigkeit?

Das Fahren macht viel Spaß, man entdeckt Straßen und Häuser, die man selbst als Göttingerin noch nicht kennt. Die Zusammenarbeit mit den Läden und der Stammkundschaft ist schön, die Menschen freuen sich, wenn wir kommen. Begeistert bin ich nach wie vor auch von der Zusammenarbeit mit den anderen Ehrenamtlichen – gemeinsam denken, arbeiten und gemeinsam an die Sache glauben – das ist toll.

Weiterlesen

  • Facebook: LeiLa Liefert – mehr
    Kurz-Video – mehr
  • Instagramm: LeiLa Liefert – mehr

Die “Göttinger Klima-Karte”

Die Göttinger Klima-Karte ist eine Aktion der Energieagentur Region Göttingen. Bei den beteiligten Unternehmen erhält man einen Stempel – zum Beispiel für das Nutzen von LeiLa liefert, das Mitbringen der eigenen Einkaufstasche, den Verzicht auf Plastikstrohhalme, die Verwendung eines Mehrweg-Kaffeebechers, den Einkauf von unverpackten Produkten.

Wenn alle Stempel gesammelt sind, bekommt man ein attraktives Klimaschutz-Paket (solange der Vorrat reicht), bestehend aus einem Baumwoll-Beutel, einem Gemüse- bzw. Obstbeutel, einem Fair-Cup, Trinkhalmen aus Bambus und ein Bienenwachspapier. Mit jeder abgegebener Klima-Karte wird zusätzlich ein Klimaschutz-Projekt im Stadtgebiet unterstützt.

  • Energieagentur Region Göttingen: “Klima shoppen – Göttingen genießt bewusst” – mehr

Von Göttingen lernen: Mut, Zusammenarbeit und Servicebereitschaft

Was könnten wir in Flensburg von Göttingen lernen?

  • Zuerst einmal den Mut, neue Ideen auszuprobieren, und die Bereitschaft zu Kooperation!
  • Besserer Service durch Lieferdienst: Gebraucht wird ein zentraler, für alle zugänglicher Ort als Standplatz für ein Minidepot. Ein solcher Ort könnte z.B. das Karstadt-Gebäude bzw. das Parkhaus sein. Hier könnten Waren im Lauf des Tages eingeliefert und am Abend an die Kund:innen ausgeliefert werden. Bequemer geht Einkaufen nicht.
  • Eine gemeinsame Internetseite und App “Flensburg-kauft-ein” – auf Deutsch, Dänisch und Englisch, mit allen Geschäften (nicht nur der Innenstadt) zur Auswahl, sortierbar nach Rubriken wie Fahrrad, Lebensmittel, Optik usw.
    Dazu eine Online-Bestellmöglichkeit und Hinweise auf den Lieferservice. Mit Infos zu Parkmöglichkeiten für Auto und Rad, ÖV-Haltestellen, erreichbare Toiletten für jedes Geschäft (vgl. dazu auch Flensburg-mobil.de > “Detailansicht”, wo dies alles schon bereit steht: mehr)
    Und auf der Startseite: Sonderangebote, Aktionen, Tipps fürs klimafreundliches Einkaufen …

Es gibt einiges zu tun – wann gehen wir es an?

Leila Morgenroth, GöttingenCoronagerechte Lieferung an die Stammkundschaft
Leila Morgenroth, GöttingenAuf das Lastenrad passt so einiges!
Leila Morgenroth, GöttingenDie Göttinger Klima-Karte, eine Aktion der Energieagentur Region Göttingen. Für klimafreundliches Einkaufen gibt es Pluspunkte.
LeiLa Liefert

Umgestaltung Flensburger Bahnhofsvorplatz: Neue Anträge und Stellungnahmen

VCD Flensburg fordert zukunftsfähige Lösung für Rad- und Fußverkehr

Die städtischen Vorplanungen zum Umbau des Bahnhofsbereich haben erheblichen Widerspruch geweckt. Für den kommenden Stadtplanungsausschuss am 9. März liegen nun aktuelle Anträge und Stellungnahmen vor. Aus Sicht der Verkehrsplanung sind Änderungen nicht nötig. Der VCD Flensburg fordert eine zukunftsfähige Lösung, die Rad- und Fußverkehr gezielt in den Blick nimmt.

VCD Flensburg.
Die Treppe zum Bahnhof: Unterhalb der Bahnhofstreppe sind rechts und links Bushaltestellen geplant. Zu Fuß Gehende müssen ggf. zwischen wartenden Bussen hindurch, um das Bahnhofsgebäude zu erreichen oder zu verlassen. Auf der Straße werden weitere Busse, Taxen und Radfahrer unterwegs sein. Menschen mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl – oder auch einfach einem schweren Koffer – müssen sich außen herum einen Weg bahnen.

Anträge und Stellungnahmen im Überblick

  • Antrag von Grünen, CDU und SPD:
    “Das Verkehrskonzept der Ausschreibung zum Wettbewerb Bahnhofsvorplatz/ Carlisle- Park um eine eigenständige Radverkehrsanlage zu ergänzen” und auf “eine möglichst konflikt- und barrierefreie Führung aller Verkehrsteilnehmenden” zu achten, fordert ein Antrag der Ratsfraktionen Bündnis 90 / Die Grünen, CDU und SPD. PDF-Datei – mehr
  • Antwort der Verkehrsplanung Flensburg:
    Die Forderung nach einem separaten Radweg sei “in der fachlichen Abwägung nicht gerechtfertigt”. Der Radverkehr sei “sicherer, wenn er … auf der Fahrbahn geführt wird”. Die Vorgaben für den Fußverkehr würden dabei eingehalten –  so die Antwort der Verkehrsplanung auf die erste Anfrage der Grünen. PDF-Datei – mehr
  • Stellungnahme des ADFC zur Verkehrsplanung:
    Die Stadt Flensburg hat sich das  Ziel  gesetzt, den Radverkehrsanteil zu steigern. Eine eigenständige Radinfrastruktur trage dazu entscheidend bei. Zumal das Verkehrsaufkommen zu den Taktzeiten deutlich erhöht sein dürfte. Zudem bestehe “kein wissenschaftlicher Konsens dazu, dass ein auf  der  Straße geführter Radverkehr sicherer sei.” PDF-Datei – mehr

Fußverkehr weiterhin vernachlässigt – VCD erneuert Anforderungen

Vernachlässigt wird in der Antwort der Stadt auch die Berücksichtigung des Fußverkehrs. Busse, gerade die langen Gelenkbusse, stellen ein beträchtliches Sichthindernis dar. Zu Fuß Gehende oder Radfahrende, die zwischen zwei Bussen hervorkommen, sind von kreuzendem Verkehr erheblich gefährdet. Das gilt insbesondere für den Bereich vor der Treppe.

“Was jetzt geplant wird, wird für die nächsten Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte Bestand haben. Deshalb sollten wir uns um eine zukunftsfähige Lösung für Fuß- und Radverkehr bemühen und zusätzlich die Wegeverbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt in den Blick nehmen”, so die Sprecherin des VCD Flensburg, Julia Born.

Der VCD weist dabei hin auf Maßnahme 6 des Masterplan Mobilität: “ Bislang besteht nur eine sehr unzureichend ausgebaute Wegeverbindung zwischen dem Bahnhof und der Innenstadt … Um die Wegeverbindung zu qualifizieren, ist der größtmögliche Abbau von Widerständen für den Fuß- sowie den Radverkehr anzustreben. Dies ist möglich durch Neugestaltung und Verbreiterung der Seitenräume … und die Schaffung von direkten Verbindungen (mit möglichst geringen Umwegen).”*

Der VCD Flensburg schließt sich insgesamt den Forderungen des ADFC an und erneuert die Anforderungen für den Fußverkehr:

  • Sicheres Überqueren des Bahnhofsplatzes und sicherer Zugang zur Treppe für zu Fuß Gehende (Masterplan Mobilität, Maßnahme 05).
  • Sicheres und barrierefreies Überqueren des Bahnhofsplatzes auch für Bewegungsbehinderte, Blinde und Schwerhörige (Maßnahme 05).
  • Möglichst gradlinige, barrierefreie Fußverbindung zwischen Innenstadt und Bahnhof in ausreichender Breite (Maßnahme 06), dabei keine gemeinsamen Fuß- und Radwege.


* Stadt Flensburg: Masterplan Mobilität, Maßnahmenkatalog, S. 7 – mehr
Hervorhebungen nachträglich eingefügt.

Tim Meyer-König, ADFC Flensburg
Die Skizze veranschaulicht die geplante Verkehrsführung im Bahnhofsbereich.
Zu Fuß Gehende (blau) können sich beidseitig des Carlisle-Parks relativ sicher auf den Bahnhof zubewegen. Schwieriger wird es für die, die zwischen Rondell und Bahnhofstreppe unterwegs sind: Sie müssen die Fahrwege von Bussen (rot und grün) und Taxen (gelb) kreuzen und zwischen an Haltestellen stehenden Bussen durchgehen.  Unklar bleibt hier die Wegeführung für Mobilitätsbehinderte, Menschen mit Kinderwagen usw.
Für den Radverkehr sind keinerlei Routen vorgesehen. Radfahrende sollen sich zwischen anderen Fahrzeugen und zu Fuß Gehenden ihren Weg bahnen.

Flensburger Radstern – Online-Veranstaltung am 25.11.2020

Einladung: Rauf aufs Rad in Flensburg und Schleswig-Holstein! – Online, 25.11.2020

Bessere Luft, weniger Stau, mehr Klimaschutz: Bis 2030 soll jeder vierte Weg in Flensburg mit dem Rad zurückgelegt werden. Doch bei vielen Radelnden herrscht eher Frust statt Lust. Denn die Radwege lassen zu wünschen übrig. Die dreiteilige Online-Veranstaltung „Rauf aufs Rad in Flensburg und Schleswig-Holstein: Flensburger Radstern – Ausbau der Radrouten starten“, Mittwoch, 25.11.2020, um 15:00-16:30 Uhr, will Chancen und Wege aufzeigen.

Die drei Teile in der Übersicht

Foto: M. Gloger, VCD

  • Der VCD Flensburg fordert, das Velorouten-Netz in drei Schritten auszubauen. Vorgestellt werden die Startstrecken und zukunftsfähige Standards für den Radverkehr.
  • Passend dazu referiert Dr. Thorben Prenzel von RAD.SH über die Landesradstrategie Schleswig-Holstein 2030 und die damit verbundenen Fördermöglichkeiten.
  • Bauingenieur Till Schwarzer stellt schließlich die Lösung für einen Konflikt im Stadtbereich vor: Rad und Schiene, statt Rad oder Schiene auf der bestehenden Bahntrasse in der Innenstadt.

Mittwoch, 25. Nov. 2020
Ankommen: ab 14:45 Uhr, Beginn 15:00 Uhr – Ende 16:30 Uhr
Login: https://uni-flensburg.webex.com/uni-flensburg-de/j.php?MTID=m684193393c4f403f5fcab2d6f6ee0ae9
Meeting-Kennnummer: 121 712 2246
Passwort: gKpDDkmk457

Drei Präsentationen rund um den Radverkehr

RAD.SH: Fahrradland Schleswig-Holstein – Landesradstrategie 2030
Dr. Thorben Prenzel, Geschäftsführer von RAD.SH, stellt die neue Landesradstrategie 2030 (PDF-Datei – mehr) und die Ergebnisse des BYPAD-Verfahrens (PDF-Datei – mehr) vor, mit dessen Hilfe die Radverkehrsförderung evaluiert und die Qualität verbessert werden soll. Zu den Zielen der Landesradstrategie 2030 des Bundeslandes Schleswig-Holstein gehört die Erhöhung des landesweiten Radverkehrsanteils auf 30% bis 2030, das Ziel „Zero Verkehrstote“ und den Ausbau der Infrastruktur samt Fördermöglichkeiten für den Radverkehr.

VCD Flensburg: Flensburger Radstern – Start in den Ausbau der Velorouten
Die Stadt Flensburg hat ein Veloroutennetz (Stadt Flensburg: mehr) geplant und beschlossen. Umgesetzt werden zur Zeit Einzelabschnitte in verschiedenen Ortsteilen. Auf der Grundlage von Verkehrsströmen und wichtigen Zielen hat der VCD Flensburg zwei Routen aus diesem Netz priorisiert. Der VCD fordert, dass diese Routen durchgängig, von einer Nachbargemeinde durch Flensburg hindurch bis zur nächsten Nachbargemeinde, in zukunftsfähigem Standard durchgebaut werden.
Die AG Velorouten im VCD Flensburg stellt die ausgewählten Routen vor und erläutert die Hintergründe für die Priorisierung.

Bahnreaktivierung in Flensburg: Chance fürs Klima, für Bahn und Rad! Parallelführung von Bahn- und Radverkehr
Rad und Schiene – statt Rad oder Schiene! Till Schwarzer, Bauingenieur, hat sich in seiner Masterarbeit damit beschäftigt, ob sich ein Flensburger Wunsch erfüllen lässt: Einen Radweg neben der Bahntrasse anzulegen. In seiner Präsentation zeigt er Möglichkeiten, schwierige Stellen und Lösungen, um einen Zwei-Richtungs-Radweg neben der Schiene anzulegen.

Weitere Infos: VCD Ortsgruppe Flensburg
https://nord.vcd.org/flensburg/

Ein klares „Nein zur #Abfckprämie!“ auf dem Südermarkt

attac- und Umweltaktivist Günter Strempel spricht zu den Kundgebungsteilnehmenden auf den Südermarkt

Für eine radikale Verkehrswende – Auch in Flensburg!

Ein Beitrag und Fotos von Jörg Pepmeyer

Rund 50 Teilnehmende zählte heute Nachmittag eine Kundgebung gegen die Abwrackprämie  auf dem Südermarkt in Flensburg. Aufgerufen hatte dazu im Rahmen des bundesweiten „Aktionstag gegen die geplante Abwrackprämie“ das Bündnis Sand im Getriebe, dem die Flensburger Sektionen von attac, des ADFC, des VCD, die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg sowie weitere zivilgesellschaftliche Verbände und Einzelpersonen folgten. Anlass war das heftige Bemühen der großen Autokonzerne sich vom Staat mit der umstrittenen Abwrackprämie Milliarden Euro schenken zu lassen.

Auch die Aktivist*innen der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg waren mit dabei

Günter Strempel, attac- und Umweltaktivist machte in seiner Ansprache im Namen der Anwesenden jedoch klar, dass dies der falsche Weg sei. Anstatt wieder mal Milliarden den Autokonzernen in den Rachen zu schmeißen, bräuchte es dieses Geld für den Ausbau einer alternativen und ökologischen Verkehrsinfrastruktur. Es sei höchtse Zeit für eine radikale Verkehrswende und eine Konversion der Autoindustrie.

Seit zwei Wochen verhandeln die Autoindustrie und die Bundesregierung in Berlin. Zwar sei der für kommenden Dienstag geplante Autogipfel zwischen der Bundesregierung und dem Verband der Automobilindustrie abgeblasen worden. Die Regierung, so heißt es, habe noch internen Abstimmungsbedarf für den Koalitionsausschuss, der für den gleichen Tag (2. Juni) vorgesehen ist. Jedoch sei die Abwrackprämie weiter auf der politischen Agenda. Sollte die Abwrackprämie tatsächlich kommen, würde das, so Günter Strempel, allen Bemühungen um Klimaneutralität und Umweltschutz Hohn sprechen. Man würde genauso weiter machen, wie bisher, mit allen negativen Folgen für Mensch und Umwelt. Zudem wäre auf Jahre hinweg kein Geld mehr da, um eben andere, ökologisch nachhaltige Verkehrskonzepte umzusetzen, die Städte autofrei zu bekommen, den ÖPNV und die Bahn zu stärken. Deshalb gelte es die Abwrackprämie zu verhindern.

Mit seinen Ausführungen erntete Günter Strempel nicht nur bei den anwesenden Aktivist*innen viel Applaus. Auch zahlreiche Passant*innen machten in den Diskussionen an den Infotischen ihrem Ärger Luft. Besondere Kritik gab es daran, dass letztlich die Steuerzahler*innen für die Versäumnisse und Fehler der großen Automobilkonzerne zur Kasse gebeten werden sollen. Und sicherlich macht es sich auch nicht gut, wenn ein Automobilkonzern, wie BMW 40.000 Arbeiter*innen in Kurzarbeit schickt, sich das Kurzarbeitergeld von den Beiträgen der Versicherten zahlen lässt, um anschließend fast 1,6 Mrd. Euro Dividende an die Aktionäre zu zahlen. Davon allein rund 800 Mio. Euro an die Familien Klatten und Quandt.

Lebhafte und spannende Diskussionen am Rand der Kundgebung – Unterstützung bekam die Veranstaltung auch durch zwei an einem Haus befestigte Banner, in der Ecke oben links zu sehen: #FIGHT EVERY CRISIS – KLIMA GERECHTE ZUKUNFT

Zum bundesweiten „Aktionstag gegen die geplante Abwrackprämie“ siehe auch folgenden Link: https://sand-im-getriebe.mobi/aktionstag-29-mai/

<span>%d</span> Bloggern gefällt das: