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Sanktionen der Jobcenter gegen Arbeitslose – Wissenschaftliche Studie aus NRW spricht von verheerenden Folgen

Auch in Flensburg haben Sperrzeiten gegen Erwerbslose fatale Auswirkungen

Auch in Flensburg werden vom Jobcenter Sanktionen gegen Arbeitslose mit verheerenden Folgen verhängt. Anlässlich einer Sozialausschuss-Sitzung vor etwas mehr als einem Jahr hatten die VertreterInnen der AKOPOL-Fraktion eine genaue Auflistung der Sanktionsfälle von der Leiterin des Flensburger Jobcenters Frau Remark eingefordert. Insbesondere die hohe Zahl der verhängten Totalsanktionen (Kürzung um 100%) gegen Arbeitslose und SGB-II-Leistungsempfänger unter 25 Jahren waren Zielscheibe der Kritik von AKOPOL. Dass damit jungen Arbeitslosen Obdachlosigkeit und Überschuldung drohen, war auch Frau Remark klar, ohne dass sie das jedoch wirklich problematisierte. Schlimmer waren aber zu diesem Thema die teilweise völlig lebensfremden und beschämenden Kommentare etlicher Mitglieder des Sozialauschusses.

Mehr zum Thema Sanktionen gegen Arbeitslose in dem Beitrag des ND vom 18.1.2014: Studie zeigt »verheerende« Folgen von Hartz-Sanktionen – NRW-Untersuchung über Auswirkungen von Sperrzeiten gegen Erwerbslose unter: http://www.neues-deutschland.de/artikel/921254.studie-zeigt-verheerende-folgen-von-hartz-sanktionen.html

Auf der Seite von Harald Thomé gibt´s die vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Düsseldorf in Auftrag gegebene Studie und den Endbericht der Untersuchung zur Erforschung der Ursachen und Auswirkungen von Sanktionen im Bereich des SGB II und des SGB III unter: http://www.harald-thome.de/media/files/2013_Studie_ISG__Sanktionen_NRW.pdf

Mehr auch zum Thema in einem AKOPOL-Beitrag vom 5.11.2012 Anstieg der Sanktionen gegen “Hartz IV”-Leistungsempfänger auch in Flensburg? unter: https://akopol.wordpress.com/2012/11/05/anstieg-der-sanktionen-gegen-hartz-iv-leistungsempfanger-auch-in-flensburg/

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Armut und private Überschuldung in Flensburg nehmen weiter zu

Immer mehr Menschen geraten in die Schuldenspirale

Es sind schon mehr als beunruhigende Zahlen, die die Creditreform mit ihrem Schuldneratlas 2012 kürzlich vorstellte. Nicht nur, dass die private Überschuldung trotz angeblich guter Konjunktur steigt, sondern auch, dass sich die Schere zwischen den Bevölkerungsgruppen weiterhin rasant öffnet, unterstreicht die Tatsache, dass ein wachsender Teil der deutschen Bevölkerung schlichtweg immer weniger Geld zum Leben hat. Um ihren Lebensstandard zu halten und Konsumwünsche zu befriedigen, riskieren viele Menschen mehr denn je, sich zu überschulden. Prekäre Arbeitsverhältnisse, Verlust des Arbeitsplatzes, Krankheit, Scheidung und Trennung vom Partner führen schlussendlich in eines Schuldenspirale, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.

Besonders beunruhigend ist dabei, dass es auch in der Stadt Flensburg Stadtviertel, wie die Neustadt und Nordstadt gibt, in denen mittlerweile fast jeder vierte Erwachsene (24,32 %) nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Noch vor einem Jahr waren es 21,09%.  Dagegen sank die Quote in den sog. besseren Stadtvierteln, wie Friesischer Berg, Tarup, Engelsby, Sandberg, Jürgensby, und Fruerlund und liegt dort zwischen 11,46% und 9,92%. Dennoch stieg die Gesamtquote in Flensburg im Vergleich zum letzten Jahr um 0,34 auf nunmehr 14,92%, was einer Zahl von 11.200 Einwohnern enstpricht. Damit ist jeder siebte erwachsene Flensburger überschuldet. Kein wirklicher Trost ist es dabei, dass Neumünster mit 16,65% und Lübeck mit 15,93% noch schlechter dastehen, als Flensburg. Anders ausgedrückt, Armut und Überschuldung werden auch langfristig zu einem immer größeren Problem in den kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins. Wobei bemerkenswert ist, dass selbst der Kreis Dithmarschen eine Überschuldungsquote von 12,50% aufweist.

Was bedeuten die Zahlen nun für die Stadt Flensburg, für ihre kommunalpolitischen Akteure und die Verwaltung? Die Verschärfung der Lebensbedingungen vor allem derjenigen, denen eine wirkliche Teilhabe am Arbeitsmarkt, eine faire Bezahlung und eine adäquate Ausbildung verweigert wird, muss ein Grund dafür sein, in viel größerem Umfang als bisher entsprechende Modelle und Konzepte auch für die Stadt Flensburg zu entwickeln, die den betroffenen Menschen ein würdevolles Leben sichern und gleichzeitig als Unterstützung bei der Lösung privater Überschuldungsprobleme dienen können.

Es kann nicht angehen, dass zudem ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung dieser Stadt, rund ein Viertel lebt ganz oder teilweise von staatlichen Transferleistungen, quasi von der Kommunalpolitik und der Verwaltung abgeschrieben wird. Allerdings gilt dies auch für die Bundesregierung. Die hat nämlich die Finanzierung verschiedenster Programme, die die Situation dieser Menschen verbessern könnten, auf Eis gelegt. Geradezu empörend empfinden es in diesem Zusammenhang auch viele Erwerbslose, dass die Bundesregierung vor kurzem beschlossen hat, jährlich mehr als 2 Milliarden Euro bei den Kosten der Arbeitsförderung, für Eingliederungs- und Qualifizierungsmaßnahmen einzusparen. Offensichtlich haben Frau Merkel und Frau von der Leyen eine andere Sicht der Realität, als der Normalbürger. Wie so etwas enden kann, haben wir anlässlich der Unruhen vor knapp zwei Jahren in England und Frankreich gesehen. Wer das nicht will, sollte schleunigst entsprechend handeln. Und ein erster Schritt hierfür könnte sein, dies im Rahmen einer aktuellen Stunde zum Thema „Armut und Überschuldung in Flensburg“ bei der nächsten Ratsversammlung zu tun.

Jörg Pepmeyer, AKOPOL-Fraktionsvorsitzender

Mehr Daten, Zahlen und Fakten zu Armut und Überschuldung  auch unter:

Flensburger Sozialatlas 2010/11/12/13

Der Flensburger Sozialatlas mit Daten zur sozialen Situation der Bevölkerung in Flensburg

Wer sich einen groben Überblick über die Flensburger Sozialdaten verschaffen möchte, dem sei auch ein Blick in den Sozialatlas der Stadt Flensburg empfohlen. Allerdings sind die Daten des Sozialatlas leider nicht qualitativ aufbereitet, fehlen zudem wichtige Strukturdaten. Auch methodisch gibt es erhebliche Defizit bei der Datenerhebung. Dies erschwert eine qualitative Interpretation der im Sozialatlas präsentierten Daten und lässt für realistische Schlussfolgerungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der sozialen Verhältnisse in der Stadt wenig Raum. Für die politische Debatte sind die Daten des Sozialatlas daher nur bedingt hilfreich und nutzbar.

Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2010 Sozialatlas 2010

Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2011 sozialatlas_2011

Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2012 Flensburger Sozialatlas 2012

Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2013 sozialatlas_2013

SHZ-Online vom 16. November 2012 | 04:30 Uhr | Von Anja Werner Schulden-Schere öffnet sich weiter unter: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/artikel/schulden-schere-oeffnet-sich-weiter.html

Ein AKOPOL-Beitrag vom 31.12.2011: Armut und soziale Spaltung in Flensburg – Strukturdaten dokumentieren wirtschaftlichen Abwärtstrend der Stadt unter: https://akopol.wordpress.com/2011/12/31/armut-und-soziale-spaltung-in-flensburg-strukturdaten-dokumentieren-wirtschaftlichen-abwartstrend-der-stadt/

Jährliche Analyse zur Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland – Überschuldung in Deutschland nimmt zu unter: http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Aktuelles/Creditreform_Analysen/SchuldnerAtlas/index.jsp

Den kompletten Atlas mit allen Daten gibt es zum Download hier: SchuldnerAtlas Deutschland 2012, komplette Analyse – Creditreform unter: http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Presse/Archiv/SchuldnerAtlas_Deutschland/2012/Analyse_SchuldnerAtlas_Deutschland_2012.pdf

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