Blog-Archive

Bau(ern)-Opfer – Das Ende eines traditionsreichen Flensburger Sportvereins

Gentrifizierung in Flensburg:

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Der traditionsreiche und 1921 gegründete VfB Nordmark Flensburg ist insolvent. Unabhängig von eigenen Fehlern des Vereins hat insbesondere das Gezerre um den Sportplatz des VfB und die ungeklärte Zukunft hinsichtlich eines neuen Standortes den Mitgliedern und dem Vorstand zuviel abverlangt Einige Kommunalpolitiker haben wacker für den Verein gekämpft, andere waschen ihre Hände in Unschuld. Und ein hoher Verwaltungsbeamter ist nun am Ziel seiner Wünsche. Endlich gibt es keine Hürden mehr den Sportplatz des VfB zu bebauen. Das freut auch stadtbekannte Bau- und Immobilienspezis. Die Strategie des Aushungerns und der Verunsicherung hatte also vollen Erfolg, ohne dass man nur einen Pfennig dazu zahlen musste….
Dabei hieß es noch im September 2011 in „Der VfB-Bote“: „Im Juni erreichte unseren 1. Vorsitzenden Herbert Sommerfeld ein Anruf von Flensborg Avis. Der Redakteur wollte wissen, was an den Gerüchten, dass „beim VfB im nächsten Jahr die Lichter ausgehen“, dran ist. Herbert hat dieses mit Erstaunen zur Kenntnis genommen und dem Redakteur versichert, dass er ihn sofort informieren würde, sollten diese Behauptungen zutreffen. Daraufhin haben wir das BEV (=Bundeseisenbahnvermögen) in Hamburg angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. Mit Schreiben vom 3. August 2011 hat man uns dann mitgeteilt, dass unsere Sportstätte in den Planungen der Stadt Flensburg in das Gesamtkonzept mit eingebunden werden soll. Wie wir bereits berichtet haben, plant die Stadt Flensburg eine Umstrukturierung des gesamten Bahnhofviertels. In dieser Angelegenheit ist Herbert Sommerfeld bereits bei der Stadt vorstellig gewesen. Auszug aus dem Schreiben des BEV: „Wir gehen davon aus, dass der ESV Flensburg (hiermit ist der VfB gemeint) rechtzeitig eingebunden wird, sich in dieser Gesamtkonzeption wieder findet und somit dauerhaft gesichert bleibt. Die Stadt hat uns gebeten, bis zur Klärung der Zukunft im Jahre 2012 keine größeren Investitionen zu tätigen – weder der Verein noch das BEV -, sodass die bei unserem Gespräch aufgezeigten Unterhaltungsrückstände zunächst einmal nicht vom BEV bezuschusst, bzw. beseitigt werden können.“ Von „Einbindung“ kann insofern wohl nur gesprochen werden, als dass man in der Stadtverwaltung selbstredend davon ausging, dass der VfB den Sportplatz freiwillig räumen würde. Ein konkretes Alternativangebot der Stadt gab es übrigens nie (!), nach dem Motto „friss Vogel oder stirb“. Interessant ist, dass der Kollege von der Flensborg Avis die wahren Absichten einiger Verantwortlicher offensichtlich schon längst erkannt hatte und mit seiner Prophezeiung im Nachhinein goldrichtig lag. Eine „Klärung der Zukunft“, wie von der Stadtverwaltung formuliert, erübrigt sich nun.

 

Ebenso hierzu der Beitrag von Holger Ohlsen auf shz.de Abriss: VfB Nordmark ist Vergangenheit
Stadt seit Juli Eigentümerin des Bahngeländes am Mühlendamm / Eisenbahnerverein nach 95 Jahren in der Liquidation
Weiterlesen unter: http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/abriss-vfb-nordmark-ist-vergangenheit-id14805066.html

Da haben die Interessen der Investoren und Immobilienspekulanten Vorrang: Wo Flensburg wächst : 700 Wohnungen für das neue Bahnhofsviertel – Quelle: https://www.shz.de/17327051 ©2018

Mehr zur Geschichte des VfB Nordmark und seinem Ende in einem Beitrag der Flensborg Avis „VfB Nordmark Flensburg ganz kurz vor dem Aus“ vom 25.6.2014 unter: http://www.fla.de/artikel/VfB-Nordmark-Flensburg-ganz-kurz-vor-dem-Aus-17de9.html

und im Flensburger Tageblatt „VfB Nordmark: Das traurige Ende eines Traditionsvereins“ vom 26.6.2014  http://www.shz.de/sport/lokaler-sport/lokaler-sport-flensburger-tageblatt/das-traurige-ende-eines-traditionsvereins-id6960866.html

Gentrifizierung in Flensburg: Auch andere Vereine und Initiativen sind Zielscheibe der Bemühungen der Stadt Flensburg, das Bahnhofsumfeld „baureif“ zu bekommen. Hierzu auch ein Artikel im Flensburger Tageblatt vom 9.3.2013
„Kulturzentrum in Flensburg – Stadt setzt Kühlhaus unter Druck“ unter: http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/stadt-setzt-kuehlhaus-unter-druck-id4938.html

Zum gleichen Thema auch ein spannender Leserbrief aus dem letzten Jahr „Flensburger Bahnhofsumfeld: Stadtplanung nicht auf Kosten von Kühlhaus und VfB Nordmark! Offener Brief von Sönke Büsen“ unter https://akopol.wordpress.com/2013/05/13/flensburger-bahnhofsumfeld-stadtplanung-nicht-auf-kosten-von-kuhlhaus-und-vfb-nordmark/

Ebenfalls zum Thema:
Zielgruppenorientierte Wohnungsmarktanalyse Flensburg: Immer weniger Wohnungen für Menschen mit kleinen Einkommen
Zukünftig dramatische Verschärfung der Situation auf dem Flensburger Wohnungsmarkt – Studie fordert mehr Engagement im sozialen Wohnungsbau
https://akopol.wordpress.com/2013/04/06/zielgruppenorientierte-wohnungsmarktanalyse-flensburg-immer-weniger-wohnungen-fur-menschen-mit-kleinen-einkommen/

Werbeanzeigen

Flensburger Bahnhofsumfeld: Stadtplanung nicht auf Kosten von Kühlhaus und VfB Nordmark!

Offener Brief von Sönke Büsen:

Offener Brief – VFB Nordmark Flensburg

Eine Stadt ist kein Heimatmuseum, sondern in Ort der sich laufend den Bedürfnissen seiner Bürger anpassen sollte. Deshalb sind die Pläne einer Südstadt im Bereich Deutsches Haus — Brücke Peelwatt im Prinzip begrüßenswert. Die Frage die sich hier jedoch stellt ist, wessen Bedürfnisse / Interessen hier gefördert werden? Hinzu kommt, dass die Kombination (Güter)Bahnhof, Sportanlage und Kleingärten eine Art Kulturlandschaft darstellt, die durch eine bestimmte stätische Entwicklung, nicht nur in Flensburg, entstanden ist und somit auch ein Teil der Geschichte der Stadt Flensburg darstellt. Eine Kulturlandschaft welche in anderen Stäten schon zum Teil verschwunden ist. Soll diese Kulturlandschaft auch in Flensburg verschwinden?
Hier stellt sich wieder die Frage nach den Bedürfnissen und Interessen. Der VFB Nordmark Flensburg ist nicht nur ein Traditionsverein, der eine wichtige soziale Funktion im Stadtteil ausführt. Die Stadt schuldet dem Verein auch einen Dank, da der Verein auch die Stadt repräsentiert. Der VFB Nordmark spielte seinerzeit zusammen mit „08“ in die 4 klassige Landesliga und steht selbst heute in der Tabelle besser als der Gross-Verein TSB.
Welchen Stellenwert der Verein bei einigen Planern der Stadt hat, zeigte sich deutlich, als im Vorfeld anstelle von einer bedingungslosen Unterstützung, der Verein zur Fusion mit einem anderen Verein aufgerufen wurdel? Und jetzt, nach den gescheiterten Verhandlungen mit der Uni / Campus. Soll der Verein „ausgehungert“ werden? Der Verein wird unter den jetzigen Umständen Schwierigkeiten haben neue Mitglieder zu werben! Hoffen einige Vertreter der Stadt dass sich „das Problem“ von alleine löst?
Wenn in 10-15 Jahren für 700 Bürger in der Südstadt neuer Wohnraum geschaffen wurde, werden die Stadtväter und Mütter vielleicht einsehen, dass auch ein Sportplatz von Nöten ist! Soll dann ein neuer Verein gegründet werden? Vielleicht „Phönix Flensburg“?
Ich glaube nicht nur ich, sondern auch Bürger (und Wähler) der Stadt und andere Sportvereine, würden gerne wissen, wie die einzelnen Parteien zu der Frage des VFB Nordmark, dem Kühlhaus und dem Hundeverein Flensburg-Handewitt eigentlich stehen. Und welche Solidarität gibt es von anderen Vereinen? Heute VFB Nordmark, morgen IF Sternen und übermorgen Polizei SV? Deren Plätze sind ja auch attraktiv! Und was mit dem DGF — gleich an der Umgehungsstraße?

Sönke Büsen
Sonderburg , gebürtiger Flensburger. Kein Mitglied des VFB Nordmark / Kühlhaus
Hundeverein Flensburg Handewitt.

Siehe zum gleichen Thema auch den AKOPOL-Beitrag Bau(ern)-Opfer – Das Ende eines traditionsreichen Flensburger Sportvereins unter https://akopol.wordpress.com/2014/06/28/bauern-opfer-das-ende-eines-traditionsreichen-flensburger-sportvereins/

%d Bloggern gefällt das: