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Stadtwerke Flensburg – AKOPOL fordert transparente und bürgerfreundliche Darstellung der Schadstoffwerte

Antwort der Stadtwerke auf Fragen der AKOPOL-Fraktion zu KWKplus-Schadstoffwerten völlig unzureichend

Anscheinend haben die Stadtwerke Flensburg auf die öffentliche Kritik der AKOPOL-Fraktion zur Dokumentation der KWKplus-Schadstoffwerte reagiert. Auf der KWkplus.de-Seite finden sich jetzt zumindest die Jahres-Tagesmittelwerte für 2010 mit den zusätzlichen Werten für Quecksilber, Flourwasserstoff, Dioxine, Furane und die Schwermetallgruppen a,b, und c als PDF-Datei unter: http://www.kwkplus.de/index.php?menuID=12&pageID=37  . Ebenfalls gab es eine öffentliche Bekanntmachung der Stadtwerke zu den Jahresmittelwerten 2010 in der örtlichen Tagespresse. Allerdings sind die Messungen für Quecksilber, Flourwasserstoff, Dioxine, Furane und die Schwermetallgruppen a,b,c nur Einzelmessungen des TÜV-Nord und von den Stadtwerken als solche auch in der öffentlichen Mitteilung mit einem E gekennzeichnet. Dioxine und Furane werden dabei nur 1 x pro Jahr von einem Labor erfasst. Diese Messung erfolgt nach den Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes an 3 Tagen á 6 Std. Diese Werte dürfen den Wert von 0, 1 ng/m3 nicht übersteigen. Der Jahresdurchschnitt der Betriebsstunden beträgt aber ca. 8. 000 Std. An 7. 984 Std. werden Dioxine/Furane somit gar nicht erfasst, nicht gemessen. Obwohl es alternative Messmethoden gibt, werden diese offenbar von den Stadtwerken nicht genutzt (AMESA-Messsystem). Auch Schwermetalle werden nur einmal pro Jahr gemessen.

Dabei stellt sich die Frage, wann diese Einzelmessungen konkret und unter welchen Betriebsbedingungen diese durch den TÜV-Nord erfolgt sind. Faktisch sind diese Messwerte nämlich relativ aussagelos, wenn nicht bekannt ist, wann der TÜV gemessen hat und bei welchem EBS-Durchsatz. So lassen sich, so man denn will, Durchschnittswerte für die besonders heiklen Schadstoffe produzieren, die besonders „schön“ aussehen.

Jahres-Tagesmittelwerte für 2008 und 2009 bzw. eine vollständige Messwerteliste der Monatsmittelwerte 2008 und 2009 und 2010 für die eben genannten Schadstoffe gibt es auch weiterhin nicht auf der KWKplus-Homepage der Stadtwerke.

Ebenso ist die Messwert-Homepage vom KWkplus-Projekt außerordentlich chaotisch. Anders ausgedrückt: von professioneller Gestaltung, zusammenfassender und übersichtlicher Darstellung kann kaum die Rede sein, dabei beschäftigen die Stadtwerke doch gutbezahlte IT-Spezialisten. Im Übrigen gibt es immer noch keinen direkten Link auf der Stadtwerke-Homepage zur KWkplus.de-Seite.

Wie man es grundsätzlich anders und vorbildlich machen kann, zeigt die Messwert-Dokumentation der TEV Neumünster (unter: http://www.stadtwerke-neumuenster.de/data/energie/kraftwerk/tev.php ) Dort finden sich alle oben beschriebenen Messwerte im Rahmen einer Dokumentation der Jahresmittelwerte sowie eine Darstellung aktueller Wochen-Werte im Vergleich zu den gesetzlich festgelegten und denen mit der Bürgerinitiative vereinbarten Grenzwerten. Gleichzeitig messen die Stadtwerke Neumünster kontinuierlich auch die Werte für Hg, Dioxine und Furane sowie für die Schwermetalle der Gruppen a,b und c.

Auf der Hauptausschuss-Sitzung am 12.4. stellte AKOPOL-Ratsherr Jörg Pepmeyer deshalb folgende Fragen zur Dokumentation der Schadstoffwerte beim KWKplus-Projekt.

1. Planen die Stadtwerke in Zukunft ähnlich dem Beispiel Neumünster ihre Schadstoffwerte zu veröffentlichen?

2. Werden die Stadtwerke in Zukunft kontinuierliche (also nicht nur 1 x im Jahr) Messungen des Schadstoffausstoßes für Hg, Flourwasserstoff, Dioxine und Furane sowie die Schadstoffklassen der Schwermatellgruppen a,b und c vornehmen und diese zeitnah (wöchentlich) und transparent veröffentlichen.

3. Denken die Stadtwerke daran, ihre KWKplus-Homepage und die Messwert-Seite bürgerfreundlich zu überarbeiten und sie direkt mit der Stadtwerke-Seite zu verlinken?

4. Was gedenken die Stadtwerke zu tun, um den enorm hohen Schwefeldioxid-Ausstoß zu verringern, der im Vergelich zur TEV Neumünster um das Tausendfache höher liegt? (Diese Frage bezog sich auf damals vorliegende Werte aus Neumünster aus dem Jahr 2009, mit den jetzt vorliegenden Werten aus 2010 steht die TEV mit 0,280 mg/cbm SO2 etwas schlechter dar, Flensburg liegt aber im Schnitt mit 137,0 mg/cbm immer noch um das 500-fache höher! J.P.)

Nun liegt eine Anwort der Stadtwerke auf diese Fragen vor. Gleichzeitig nahmen die Stadtwerke auch Stellung zu Fragen, die die lokale ATTAC-Gruppe Flensburg anlässlich einer Veranstaltung am 29.3. schriftlich an Klaus Koch richtete, der als Sachverständiger im Genehmigungsverfahren für das KWKplus-Projekt die „Bürgerinitiative gegen die Müllverbrennung im Heizkraftwerk“ vertrat. (Die Beanwtortung der Fragen finden sich in den beiden folgenden PDF-Dateien: Beantwortung Stadtwerke Fragen Pepmeyer und Koch Antworten zu Stadtwerke

Die AKOPOL-Fraktion hält die Antworten der Stadtwerke hinsichtlich der Forderung der AKOPOL-Fraktion und der ATTAC-Gruppe Flensburg nach einer transparenteren Darstellung der Schadstoffwerte jedoch für nicht befriedigend und Augenwischerei. Die AKOPOL-Fraktion hält eine Dokumentation der Schadstoffwerte, die lediglichen den gesetzlichen Mindeststandard erfüllt, im Rahmen einer vertrauensbildenden und bürgernahen Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke für nicht ausreichend. Die AKOPOL-Fraktion fordert deshalb weiterhin die Stadtwerke auf, sich bei der Dokumentation der Schadstoffwerte am Beispiel der TEV Neumünster zu orientieren und dies zeitnah und nicht erst im Herbst diesen Jahres umzusetzen. Für eine enstprechende Darstellung haben die Stadtwerke bereits mehrere Jahre lang Zeit gehabt. Wir werden insofern dieses Thema wieder auf die Agenda für die Sitzung des Hauptausschusses am 24.5. und die Gesellschafterversammlung der Stadtwerke setzen.

Jörg Pepmeyer, AKOPOL-Fraktionsvorsitzender

Stadtwerke Flensburg: Öffentliche Dokumentation der KWKplus-Schadstoffwerte unvollständig

AKOPOL-Fraktion fordert öffentliche und umfängliche Dokumentation der Emissionswerte

Bereits im Jahr 2004 hatten sich die Stadtwerke Flensburg dafür entschieden, im Rahmen des KWKplus-Projektes zukünftig sogenannte Ersatzbrennstoffe, also aufbereiteten Gewerbemüll und Holzhackschnitzel in drei ihrer Kraftwerkskessel mit zu verbrennen. Im Zuge des Anhörungsverfahren für das Projekt, wie auch auf einer öffentlichen Veranstaltung in Glücksburg im Frühling 2006 hatte es zudem die Zusicherung der Stadtwerke-Verantwortlichen und des Vorstands gegeben, die KWKplus-Schadstoffwerte nicht nur regelmäßig dem Staatlichen Umweltamt in Schleswig mitzuteilen, sondern diese auch für die Öffentlichkeit einsehbar und kontinuierlich zu dokumentieren. Ausgangspunkt hierfür waren insbesondere die Bedenken des Kieler Toxikologen Dr. Hermann Kruse, der Glücksburger Gemeindevertretung und der „Bürgerinitiative gegen die Müllverbrennung im Heizkraftwerk Flensburg“ hinsichtlich der zukünftigen und möglicherweise gesundheitsgefährdenden Emissionen durch die Mitverbrennung von Müllbestandteilen. Als Beispiel für eine entsprechende Dokumentation wurde hierfür die Darstellung der Schadstoffwerte für die Thermische Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) in Neumünster genannt (Messwertedarstellung unter: http://www.stadtwerke-neumuenster.de/data/energie/kraftwerk/tev.php )

Offensichtlich scheint man bei den Stadtwerken in Flensburg von der im Jahr 2006 gegebenen Zusicherung nicht mehr viel zu halten. Denn halbwegs kontinuierliche Messwerte gibt es auf der KWKplus-Homepage der Stadtwerke Flensburg nur für 2008 und bis April 2009 (siehe unter: http://www.kwkplus.de/index.php?menuID=12&pageID=37 und http://www.kwkplus.de/pdf/Emissionswerte_Kessel_9_10_11-2010.pdf ). Für 2010 ist lediglich für die Kessel 10 und 11 ein Monatswert für Oktober angegeben, Kessel 9 war nicht im Betrieb. Für 2011 gibt es überhaupt keine Werte. Ebenso gibt es keine Darstellung der Jahresmittelwerte für 2009 und 2010. Bei allen angegebenen KWKplus-Messwertreihen fehlen jedoch insbesondere die Messwerte für die hochgiftigen Dioxine und Furane, für Quecksilber sowie die Schwermetalle der Gruppe A: Cd, Tl (Cadmium, Thallium); die Schwermetalle der Gruppe B: Sb, As, Pb, Cr, Co, Cu, Mn, Ni, V, Sn und die Schadstoffwerte der Gruppe C: As, Benzo(a)pyren, Cd, Co, Cr in mg/m³. Auffällig ist ebenso, dass die Messwerte für Schwefeloxide als SO2 mit 145,43 bzw. 122,98 mg/m³ im Oktober 2010 für die KWKplus-Kessel 10 bzw. 11 im Vergleich zum Jahresmittelwert 2009 der TEV Neumünster wie auch zum Wert der TEV für die Kalenderwoche 11 in 2011 um das Tausendfache (!!!) höher liegen. Der Jahresmittelwert 2009 für die TEV Neumünster: Schwefeloxide als SO2 = 0,113 mg/m³. Auch in den Jahren 2008 und 2009 liegt der Schwefeldioxid-Ausstoß für die Flensburger KWKplus-Kessel bei ähnlich hohen Werten, wie im Oktober 2010.

Hinsichtlich der Quecksilber- und Schwermetallbelastung lässt sich leider aufgrund der fehlenden Flensburger Daten jedoch kein Vergleich mit Neumünster anstellen. Interessant ist jedoch, dass die Stadtwerke Flensburg in der Flensburger Tagespresse am 27.03.2008 eine detaillierte Darstellung der Jahresmittelwerte 2007 für den Schadstoffausstoß im Rahmen des Einsatzes von Sekundärbrennstoffen im Heizkraftwerk Flensburg unter „Amtliche Bekanntmachungen“ veröffentlichten. Darunter auch die Werte für Dioxine und Furane, wie auch für Quecksilber und die Schwermetalle der Gruppen A, B und C.Warum dies nicht mehr geschieht, ist völlig unverständlich.

Die AKOPOL-Fraktion fordert daher den Vorstand, wie auch die Gesellschafterversammlung und den Aufsichtsrat der Stadtwerke Flensburg im Sinne einer umfänglichen Transparenz und Bürgerinformation auf, unverzüglich für eine regelmäßige, vollständige und öffentliche Dokumentation der Schadstoffwerte nicht nur der mit Ersatzbrennstoffen befeuerten Kessel zu sorgen, sondern darüber hinaus auch die bei der Kohleverfeuerung entstehenden Schadstoffe zu dokumentieren.

Nachtrag vom 1. April 2011:

Zwar haben nach Erscheinen dieses Blog-Artikels die Stadtwerke auf ihrer KWKplus.de-Seite die Messwerte für Nov./Dez. 2010 und Jan./Febr. 2011 hinzugefügt, aber dennoch fehlen weiterhin die oben genannten Jahresmittelwerte bzw. vollständige Monatswerte für 2008, 2009 und 2010 sowie die Messwerte für Quecksilber, Dioxine und Furane und für die Schwermetalle der Gruppen A, B und C.

Ebenso ist unverständliche, warum es auf der Homepage der Flensburger Stadtwerke keinen direkten Link zum KWkplus-Projekt und den entsprechenden Messwerten gibt. Wie sollen bitte schön BürgerInnen diese Informationen finden, wenn sie nicht wissen, dass diese nur auf einer externen Seite zu finden sind? Es gibt also hinsichtlich einer transparenten Informations- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke Flensburg noch viel zu tun.

Zum Thema erschien in der Flensborg Avis am 2.4.2011 der untenstehende Artikel von Dirk Thöming: Stadtwerke glemte at oplyse om røgværdier

 

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