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Sozialatlas Flensburg 2018 – Mehr EmpfängerInnen von Sozialleistungen

Bevölkerungszahl wächst auf 95.469 Personen

Fast 20.000 FlensburgerInnen brauchen staatliche Transferleistungen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes

Ein Viertel (24,5%) aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren lebt in Armutshaushalten. Und fast jedes zweite Kind in der Neustadt (45,6%)

Zahl der BezieherInnen von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung wächst um 5%

„Mit dem Sozialatlas 2018 liegt die siebzehnte kleinräumige Fortschreibung von Sozialstrukturdaten für die Stadt Flensburg und ihre 13 Stadtteile vor.“ heißt es  in der Mitteilungsvorlage SUG-18/2018 für die Sitzung des Jugendhilfeausschuss am 21.11.2018 und des Sozial- und Gesundheitsausschuss am 26.11.2018. Datenbasis bis 31.12.2017

In der Zusammenfassung des Sozialatlas 2018 die wichtigsten Ergebnisse

Hier geht es zu den ausführlichen Daten des Sozialatlas 2018. Einfach auf das Bild klicken.

Bevölkerungswachstum hält an:

In 2017 erreicht die Einwohnerzahl am Jahresende mit 95.469 EinwohnerInnen den höchsten Stand seit über 40 Jahren (+1.242 gegenüber dem Vorjahr).

Die Zunahme schlägt sich in vielen Stadtteilen nieder, wobei die Bevölkerungszahl gegenüber dem Vorjahr insbesondere in Tarup (+269) und auf dem Sandberg (+241) zugelegt hat. Auch Mürwik, die Altstadt und die Neustadt sind je um mehr als 150 EinwohnerInnen gewachsen.

Entsprechende Verluste gibt es dagegen auf dem Friesischen Berg (-155). In einigen Stadtteilen stagniert die Entwicklung (Westliche Höhe, Weiche, Südstadt, Fruerlund).

Verringerung der Geburtenzahl in 2017:

Mit 911 Neugeborenen im Jahr 2017 liegt Geburtenzahl um 39 niedriger als im Vorjahr. Die Geburtenquote sinkt leicht um 0,9 Prozentpunkte auf 49,2. Im 10-Jahresvergleich liegt die Geburtenquote 2017 jedoch nur auf dem Sandberg unter dem Durchschnitt.

Altersstruktur konstant:

In 2017 ist die Anzahl der Kinder und Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (+234). Eine positive Entwicklung ist in vielen Stadtteilen zu konstatieren, besonders aber in der Altstadt und in Tarup. Der Anteil der unter 18-Jährigen an der Gesamtbevölkerung beträgt 14,9% und entspricht damit dem Wert des Vorjahres.

Bei den Personen im erwerbsfähigen Alter sind bei konstantem Anteil an der Gesamtbevölkerung höhere Werte als im Vorjahr zu verzeichnen (+792 auf 62.484).

Die Bevölkerungsgruppe der älteren Menschen (über 65 Jahren) legt um 216 Personen auf 18.744 zu. Ihr Bevölkerungsanteil liegt bei 19,6%.

Das Durchschnittsalter liegt bei 42,4 Jahren, der Altenquotient bei 31,0.

Mehr Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit:

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Personen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit um 1.520 auf 12.978 angestiegen. Die Zahl der Einbürgerungen entspricht mit 158 dem Niveau des Vorjahres. Die Gesamtzahl der Personen mit Migrationshintergrund beläuft sich in 2017 auf 24.417.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Arbeitslosenquote:

Der positive Trend bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hält (mit 1.055 Personen mehr als im Vorjahr) an. Aktuell leben in Flensburg 31.378 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – der höchste Stand seit über 10 Jahren.

Die Arbeitslosenquote* liegt zum Stichtag 30.06.2017 mit 7,2% gegenüber dem Wert von 2016 um 0,2 Prozentpunkte höher. Auf Stadtteilebene zeigt sich die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr uneinheitlich. Die absolute Zahl der Arbeitslosen ist zum 30.06.2018 mit 4.321 bereits wieder auf das Niveau von 2016 gesunken.

Zunahme der EmpfängerInnen von Sozialleistungen:

In 2017 standen insgesamt 11.049 Personen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren im Leistungsbezug nach SGB II, III und XII. Ihr Anteil an der Bevölkerung in dieser Altersgruppe beträgt 17,0%. Er ist gegenüber dem Vorjahr um 0,7%-Punkte angestiegen.

Höchster Anteil in der Neustadt und Nordstadt

Abbildung: Sozialatlas 2018 S. 37

Anteil der nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten unter 15 Jahren steigt

Eine isolierte Betrachtung der nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten unter 15 Jahren zeigt im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der absoluten Zahlen. Der Anteil der nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten unter 15 Jahren an der Altersgruppe der unter 15-Jährigen ist von 21,7% im letzten Jahr auf 24,5% angestiegen. Zwischen den einzelnen Stadtteilen bestehen große Unterschiede. In Tarup beträgt der Anteil 2,3%, in der Neustadt dagegen 45,6%.

Abbildung: Sozialatlas 2018 S. 40

Zahl der EmpfängerInnen von Grundsicherung steigt

Die Zahl der EmpfängerInnen von Grundsicherung nach SGB XII steigt im Vergleich zum Vorjahr um 112 Personen auf 2.305.

Abbildung: Sozialatlas 2018 S. 42

Zahl der WohngeldempfängerInnen zurückgegangen

Die Zahl der WohngeldempfängerInnen ist hingegen zurückgegangen (-236 auf 3.027). Die Verteilung über das Stadtgebiet ist relativ ausgeglichen. Der höchste Anteil von WohngeldempfängerInnen ist in Fruerlund zu verzeichnen (5,3%).

Ausführlichere Daten, Zahlen und Fakten gibt es im  Sozialatlas_2018

Zum Anliegen des Sozialatlas

Aus dem Vorwort:

Ziel: kontinuierliche Beobachtung der sozialen Lage

Mit dem Sozialatlas 2018 liegt die siebzehnte kleinräumige Fortschreibung von Sozialstrukturdaten für die Stadt Flensburg und ihre 13 Stadtteile vor. Das Ziel ist eine differenzierte Beobachtung von relevanten Indikatoren, die Aufschluss über die soziale Lage in Flensburg geben. Der Sozialatlas liefert damit wichtige Grundinformationen für Planungen, wie z.B. in der Jugendhilfe oder im Bereich älterer Menschen, aber auch für andere Themenstellungen, wie z.B. der Stadtplanung.

Orientierung nach Stadtteilen

Der Sozialatlas ist ein dauerhaftes und kontinuierliches Anliegen. Die Orientierung nach Sozialräumen – in diesem Fall nach Stadtteilen – bedeutet, dass kleinräumige sozio-ökonomische und demografische Daten erhoben und im Hinblick auf die soziale Le-bensrealität der BewohnerInnen untersucht und analysiert werden. Durch die Fortschreibung können langfristig kleinräumige Veränderungen nachgezeichnet werden, wie z.B. in der Altersstruktur der Bevölkerung, der Erwerbstätigkeit oder im Bezug von Sozialleistungen. Dabei erfolgt die Darstellung der Entwicklung der Bevölkerungsdaten in einem 10-Jahresvergleich. Die themenspezifischen Informationen werden in einem 5-Jahresrückblick betrachtet1.

Stichtag 31.12.2017

Der Sozialatlas zum Stichtag 31.12.2017 ist in fünf Kapitel unterteilt: 1. Bevölkerung, 2. Arbeitsmarkt und Beschäftigung, 3. Wohnen, 4. Soziale Sicherung und 5. Hilfen zur Erziehung. Den Kapiteln ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse voran-gestellt. Die umrandeten Textblöcke weisen auf allgemeingültige Informationen hin. Am Ende befinden sich kurze Steckbriefe für die Stadt Flensburg und die 13 Stadtteile.

Sofern nicht anders angegeben, handelt es sich bei allen Abbildungen und Tabellen um Darstellungen des Fachbereichs Soziales und Gesundheit auf Basis von Daten der Statistikstelle der Stadt Flensburg. Daten für die Jahre vor 2015 wurden in der Regel aus vorhergehenden Sozialatlanten übernommen.

Flensburger Sozialatlas 2010/11/12/13/14/15/16/17

Der Flensburger Sozialatlas mit Daten zur sozialen Situation der Bevölkerung in Flensburg

Wer sich einen Überblick über die Entwicklung der Flensburger Sozialdaten und deren Veränderung in den letzten Jahren verschaffen möchte, dem sei auch ein Blick  in den Sozialatlas der Jahre 2010/11/12/13/14/15/16/17 empfohlen. Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2010 , Sozialatlas_2011Sozialatlas 2012 , Sozialatlas_2013 , Sozialatlas 2014 , Sozialatlas 2015, Sozialatlas 2016 , Sozialatlas_2017

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DIE LINKE fordert mehr gegen die Kinderarmut in Flensburg zu tun

DIE LINKE Flensburg hält die sich verfestigende Armut, besonders bei vielen Kindern, für unerträglich und kritisiert die Ignoranz der anderen Parteien.

Es geht um jedes einzelne Kind – und um die Würde jedes Menschen!

Die Meldungen über hohe Kinderarmut in der Bundesrepublik, in Schleswig-Holstein und in Flensburg sind nicht neu – und auch die Zahlen sind seit Jahren etwa dieselben: Jedes 5. Kind ist von Armut stark bedroht oder direkt betroffen, in Schleswig-Holstein sind es rund 70.000, und in Flensburg sogar jedes 4. Kind – in der Neustadt übrigens jedes zweite…

Wir wissen es alle längst, und viel zu viele Familien erfahren täglich ganz konkret,  wenn das Geld wieder mal nicht reicht – für die Kinder, den Einkauf, die zu hohe Miete, den Schulausflug, einen Kinobesuch oder das Eis beim Hafenfest… All das wissen wir nicht erst seit gestern – doch was geschieht dagegen seitens der Politik? Nichts! Initiativen vor Ort versuchen hier und da, ein wenig Not zu lindern, das ist ein toller Einsatz, löst aber das grundlegende Problem leider nicht.

DIE LINKE macht auch nicht erst seit gestern auf dieses Kernproblem unserer Gesellschaft aufmerksam und fordert höheres Kindergeld, eine gerechtere Familienpolitik, kostenfreies Schulessen und Busfahren, eine soziale Mindestsicherung für Erwachsene und Kinder… – und? Nichts passiert! Alle anderen Parteien wenden sich schulterzuckend ab oder versuchen sogar, das Thema Armut den Betroffenen selber in die Schuhe zu schieben. Für zehntausende Kinder in Schleswig-Holstein und hunderttausende bundesweit bedeutet dies eine geraubte Zukunft ohne ausreichende Chancen. DIE LINKE kann die staatlich verordnete Ungleichheit und Armut nicht hinnehmen.

Herman U. Soldan – Foto Peter Werner

Herman U. Soldan, Kreisvorsitzender der Flensburger LINKEN, erklärt dazu: „Es ist schäbig und menschenverachtend, wie die Verantwortlichen aller anderen Parteien sich um die Konsequenzen ihrer eigenen unsozialen Politik und um die Lösungen, die wir LINKE schon seit Jahren einfordern, herumdrücken! – Es geht nicht darum, dass jemandem wie mir diese flächendeckende Armut persönlich wehtut und dass sie einen wütend macht. Es geht darum, dass sich unsere Gesellschaft eine solche soziale Schieflage weder moralisch noch menschlich noch wirtschaftlich leisten kann. Wir dürfen nicht länger akzeptieren, dass die Reichsten sich mit dem Geld der anderen Leute aus dem Staube machen und dass dies politisch auch noch gewollt und unterstützt wird!“, führt Herman U. Soldan aus.

DIE LINKE fordert auch weiterhin einen grundlegenden Wechsel der Politik, damit Armut wirksam bekämpft wird: Ein gerechtes Steuersystem sowie eine Millionärssteuer sind dabei der Kern LINKER Politik, um ohne Schulden in die soziale Infrastruktur (Pflege, Bildung, Verkehr etc.) und die sozialen Sicherungssysteme investieren zu können. Diese Forderungen sowie ein flächendeckender Mindestlohn von mindestens 12 Euro und Mindestsicherungen von 1.050 Euro bei Renten und BAföG stellen eine Abkehr von der unsozialen, neoliberalen Politik der letzten Jahrzehnte dar, durch die die Gesellschaft erst in die soziale Schieflage gekommen ist.

Besonders deutlich wird die soziale Krise in „sozialen Brennpunkten“ wie z.B. der Flensburger Neustadt. LINKE Politik, auch in Flensburg, will diese Stadtteile durch eine Umkehr in der Sozialpolitik von den sozialen Daumenschrauben, die Hartz IV und Niedriglöhne erzeugt haben, befreien und für ihre Einwohnerinnen und Einwohner lebenswert gestalten.

„Es geht uns dabei in allererster Linie um soziale Gerechtigkeit, die nur durch eine Umverteilung zu erreichen ist“, erläutert Herman U. Soldan. „Und es geht uns um die grundgesetzlich festgeschriebene Würde des Menschen – aller Menschen übrigens und besonders aller Kinder! Nur durch einen konsequenten Politikwechsel können wir die Menschen, die die Politik der anderen Parteien vor die Tür gesetzt hat, wieder in eine gerechtere Gesellschaft zurückholen und den Kindern die Chance für eine bessere Zukunft ermöglichen. Das ist nicht zuletzt auch ein Einsatz für Demokratie und aktive Beteiligung – ohne Frust und Rechtspopulismus!“

Pressemitteilung des Flensburger Kreisverbandes DIE LINKE

 

Sozialatlas 2017 für Flensburg liegt vor – Weiterhin hohe Armutsquote

Bevölkerungszahl wächst auf 94.227 Personen

Fast 20.000 FlensburgerInnen brauchen staatliche Transferleistungen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes

Aus der Mitteilungsvorlage für die Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschuss am 16.10.2017 und des Jugendhilfeausschuss am 15.11.2017

„Mit dem Sozialatlas_2017 (Datenbasis 31.12.2016) liegt der 16. Sozialstrukturbericht für die Stadt Flensburg vor.

Am 31.12. 2016 war mit 94.227 Personen die höchste EinwohnerInnenzahl seit über 40 Jahren zu verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahr besteht ein Anstieg um 1.115 Personen. Eine positive Bevölkerungsentwicklung hat bis auf eine Ausnahme in allen Stadtteilen stattgefunden – der Stadtteil Engelsby weist einen leichten Rückgang um 71 Personen auf.

Mit 950 Neugeborenen im Jahr 2016 steigt die Geburtenzahl im Vergleich zum Vorjahr um 130 Geburten (13,7%). In 2016 ist die Anzahl der Kinder und Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (+320). Mit Ausnahme der Stadtteile Friesischer Berg, Sandberg und Engelsby ist eine Zunahme dieser Altersgruppe in allen Stadtteilen zu verzeichnen.

Bei den Personen im erwerbsfähigen Alter sind bei steigendem Anteil an der Gesamtbevölkerung (+ 0,7% auf 65,5%) etwas höhere Werte als im Vorjahr zu verzeichnen (+614 auf 61.692).

Die Bevölkerungsgruppe der älteren Menschen über 65 Jahre nimmt im Vergleich zum Vorjahr geringfügig um 181 Personen auf 18.528 zu. Ihr Bevölkerungsanteil beträgt 19,7%. Das Durchschnittsalter liegt bei 42,4 Jahren; der Altenquotient bei 31,1.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl der Personen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit um 1.396 auf 11.458 Personen verändert. Die Zahl der Einbürgerungen liegt mit 158 über dem Niveau des Vorjahres (+34). Die Gesamtzahl der Personen mit Migrationshintergrund belief sich in 2016 auf 22.686.

Der positive Trend bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hält an (+932 Personen zum Vorjahr – auf 30.323. Der Anteil der Arbeitslosen an der Bevölkerung im Alter von 18 bis unter 65 Jahren weist mit 7,0% einen Rückgang zum Vorjahr um 0,6 Punkte auf.

In 2016 standen insgesamt 10.439 Personen im Alter zwischen 15 bis 65 Jahren im Leistungsbezug nach SGB II, III und XII, mit einem Anteil von 16,3% an der Bevölkerung dieser Altersgruppe.“

Zahl der Empfänger/innen von Sozialleistungen sinkt nur geringfügig

Aus dem Sozialatlas 2017:

„In 2016 standen insgesamt 11.488 Personen im Leistungsbezug nach SGB II, III und XII. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl um 118 Empfänger/innen gesunken. In der Personengruppe von 15 bis unter 65 Jahren beziehen 10.439 Personen Leistungen nach SGB II, III und XII.
Während die Anzahl der Personen im Leistungsbezug nach SGB II in dieser Altersgruppe zurückgegangen ist (-119), hat es bei der Anzahl der Leistungsbeziehenden nach SGB III und SGB XII keine großen Veränderungen gegeben.
16,3% der Flensburger Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren beziehen Leistungen nach SGB II, III oder XII. Die Unterschiede zwischen den Stadtteilen sind dabei hoch. So sind in der Neustadt und Nordstadt 27,6% bzw. 25.0 % auf solche Leistungen angewiesen, in Tarup hingegen nur 3,4% und in Weiche nur 8,6%.“

Anzahl der Kinder und Jugendlichen in Armutshaushalten weiterhin auf hohem Niveau

„Eine isolierte Betrachtung der nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten unter 15 Jahren (vgl. Abb.21) zeigt in den letzten Jahren einen Anstieg der absoluten Zahlen. Der Anteil der nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten unter 15 Jahren an der Altersgruppe der unter 15-Jährigen bleibt in den letzten drei Jahren hingegen konstant.

Werte aus den letzten Jahren nicht direkt vergleichbar

Die Werte auf Stadtteilebene sind im Zeitverlauf aufgrund einer Anpassung der statistischen Kategorien seitens der Bundesagentur für Arbeit nicht direkt vergleichbar.

Fast jedes zweite Kind in der Neustadt lebt in einem Armutshaushalt

So wird für 2016 eine andere Bezugsgruppe dargestellt als für die anderen Jahre (vgl. Tab.19).
Gleichwohl ist erkennbar, dass der Anteil der nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten in den einzelnen Stadtteilen sehr unterschiedlich ist. So liegt dieser Wert in der Neustadt mit 48,2% und der Nordstadt mit 32,1% deutlich über dem städtischen Durchschnitt von 22,5%. In Tarup mit 2,0%, aber auch in Weiche mit 10,3 % deutlich darunter.“

*) Darstellungen und Berechnungen nach Statistik der Bundesagentur für Arbeit und der Statistikstelle der Stadt Flensburg. Die statistische Kategorie „Nichterwerbsfähige Leistungsberechtigte“ für 2016 ist mit den „Nichterwerbsfähigen Hilfebedürftigen“ bis 2015 nicht vergleichbar. Abweichend zu Abb. 21  werden hier alle Nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten dargestellt, nicht nur diejenigen unter 15 Jahren.

Die Zahl der Empfänger/innen von Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung nimmt leicht zu

„In Flensburg beziehen im Jahr 2016 insgesamt 2.193 Personen Leistungen der Grundsicherung außerhalb von Einrichtungen. Innerhalb eines Jahres nahm damit die Anzahl der Empfänger/innen um 20 Personen zu. Gegenüber 2012 beträgt der Anstieg 328 Personen. Der Anteil blieb im Vergleich zum Vorjahr bezogen auf die Bevölkerungsgruppe über 18 Jahren stabil.“

5,7% der Menschen in der Altersgruppe 65 und älter beziehen Grundsicherung

„Ältere Menschen in der Neustadt sind am stärksten auf Unterstützung angewiesen. Innerhalb dieser Altersgruppe beziehen hier 21,6% Grundsicherung nach dem SGB XII. In Tarup, Weiche, Mürwik und der Westlichen Höhe sind es demgegenüber unter 3,0%. Bei den Personen im erwerbsfähigen Alter liegt der Anteil in der Neustadt und Nordstadt bei 3,0% bzw. 3,1%, in Tarup und Weiche hingegen unter 1%.“

Mehr Wohngeldempfänger/innen

„Im Jahr 2016 ist gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg der Anzahl der Wohngeldempfänger/innen zu verzeichnen (+279 Personen). Aktuell beziehen 3.263 Personen Wohngeld (Vorjahr: 2.984).
Der Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 3,5% und ist damit gegenüber dem Vorjahreswert gestiegen (+0,3%). Der höchste Anteil an Wohngeldempfängern/innen wird in Fruerlund (5,0%) sowie in der Südstadt (4,4%) verzeichnet.Besonders niedrige Werte weist Tarup (1,8%) auf.“

Ausführlichere Daten, Zahlen und Fakten gibt es im  Sozialatlas_2017

Zum Anliegen des Sozialatlas

Aus dem Vorwort: „Mit dem Sozialatlas 2017 liegt die sechzehnte kleinräumige Fortschreibung von Sozialstrukturdaten für die Stadt Flensburg und ihre 13 Stadtteile vor. Das Ziel ist eine differenzierte Beobachtung von relevanten Indikatoren, die Aufschluss über die soziale Lage in Flensburg geben. Der Sozialatlas liefert damit wichtige Grundinformationen für Planungen, wie z.B. in der Jugendhilfe oder im Bereich älterer Menschen, aber auch für andere Themenstellungen, wie z.B. der Stadtplanung.

Der Sozialatlas ist ein dauerhaftes und kontinuierliches Anliegen. Die Orientierung nach Sozialräumen – in diesem Fall nach Stadtteilen – bedeutet, dass kleinräumige sozio-ökonomische und demografische Daten erhoben und im Hinblick auf die soziale Le-bensrealität der Bewohner/innen untersucht und analysiert werden. Durch die Fort-schreibung können langfristig kleinräumige Veränderungen nachgezeichnet werden, wie z.B. in der Altersstruktur der Bevölkerung, der Erwerbstätigkeit oder im Bezug von Sozialleistungen. Dabei erfolgt die Darstellung der Entwicklung der Bevölkerungsdaten in einem 10-Jahresvergleich. Die themenspezifischen Informationen werden in einem 5-Jahresrückblick betrachtet.

Der Sozialatlas zum Stichtag 31.12.2016 ist in fünf Kapitel unterteilt: 1. Bevölkerung, 2. Arbeitsmarkt und Beschäftigung, 3. Wohnen, 4. Soziale Sicherung und 5. Hilfen zur Erziehung. Den Kapiteln ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse voran-gestellt. Die umrandeten Textblöcke weisen auf allgemeingültige Informationen hin. Am Ende befinden sich kurze Steckbriefe für die Stadt Flensburg und die 13 Stadtteile. Die „Trendpfeile“ weisen auf negative, positive oder keinerlei Veränderungen im Stadtteil, im Verhältnis zum Durchschnittswert der vergangenen zwei Jahre, hin (eine Abweichung von 10 % zum Durchschnittswert wird als signifikant erachtet).
Sofern nicht anders angegeben, handelt es sich bei allen Abbildungen und Tabellen um Darstellungen des Fachbereichs Soziales und Gesundheit auf Basis von Daten der Statistikstelle der Stadt Flensburg. Daten für die Jahre vor 2015 wurden in der Regel aus vorhergehenden Sozialatlanten übernommen.“

Flensburger Sozialatlas 2010/11/12/13/14/15/16

Der Flensburger Sozialatlas mit Daten zur sozialen Situation der Bevölkerung in Flensburg

Wer sich einen Überblick über die Entwicklung der Flensburger Sozialdaten und deren Veränderung in den letzten Jahren verschaffen möchte, dem sei auch ein Blick  in den Sozialatlas der Jahre 2010/11/12/13/14/15 empfohlen. Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2010 Sozialatlas 2010 , Sozialatlas 2011 sozialatlas_2011 , Sozialatlas 2012 Flensburger Sozialatlas 2012 , Sozialatlas 2013 sozialatlas_2013 , Sozialatlas 2014  sozialatlas 2014 , Sozialatlas 2015 sozialatlas 2015, Sozialatlas 2016 Sozialatlas 2016

Sozialatlas 2016 für Flensburg liegt vor – Altersarmut nimmt weiter zu

Zahl der Leistungsempfänger/innen im Bereich SGB II („Hartz IV“), III und XII weiterhin auf hohem Niveau – Mehr Empfänger/innen von Grundsicherung im Alter

Aus der Mitteilungsvorlage für die Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschuss am 14.11.2016, des Jugendhilfeausschuss am 23.11.2016 und des Gleichstellungsausschuss am 14.12.2016:

„Mit dem Sozialatlas 2016 (Datenbasis 31.12.2015) liegt der 15. Sozialstrukturbericht für die Stadt Flensburg vor.

Die Bevölkerungszahl steigt weiter an und erreicht Ende 2015 den Stand von 93.112. Im Vergleich zum Vorjahr ist, wie zu erwarten war, ein Anstieg der Personen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit zu verzeichnen. Die Geburtenzahl erhöht sich im Vergleich zu 2014 leicht. Der Altenquotient (Einwohner/-innen ab 65 Jahren im Verhältnis zur Anzahl der 20- bis unter 65-Jährigen) sinkt. Auf Grund dieser positiven Entwicklungen sowie dem steigenden Umlandszuzug, verläuft der „demographische Wandel“ bezüglich der gesellschaftlichen Überalterung etwas abgeschwächt.

Der positive Trend bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hält an. Zwischen den einzelnen Leistungsarten hat es Verschiebungen gegebenen. Während hinsichtlich des Personenkreises der Erwerbsfähigen eine Reduzierung der Hilfen zu verzeichnen ist, bleiben die Zahlen bei den erwerbsgeminderten Personen stabil.“

Etwas weniger Empfänger/innen von Sozialleistungen

Aus der Zusammenfassung des Sozialatlas 2016:

„In 2015 standen insgesamt 11.606 Personen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren im Leistungsbezug nach SGB II, III und XII. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl um -65 Empfänger/innen gesunken. Ihr Anteil an der Bevölkerung in dieser Altersgruppe beträgt 18,3%. Er hat sich gegenüber dem Vorjahr um 0,4%-Punkte reduziert. Der Rückgang der Gesamtanzahl ist auf eine Reduzierung der Leistungsempfänger/innen nach SGB II und III zurückzuführen.“

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Anzahl der Kinder in Familien mit SGB II-Bezug weiterhin auf hohem Niveau

„Keine Veränderungen sind dagegen bei der Anzahl der nichterwerbsfähigen Hilfebedürftigen in Haushalten mit Leistungsbezug nach SGB II festzustellen. Bei den 2.966 Empfängern/innen (-27) handelt es sich überwiegend um Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Die Gesamtsituation bleibt damit unbefriedigend: gemessen an der Gesamtbevölkerung im Alter von unter 15 Jahren lebt noch immer über ein Viertel aller Kinder (26,5%) in Haushalten mit SGB II-Bezug. Zwischen den einzelnen Stadtteilen bestehen allerdings große Unterschiede. In Tarup beträgt die Quote 2,7%, in der Neustadt dagegen 54,9%.“

Deutlich mehr Empfänger/innen von Grundsicherung – 5,8% der Menschen in der Altersgruppe 65 und älter beziehen Grundsicherung

„Auffallend ist der weitere Anstieg von Empfänger/innen von Grundsicherung nach SGB XII. Im Vergleich zum Vorjahr nahm ihre Anzahl um 5,4% auf 2.173 zu. Gegenüber 2011 beträgt der Anstieg sogar 29,6%. Ältere Menschen sind am häufigsten in der Nordstadt und Mürwik auf Grundsicherung angewiesen.

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Weniger Wohngeldempfänger/innen

Rückgänge sind hingegen bei der Anzahl der Wohngeldempfänger/innen auszumachen (-653 auf 2.984). Die Verteilung über das Stadtgebiet ist relativ ausgeglichen. Die meisten Wohngeldempfänger/innen sind in Mürwik zu verzeichnen.“

Ausführlichere Daten, Zahlen und Fakten gibt es im  Sozialatlas 2016

Zum Anliegen des Sozialatlas

Aus dem Vorwort: „Mit dem Sozialatlas 2016 liegt die fünfzehnte kleinräumige Fortschreibung von Sozialstrukturdaten für die Stadt Flensburg und ihre 13 Stadtteile vor. Das Ziel ist eine differenzierte Beobachtung von relevanten Indikatoren, die Aufschluss über die soziale Lage in Flensburg geben. Der Sozialatlas liefert damit wichtige Grundinformationen für Planungen, wie z.B. in der Jugendhilfe oder im Bereich älterer Menschen, aber auch für andere Themenstellungen, wie z.B. der Stadtplanung.

Der Sozialatlas ist ein dauerhaftes und kontinuierliches Anliegen. Die Orientierung nach Sozialräumen – in diesem Fall nach Stadtteilen – bedeutet, dass kleinräumige sozio-ökonomische und demografische Daten erhoben und im Hinblick auf die soziale Lebensrealität der Bewohner/innen untersucht und analysiert werden. Durch die Fortschreibung können langfristig kleinräumige Veränderungen nachgezeichnet werden, wie z.B. in der Altersstruktur der Bevölkerung, der Erwerbstätigkeit oder im Bezug von Sozialleistungen. Dabei erfolgt die Darstellung der Entwicklung der Bevölkerungsdaten in einem 10-Jahresvergleich. Die themenspezifischen Informationen werden in einem 5-Jahresrückblick betrachtet.

Der Sozialatlas zum Stichtag 31.12.20151 ist in fünf Kapitel unterteilt: 1. Bevölkerung, 2. Arbeitsmarkt und Beschäftigung, 3. Wohnen, 4. Soziale Sicherung und 5. Hilfen zur Erziehung. Den Kapiteln vorangestellt ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse. Die umrandeten Textblöcke weisen auf allgemeingültige Informationen hin. Am Ende befinden sich kurze Steckbriefe für die Stadt Flensburg und die 13 Stadtteile. Die „Trendpfeile“ weisen auf negative, positive oder keinerlei Veränderungen im Stadtteil, im Verhältnis zum Durchschnittswert der vergangenen zwei Jahre, hin (eine Abweichung von 10 % zum Durchschnittswert wird als signifikant erachtet).

Für den „schnellen Leser“ bzw. die „schnelle Leserin“ bieten sich als Orientierungshilfe die Randhinweise an.“

Flensburger Sozialatlas 2010/11/12/13/14/15

Der Flensburger Sozialatlas mit Daten zur sozialen Situation der Bevölkerung in Flensburg

Wer sich einen Überblick über die Entwicklung der Flensburger Sozialdaten und deren Veränderung in den letzten Jahren verschaffen möchte, dem sei auch ein Blick  in den Sozialatlas der Jahre 2010/11/12/13/14/15 empfohlen. Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2010 Sozialatlas 2010 , Sozialatlas 2011 sozialatlas_2011 , Sozialatlas 2012 Flensburger Sozialatlas 2012 , Sozialatlas 2013 sozialatlas_2013 , Sozialatlas 2014  sozialatlas 2014 , Sozialatlas 2015 sozialatlas 2015

Dazu auch ein Beitrag vom 1.11.2016 auf  shz.de:
Altersarmut und Altersvorsorge : Die üppigen Pensionen der Beamten – und so viel weniger bekommen Rentner in SH http://www.shz.de/deutschland-welt/politik/die-ueppigen-pensionen-der-beamten-und-so-viel-weniger-bekommen-rentner-in-sh-id15233121.html

Kinderarmut in Flensburg: Was tun! – Diskussion und Vortrag mit Leiv Eirik Voigtländer am 29.09.2016 im Brasseriehof

Donnerstag, 29. September 19:00 Uhr
Brasseriehof-Café
Große Straße 42 – 44, 24937 Flensburg

Auch der Mindestlohn hat nichts daran geändert: In Schleswig-Holstein und auch in Flensburg leben überdurchschnittlich viele Kinder in Armut.
Die Frage ist, wollen wir das weiter hinnehmen oder versuchen wir, etwas dagegen zu unternehmen?
Dr. Leiv Eirik Voigtländer hat mit seiner Arbeit „Armut und Engagement“ einen gesellschaftlichen Teilbereich des Lebens in Armut beleuchtet. Am 29.9. wird er ab 19 Uhr im Brasseriehof ein Impulsreferat zum Thema Kinderarmut und deren Bekämpfung halten.
Anschließend wünschen wir uns eine angeregte Diskussion zwischen engagierten Einwohner*innen und Menschen, die beruflich mit dem Thema beschäftigt sind.

Der Eintritt ist frei.

Mehr zur Veranstaltung auf Facebook unter: https://www.facebook.com/events/1775410752738178/

Armut in Flensburg – Knapp ein Viertel der Bevölkerung lebt an oder unterhalb der Armutsschwelle

Bericht der Flensborg Avis: Dramatische Verschlechterung der sozialen und wirtschaftlichen Lage tausender  FlensburgerInnen

Es ist schon bemerkenswert, wie die Flensborg Avis die von der AKOPOL-Fraktion angestoßene Wohnungs-Debatte heute zum Anlass nahm, sich in einer Reportage von Jens Nygaard mit der äußerst prekären Lage eines nicht unerheblichen Teils der Flensburger Bevölkerung zu beschäftigen.

Kaum wahrgenommen wird in dieser Stadt, dass sich in den letzten Jahren die Lebensbedingungen tausender FlensburgerInnen massiv verschlechtert haben. Knapp ein Viertel der Bevölkerung braucht mittlerweile ganz oder teilweise staatliche Transferleistungen, um ihren Lebensunterhalt decken zu können. Hierzu gehören Menschen, die arbeitslos sind, aber auch zunehmend diejenigen, die trotz Arbeit zuwenig verdienen, oder Ältere, deren Rente vorne und hinten nicht reicht. Dazu gehören natürlich auch die Kinder- und Jugendlichen, die in sog. SGB-II-Haushalten aufwachsen und deren Eltern Transferleistungen erhalten. Diese Leistungen reichen dabei vom Wohngeld bis hin zum Arbeitslosengeld oder zur ergänzenden oder vollständigen Gewährung von Grundsicherung nach SGB II (auch „Hartz IV“ genannt) und SGB XII. Dazu kommen noch eine ganze Zahl von jungen Menschen, die Bafög beziehen, darunter auch eine nicht unerhebliche Zahl der über 8.000 Studierenden an den beiden Flensburger Hochschulen. Andererseits gibt es zahlreiche FlensburgerInnen, deren Einkommen knapp oberhalb der festgelegten Transfergrenze liegt, die aber dennoch als arm gelten. Hierzu gehören viele Studierende, Niedriglöhner, Selbständige, Freiberufler und Rentner.

Und noch schlimmer, anlässlich der Einführung des sog. Bildungspakets musste die Stadt Flensburg feststellen, dass rund 6.000 Kinder und Jugendliche anspruchsberechtigt sind. Angesichts von insgesmat 13.000 Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in dieser Stadt, heißt  das, dass fast die Hälfte (46%) aller jungen Menschen in Armutshaushalten lebt!

Aber hinter der sog. „Kinderarmut“ steckt vor allem die Armut der Eltern. Und die haben in den letzten Jahren ganz besonders in Flensburg enorme Einbußen bei den Löhnen und Gehältern hinnehmen müssen. Während es eine rasante Ausweitung der Leiharbeit, von Minijobs und eine zunehmende Zahl von ArbeitnehmerInnen in Flensburg gibt, die mit Niedrig- und Niedrigstlöhnen abgespeist werden, sind nach Angaben des DGB in den letzten 12 Jahren in der Region Flensburg mehr als 5.000 verhältnismäßig gutbezahlter Industriearbeitsplätze wie z. B. bei Motorola „abgebaut“ worden. Auch im Dienstleistungsbereich gab es einen erheblichen Verlust qualifizierter Arbeitsplätze. Jüngstes Beispiel ist die Versatel.

Das alles hat zu einem besorgniserregenden Fall der Lohnquote und der Wirtschaftskraft in Flensburg geführt. Mit fatalen Auswirkungen nicht nur für den Haushalt der Stadt, sondern auch für die Sozialkassen.

Dramatisch wird dies vor allem im Alter, wie auch die Flensburger Zahlen zeigen. Denn bereits schon jetzt beziehen mehr als 5% der RenterInnen in Flensburg Leistungen im Rahmen der Grundsicherung – mit stark steigender Tendenz. Es droht in Flensburg in den nächsten Jahren eine flächendeckende Altersarmut.

Neben dem allgemeinen Anstieg der Lebenshaltungskosten, musste Flensburg zugleich einen enormen Anstieg der Mieten verkraften. So stiegen innerhalb der letzten 5 Jahre, also von 2006-2011 die Mieten um 16%. Dies dokumentiert eine Studie, auf die sich Rechtsanwalt Detlev Gutsch im Rahmen eines Interviews mit der Flensborg Avis bezog. Gutsch, der eng mit dem Mieterverein Flensburg zusammenarbeitet, macht hierfür insbesondere nationale und internationale Hedge-Fonds verantwortlich, die in den letzten Jahren große Wohnungsbestände in Flensburg aufgekauft und die Mietpreise drastisch nach oben getrieben hätten.

Vor allem im Bereich der preiswerten Wohnungen für Studierende, Geringverdiener und SGB-II-Leistungsempfänger sei der Markt leegefegt. Die vom Jobcenter festgelegten Mietobergrenzen für Leistungsempfänger seien viel zu niedrig. Im Rahmen dieser Richtwerte sei es nicht möglich, tatsächlich menschenwürdige Wohnungen anmieten zu können.

Für die AKOPOL-Fraktion ist der Bericht der Flensborg Avis ein Grund mehr, die Debatte um einen qualifizierten Mietspiegel und die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft in Flensburg voranzutreiben. Gleichzeitig wollen wir zukünftig die prekäre Lage eines Viertels der Bevölkerung viel stärker zum Thema der politischen Debatte in der Flensburger Ratsversammlung und den Fach-Ausschüssen machen.

Wir brauchen überzeugende und praktikable Konzepte, mehr Bürgersolidarität, mehr Arbeitsplätze und mehr Geld, um diese Menschen wieder in unsere Mitte aufzunehmen. Als AKOPOL-Fraktion werden wir alles tun, um hierfür die notwendige Unterstützung in der Bevölkerung zu bekommen. Gleichzeitig laden wir alle zivilgesellschaftlichen Gruppen und die politischen Parteien ein, mit ihnen gemeinsam an der Umsetzung dieses ehrgeizigen Ziels zu arbeiten.

Jörg Pepmeyer (AKOPOL-Fraktionsvorsitzender)

Hier geht´s zur Reportage Det kniber mit pengene von Jens Nygaard in der Flensborg Avis vom 17.9.2011 Flensborg Avis 17.9.2011 Det kniber mit pengene

Daten, Zahlen und Fakten zum Thema Armut in Flensburg:

Zum Thema Rentnerarmut in Schleswig-Holstein ein Artikel des Flensburger Tageblatt vom 23. August 2011, S. 1 Rentner müssen immer öfter arbeiten – 32 000 Senioren in Schleswig-Holstein sind Minijobber / Tendenz steigend unter: Rentnerarmut Schleswig-Holstein

Flensburger Sozialatlas 2010/11/12/13/14/15

Der Flensburger Sozialatlas mit Daten zur sozialen Situation der Bevölkerung in Flensburg

Nachtrag: Wer sich einen groben Überblick über die Flensburger Sozialdaten und deren Veränderung in den letzten Jahren verschaffen möchte, dem sei auch ein Blick in den Sozialatlas der Stadt Flensburg empfohlen. Allerdings sind die Daten des Sozialatlas leider nicht qualitativ aufbereitet, fehlen zudem wichtige Strukturdaten. Auch methodisch gibt es erhebliche Defizit bei der Datenerhebung. Dies erschwert eine qualitative Interpretation der im Sozialatlas präsentierten Daten und lässt für realistische Schlussfolgerungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der sozialen Verhältnisse in der Stadt wenig Raum. Für die politische Debatte sind die Daten des Sozialatlas daher nur bedingt hilfreich und nutzbar. Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2010 Sozialatlas 2010 , Sozialatlas 2011 sozialatlas_2011 , Sozialatlas 2012 Flensburger Sozialatlas 2012 , Sozialatlas 2013 sozialatlas_2013 , Sozialatlas 2014 sozialatlas 2014  und Sozialatlas 2015

Ebenfalls Daten zum gleichen Thema in einem Atlas des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (dpwv): „Unter unseren Verhältnissen II“ Ein Atlas der Sozialkürzungen der Bundesregierung 2011 – 2014 Armutsgefährdete, Hartz IV-Bezieher und Niedrigverdiener – die Verlierer der vergangenen Wirtschaftsentwicklung und der aktuellen Krise – werden durch das „Sparpaket“ noch ärmer gemacht: Fatal für die Familien, die von Transferzahlungen in Teilen oder auch in Gänze leben müssen. Fatal auch für die regionale Wirtschaft, da Familien am unteren Ende der Einkommensskala das Geld ausschließlich für ihren Lebensunterhalt benötigen. Kurz: Was sie einnehmen geben sie auch aus. Daten, Zahlen und Fakten hierzu unter: sozialatlas_2010_dpwv

Pressemittelung des Statistischen Bundesamtes: Armutsgefährdung in den Bundesländern weiter unterschiedlich unter: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/thematisch/221__GT,templateId=renderPrint.psml

Mehr Zahlen zum Thema Armut in Flensburg auch in dem AKOPOL-Blog-Artikel Armut und soziale Spaltung in Flensburg – Strukturdaten dokumentieren wirtschaftlichen Abwärtstrend der Stadt unter: https://akopol.wordpress.com/2011/12/31/armut-und-soziale-spaltung-in-flensburg-strukturdaten-dokumentieren-wirtschaftlichen-abwartstrend-der-stadt/

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