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Scharfe Kritik an der Unterbringung von Flüchtlingen in Flensburg

Ehrenamtliche Helfer wurden über Umzug von der Exe nicht informiert

Mit einer Kritik am Vorgehen der Stadt Flensburg bei der Auflösung der Flüchtlingsunterkunft an der Exe hat jetzt die Aktionsgemeinschaft Willkommen in Weiche – WIN reagiert. Die ehrenamtliche Initiative, die in Weiche und in den dortigen Unterkünften Flüchtlinge betreut, sieht sich durch die städtischen MitarbeiterInnen nicht ausreichend informiert und kritisiert die aktuelle Unterbringungssituation. Die Stadt hatte die Auflösung des Containerdorfes auf der EXE um fünf Monate vorgezogen und in den letzten Wochen komplett geräumt. Die Exe-Flüchtlinge wurden mehrheitlich in der Unterkunft in Weiche am Friedensweg untergebracht.

Über die Auflösung der Unterkunft auf der Exe hatte das Flensburger Tageblatt bereits am 22. April 2017 unter dem Titel: „Standort Exe wird aufgegeben: Die Container verschwinden“ berichtet. ( Nachzulesen unter: https://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/standort-exe-wird-aufgegeben-die-container-verschwinden-id16641321.html ) Allerdings bezog sich der Zeitungsbeitrag inhaltlich sehr stark auf eine Pressemitteilung der Stadt, in der von  Problemen, die damit möglicherweise verbunden sind, allerdings keine Rede war. Am, 12.5. erschien dann noch mal unter dem Titel „Die Flüchtlinge verlassen die Exe-Container“ ein Beitrag im Flensburger Tageblatt mit einem Foto von umziehenden Exe-Bewohnern und dem Schlusssatz: „Kritik am Rückbau der Exe gab es bislang nicht“.

Das stößt jedoch bei den ehrenamtlichne HelferInnen auf Widerspruch und hat die SprecherInnen der Aktionsgemeinschaft Willkommen in Weiche – WIN, Susanna Frisch und Horst Otte bewogen, in einem Leserbrief an das Flensburger Tageblatt ihre Sicht der Dinge darzustellen. Wir dokumentieren daher den Leserbrief untenstehend.

Leserbrief zum Beitrag „Die Flüchtlinge verlassen die Exe-Container“, Flensburger Tageblatt vom 12. Mai.

Böse Nachricht

Mit großem Erstaunen müssen wir im o.g. Artikel im letzten Satz unter dem Foto des Umzuges der geflüchteten Menschen an der Exe lesen, es gebe seitens dieses Umzuges bislang keine Kritik. Dies ist so nicht richtig.

Hier eine Klarstellung: Für die Bewohner der Unterkünfte an der Exe ist dies eine sehr schlimme Nachricht. Ihre Wohnmöglichkeit verschlechtert sich, sie müssen erneut enger zusammenrücken und wieder ihr Zimmer mit zwei bis drei fremden Menschen aus anderen Nationen und Kulturkreisen teilen, haben weniger Rückzugsmöglichkeiten als zuvor an der Exe, da der größte Teil von ihnen in die beiden großen Unterkünfte in Weiche kommen soll. Bei vielen ist die Verzweiflung groß, gerade in einer für sie psychisch sehr belastenden Situation, bei der drohenden Ablehnung des Asylantrages kaum noch Privatsphäre zu haben.

Dass die Exe geschlossen werden soll, stand von Beginn an fest – jedoch für den Monat November mit einer vorherigen sorgfältigen Planung. Nun wird das Prozedere – zwar aus durchaus verständlichen Gründen – vorgezogen, leider wurden jedoch die betreuenden Mitarbeiter der AWO in den Unterkünften erst sehr spät und die Aktionsgemeinschaft Willkommen in Weiche – WIN, die sich seit Bestehen der beiden Großunterkünfte ehrenamtlich um die dortigen Bewohner kümmert, von dem vorzeitigen Umzug überhaupt nicht informiert. Wir erfuhren am Abend vor der Berichterstattung des Flensburger Tageblattes zufällig bei einem Gespräch mit einem Bewohner der Unterkunft Exe davon.

In einem von uns erbetenen gemeinsamen Gespräch in der Unterkunft an der Graf-Zeppelin-Straße mit den zuständigen Mitarbeitern der Stadt Flensburg konnten wir unsere Besorgnis und unseren Unmut am vergangenen Donnerstag verdeutlichen. Nach besagten Umzügen mit knapp 440 Flüchtlingen in zwei immer noch absolut nicht ausreichend ausgestattete Großunterkünfte, betreut von sehr engagierten Mitarbeitern der AWO mit einem Betreuungsschlüssel von 1:100 Menschen – da kann man nicht davon reden, dass es keine Kritik gäbe. Gerade was die Ausstattung betrifft, gibt es seit Bau der Unterkünfte stetige Kritik von unserer Seite.

Natürlich dürfen sich viele dieser Menschen eine Wohnung suchen, aber die Chancen für allein reisende Männer oder Großfamilien auf dem ohnehin schwierigen Wohnungsmarkt müssen wir hier nicht näher erläutern. Bis also die angestrebte Maximalbelegung von 100 Personen pro Unterkunft erreicht ist, dürfte es noch lange Zeit dauern. Nach dem o.g. Gespräch hoffen wir jedoch auf gute zukünftige Lösungen.

Susanna Frisch, Horst Otte, AG WIN Willkommen in Weiche

Veranstaltung „Neue Nachbarn Flüchtlinge – wie läuft es?“ am 06.10.2016 um 19 Uhr in der Bürgerhalle des Flensburger Rathauses

neue-nachbarn-6-10Veranstaltung für die Anwohnerinnen und Anwohner von Flüchtlingsunterkünften sowie Interessierte

Flensburg. Im Nachgang zu den in 2015 an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet durchgeführten Veranstaltungen für die Anwohnerinnen und Anwohner von Asylbewerberunterkünften lädt die Stadt am Donnerstag, 06. Oktober um 19 Uhr zu einer Folgeveranstaltung für alle Standorte in der Bürgerhalle des Rathauses ein.

Nach der Eröffnung durch Bürgermeister Henning Brüggemann werden
leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung kurz über den Status Quo und ihre Arbeit in Zusammenhang mit den Flüchtlingen informieren, aber auch einen Ausblick auf die Zukunft der einzelnen Asylbewerberunterkünfte geben.

Danach wird die Stadt den Kurzfilm „Leben in der GZS*“ präsentieren, der einen kurzen Einblick in den Alltag und die Betreuung der Menschen gewährt, die in der Asylbewerberunterkunft der *Graf-Zeppelin-Straße untergebracht sind.

Vor allem aber geht es darum, dass die Flensburgerinnen und Flensburger der Stadtverwaltung mitteilen können, was sie im Zusammenhang mit der Nachbarschaft seit dem Bezug der Asylbewerberunterkünfte bewegt und welche Fragen sich gegenwärtig daraus ergeben.

Für Fragen stehen den Besuchern daher nach dem Film die Leiter und Leiterinnen  der Fachbereiche „Einwohnerservice  & Willkommenskultur“ (Uta Weinerdt-Höfer), „Bildung, Sport, Kultureinrichtungen“ (Dr. Wolfgang Sappert), „Jugend“ (Karen Welz-Nettlau) und „Soziales und Gesundheit“ (Thomas Russ)  sowie des Betriebes Kommunale Immobilien (Michael Draeger) sowie deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Schulrätin Meike Jännert zur Verfügung.

Eingeladen sind die Anwohnerinnen und Anwohner der Straßen An der Exe, An der Reitbahn, Nerongsallee, Schloßstraße, Friedensweg, Graf-Zeppelin-Straße, Am Dammhof sowie am Thema Interessierte.

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