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Neubau „Kessel 13“: Stadtwerke Flensburg investieren 100 Millionen Euro in erdgasbetriebene GuD-Anlage

Verträge für Gasturbine und Abhitzekessel Kessel 13 unterschrieben

Flensburg: Die Stadtwerke Flensburg investieren rund 100 Millionen Euro in den Bau einer zweiten erdgasbetriebenen Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) „Kessel 13“ im Kraftwerk an der Flensburger Förde. Die zwei bedeutendsten Bausteine des Neubau-Projektes sind jetzt unter Dach und Fach. Die Verträge für die Gasturbine und den Abhitzekessel sind unterzeichnet.

Vertragsunterzeichnung – Foto v.l.n.r.: Dr. Björn Henning, Vice President, Head of Business Unit Boiler, Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe, Ute Langhausen, Authorized Manager, Commercial Tendering Manager, Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe Karsten Müller-Janßen, Geschäftsbereichsleiter Anlagenbau und Projekte, Stadtwerke Flensburg Maik Render, Geschäftsführer Stadtwerke Flensburg Anna Brunell, Commercial Sales Manager SIT, (Siemens Schweden) Christoph Schütte, Head of Subregion Germany, Siemens AG Dirk Veenhuizen, Senior Sales Manager SIT

Auftragnehmer für die Gasturbine ist die Firma Siemens, die mit ihrem Typ SGT 800 C1 allerneueste Technik für das Flensburger Kraftwerk liefert. Für Karsten Müller-Janßen, Geschäftsbereichsleiter Anlagenbau und Projektleiter Kessel 13 bei den Stadtwerken Flensburg ist auch die langfristige Zusammenarbeit wichtig: „Die neue Turbine ist das Nachfolgemodell der Anlage, die bereits im Kessel 12 erfolgreich läuft. Wir sind damit so zufrieden, dass wir die Zusammenarbeit mit Siemens fortsetzen und deren neueste Turbinenversion einsetzen wollen.“ „Wir freuen uns ein weiteres gemeinsames Kapitel der erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Flensburg aufzuschlagen und den Umbau des Erzeugungsparks mit umweltfreundlicher und zukunftssicherer Gasturbinenspitzentechnolgie zu unterstützen“ fügt Matthias Kress, Siemens Gas and Power, Vice President Sales Germany Power Generation hinzu.

Maik Render, Geschäftsführer der Stadtwerke, ergänzt: „Insgesamt investieren wir innerhalb von rund 10 Jahren eine viertel Milliarde Euro in den Kohleausstieg und die Erneuerung unseres Kraftwerkparks. Auch langfristig ist das im Hinblick auf die Energiewende eine gute Entscheidung. Wir können im neuen Kessel 13 bis zu 50% Wasserstoff verbrennen. Regenerativ erzeugtes synthetisches Methan können wir zu 100% einsetzen. Unser Kessel 12 kann diese Brennstoffe in den gleichen Anteilen verarbeiten. Damit sind wir für den zunehmenden Einsatz regenerativer Brennstoffe in Zukunft gut aufgestellt.“

Der Abhitzekessel stammt von der Firma Mitsubishi Hitachi Power Systems (MHPS). „Unser überzeugendes technologisches Konzept und unsere Erfahrung als Energieanlagenbauer waren ausschlaggebend für die Auftragsvergabe“, sagt Thomas Bohner, CEO von MHPS Europe.

Dirk Roschek, Geschäftsbereichsleiter Erzeugung ergänzt: „Überzeugt hat uns auch, dass wir mit den Haupt-Komponenten der GuD-Anlage Kessel 13, der Siemens-Gasturbine und dem Mitsubishi-Abhitzekessel, einen Brennstoffnutzungsgrad von 93% erreichen. Das ist noch etwas besser als die ohnehin schon sehr guten 92% des Kessel 12.“

Der Kessel 13 soll im Jahr 2022 in Betrieb gehen. So ersetzen die Stadtwerke innerhalb von sechs Jahren vier von fünf Kohlekesseln im Flensburger Heizkraftwerk. Bereits im Jahr 2016 gingen mit Inbetriebnahme des Kessel 12 zwei Kohlekessel außer Betrieb.

Der Kessel 13 senkt die CO2-Emissionen bei gleicher Energie-Erzeugungsmenge um 40% und spart allein rund 130.000 CO2 pro Jahr. Deutlich mehr als Flensburgs gesamter Fahrzeugbestand mit 60.000 Tonnen pro Jahr an CO2 emittiert.

Neue Gas- und Dampfturbinenanlage der Stadtwerke Flensburg geht in kommerziellen Betrieb

stadtwerke-flensburg-kessel-7Zwei Kohlekessel und zwei Turbinen in Ruhestand verabschiedet

Flensburg: Am 04. Oktober 2016 haben die Stadtwerke die zwei Kohlekessel K7 und K8 sowie die zwei Turbinen T3 und T6 offiziell außer Betrieb genommen. Die neue Gas- und Dampfturbinenanlage „Kessel 12“ hat nach fünfmonatiger Testphase den kommerziellen Betrieb aufgenommen.

Mit der Stilllegung der Kohlekessel verabschieden die Stadtwerke sich von ihren ältesten Erzeugungsanlagen auf Kohlebasis. Dirk Roschek, Geschäftsbereichs-leiter Erzeugung bei den Stadtwerken schaut noch einmal zurück: „Mit dem Start der neuen Anlage haben wir gleichzeitig zwei Kohlekessel und zwei Turbinen offiziell außer Betrieb genommen. Sie werden keinen Strom und keine Fernwärme mehr produzieren. Die Anlagen haben uns lange Jahre gute Dienste geleistet und Flensburg mit umweltschonender Energie aus Kraft-Wärme-Kopplung versorgt, aber die neue Technik mit Erdgasfeuerung ist einfach moderner und umweltfreundlicher.“
Kessel 7 ist seit 1979 in Betrieb und hat mit 99.604 Betriebsstunden eine sechsstellige Betriebsdauer knapp verpasst. Sein „Kessel-Kollege“ K8 lief seit 1982 und hat 83.159 Stunden Energie produziert. Hergestellt hat beide Kessel die Firma Lentjes aus Düsseldorf. Die Stilllegung erfolgt ähnlich wie bei Autos beim TÜV: Die Schilder an den Kesseln werden demontiert und die Anlagen stillgelegt. Dirk Roschek ergänzt: „Etwas Wehmut ist schon dabei. Einige Kollegen haben die alten Kessel damals in Betrieb genommen und mehr als 30 Jahre betreut.“

Mit der kommerziellen Inbetriebnahme ist die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) ab sofort zu 100% in die Flensburger Energieversorgung eingebunden. Sie wird umweltschonend in Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Fernwärme mit dem Brennstoff Erdgas produzieren. Der CO2-Ausstoß reduziert sich mit der neuen GuD-Anlage bei gleicher Energieerzeugungsmenge um 40%. Ein entscheidender Schritt für das Stadtwerke-Ziel, in Zukunft komplett CO2-neutral zu produzieren und die Kohle durch andere Brennstoffe zu ersetzen.

Der Kraftwerks-Fuhrpark der Stadtwerke besteht jetzt aus 5 Kesseln (K), die alle durchnummeriert sind. Die neue GuD-Anlage K 12 läuft ausschließlich mit Erdgas, die Wirbelschichtkessel K 9 -11 werden mit Kohle, Ersatzbrennstoffen und Holz betrieben, während der umgebaute K5 als Spitzenlastkessel mit Erdgas und leichtem Heizöl befeuert werden kann. Für die Versorgungssicherheit betreiben die Stadtwerke vier Reserveheizwerke, die bei Störungen kurzfristig angefahren werden können.

Neben einem Wärmespeicher betreiben die Stadtwerke noch einen Elektrodenheizkessel im Kraftwerk, der mit Strom heizt. So ist für maximale Flexibilität in der Flensburger Energieerzeugung gesorgt und die Stadtwerke können sich immer optimal auf die Rah-menbedingungen des Strommarktes einstellen: Die neue Anlage K12 kann Strom wesentlich flexibler erzeugen und deutlich kurzfristiger liefern als die Kohlekessel, um zusätzliche Umsätze am Strommarkt zu erwirtschaften. Innerhalb von einer viertel Stunde fährt die neue Gasturbine hoch und liefert dann schon Strom. Das ist sinnvoll, wenn z.B. die regenerativen Stromerzeuger nicht oder nur wenig Energie liefern.

Die GuD-Anlage inklusive Abhitzekessel und Dampfturbine hat im „Normalbetrieb“ eine Leistung von 75 Megawatt (MW) Strom und 75 MW Fernwärme. Der Wirkungsgrad liegt bei rund 92 %. Der Brennstoffnutzungsgrad des ganzen Kraftwerkes liegt heute bereits bei 82 % und wird sich nun nochmals verbessern. Die optimale Ausnutzung der Brennstoffe schont Umwelt und Ressourcen. Zum Vergleich: Moderne Kohle-Kraftwerke zur reinen Stromerzeugung liegen mit einem elektrischen Wirkungsgrad von rund 46 % bei max. der Hälfte der neuen Flensburger GuD-Anlage. Selbst neuste Erdgas-Kraftwerke zur reinen Stromerzeugung liegen bei einem elektrischen Wirkungsgrad von 60 %.

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