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Flensburger Kulturdebatte – Ein Beitrag zur letzten Kulturausschuss-Sitzung am 17.11.2011

In welche Richtung wird die Diskussion rund um die Entscheidungsfindungsprozesse der Stadt- und Kulturverwaltung bezüglich der finanziellen Ausgestaltung der öffentlichen und öffentlich-geförderten Kulturträger gehen?

Und damit frage ich nicht nach der durch den Kultur- oder den Finanzausschuss politisch-institutionalisierten, sondern nach der öffentlichen wie privaten, der zwischenmenschlichen und interkulturellen Diskussion in den Netzwerken von Web 2.0 oder am Tresen der Stammkneipe.

Über hundert betroffene KulturgestalterInnen und KulturnutzerInnen finden den Weg in die Bürgerhalle, um (wahrscheinlich so das erste Mal in der Geschichte Flensburgs) an einer Kulturausschussitzung teilzunehmen. Westkurvenstimmung! Doch schon früh ist den anwesenden Interessierten deutlich gemacht worden, dass Teilnahme noch lang nicht gleichzusetzen ist mit Teilhabe.
Über soziale Netzwerke, digitale wie persönliche wurde aufgerufen, dabei zu sein und Gesicht zu zeigen, wenn hier: die „freien“ Kulturträger bzw. einer der vier üblichen Verdächtigen folkbaltica, Pilkentafel, Volxbad oder Kühlhaus geschlossen werden sollte – was ja grundsätzlich ein Ergebnis der Verweigerung von weiteren öffentlichen Fördermitteln sein könnte.

Nur das war nicht das Thema. Ein kleiner Absatz eines diffusen Begründungstextes einer gleichsam diffusen und irritierenden Beschlussvorlage schafft es in die stylisch-digitalen und die schummrig-schönen, verrauchten und gesprächigen Gesprächs- und Freundeskreise im Halbdunkel der alternativen Kulturträger. Und jetzt? Schon zu Beginn der Sitzung die Entwarnung durch den Kulturmanager: „Es wird hier und heute nicht die Schließung einer der freien Kultureinrichtungen beschlossen“
Es wird sicherlich irritierte Blicke gegeben haben. Eigentlich ein Grund, wieder zu gehen, aber mal gucken, was noch so kommt.
Irritierte Blicke hätte es wieder geben müssen, als technokratisch, aber zukunftsorientiert beschlossen wurde, die Gutachter der KI in die kulturellen Einrichtungen zu schicken, um eine Art Bestandsaufnahme der Nichtinvestitionen der Vergangenheit zu tätigen. ZUR SICHERHEIT!

Als gewöhnlicher Kulturpolitiker, kann man ja nicht absehen, was sich hinter der einen oder anderen Wand in Kühlhaus, Volxbad oder Pilkentafel noch so an Sanierungsstau verbirgt.
Das Fundament des so sehnlich und dringlich erwarteten Kulturentwicklungsplans, der die Flensburger Kulturszene neu aufstellen sollte, ist also das Investitionskostenranking der Einrichtungen.
Dies war eine gefühlte 0:15 Niederlage gegen Bayern München, aber:
Keine Westkurvenstimmung. Dies liegt sicherlich nicht daran, dass viele UnterstützerInnen der alternativen Kulturszene mit der ehemaligen Westkurve aber auch überhaupt nichts angfangen können. Aber: Auch keine Gegengraden- oder Südtribünenstimmung wie am Hamburger Millerntor, wo sich der eine oder die andere eher aufgehoben fühlt. Denn zu diesen Zeitpunkt war vielleicht auch der letzte an diesem historischen Moment Teilnehmende (nicht: -habende!), eingeschlafen, eingenickt, eingelullt und abgedriftet durch KEP, HSP, KA-0815, FA-41, RV-122. Na ja, vielleicht hat es der eine oder die andere doch mitbekommen und freut sich richtig doll über die KI-Brigade, die demnächst in die Gemäuer der freien Kultur einziehen wird. Ich als Mitglied des Kulturwerkstatt Kühlhaus e.V. freue mich nicht.

Hier wird die Abhängigkeit der freien, oder wie es Hr. Detleffsen treffend bezeichnete „unfreien“ Kulturschaffenden überdeutlich. Wer weiterhin öffentliche Mittelchen beziehen möchte (vgl. ALG II) der soll der besagaten Brigade Einlass gewähren. Nun ist das Kühlhaus ja im Vereinsbesitz. Das ist natürlich egal. Dort stecken doch auch zweck- und nutzungsgebunde öffentliche Landesmittel drin, oder? Dann bin ich erstmal beruhigt. Bei der Pilkentafel wird es wohl ähnlich sein. Die ist bekanntlich nicht in kommunalem oder KImunalem Besitz. Doch was ist mit dem Volxbad. Ha! Das ist KImunal!
So wird dann also fachmännisch geprüft werden, wessen Erhalt sich lohnen wird. Nebenher wird fleißig nach (O-Ton HA-74/2011) „alternativen Möglichkeiten für qualitativ gleichwertige Imobilien in Flensburg“ gesucht, die auch von mehreren Kulturtägern genutzt werden können.

Hier meine Vorschläge: Kailagerschuppen. Äh, abgerissen. Marineschule. Super Ausblick. Schlachthofhäuser. Schöne Vergangenheit, Industriekultur und so, besonders attraktiv für Vegetarier oder Veganer und günstig wieder herzurichten. Da werde ihc wohl nicht der erste sein, der auf die Idee gekommen ist. Man könnte auch die Inneneinrichtung vom Volxbad mitnehmen. Liegt ja quasi fußläufig erreichbar. In direkter Nähe.
Soweit so gut. Eingentlich war die KA-Sitzung doch recht beruhigend. Nichts wird geschlossen und 2012 sind die Mittel sicher. Das ist beschlossen!
Und dabei hatten wir doch schon Angst und haben so fleißig diskutiert bei facebook und so.
Wann kommt eigentlich die Rechnung von der KI-Brigade und was kostet so ein Gutachten eigentlich? Und hat KI eine eigene facebook-Seite?

Eins noch:
Hamburg baut in Sachen Kultur nicht nur Mist oder Opernhäuser –http://www.kulturagenten-programm.de/home/startseite/ –
Die wollen den Lehrern jetzt ernsthaft beibringen, was Kultur ist. Solch visionäre Politiker bräuchten wir auch. Aber SH hat es mal wieder verpennt. Dabei waren doch auch hier öffentliche Mittel da, aber vielleicht hat SH den bundeseigenden Kulturgutachtern ja den Zugang verwehrt?

Niklas Naumann

Offener Brief und Stellungnahme der freien Kulturträger in Flensburg

Untenstehend dokumentieren wir im Rahmen der Diskussion um den Erhalt der Flensburger Kultureinrichtungen die Stellungnahme der freien Kulturträger

Sehr geehrte Ratsfrauen und Ratsherren,
liebe Mitglieder des Finanzausschusses,

Die Sitzung des Kulturausschusses vom 17. November hat uns noch einmal verdeutlicht, das größere kulturpolitische Fragen nicht allein im Kulturausschuss sondern nur in der Ratsversammlung mit entsprechenden Vorentscheidung im Finanzausschuss getroffen werden können. Daher wenden wir uns mit diesem Schreiben an Sie, in der Hoffnung, uns damit in der Ratsversammlung Gehör zu verschaffen.

Die unterzeichnenden Kultureinrichtungen haben während der Kulturausschusssitzung bewusst auf das zugeteilte Rederecht verzichtet. Wie bereits in der Vergangenheit des Öfteren von uns präzisiert, geht es uns nicht darum, uns in einem solchen Forum als Einzeleinrichtungen zu profilieren und Einzelinteressen durchzusetzen. Wir haben gemeinsame Visionen von der Bedeutung der Kultur für die Stadt Flensburg und verfolgen diesbezüglich gemeinsame Ziele.

Gleichwohl sind wir sowohl inhaltlich als auch organisatorisch eigenständig und decken völlig unterschiedliche kulturelle Bereiche ab. Wir möchten daher auch in Bezug auf unsere Inhalte und Finanzpläne unabhängig voneinander bewertet werden. Wir wünschen uns mit Respekt gegenüber der von uns geleisteten Kulturarbeit für die Stadt begegnet zu werden, in dem wir in unserer Eigenart beurteilt und nicht auf einer gemeinsamen Strichliste aneinander gemessen und gegeneinander ausgespielt werden.

In der jetzigen fast verfahrenen und zugespitzten Situation betrachten wir es als einen positiven Aspekt, dass die Dringlichkeit einer Klärung der Zukunftsperspektiven für unsere Einrichtungen in der vergangenen Kulturausschusssitzung deutlich hervorgetreten ist. Die Debatte hat eindrucksvoll veranschaulicht, in welcher dramatischen Situation sich die freie Kultur in Flensburg seit Jahren befindet.

Der Kulturausschuss hat verstanden, dass die Sparvorhaben nur mit großen Verlusten umzusetzen sind, und sich dagegen ausgesprochen. Auch die Rücknahme eines entsprechenden Antrages der Verwaltungspitze durch Herrn Bürgermeister Brüggemann sehen wir als einen der positiven Aspekte dieser Kulturausschussitzung.

Wir erhoffen uns von der Flensburger Politik neben eines eindeutigen Bekenntnisses zur angestrebten Kooperation mit Sonderburg in der Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2017 auch entsprechende Entscheidungen, die die Vielfalt und Lebendigkeit der Flensburg erhalten und fördern. Kürzungsentscheidungen sind der denkbar schlechteste Beitrag.

Wir erwarten außerdem ein Ernstnehmen des deutlichen Votums der Bürgerinnen und Bürger bei der Oberbürgermeisterwahl im vergangenen Jahr für die Profilierung der Stadt Flensburg als Kulturstadt.

Wir appellieren für eine Absicherung der Kulturarbeit in Flensburg und somit die Ausräumung der Hindernisse für eine kreative und sachdienliche Arbeit an dem dringend notwendigen Kulturentwicklungsplan – frei von blockierenden fiskalischen Vorentscheidungen. Uns ist dabei bewusst, dass Reformen in der Folge eines Kulturentwicklungsplanes Kosten mit sich bringen.

Die so oft als „notwendig“ bezeichneten Sparmaßnamen wenden jedoch nicht per se Not ab, können der städtischen Infrastruktur aber erheblichen Schaden zufügen. Investitionen in die Kultur bedeuten hingegen die Schaffung von vielschichtigem Mehrwert und somit eine Investition in die Zukunft unserer Stadt und Region.

Gezeichnet
Theaterwerkstatt Pilkentafel gGmbH
gemeinnützigen GmbH folkBALTICA
Kulturwerkstatt Kühlhaus e.V.
Kultur und Kommunikationszentrum Volksbad e.V.

Eine Kopie dieses Schreiben geht zur Kenntnis an die Mitglieder des Kulturausschusses, das Kulturbüro, den Kulturmanager und den Oberbürgemeister der Stadt Flensburg sowie der Kulturredaktion des Flensburger Tageblattes und der Flensborg Avis

Kulturtipps für Flensburg

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