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Stadtwerke Flensburg erhöhen Strompreis um mehr als 10%

Erhöhung des Strompreises trifft vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen

AKOPOL fordert Stromfonds und „Sozialtarif“

Nachdem bereits schon in den letzten Jahren die Stadtwerke Flensburg ihre Preise für Strom und Fernwärme massiv erhöht haben, trifft die gestern bekannt gegebene Erhöhung des Strompreises von mehr als 10% vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen. Vor allem Alleinerziehende mit einem oder mehr Kindern, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind, geraten zunehmend in Gefahr, ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen zu können. (Ausführlichere Infos, Daten und Zahlen über Stromabschaltungen und die Zahl der betroffenen Haushalte in Flensburg, wie auch in Schleswig-Holstein gibt es am Ende dieses Beitrages unter den entsprechenden Linkverweisen und Zeitungsartikeln)
Seit 2002 haben die Stadtwerke zudem im Schnitt ihre Energiepreise inklusive der jetzigen Erhöhung pro Jahr um rund 7% angehoben, das bei einer allgemeinen Teuerungsrate, die weit darunter liegt. Zwar klingt die Begründung für die neuerliche Preiserhöhung logisch, dennoch stellt sich die Frage, ob nicht auch Abschreibungen auf Fehlinvestitionen und die unternehmerischen Abenteuer der letzten Jahre weiterhin die Ertragsituation der Stadtwerke Flensburg außerordentlich belasten. Auch das hochgepriesene KWKplus-Projekt, bei dem durch den zusätzlichen Einsatz von biogenen Ersatzbrensstoffen, CO2-Gutschriften für Einspareffekte sorgen sollten, hat nicht annähernd das halten können, was die Stadtwerke sich davon und den BürgerInnen versprachen.

Stadtwerke-Holzschnitzel – Mal eben 800.000 Euro in einer Wiese versenken

So wurde quasi nebenbei in den letzten Tagen bekannt, dass die Stadtwerke die mit städtischen Geldern und ohne politischen Beschluss für 800.000 Euro hergerichtete Europa-Wiese am Harniskai gar nicht mehr benötigen. Nun liegt sie brach und ist die teuerste, eingezäunte Teerfläche in ganz Flensburg. Eigentlich sollte sie als Lagerfläche für Holzschnitzel dienen. Die Stadtwerke hatten nämlich im Rahmen des KWKplus-Projektes geplant, jährlich zehntausende Tonnen Holzschnitzel für die Energieerzeugung einzusetzen. Aufgrund der Marktlage kann das Projekt jedoch nicht mehr im vollen Umfang realisiert werden, und nur ein Bruchteil der angepeilten Menge an Holzschnitzeln wird für die Energieerzeugung in Flensburg angeliefert. Die wird jetzt auf dem Gelände der Stadtwerke zwischengelagert. (Ausführlichere Infos auch hierzu am Ende dieses Beitrages unter dem entsprechenden Linkverweis und Zeitungsartikel)

KWKplusein teures Auslaufmodell?

Andersherum, faktisch haben sich die Stadtwerke damit von einem wesentlichen Baustein des KWKplus-Projekts klammheimlich verabschiedet, ohne dass die Öffentlichkeit jemals etwas davon erfuhr. Damit steht natürlich die gesamte 60-Mio. Euro teure Investition und die Kalkulation von KWKplus auf tönernen Füßen. In welchem Umfang das möglicherweise aktuell zu Kostensteigerungen beigetragen hat, diese Frage haben die Stadtwerke bis heute nicht beantwortet. Damit geraten ebenso die ambitionierten Klimaschutz-Ziele der Stadtwerke und ihres mit den Weihen des Flensburger Uni- und Klimaschutz-Professors Olav Hohmeyer versehenen „greenco2ncept“ in Gefahr. So ist die entsprechende Stadtwerke-Homepage schon seit langen nicht mehr so richtig aktualisert worden, finden sich auf ihr nicht gerade schmeichelhafte Zahlen zum Einsatz der biogenen Brennstoffe nur bis 2010 (siehe unter: http://www.stadtwerke-flensburg.de/home/unternehmen/umwelt-und-technik/projekte/greenco2ncept.html ) Auch die Gesamtmenge der eingesetzen nicht-biogenen Ersatzbrennstoffe (insbesondere aus aufbereitetem Gewerbemüll), erreicht in 2010 mit etwa 48.000 Tonnen nicht annähernd die angepeilte Menge. Die sollte in den ursprünglichen Planungen im Jahr 2012 bei mehr als 100.000 Tonnen liegen. Da es hierfür keine CO2-Gutschriften mehr gibt, ist  ein kostensenkender Effekt nicht annähernd erkennbar. Zur Egänzung noch die Zahlen von 2011: Jeweils 32.000 Tonnen EBS und 4.400 Tonnen Holzhackschnitzel.

Windstrom von der Westküste als ergänzende Alternative?

Insbesondere bei der Stromproduktion und vor allem beim Stromhandel stellt sich zudem die Frage, ob die Stadtwerke Flensburg nicht im besonderen Maße die Kooperation mit den Windmüllern an der Westküste suchen sollten. Die würden liebend gerne ihren Strom direkt an die Stadtwerke verkaufen bzw. ihn über noch gemeinsam aufzubauende intelligente Netze zusammen mit den Stadtwerken verteilen und absetzen. Zum Aufbau solcher Netze, wie für den Einsatz neuer Speichertechnologien braucht es allerdings nicht nur guten Willen, sondern natürlich auch Kapital und unternehmerisches Know-How. Tatsache ist aber, dass die praktische und technologische Umsetzung solcher Konzepte für beide Seiten aus kaufmännischer Sicht außerordentlich ertragreich wäre. Die Flensburger Energiegenossenschaft hat in Gesprächen mit der Stadtwerke-Führung das bereits vorgeschlagen, leider zögert man dort noch und sieht offensichtlich nicht die möglichen finanziellen und marktstrategischen Vorteile. Die würden sich auf jeden Fall positiv auf die Strompreisentwicklung in Flensburg auswirken.

Energie muss bezahlbar bleiben!

Ebenso müssen die kommunalpolitischen Akteure Lösungen finden, damit insbesondere Singles, Alleinerziehende und Familien mit niedrigen Einkommen entlastet werden. Denkbar wäre ein Fonds der Stadtwerke mit einer entsprechenden Garantiemenge an Strom, der jeweils zu einem festgelegten Preis („Sozialtarif“) an diese Bevölkerungsgruppe abgegeben wird. Schlussendlich müssen aber alle Maßnahmen darauf abzielen, dass Energie in Flensburg nicht unbezahlbar wird.

Die AKOPOL-Fraktion wird daher auf politischer Ebene, wie auch im Bündnis mit anderen Parteien, zivilgesellschaftlichen Gruppen, Verbänden und Organisation und den betroffenen Menschen alles tun, um entsprechende Lösungen zu finden und umzusetzen. Sie fordert insbesondere auch den Vorstand und den Aufsichtsrat der Stadtwerke auf, noch transparenter die Öffentlichkeit und die zivilgesellschaftlichen Akteure in die Überlegungen für alternative Energiekonzepte einzubeziehen.

Jörg Pepmeyer, AKOPOL-Fraktionsvorsitzender

Hier geht’s zur aktuellen Berichterstattung zum Thema in den Flensburger Medien:

Aktuelle Daten und Zahlen über Stromabschaltungen und die Zahl der betroffenen Haushalte in Flensburg auf SHZ-Online vom 13. November 2012 | 00:00 Uhr | Von Holger Ohlsen: Abgestöpselt: 315 Haushalte ohne Strom http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/artikel/abgestoepselt-315-haushalte-ohne-strom.html

Wichtiger Hinweis: Im obigen Tageblatt-Artikel nennt Frau Remark vom Flensburger Jobcenter einen Betrag von 31,26 Euro, der als Stromanteil im Hartz IV-Regelsatz enthalten sei. Das ist aber nicht ganz richtig, denn der wird in der Aufschlüssleung für den sog. Regelbedarf nämlich zusammen im Posten für „Wohnen, Energie, Wohninstandhaltung“ mit eingerechnet, macht 31,26 € . oder 8,36% Anteil vom Regelbedarf. D.h. faktisch ist der Stromanteil nicht wirklich extra ausgewiesen. Insofern liegt, wenn man es lebensnah betrachtet, der Strom-Anteil deutlich unter 30 Euro. Siehe hierzu auch die nebenstehende Quelle: http://www.hartz-iv.info/ratgeber/regelbedarf.html

Aktuelle Daten und Zahlen aus Schleswig-Holstein in zwei Artikeln des Flensburger Tageblattes vom 12.11.2012:

SHZ-Online 12. November 2012 | 08:50 Uhr | Von sh:z: Stromkosten – Kommt die neue Armut aus der Steckdose? unter: http://www.shz.de/nachrichten/schleswig-holstein/panorama/artikeldetail/artikel/kommt-die-neue-armut-aus-der-steckdose.html

SHZ-Online 12. November 2012 | 08:42 Uhr | Von Margret Kiosz: Energiearmut – Strom ist für immer mehr Bürger unbezahlbar unter: http://www.shz.de/nachrichten/top-thema/artikel/strom-ist-fuer-immer-mehr-buerger-unbezahlbar.html

Stadtwerke-Preiserhöhung nicht nur hausgemacht:

Nicht vergessen werden darf, dass ein erheblicher Teil der Strompreiserhöhung der Stadtwerke nicht hausgemacht ist, sondern, wie Carlo Jolly es in seinem Kommentar im Flensburger Tageblatt vom 10.11.2012 pointiert beschrieben hat, auf die ungerechtfertigte Befreiung nicht nur energieintensiver Wirtschaftsunternehmen von Energieumlagen zurückzuführen ist. Das summiert sich jährlich auf fast 3 Mrd. Euro, Tendez steigend. Bezahlen müssen das vor allem die privaten Stromkunden. Und zu verantworten hat das die CDU-geführte Bundesregierung. Hier geht´s zum Kommentar von Carlo Jolly http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/artikel/netzausbau-leicht-gemacht.html

FLENSBURGER TAGEBLATT vom 9.11.2012: Erhöhung um 10,51 Prozent – Strompreisschock in Flensburg unter: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/artikel/strom-wird-ueber-zehn-prozent-teurer.html

Flensborg Avis vom 7.11.2012: Fattiges strømregning til debat Fattiges strømregning til debat Avis 7.11.2012

FLENSBURGER TAGEBLATT vom 7.11.2012: Linke und Akopol fordern Strom-Grundsicherung unter: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/artikel/linke-und-akopol-fordern-strom-grundsicherung.html

AKOPOL-Beitrag vom 7.11.2012: Armut und Stromabschaltungen: Stadtwerke Flensburg verweigern Herausgabe öffentlichkeitsrelevanter Daten unter: https://akopol.wordpress.com/2012/11/07/armut-und-stromabschaltungen-stadtwerke-flensburg-verweigern-herausgabe-offentlichkeitsrelevanter-daten/

Flensburger Tageblatt vom 8.11.2012: Hafen ohne Zugriff auf Europawiese unter: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/artikel/hafen-ohne-zugriff-auf-europawiese.html

Stadtwerke Flensburg: Öffentliche Dokumentation der KWKplus-Schadstoffwerte unvollständig

AKOPOL-Fraktion fordert öffentliche und umfängliche Dokumentation der Emissionswerte

Bereits im Jahr 2004 hatten sich die Stadtwerke Flensburg dafür entschieden, im Rahmen des KWKplus-Projektes zukünftig sogenannte Ersatzbrennstoffe, also aufbereiteten Gewerbemüll und Holzhackschnitzel in drei ihrer Kraftwerkskessel mit zu verbrennen. Im Zuge des Anhörungsverfahren für das Projekt, wie auch auf einer öffentlichen Veranstaltung in Glücksburg im Frühling 2006 hatte es zudem die Zusicherung der Stadtwerke-Verantwortlichen und des Vorstands gegeben, die KWKplus-Schadstoffwerte nicht nur regelmäßig dem Staatlichen Umweltamt in Schleswig mitzuteilen, sondern diese auch für die Öffentlichkeit einsehbar und kontinuierlich zu dokumentieren. Ausgangspunkt hierfür waren insbesondere die Bedenken des Kieler Toxikologen Dr. Hermann Kruse, der Glücksburger Gemeindevertretung und der „Bürgerinitiative gegen die Müllverbrennung im Heizkraftwerk Flensburg“ hinsichtlich der zukünftigen und möglicherweise gesundheitsgefährdenden Emissionen durch die Mitverbrennung von Müllbestandteilen. Als Beispiel für eine entsprechende Dokumentation wurde hierfür die Darstellung der Schadstoffwerte für die Thermische Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) in Neumünster genannt (Messwertedarstellung unter: http://www.stadtwerke-neumuenster.de/data/energie/kraftwerk/tev.php )

Offensichtlich scheint man bei den Stadtwerken in Flensburg von der im Jahr 2006 gegebenen Zusicherung nicht mehr viel zu halten. Denn halbwegs kontinuierliche Messwerte gibt es auf der KWKplus-Homepage der Stadtwerke Flensburg nur für 2008 und bis April 2009 (siehe unter: http://www.kwkplus.de/index.php?menuID=12&pageID=37 und http://www.kwkplus.de/pdf/Emissionswerte_Kessel_9_10_11-2010.pdf ). Für 2010 ist lediglich für die Kessel 10 und 11 ein Monatswert für Oktober angegeben, Kessel 9 war nicht im Betrieb. Für 2011 gibt es überhaupt keine Werte. Ebenso gibt es keine Darstellung der Jahresmittelwerte für 2009 und 2010. Bei allen angegebenen KWKplus-Messwertreihen fehlen jedoch insbesondere die Messwerte für die hochgiftigen Dioxine und Furane, für Quecksilber sowie die Schwermetalle der Gruppe A: Cd, Tl (Cadmium, Thallium); die Schwermetalle der Gruppe B: Sb, As, Pb, Cr, Co, Cu, Mn, Ni, V, Sn und die Schadstoffwerte der Gruppe C: As, Benzo(a)pyren, Cd, Co, Cr in mg/m³. Auffällig ist ebenso, dass die Messwerte für Schwefeloxide als SO2 mit 145,43 bzw. 122,98 mg/m³ im Oktober 2010 für die KWKplus-Kessel 10 bzw. 11 im Vergleich zum Jahresmittelwert 2009 der TEV Neumünster wie auch zum Wert der TEV für die Kalenderwoche 11 in 2011 um das Tausendfache (!!!) höher liegen. Der Jahresmittelwert 2009 für die TEV Neumünster: Schwefeloxide als SO2 = 0,113 mg/m³. Auch in den Jahren 2008 und 2009 liegt der Schwefeldioxid-Ausstoß für die Flensburger KWKplus-Kessel bei ähnlich hohen Werten, wie im Oktober 2010.

Hinsichtlich der Quecksilber- und Schwermetallbelastung lässt sich leider aufgrund der fehlenden Flensburger Daten jedoch kein Vergleich mit Neumünster anstellen. Interessant ist jedoch, dass die Stadtwerke Flensburg in der Flensburger Tagespresse am 27.03.2008 eine detaillierte Darstellung der Jahresmittelwerte 2007 für den Schadstoffausstoß im Rahmen des Einsatzes von Sekundärbrennstoffen im Heizkraftwerk Flensburg unter „Amtliche Bekanntmachungen“ veröffentlichten. Darunter auch die Werte für Dioxine und Furane, wie auch für Quecksilber und die Schwermetalle der Gruppen A, B und C.Warum dies nicht mehr geschieht, ist völlig unverständlich.

Die AKOPOL-Fraktion fordert daher den Vorstand, wie auch die Gesellschafterversammlung und den Aufsichtsrat der Stadtwerke Flensburg im Sinne einer umfänglichen Transparenz und Bürgerinformation auf, unverzüglich für eine regelmäßige, vollständige und öffentliche Dokumentation der Schadstoffwerte nicht nur der mit Ersatzbrennstoffen befeuerten Kessel zu sorgen, sondern darüber hinaus auch die bei der Kohleverfeuerung entstehenden Schadstoffe zu dokumentieren.

Nachtrag vom 1. April 2011:

Zwar haben nach Erscheinen dieses Blog-Artikels die Stadtwerke auf ihrer KWKplus.de-Seite die Messwerte für Nov./Dez. 2010 und Jan./Febr. 2011 hinzugefügt, aber dennoch fehlen weiterhin die oben genannten Jahresmittelwerte bzw. vollständige Monatswerte für 2008, 2009 und 2010 sowie die Messwerte für Quecksilber, Dioxine und Furane und für die Schwermetalle der Gruppen A, B und C.

Ebenso ist unverständliche, warum es auf der Homepage der Flensburger Stadtwerke keinen direkten Link zum KWkplus-Projekt und den entsprechenden Messwerten gibt. Wie sollen bitte schön BürgerInnen diese Informationen finden, wenn sie nicht wissen, dass diese nur auf einer externen Seite zu finden sind? Es gibt also hinsichtlich einer transparenten Informations- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke Flensburg noch viel zu tun.

Zum Thema erschien in der Flensborg Avis am 2.4.2011 der untenstehende Artikel von Dirk Thöming: Stadtwerke glemte at oplyse om røgværdier

 

KWKplus-Projekt der Stadtwerke Flensburg ein Millionengrab?

Kaum Erträge, aber hohe Kosten

Offenbar wird in der derzeitigen Debatte um die Stadtwerke Flensburg übersehen, dass das gescheiterte Millionen-Projekt in Ventspils nur eine kostenträchtige Baustelle bei den Investitionsentscheidungen der Stadtwerke ist. In diesem Zusammenhang muss besonders auf die Investitionen für das KWKplus-Projekt, also den Einsatz und die Mitverbrennung von Ersatzbrennstoffen (aufbereiteten Gewerbeabfällen) und Holzhackschnitzeln im Heizkraftwerk der Stadtwerke Flensburg hingewiesen werden. Hierzu wurden im Kraftwerk in den letzten Jahren mit hohem technologischen und Kostenaufwand Anlagen neu- sowie drei Kessel umgebaut. In einer Presserklärung der Stadtwerke vom 01.01.2009 wurde in diesem Zusammenhang von einer Gesamtinvestition von 60 Mio. Euro gesprochen. (zu finden unter: http://www.stadtwerke-flensburg.de/home/unternehmen/presse/pressemeldungen/detailansicht/browse/3/article/mit-kwkplus-hat-bei-den-stadtwerken-flensburg-die-zukunft-bereits-begonnen.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=173&cHash=a1519f0d22 )

Stutzig macht jedoch, dass in einer Kosten-Darstellung aus 2007 auf einer KWKplus-Projekt-Homepage der Stadtwerke Folgendes steht: „20. Wie hoch sind die Investitionen? Nach heutigem Stand wird eine Investitionssumme von 22 Millionen Euro erwartet. Mehr als 2/3 der gesamten Investitionen entfallen auf Nachrüstung der Rauchgasreinigung und bewirken eine weitere Reduktion der Umweltbelastung.“ (zu finden unter: http://www.kwkplus.de/index.php?menuID=9&pageID=17#20 )

2007 wurde diese Summe auch von den Stadtwerken in der Öffentlichkeit kommuniziert und war ebenso Grundlage der zustimmenden Beschlüsse der städtischen Gremien, Hauptausschuss und Gesellschafterversammlung bei den Planungen für das KWKplus-Projekt. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie kommen im Abstand von nicht einmal zwei Jahren diese völlig unterschiedlichen Zahlen zustande? Hat es explosionsartige Kostensteigerungen gegeben und wie wurden diese verursacht?

Gleichzeitig hat die Stadtwerke-Führung trotz mehrfacher Aufforderung noch nie öffentlich dargestellt, wie sich diese Investitionen und der Einsatz von EBS tatsächlich, nämlich am Beispiel der konkreten Betriebszahlen preis- und kostendämpfend bei der Energieerzeugung und in der Bilanz der Stadtwerke auswirken oder schon ausgewirkt haben. Hinzugefügt werden muss, dass die eben genannten 60 Mio. Euro natürlich zum Großteil über Kredite finanziert werden, wie das auch den Geschäftsberichten der Stadtwerke zu entnehmen ist.

Besonders interessant in der eben genannten Pressemitteilung vom 01.01.2009 sind deshalb ebenso die Ausführungen zum Einsatz von EBS und Holzhackschnitzeln. So sollten im Rahmen des KWKplus-Projektes nach den damaligen Planungen in 2012 bereits 35% der Kohle durch EBS (25%) und Holzhackschnitzel (10%) ersetzt werden. Das entspräche einem Gesamteinsatz von etwa 16o.ooo Tonnen EBS und Holzhackschnitzeln. So soll der Kohleeinsatz bereits im Jahr 2012 um knapp 90.000 Tonnen verringert werden.

Aber von Ende 2006 bis Anfang 2009, also innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren, wurden gerade einmal 43.500 Tonnen EBS mitverbrannt, was einer Einsparung von 24.000 Tonnen Kohle entsprach. Im Jahr 2009 waren es dann 43.000 Tonnen EBS incl. Hackschnitzeln. Die Menge an eingesetzten Holzhackschnitzeln war dabei in 2009 geradezu lächerlich gering, nämlich 2.800 Tonnen. (siehe Geschäftsbericht 2009 S. 9 u. 11 unter: https://www.stadtwerke-flensburg.de/fileadmin/pdf/Geschaeftsberichte/GB2009.pdf )

Bei einem für den Zeitraum 2006-2009 üppig berechneten, durchschnittlichen Kohlepreis von 80 Euro die Tonne ergibt sich durch den Einsatz von EBS für den Zeitraum Ende 2006 bis Ende 2009 ein rechnerischer (nicht betriebwirtschaftlicher) Vorteil von 3,68 Mio. Euro, also lediglich 1,226 Mio. Euro pro Jahr. (Kohlechart 2006-2010 unter: http://www.eex.com/de/Marktdaten/Handelsdaten/Kohle/Coal%20Futures%20%7C%20Terminmarkt/Coal%20Futures%20Chart%20%7C%20Terminmarkt/futures-chart/FT2Y/2011.01/2010-12-03/a/-/0/0/2010.01 )

Das deckt jedoch noch nicht mal die Aufwendungen für die Kreditzinsen der Investitionen für das KWKplus-Projekt. Bei dieser Berechnung wäre jedoch unterstellt, dass die eingesetzten Ersatzbrennstoffe, die aus aufbereiteten Gewerbeabfällen bestehen, den Stadtwerken quasi umsonst zur Verfügung gestellt werden, was natürlich nicht der Fall ist. Tatsache ist, dass es in den letzten Jahren bei den energetisch wertvollen Ersatzbrennstoffen zu enormen Preissteigerungen gekommen ist. Derzeit muss mit einem Preis von mindestens 30 bis 40 Euro die Tonne für die von den Stadtwerken eingesetzten Ersatzbrennstoffe gerechnet werden. Auch bei den Holzhackschnitzeln hat es enorme Preissprünge gegeben Allein zwischen Juli 2004 und Juli 2009 betrug der Zuwachs hier rund 80%. (Siehe auch unter http://www.tfz.bayern.de/festbrennstoffe/17387/ ) Hinzu kommt, dass die Förderung der Bundesregierung für die Kraftwärmekopplung ausgelaufen ist, und sich damit die Kalkulationsbasis für das KWKplus-Projekt zusätzlich verschlechtert hat. Nimmt man die eben beschriebenen negativen Faktoren hinzu, muss daher bezweifelt werden, dass die Stadtwerke auch nur andeutungsweise irgendwann positive Erträge aus dem KWKplus-Projekt generieren können, um die enorm hohen Investitionskosten wieder hereinzubekommen. Bestes Beispiel ist dafür ebenso die unmittelbar mit dem KWKplus-Projekt verkoppelte Meish, die als Tochterunternehmen der Stadtwerke für den Einkauf und die Aufbereitung der Ersatzbrennstoffe zuständig ist und in den letzten Jahren bereits Millionen-Verluste eingefahren hat. Auch im Bericht des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt Flensburg fand die Meish daher eine besonders kritische Würdigung. Andersherum, das KWKplus-Projekt scheint nicht nur ein Millionen-Grab, sondern auch eine krasse strategische und unternehmerische Fehlentscheidung zu sein und ist offensichtlich mit ein Grund dafür, warum die Stadtwerke Flensburg auch zukünftig über Gebühr ihre Energiepreise werden erhöhen müssen.

Der Arbeitskreis Kommunalpolitik und die AKOPOL-Ratsfraktion fordern angesichts neuer drohender Preiserhöhungen deshalb die Geschäftsführung der Stadtwerke auf, die Kalkulation für das KWKplus-Projekt und die bisherigen betriebswirtschaftlichen Effekte des Einsatzes von EBS und Holzhackschnitzeln öffentlich darzustellen. Gleichzeitig fordert der Arbeitskreis eine transparente und öffentliche Debatte unter Einbeziehung aller interessierten und sachverständigen BürgerInnen und Experten über die zukünftige strategische und unternehmerische Ausrichtung des in kommunalen Besitz befindlichen Energieunternehmens. Der Arbeitskreis regt daher für das Frühjahr 2011 ein öffentliches Symposium zur Zukunft der Stadtwerke Flensburg an.

Jörg Pepmeyer

P. S.:

Markt- und Zukunftschancen von Müll, EBS, Holzhackschnitzeln und biogenen Brennstoffen bei der Energieerzeugung

Wer mehr zum Thema alternativer Einsatz von Müll, EBS, Holzhackschnitzeln und biogenen Brennstoffen bei der Energieerzeugung sowie zur zukünftigen Markt-, Kapazitäts- und Preisentwicklung in diesem Bereich wissen möchte, dem sei der im Auftrag des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz von der Technischen Universität München erstellte Endbericht CO2-Minderungspotenziale und Anwendung der Klimaschutzinstrumente in EFRE-Ziel-2-Gebieten (EULV 25) wärmstens zum Lesen empfohlen, den man in der Rubrik Dokumente auf der AKOPOL-Blog-Seite findet.

Weiterhin gibt es untenstehend weiteres Material zum Themenkomplex EBS-Verbrennung

Wichtig zu erwähnen bleibt in diesem Zusammenhang, dass es in den Niederlanden eine CO2-Steuer für die Verbrennung von Abfällen gibt. In Deutschland können Kohlekraftwerke ihre schädlichen Emissionen gegen die Verbrennung von Ersatzbrennstoffen über den Emissionshandel verrechnen lassen können – einfach Pervers. Dies führt dazu, das vermehrt Ersatzbrennstoffe – auch aus den Niederlanden in deutschen Kohlekraftwerken mitverbrannt werden. Übrigens ist die stoffliche Verwertung von eingesammelten Kunststoffen seit dem Verbot der unvorbehandelten Ablagerung von Abfällen auf Deponien im Jahre 2005 um über 50% zurückgegangen. Um langfristige werkstoffliche Verträge für die Kunststoffverwertung einhalten zu können, wird vermehrt auf ausländischen Mülltourismus gesetzt – logisch denn Wertstoffe unterliegen keinen Einfuhrbeschränkungen, sondern können Europaweit frei gehandelt werden. Mit der problematischen Verbrennung von EBS beschäftigen sich auch die folgenden Artikel:

19.10.2007_Deutschland wird Müllmeister_SZ_Wissen

18.2.09_europaticker_ Markt für Sekundärrohstoffen eingebrochen

+13.11.2008_europaticker_ Update_ Bärendienst für den Recyclinggedanken

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