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E-Autos: Wie steht es mit Ladestationen im öffentlichen Raum?

Interview mit Frank Axen, Stadt Flensburg

Ein Beitrag von Julia Born VCD Ortsgruppe Flensburg

Wenn der Strom aus erneuerbarer Energie kommt, sind Elektromotoren effizient und verursachen wenig Schadstoffe. Zum Aufladen brauchen E-Autos aber die entsprechende Infrastruktur. Im Interview erläutert Frank Axen, Abteilungsleiter Strategische Projekte, Verkehr und Umwelt, die Pläne der Stadt Flensburg für Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum – und empfiehlt Carsharing.

Anfrage der Grünen: Wie steht es mit Ladestationen für E-Autos in Flensburg?

Im Dezember 2020 hatten die Grünen im Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung (SUPA) beantragt, die Stadtverwaltung solle, gemeinsam mit Stadtwerken und TBZ, Möglichkeiten finden, dass Privatpersonen ihr E-Auto im öffentlichen Raum aufladen können. Denn besonders für Menschen, die in der Altstadt in Geschosswohnungen leben, ist es schwierig, eine Lademöglichkeit für ihr Auto einzurichten.
Geachtet werden sollte dabei auf Wohnsitznähe, Kosten-/Nutzenattraktivität, gewährleistbare Verfügbarkeit, niederschwellige Zugänglichkeit und 100% Ökostrom.

Beim SUPA am 23.03.2021 trug Frank Axen, Abteilungsleiter Strategische Projekte, Verkehr und Umwelt, nun die Ergebnisse vor. Wir haben ihm dazu einige Fragen gestellt.

Frank Axen: Entwicklung schreitet “rasant” voran – Schnellladen kommt

  • Wie Sie beschrieben haben, schreitet die technische Entwicklung in Bezug auf das Aufladen von E-Autos „rasant“ voran. Was heißt denn das genau, was ist aus Ihrer Sicht zu erwarten?

Natürlich möchte jeder sein E-Auto möglichst schnell aufladen. Aber die Ladegeschwindigkeit ist begrenzt: Einerseits hat die Batterie eine bestimmte Kapazität und ist ausgelegt auf eine maximale Ladegeschwindigkeit. Andererseits bringt auch die Ladestation nur eine bestimmte Leistung. Beides bestimmt, wie lange man an einer Ladestation „hängen“ muss.

Nun stagnieren aber die Ladeleistungen mit Wechselstrom bei 11-22 Kilowatt. Die Technik scheint weitgehend ausgereizt. Gleichstrom bietet mehr: Hier steigen die Ladeleistungen stark an. In Verbindung mit den entsprechenden Batterien werden sich weit über 150 Kilowatt durchsetzen. Man rechnet damit, dass „Laden wie Tanken“, z.B. an Tankstellen, normal wird.

Das langfristige Laden an öffentlichen Ladesäulen wird damit zunehmend unattraktiv. Damit steigt die Gefahr, als öffentlicher Anbieter hier Fehlinvestitionen in die Ladeinfrastruktur zu tätigen.
Stattdessen sollten private Anbieter unterstützt werden, die Schnelllademöglichkeiten anbieten wollen. Mittlerweile gibt es dazu erste konkrete Anfragen. Auf Bundesebene hat eine Diskussion begonnen, Tankstellenbetreiber zur Bereitstellung von Schnelllademöglichkeiten zu verpflichten.

Private Ladestation: Einrichtung muss geduldet werden

  • Welche Möglichkeiten hat man denn als Mieter:in oder Besitzer:in einer Wohnung, eine Ladestation vor Ort einzurichten?

Mieter:innen und Eigentümer:innen haben inzwischen das Recht, auf eigene Kosten eine Ladestation einzurichten. Das muss durch die Vermietenden bzw. Eigentümergemeinschaften geduldet werden. Faktisch ist das natürlich dadurch begrenzt, dass eine Anschluss- und Abstellmöglichkeit erforderlich ist (Gebäude-Elektromobilitätsinfrastrukturgesetz und Modernisierung des Wohneigentumgesetzes).

  • Nun gibt es ja in der Altstadt teilweise wenig Möglichkeiten, ein Auto im privaten Raum abzustellen. Kann man denn im öffentlichen Raum solche Ladestationen, z.B. für mehrere Anwohnende, einrichten?

Acht öffentliche Ladestationen im Stadtgebiet, weitere in Vorbereitung

Bis jetzt gibt es im Stadtgebiet an acht Orten öffentlich zugängliche Ladestationen: Neumarkt, ZOB, Nordertor, Twedter Plack, Munketoft, Ochsenmarkt, Neue Straße und Nordergraben. Weitere sind in Planung.
Beim weiteren Ausbau haben wir gerade die Altstadt im Fokus. Diese Ladepunkte würden dann jedermann zur Verfügung stehen. Die elektrische Infrastruktur wird aber nur die oben genannten geringen Ladeleistungen mit Wechselstrom ermöglichen, wenn es mehrere Ladestationen geben soll.

Grundsätzlich ist es vorstellbar, dass auch Privatakteure im öffentlichen Raum frei zugängliche Ladeinfrastruktur an für sie interessanten Punkten im Stadtgebiet schaffen. Eine allgemeine Regelung dafür im Rahmen der Sondernutzung ist in Vorbereitung.

  • Gibt es Pläne, in den Parkhäusern oder andernorts im Nahbereich entsprechende Plätze zu einzurichten?

Standorte für die Ladeinfrastruktur werden mit dem TBZ als Aufgabenträger abgestimmt. Parkhäuser sind in Flensburg aber im Privateigentum oder vom TBZ verpachtet. Hier können wir nur appellieren, Lademöglichkeiten in Parkhäusern anzubieten, und auf Fördermöglichkeiten aufmerksam machen. Die Pachtverträge über die städtischen Parkhäuser ermöglichen den Betreibern, Ladepunkte zu installieren. Es gibt jedoch keine entsprechende Verpflichtung.

Carsharing: Rechnet sich bei Fahrleistung unter 10.000 Kilometer/Jahr

  • Inzwischen stehen an zehn Orten im Flensburger Stadtgebiet Car-Sharing-Autos bereit, an der Schützenkuhle auch ein E-Mobil (Cambio – mehr). Könnte das eine Alternative zum eigenen E-Auto sein? Ist der Ausbau dieses Angebots vorgesehen?

Wir sehen Carsharing als wichtige Alternative zum eigenen Auto. Wenn man weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fährt, rechnet sich Car-Sharing nach Angaben der Anbieter auch wirtschaftlich. Gleichzeitig ersetzt ein Carsharing-Fahrzeug bis zu 20 Pkw. Die „Blechmenge“ gerade in der Stadt lässt sich so stark reduzieren.

Der Anbieter Cambio ist aktuell mit zehn Stationen im Stadtgebiet vertreten und hat durchaus Interesse, das Angebot an E-Fahrzeugen in Flensburg auszuweiten. Die Stadt Flensburg unterstützt das. Allerdings muss es sich für den Anbieter auch rechnen. Erweiterungsvorhaben durch Cambio wurden 2020 wegen der durch Corona geringeren Nachfrage vorerst verschoben.

Die Stadt Flensburg begrüßt darüber hinaus grundsätzlich den weiteren Ausbau des privatwirtschaftlich betriebenen Carsharing-Angebots. Zur Stärkung ist z.B. die Verankerung im Rahmen von Mobilitätskonzepten bei Neubauvorhaben (Flensburger Stellplatzsatzung) möglich. Dazu laufen verschiedene Vorgespräche mit Vorhabenträgern.

Weiterlesen

  • Cambio Carsharing: Stationen in Flensburgmehr
  • Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung (SUPA), 23.03.2021:
    Antwort und Information der Stadtverwaltung zum Antrag der Grünen, Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum zu schaffen (01.12.2020). PDF-Datei – mehr
    – Protokoll-Ausschnitt der anschließenden Diskussionmehr
  • Stadt Flensburg: Elektromobilitätskonzeptmehr

Elektromobilität – Stadtwerke Flensburg unterstützen bei der Installation von E-Ladestationen

Flensburg: Die Stadtwerke Flensburg bauen ihr Dienstleistungsangebot aus: Neben der Planung, Auswahl und Konzeption von Ladestationen für Elektroautos bieten die Stadtwerke zukünftig allen gewerblichen Interessenten auch die Realisierung, Betriebsführung, Abrechnung und Wartung der Ladestationen an.

Dieses Angebot richtet sich an Unternehmen, die ihren Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern – bei Wohnungsbaugesellschaften auch ihren Mietern – eine Lademöglichkeit für Elektroautos zur Verfügung stellen möchten. Auch für Hotels und Gastronomie bieten E-Ladestationen ein attraktives Angebot für ihre Gäste.

Mit ihrem neuen Angebot treiben die Stadtwerke den Ausbau einer leistungsfähigen, flächendeckenden und sicheren Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität in der Region weiter voran. „E-Mobilität ist bislang noch kein Selbstläufer, wie die Zulassungszahlen verdeutlichen. Ein wichtiger Punkt, um die Akzeptanz für Elektromobilität zu erhöhen und den Markthochlauf zu beschleunigen, ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Hier wollen wir gern mit unserem Know-How unterstützen.“ so Oliver Rein, Abteilungsleiter Dienstleistungen bei den Stadtwerken. „Als Mitglied des Klimapaktes sehen wir es zudem als unsere Aufgabe an, den Klimaschutz in der Region weiter zu fördern.“

Die Stadtwerke Flensburg unterstützen dabei im Vorfeld bei der Planung und Konzeption und beraten gern bezüglich Leistung, Anzahl und Modell der Ladestationen. Im Betrieb übernehmen die Stadtwerke den Abrechnungsservice sowie innerhalb des Netzgebietes Flensburg, Glücksburg und Harrislee auch die jährliche Wartung.

Den Strom liefern die Stadtwerke Flensburg gleich atomstromfrei und ökologisch in der richtigen Qualität mit.

Neue Schnellladesäule der Stadtwerke Flensburg für E-Autos

Elektroautos können jetzt an zwei E-Ladesäulen an der Batteriestraße kostenlos Strom tanken

Flensburg. Die Stadtwerke Flensburg haben heute eine weitere öffentliche E-Ladesäule auf dem eigenen Firmengelände in Betrieb genommen. Es handelt sich um eine Schnellladesäule, mit der E-Mobil-Fahrer ihr Auto besonders schnell laden können. So können viele Elektroautos schon innerhalb von ca. 30 Minuten bis zu 80 % wieder aufgeladen werden. Insgesamt stellen die Stadtwerke damit nun drei öffentliche E-Ladesäulen zur Verfügung, an denen kostenlos Öko-Strom getankt werden kann.

Die Ladesäule auf dem Parkplatz vor dem Stadtwerke-Neubau in der Batteriestraße verfügt über ein Ladepanel mit zwei alternativ, gleichzeitig nutzbaren Ladepunkten mit 50kW (DC) und bis zu 22kW (AC) Ladeleistung.

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Hans-Friedrich Thiesen beim Betanken eines Stadtwerke E-Autos

Die E-Ladesäule entspricht neuesten technischen Standards und verfügt über eine moderne, selbsterklärende Benutzerführung. Die Freischaltung erfolgt automatisch. Für die Nutzer der E-Säule stehen zwei ge-kennzeichnete Parkplätze bereit. Das Nutzen des Stromes ist vorerst kostenlos und die Säule ist rund um die Uhr ohne Einschränkung zugänglich.

„Die Unterstützung beim Ausbau der E-Mobilität in der Region ist ein Schritt unseres Bestrebens, den Klimaschutz in der Region zu fördern“, erklärt Maik Render, Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg. „Dabei ist auch Elektromobilität ein wichtiges Thema für uns. Wir selbst haben bereits eine eigene E-Autoflotte, die bereits zehn umweltfreundliche E-Fahrzeuge umfasst.“

Damit die elektrische Mobilität flächendeckend ge-währleistet ist, wird die Ladesäulen-Infrastruktur immer weiter ausgebaut. Auch Klaus Schrader, Geschäftsführer Klimapakt und für Sonderprojekte bei den Stadtwerken zuständig, zeigt sich erfreut „Mit dem offiziellen Förderbescheid, welchen die Stadtwerke Mitte des Jahres vom Bundesministerium in Höhe von 45.478 € für die Ladesäule sowie sieben Elektro-Fahrzeuge erhalten haben, wird deutlich, dass dem Thema E-Mobilität ein hoher Stellenwert eingeräumt wird. „Ich freue mich sehr, dass wir auch auf Bundesebene wahrgenommen und unsere Projekte zur Klimaverbesserung in der Region unterstützt werden.“

In Flensburg betreiben die Stadtwerke bereits zwei öffentliche Ladesäulen: eine weitere steht auf dem Firmengelände an der Batteriestraße und eine am ZOB. Weitere Ladesäulen, die in Kooperation mit den Stadtwerken errichtet wurden, sind z. B. am Marktplatz in Harrislee oder beim SBV installiert.

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