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Flensburg: Mehr als ein Viertel aller Vollzeitbeschäftigten arbeiten im Niedriglohnbereich

Deutscher Gewerkschaftsbund fordert: Arbeit muss endlich angemessen entlohnt werden!

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist nach wie vor gut. Obwohl der Fachkräftebedarf ständig steigt, hat Deutschland dennoch einen der größten Niedriglohnsektoren in Europa. Nach einer DIW-Studie sind inzwischen – unter Berücksichtigung der Teilzeit- und Nebenjobs – bundesweit mehr als 9 Millionen Menschen davon betroffen. Der Bruttolohn von 10,80 Euro ist die nach internationalen Standards in Deutschland geltende Grenze für Niedriglohn.

„Deutschlandweit arbeiten mehr als 4 Millionen Menschen in einem Vollzeitjob, deren Lohn aber nicht ausreicht, um ein auskömmliches Leben zu führen. Das ist dramatisch“, sagt  der Vorsitzende des DGB  Flensburg, Joachim Sopha.

Allein hier in Flensburg waren 6320 Menschen im Jahr 2017 Vollzeit beschäftigt zu Stundenlöhnen von weniger als 10,80 Euro. Das waren 25,2 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten.

Besonders hoch ist in Flensburg der Anteil bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne Berufsabschluss (58,8%) und bei Frauen (34,1%), wie die untenstehende Grafik zeigt.

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Niedriglöhne verstärken soziale Ängste und Unsicherheiten und erschweren die wichtige Vorsorge für das Rentenalter. Zentrale Punkte sind deshalb, den gesetzlichen Mindestlohn perspektivisch auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben und die Tarifbindung zu stärken.

Stärkung der Tarifbindung heißt vor allem, Tarifverträge deutlich leichter allgemeinverbindlich erklären zu können, damit sie ausnahmslos in der gesamten Branche gelten. Stärkung heißt aber auch, Tariftreueregelungen verbindlich in öffentliche Ausschreibungen aufzunehmen. Hier sieht Joachim Sopha die Kommunalpolitik gefordert: „Mehrere Millionen Euro fließen im Auftrag der Stadt Flensburg jährlich in öffentliche Dienstleistungen, Produkte oder Baumaßnahmen. Hier auf Tariftreue zu achten, ist ein wichtiges Instrument gegen Niedriglöhne und wirkt außerdem dem Kaufkraftverlust in der Region entgegen.“.

„Notwendig ist aber auch ein deutlich verbessertes Unterstützungssystem, das Geringqualifizierten hilft, einen beruflichen Abschluss zu erwerben. Denn zu oft gehen niedrige Löhne einher mit niedriger Qualifikation“, erläutert Joachim Sopha.

Er fordert auch die regionalen Arbeitgeber dazu auf, Geringqualifizierten Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten, um ihnen damit den beruflichen Aufstieg und eine anständige Entlohnung zu ermöglichen.

Hier findet man weitere Statistiken aus den Kreisen unserer Region:

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Mehr zum Thema auch auf der Seite des DGB Nordwest unter: https://sh-nordwest.dgb.de/themen

 

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Lohnniveau in Flensburg: Mehr als ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten verdient miserabel

Angesichts der derzeitigen Strategiedebatte in den politischen Gremien der Stadt Flensburg, stellt sich die Frage, welche Faktoren dazu beitragen können, die Attraktivität der Stadt für qualifizierte Arbeitskräfte und ihre Familien zu erhöhen. Ein Baustein hierfür dürften sicherlich faire Löhne und Gehälter sein. Dass aber das Einkommensniveau in Flensburg eher dazu beiträgt, dass qualifizierte Fachkräfte die Stadt verlassen bzw. meiden, ist nichts Neues. Allerdings müssen sich die Flensburger Unternehmen und Arbeitgeber angesichts der untenstehenden Zahlen den Vorwurf gefallen lassen, dass sie in dieser Hinsicht  ihren Anteil zur Attraktivitätssteigerung der Stadt weiterhin nicht leisten. Sie dürfen sich daher nicht wundern, wenn sie in Flensburg keine qualifizierten Fachkräfte finden bzw. in der Stadt auf Dauer halten können und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt stagniert. Untenstehend möchten wir deshalb allen LeserInnen des AKOPOL-Blogs die untenstehende Pressemitteilung des DGB Nordwest zur Lektüre wärmstens an´s Herz legen:

Neue DGB-Statistik enthüllt: Viele Vollzeitbeschäftigte erhalten nur Niedriglohn

(Pressemitteilung des DGB Schleswig-Holstein Nordwest ) 6.673 Vollzeitkräfte in der Stadt Flensburg verdienen miserabel, 3.763 Frauen sind darunter. Sie arbeiteten nach einer aktuellen Erhebung des DGB für einen Niedriglohn. Im Jahr 2010 waren dies bereits 27,1 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten, Auszubildende nicht einmal mitgezählt. Auch qualifizierte Arbeitskräfte in der Stadt erhalten oftmals nur einen mickrigen Lohn.

Erstmals legt der DGB regionale Daten zum Niedriglohnsektor vor. Konkret lag die Niedriglohnschwelle 2010 in allen westdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1.890 Euro. In Flensburg rutschen Vollzeitbeschäftigte noch weit häufiger in den Niedriglohnsektor als in den alten Bundesländern insgesamt. Dies gilt für Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss ebenso wie für jene mit Ausbildung. So zählten in Flensburg bereits 18,2 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern. In den alten Bundesländern insgesamt waren es demgegenüber 16,0 Prozent der Erwerbstätigen in Vollzeit und mit Ausbildung. Auch qualifizierte Beschäftigte bekommen den Druck auf das Lohngefüge zu spüren.

„Dieses überdurchschnittlich hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passt nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel“, betont Susanne Uhl in der Auswertung des DGB Schleswig-Holstein Nordwest. Dies sei vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job finden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet werden. Trotz Berufsabschluss stecken sie oftmals in Jobs für Un- oder Angelernte. Je länger diese Situation andauere, desto weniger wert sei die erworbene Qualifikation.

Noch weit miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss. Mehr als 40 Prozent der Geringqualifizierten in der Stadt Flensburg zählen nach der DGB-Auswertung zugleich zu den Geringverdienern. Das Risiko, als Vollzeitbeschäftigte/r einen Niedriglohn zu erhalten, ist für Beschäftigte ohne Berufsabschluss gut doppelt so hoch wie für Qualifizierte. Dies gilt für Flensburg ebenso wie für die alten Bundesländer insgesamt.

Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sei das Risiko einer schlechten Bezahlung für Qualifizierte wie Beschäftigte ohne Berufsabschluss überdurchschnittlich hoch. Nach Einschätzung des DGB Nordwest haben Menschen, die wenig verdienen, oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko.

Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener seien hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern. „Wer behauptet, Niedriglöhne seien Einstiegslöhne, der liegt falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, sind hierzulande gering“ stellt Susanne Uhl fest. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, ist eine Verfestigung der Niedriglohnfalle, warnt die DGB-Geschäftsführerin.

Der hohe Niedriglohnsektor in Flensburg ist nach Einschätzung des DGB auch eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein. Hinzu kommt, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen selten sind und das Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.

Für die Erhebung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verwendete Definition über Niedriglöhne zugrunde gelegt. Danach zählt zu den Geringverdienern, wer in seinem Land auf weniger als zwei Drittel des mittleren (durchschnittlichen) Lohns kommt. Wegen des immer noch deutlichen Lohngefälles zwischen Ost und West wurde nicht die bundesweite Niedriglohnschwelle, sondern eine differenzierte für West und Ost zugrunde gelegt. Danach lag die Niedriglohnschwelle 2010 in den alten Ländern bei 1.890 Euro brutto im Monat und in den neuen Bundesländern bei 1.379 Euro. Ausgewertet wurden die Meldungen für die Sozialversicherungen, die die Arbeitgeber in der Stadt vornehmen. In der Stadt Flensburg allein wurden die Meldungen für 24.634 Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job einbezogen, für die alten Bundesländer rd. 16,6 Mio. und für die neuen Bundesländer gut 3,9 Mio. Meldungen.

Weitere AKOPOL-Beiträge zu diesem Thema:

DGB-Studie zu regionalen Einkommensunterschieden – Flensburg im Lohnkeller unter: https://akopol.wordpress.com/2012/09/28/dgb-studie-zu-regionalen-einkommensunterschieden-flensburg-im-lohnkeller/

Armut in Flensburg – Strukturdaten dokumentieren wirtschaftlichen Abwärtstrend der Stadt unter: https://akopol.wordpress.com/2011/12/28/armut-in-flensburg-strukturdaten-dokumentieren-wirtschaftlichen-abwartstrend-der-stadt/

Armut und private Überschuldung in Flensburg nehmen weiter zu

Immer mehr Menschen geraten in die Schuldenspirale

Es sind schon mehr als beunruhigende Zahlen, die die Creditreform mit ihrem Schuldneratlas 2012 kürzlich vorstellte. Nicht nur, dass die private Überschuldung trotz angeblich guter Konjunktur steigt, sondern auch, dass sich die Schere zwischen den Bevölkerungsgruppen weiterhin rasant öffnet, unterstreicht die Tatsache, dass ein wachsender Teil der deutschen Bevölkerung schlichtweg immer weniger Geld zum Leben hat. Um ihren Lebensstandard zu halten und Konsumwünsche zu befriedigen, riskieren viele Menschen mehr denn je, sich zu überschulden. Prekäre Arbeitsverhältnisse, Verlust des Arbeitsplatzes, Krankheit, Scheidung und Trennung vom Partner führen schlussendlich in eines Schuldenspirale, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.

Besonders beunruhigend ist dabei, dass es auch in der Stadt Flensburg Stadtviertel, wie die Neustadt und Nordstadt gibt, in denen mittlerweile fast jeder vierte Erwachsene (24,32 %) nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Noch vor einem Jahr waren es 21,09%.  Dagegen sank die Quote in den sog. besseren Stadtvierteln, wie Friesischer Berg, Tarup, Engelsby, Sandberg, Jürgensby, und Fruerlund und liegt dort zwischen 11,46% und 9,92%. Dennoch stieg die Gesamtquote in Flensburg im Vergleich zum letzten Jahr um 0,34 auf nunmehr 14,92%, was einer Zahl von 11.200 Einwohnern enstpricht. Damit ist jeder siebte erwachsene Flensburger überschuldet. Kein wirklicher Trost ist es dabei, dass Neumünster mit 16,65% und Lübeck mit 15,93% noch schlechter dastehen, als Flensburg. Anders ausgedrückt, Armut und Überschuldung werden auch langfristig zu einem immer größeren Problem in den kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins. Wobei bemerkenswert ist, dass selbst der Kreis Dithmarschen eine Überschuldungsquote von 12,50% aufweist.

Was bedeuten die Zahlen nun für die Stadt Flensburg, für ihre kommunalpolitischen Akteure und die Verwaltung? Die Verschärfung der Lebensbedingungen vor allem derjenigen, denen eine wirkliche Teilhabe am Arbeitsmarkt, eine faire Bezahlung und eine adäquate Ausbildung verweigert wird, muss ein Grund dafür sein, in viel größerem Umfang als bisher entsprechende Modelle und Konzepte auch für die Stadt Flensburg zu entwickeln, die den betroffenen Menschen ein würdevolles Leben sichern und gleichzeitig als Unterstützung bei der Lösung privater Überschuldungsprobleme dienen können.

Es kann nicht angehen, dass zudem ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung dieser Stadt, rund ein Viertel lebt ganz oder teilweise von staatlichen Transferleistungen, quasi von der Kommunalpolitik und der Verwaltung abgeschrieben wird. Allerdings gilt dies auch für die Bundesregierung. Die hat nämlich die Finanzierung verschiedenster Programme, die die Situation dieser Menschen verbessern könnten, auf Eis gelegt. Geradezu empörend empfinden es in diesem Zusammenhang auch viele Erwerbslose, dass die Bundesregierung vor kurzem beschlossen hat, jährlich mehr als 2 Milliarden Euro bei den Kosten der Arbeitsförderung, für Eingliederungs- und Qualifizierungsmaßnahmen einzusparen. Offensichtlich haben Frau Merkel und Frau von der Leyen eine andere Sicht der Realität, als der Normalbürger. Wie so etwas enden kann, haben wir anlässlich der Unruhen vor knapp zwei Jahren in England und Frankreich gesehen. Wer das nicht will, sollte schleunigst entsprechend handeln. Und ein erster Schritt hierfür könnte sein, dies im Rahmen einer aktuellen Stunde zum Thema „Armut und Überschuldung in Flensburg“ bei der nächsten Ratsversammlung zu tun.

Jörg Pepmeyer, AKOPOL-Fraktionsvorsitzender

Mehr Daten, Zahlen und Fakten zu Armut und Überschuldung  auch unter:

Flensburger Sozialatlas 2010/11/12/13

Der Flensburger Sozialatlas mit Daten zur sozialen Situation der Bevölkerung in Flensburg

Wer sich einen groben Überblick über die Flensburger Sozialdaten verschaffen möchte, dem sei auch ein Blick in den Sozialatlas der Stadt Flensburg empfohlen. Allerdings sind die Daten des Sozialatlas leider nicht qualitativ aufbereitet, fehlen zudem wichtige Strukturdaten. Auch methodisch gibt es erhebliche Defizit bei der Datenerhebung. Dies erschwert eine qualitative Interpretation der im Sozialatlas präsentierten Daten und lässt für realistische Schlussfolgerungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der sozialen Verhältnisse in der Stadt wenig Raum. Für die politische Debatte sind die Daten des Sozialatlas daher nur bedingt hilfreich und nutzbar.

Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2010 Sozialatlas 2010

Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2011 sozialatlas_2011

Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2012 Flensburger Sozialatlas 2012

Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2013 sozialatlas_2013

SHZ-Online vom 16. November 2012 | 04:30 Uhr | Von Anja Werner Schulden-Schere öffnet sich weiter unter: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/artikel/schulden-schere-oeffnet-sich-weiter.html

Ein AKOPOL-Beitrag vom 31.12.2011: Armut und soziale Spaltung in Flensburg – Strukturdaten dokumentieren wirtschaftlichen Abwärtstrend der Stadt unter: https://akopol.wordpress.com/2011/12/31/armut-und-soziale-spaltung-in-flensburg-strukturdaten-dokumentieren-wirtschaftlichen-abwartstrend-der-stadt/

Jährliche Analyse zur Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland – Überschuldung in Deutschland nimmt zu unter: http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Aktuelles/Creditreform_Analysen/SchuldnerAtlas/index.jsp

Den kompletten Atlas mit allen Daten gibt es zum Download hier: SchuldnerAtlas Deutschland 2012, komplette Analyse – Creditreform unter: http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Presse/Archiv/SchuldnerAtlas_Deutschland/2012/Analyse_SchuldnerAtlas_Deutschland_2012.pdf

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