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Bahnhofswald in Flensburg: Bürgerinitiative bezeichnet Baugenehmigung als rechtwidrig

Transparent am Flensburger Bahnhofswald – Foto: Jörg Pepmeyer

Mitteilung der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg vom 15.01.2021:

Laut shz von heute hat die Stadt gestern am Donnerstag 14.1.2021 die Genehmigung zum Bau des geplanten  Bahnhofshotels erteilt.

Diese Genehmigung ist eindeutig rechtswidrig.

Sie erfolgt, obwohl der Widerspruch gegen die Waldumwidmung, der vom BUND eingelegt wurde, noch nicht abschließend behandelt ist. In diesem Widerspruch wird mit zahlreichen juristisch gut begründeten Argumenten festgestellt, dass der gesamte Bebauungsplan 303 Hauptpost rechtswidrig ist. Dies ist bis heute nicht widerlegt! Dann darf aber die Baugenehmigung nicht erteilt werden.

Außerdem widerspricht die Baugenehmigung selbst dem angezweifelten Bebauungsplan. In diesem wird u. a. festgelegt, dass in dem Antrag auf Baugenehmigung auch ein Gutachten über die Hangstabilität vorzulegen ist, das sich auf Untersuchungen des Hanges auch auf dem Gelände der Nachbar-Grundstücke stützen muss.*  Solche Untersuchungen sind nie erfolgt!

Dann darf die Baugenehmigung nicht erteilt werden. Sie ist rechtswidrig und darf nicht umgesetzt werden, ihre Umsetzung nicht polizeilich durchgesetzt werden.

Des Weiteren wurde von der Unteren Forstbehörde eine Sondergenehmigung  erwirkt, den Waldabstand von 30 m für den Bau des Hotels unterschreiten zu dürfen. Dabei wurde der UFB aber verheimlicht, dass nach einem Vertrag zwischen Stadt und Bauträger dieser verpflichtet ist, nach dem Hotel auch das geplante Parkhaus zu bauen, so dass die Umwandlung des gesamten Waldes nicht vermieden, sondern nur verschoben ist und weiterhin ansteht. Damit ist der Widerspruch des BUND keineswegs gegenstandslos geworden.

* „Im Zuge der weiteren Bebauungsentwicklung sind sukzessive weitere Untersuchungen im Baufeld geplant. Innerhalb der betroffenen Nachbargrundstücke sind im Rahmen der Beweissicherungsverfahren Spitzendrucksondierungen und Kleinbohrungen im Hangbereich sowie die darauf aufbauenden Hangstabilitätsberechnungen im Ist-Zustand und unter den Verbaubedingungen geplant. Entsprechende Nachweise sind somit vom Vorhabenträger zu erbringen.

(Zitat aus der Abwägung durch die Verwaltung einer Einwendung gegen den B-Plan, in der die fehlende Untersuchung der Hangstabilität moniert wurde.)

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg

c/o Günter Strempel

Thiesholz 1

24941 Flensburg

Achtung! Die geplante polizeiliche Räumung des Bahnhofswalds am Montag wird aufgrund einer Entscheidung der Stadt und Polizei nicht stattfinden. Mehr dazu hier: Verschärfte Coronasituation: Vorerst keine Räumung des Bahnhofswalds in Flensburg unter: https://akopol.wordpress.com/2021/01/16/verschaerfte-coronasituation-vorerst-keine-raeumung-des-bahnhofswalds-in-flensburg/

Der Flensburger Bahnhofswald aus der Vogelperspektive: Die am Montag geplante polizeiliche Räumung des Besetzer-Camp „Böömdorp“ und des Walds werden aufgrund der verschärften Coronasituation in Flensburg nicht stattfinden. – Foto: Bernd Schütt

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

 

 

Besetzter Bahnhofswald in Flensburg: Räumung am kommenden Montag?

Der Flensburger Bahnhofswald aus der Vogelperspektive: Voraussichlich am Montag soll mit großem Polizeiaufgebot das Besetzer-Camp „Böömdorp“ und der Wald geräumt werden. – Foto: Bernd Schütt

Achtung! Die geplante polizeiliche Räumung des Bahnhofswalds am Montag wird aufgrund einer Entscheidung der Stadt und Polizei nicht stattfinden. Mehr dazu hier: Verschärfte Coronasituation: Vorerst keine Räumung des Bahnhofswalds in Flensburg unter: https://akopol.wordpress.com/2021/01/16/verschaerfte-coronasituation-vorerst-keine-raeumung-des-bahnhofswalds-in-flensburg/

Die Stadt Flensburg hat nach einer Meldung von shz-Online am gestrigen Donnerstag die Genehmigung für den Bau des umstrittenen Bahnhofshotels erteilt. Rein theoretisch könnten die Investoren sofort mit dem Bau beginnen, müssten lediglich noch das Datum des Baubeginns anzeigen. Erstaunlich ist jedoch, dass die Investoren eine Baugenehmigung von der Stadt bekommen und damit ebenso die Genehmigung zur Rodung des Waldes, obwohl über den Widerspruch des BUND zur Waldentwidmung noch gar nicht entschieden wurde. Durch den Widerspruch des BUND, der der Unteren Forst-Behörde und der Stadt Flensburg am 9.11.2020 zugestellt wurde, ist der Bebauungsplan 303 Hauptpost nicht vollziehbar. Darin wird nicht nur der Waldumwidmung widersprochen, ohne die keine der geplanten Baumaßnahmen umgesetzt werden kann, auch der gesamte Bebauungsplan wird darin mit zahlreichen juristischen Argumenten als rechtswidrig bezeichnet. Dass die Stadt trotz nicht gesicherter Rechtslage jetzt den Investoren die Baungenehmigung erteilt und damit einen weiteren und unnötigen Konflikt provoziert, ist daher keine kluge Entscheidung. Und sie spricht ebensowenig für die handelnden Personen in der Verwaltung und die Oberbürgermeisterin Simone Lange.

Zur drohenden Räumung die Mitteilung der Waldbesetzer*innen aus dem Böömdörp:

Seit dem ersten Oktober 2020 besetzen wir den Flensburger Bahnhofswald, um zu verhindern, dass die dortigen Bäume einem Neubaukomplex aus Hotel und Parhaus weichen müssen. Wir kämpfen gegen eine vollkommen verfehlte Verkehrs- und Klimapolitik, in der nach wie vor Gewinne zu erzielen wichtiger ist, als einen lebenswerten Planeten zu erhalten.

Wir haben über drei Monate ein Experiment alternativen Miteinanders erprobt, haben voneinander gelernt, wie der Waldkauz singt und wie zutraulich Rotkehlchen sind, wie Baumhäuser gebaut werden und wie Seilverbindungen geknotet werden. Aber es geht um viel mehr: Wir haben auch soziale Verbindungen geknotet: Beeindruckend viele und unterschiedliche Menschen haben uns unterstützt: Klassische Musiker*innen, Autor*innen, Baumpfleger*innen und Handwerker*innen, Menschen, die Essen für uns gekocht, nasse Sachen bei sich getrocknet und uns Decken vorbeigebracht haben. Die Bürger*innen-Initiative ebenso wie die fridays for future.

Aus mehreren vertraulichen Quellen haben wir nun die Info bekommen, dass die Besetzung Anfang nächster Woche, also am 18.1.2021 geräumt werden soll. Wir bereiten uns also auf ein Großaufgebot und einen Großeinsatz der Polizei vor – eine Eskalation, die zeigt mit welch absurdem Aufwand die Interessen einiger weniger gegen große Teile der Flensburger Bevölkerung durchgesetzt werden.
Eine Räumung, die absehbar zeigen wird, dass die Bekenntnisse der Stadt zum Klimaschutz reine Lippenbekenntnisse sind. Ein Einsatz, der – erst recht unter aktuellen Pandemiebedingungen – vor allem eins darstellen wird: eine Machtdemonstration.

Wir sind gekommen, um zu bleiben und werden die Bäume nicht freiwilligverlassen. Aber wir machen uns nichts vor: Wir wissen, dass die Polizei gewissenlos die errichteten Strukturen zu zerstören im Stande ist. Aber weder die Kraft, die sie erschuf noch die Bewegung lassen sich räumen.

Siehe zur Entscheidugn der Stadt Flensburg auch die Stellungnahme der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg vom 15.01.2021: Bahnhofswald in Flensburg: Bürgerinitiative bezeichnet Baugenehmigung als rechtwidrig
unter: https://akopol.wordpress.com/2021/01/15/bahnhofswald-in-flensburg-buergerinitiative-bezeichnet-baugenehmigung-als-rechtwidrig/

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

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Transparent am Flensburger Bahnhofswald – Foto: Jörg Pepmeyer

Für den Erhalt des Flensburger Bahnhofswaldes: Offener Brief von Waldforscher Prof. Dr. Pierre L. Ibisch

Der Flensburger Bahnhofswald aus der Vogelperspektive – Foto von Bernd Schütt

Der Buten-Flensburger Prof. Dr. Pierre L. Ibisch hat einen Offenen Brief an die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel, die Verteidiger*innen des Flensburger Bahnhofswaldes und die Bürger*innen der Stadt Flensburg geschrieben, in dem er sich vehement für den Erhalt des Flensburger Bahnhofswaldes einsetzt. Ibisch, der in Flensburg aufwuchs, machte am Alten Gymnasium sein Abitur. An der Universität Bonn studierte er anschließend Biologie mit den Prüfungsfächern Botanik, Zoologie und Physik. Von 1993 bis 1996 promovierte er in Bonn mit einer Arbeit zu den Aufsitzerpflanzen Boliviens mit dem Titel Neotropische Epiphytendiversität – das Beispiel Bolivien. Er ist ein Schüler des Botanikers und Makroökologen Wilhelm Barthlot Seit 2004 ist Ibisch Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und gilt als international renommierter Experte im Berich der Waldforschung.  Seine fachlichen Schwerpunkte sind globaler (Umwelt)-Wandel und Naturressourcenmanagement (unter anderem Entwicklung von Anpassungsstrategien, nachhaltige Entwicklung und globaler Wandel), Naturschutz, Biodiversität und Waldökologie. Langjährig war er in der landschaftsökologischen und naturschutzfachlichen Forschung in Südamerika tätig.

 

Prof. Dr. Pierre L. Ibisch
Centre for Econics and Ecosystem Management
Fachbereich für Wald und Umwelt
Alfred-Möller-Str. 1
16225 Eberswalde

Professor für Naturschutz
Professor for Nature Conservation

Forschungsprofessur / Research professorship
Ecosystem-based sustainable development
Ökosystembasierte nachhaltige Entwicklung

Tel. 03334/657178
e-mail pibisch@hnee.de
http://www.centreforeconics.org

An die
Bürgerinitiative Bahnhofsviertel
die Verteidiger*innen des Flensburger Bahnhofswaldes
die Bürger*innen der Stadt Flensburg

                                                                                                                                                  10. Dezember 2020

Liebe Flensburger Waldfreund*innen,

ich habe das Privileg gehabt, in meinem Leben viele Wälder auf den verschiedenen Kontinenten bereisen und erforschen zu können. Dazu gehörten vor allem die Wälder Amazoniens oder der südamerikanischen Anden, aber genauso auch boreale Wälder Russlands oder die europäischen Buchenurwälder. Es war mir bereits vergönnt, mich für Millionen Hektar umfassende Schutzgebiete einsetzen zu dürfen, ein grenzüberschreitendes Biosphärenreservat im Altai-Gebirge mitzubegründen oder Wäldern in verschiedenen Ländern Europas zum UNESCO-Weltnaturerbestatus zu verhelfen. In letzter Zeit habe ich mich mit Mitarbeiter*innen für die Erhaltung des Hambacher Forsts oder des Dannenröder Forsts eingesetzt, wir werben u.a. für die pflegliche Behandlung des ältesten Buchenwaldes Deutschlands, die Heiligen Hallen in Mecklenburg-Vorpommern oder des Leipziger Auwaldes. In ganz Deutschland kämpfen wir für eine Waldwende und einen ökosystembasierten Umgang mit den geschädigten Waldflächen, die unter Klimawandel und Forstwirtschaft leiden.

So viele Wälder, unermessliche Werte, so viele Sorgen. Die große Ökosystemvergessenheit bewirkt, dass wir Wälder übernutzen, zerschneiden, zerstören und überbauen. Weltweit leiden Wälder, verbrennen, vertrocknen und kollabieren. Es geht um große Flächen, es geht um viel. Kommt es da auf ein paar Bäume mehr oder weniger noch an, wenn sie doch dem menschlichen Fortschritt im Wege stehen?

Unbedingt!

Letztlich sind es überall mehr oder weniger kleine lokale Entscheidungen: Hier müssen Bäume für einen Acker weichen oder für die Herstellung von Papier, dort müssen sie Platz machen für einen Tagebau, eine Autobahn, eine neue Tesla-Fabrik – oder ein Hotel. Die vielen kleinen Entscheidungen gegen die Natur und gegen die Wälder tragen zum beschleunigten und globalisierten Verlust der biologischen Vielfalt und der Regulationsfähigkeit unserer Biosphäre bei. Die vielen kleinen Scharmützel allüberall sind am Ende unser Krieg gegen die Natur und unsere Lebensgrundlagen. Das klingt pathetisch, und das ist es auch. Ich habe die Wälder der Erde erleben dürfen – in Süd- und Nordamerika, in Europa, Asien und Afrika. Und nur in wenigen Gebieten geht es den Wäldern gut.

Die Sorge um die Natur und die Wälder ließen mich von Flensburg aus aufbrechen, um Biologie zu studieren, auf Forschungsreisen zu gehen, Ökologe und Naturschützer zu werden. Dennoch und gerade deshalb berührt mich in besonderem Maße, wie meine Geburtsstadt Flensburg im waldärmsten Flächenland Deutschlands mit den kleinen Waldrelikten umgeht, die geblieben sind. Die Marienhölzung ist zu einem ausgeholzten Park verkommen, und kleine Waldinseln wie der Bahnhofswald werden nicht einmal als Wald wahrgenommen.

Es ist völlig richtig, anderswo – und ich war daran beteiligt – versucht man, Wald wieder aufzuforsten. Und es fällt sehr schwer. Es ist viel schwerer etwas gutzumachen, als etwas zu zerstören. Man bemüht sich um die Anlage kleiner neuer Gehölze, um der Natur zu helfen, und vor allem auch den Menschen. In den Städten schwillt der Diskurs zur ökosystembasierten Klimawandelanpassung an.

Wir selbst haben mit unserer Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Brandenburg ein Projekt der Deutschen Klimawandelanpassungsstrategie mit der Stadt Bernau bei Berlin durchgeführt. Dort ging es darum, gemeinsam mit der Stadtverwaltung und für und mit Bürger*innen zu erfassen, wie die Stadt zur Kühlung und Wasserrückhaltung beitragen kann. Wir konnten wissenschaftlich zeigen, wie Baumgruppen und kleine Gehölzinseln zur effektiven Kühlung der Stadt beitragen. Das ist nicht neuartig – weltweit gibt es entsprechende Studien und Bemühungen um naturbasierte Lösungen zu Verbesserung des Stadtklimas. Im Falle von Bernau hat sich die Stadt im Rahmen des Projektes zu einer Leuchtturmmaßnahme entschieden. Der Bürgermeister macht sich persönlich für die Idee stark. Ausgerechnet vor dem Bahnhof der Stadt (!) soll der Vorplatz entsiegelt und begrünt werden. Er ist im Laufe der Zeit zu einem der heißesten Orte geworden – nunmehr muss repariert werden, was zuvor zerstört wurde.

In diesem Jahrhundert werden vielerorts Menschen ihre Altvorderen dafür verfluchen, dass sie nicht die Wälder bewahrten, dass sie die natürlichen Ressourcen zu sorglos abwirtschafteten und wissenschaftliche Fakten ignorierten, um kurzfristige Vorteile zu erzielen.

Ich danke den Bewahrer*innen des Flensburger Bahnhofswaldes und sende einen Gruß der Solidarität und der Unterstützung. Ich habe schon viele Wälder gesehen, aber der Flensburger Bahnhofswald gehörte zu meinen ersten, damals als meine Mutter mich im Kinderwagen an den Bäumen vorbeischob, die jetzt über ein halbes Jahrhundert älter geworden sind … und denen nun ein jähes Ende droht in ihrem jugendlichen Alter.

Der Wald wird uns immer knapper, Wald ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Es gilt für die Relikte entschieden zu kämpfen, es ist soweit.

Herzliche Grüße und danke
Prof. Dr. Pierre Ibisch

Den Brief gibt es im Original hier zum Download

UnterstützerInnen für Mahnwache gesucht

Für die Mahnwache am Bahnhofswald suchen die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel und die WaldbesetzerInnen noch UnterstützerInnen. Wer also Lust hat, sich stundenweise an der Mahnwache zu beteiligen, melde sich bitte am Infostand auf dem Parkplatz am Bahnhofswald.

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Die Stadt, der Wald und das Geld

Fridays for Future Demonstration für den Erhalt des Bahnhofswalds in Flensburg am 30.11.: Forderung nach einer grundlegenden Änderung der Klima-Politik – Foto: Jörg Pepmeyer

Zeitgemäße Kapitalismuskritik

Ein Beitrag von Dr. Boje Maaßen

Auf Demos wie der für den Erhalt des Bahnhofswaldes wird immer wieder auch Kapitalismuskritik geäußert. Es macht daher Sinn, das Verhältnis von Ökologie und Kapital zeitgemäß zu analysieren. Hier meine Überlegungen:

In der traditionellen marxistischen Theorie sind Kapitalisten Eigentümer von Produktionsmitteln, also Fabriken, Maschinen usw. Spekulanten, überbezahlte Fußballspieler u.a. treten hier nicht auf. Inzwischen hat sich der Kapitalismus aber zu einem warenproduzierenden Gesamtsystem weiter entwickelt, an dem nahezu alle Bürger vom Unternehmer über den Fußballstar bis hin zum Harz-Vier-Empfänger mehr oder weniger teilhaben. Es gibt relative Armut, aber (fast) keine absolute Armut in Deutschland. Absolute Armut ist für die Betroffenen und für die Gesellschaft unerträglich, materielle Ungleichheiten in höherem Ausmaße sind ungerecht.

Diese Struktur ist Bedingung für eine ständige Vermehrungswirtschaft (fälschlicherweise immer noch Wirtschaftswachstum genannt, denn ständiges Wachstum gibt es in der Natur nicht) und damit verbunden mit der Zunahme ständig neuer, zumeist überflüssiger und die Ökologie schädigender Bedürfnisse der gar nicht so freien Konsumenten. Die Kritik der ständigen Vermehrungswirtschaft ist keine Kritik an der Wirtschaft an sich, was letztlich inhuman wäre, sondern eben an einer speziellen Form, die allein auf Wirtschaftsvergrößerung aus ist und sich gegenüber anderen Interessen absolut setzt. Wenn aber die Qualität der erwirtschafteten Produkte und Dienstleistungen selbst nicht in Frage gestellt wird (=Gebrauchswertkritik), sondern nur noch deren Verteilung, dann ist das keine zeitgemäße Kapitalismuskritik. Eine zeitgemäße Kapitalismuskritik leistet Robert Kurz in „Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft“ (Eichborn Verlag 1999). Sinngemäß schreibt er: Nicht mehr die Klassen- und Verteilungsfrage der alten Arbeiterbewegung, die im Kern nur auf eine gerechte Verteilung des produzierten Mehrwerts abzielt, muss in das Zentrum der Analyse und Kritik gestellt werden, vielmehr muss die Kritik nun grundsätzlicher die gesellschaftlichen Produktions- und Vermittlungsformen des Werts und der abstrakten Arbeit in den Mittelpunkt stellen. Vor diesem theoretischen Hintergrund ist der traditionelle Sozialismus nicht die große Systemalternative, sondern vielmehr eine staatskapitalistische Spielart des warenproduzierenden Gesamtsystems.

Ich teile diese Position, kritisiere mitnichten die Wirtschaft an sich, sondern nur die Form, die  eine kapitalistische in einer spezifischen Bedeutung ist, nämlich die allein auf Wirtschaftsvergrößerung aus ist und sich gegenüber anderen Interessen absolut setzt. Wenn die erwirtschafteten Produkte und Dienstleistungen wie gesagt selbst nicht in Frage gestellt werden (=Gebrauchswertkritik), sondern nur noch deren Verteilung, wie es immer noch traditionelle Linke und die Gewerkschaften  tun, dann ist das keine aktuelle, sondern veraltete Kapitalismuskritik.

Das herrschende System der Gegenwart besteht im Kern aus den Momenten Bequemlichkeit, Wirtschaftswachstum und Motore. Genauer: Die Bequemlichkeit ist das Hauptmotiv für schlechte Veränderungen. Motore ermöglichen heute im großen Umfang die Bequemlichkeit in Form von motorisierter Mobilität und elektronischer Medien, beide haben heute Suchtcharakter angenommen. Das Wirtschaftswachstum stellt die Suchtmittel auf Dauer her, was sich aber, was die Dauer betrifft, aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen als Irrtum erweisen wird.. Die Ideologie des Wirtschaftwachstums ist weltweit die dominierende Wirtschaftstheorie, die nicht wesentlich kritisiert wird. Bolzonaro lässt in Brasilien Wälder im Amazonasgebiet verbrennen bzw. zumindest toleriert es, Trump fährt in den USA den Naturschutz konsequent zurück. Beide begründen das wie die Befürworter des Hotel- und Parkhausprojekte in Flensburg genau besehen mit Argumenten des Wirtschaftwachstums, nicht mit wirtschaftlichen realen Bedürfnissen. Jede neu erbaute Autobahn wird als Fortschritt begrüßt. Warum durchschauen das so wenige Bürger? Die Gleichsetzung von Bedarfswirtschaft und ständiger Vermehrungswirtschaft beruht auf einer schlechten Abstraktion, weil sie die Differenz beider Wirtschaftsformen verdeckt bzw. unbemerkt lässt. Auch deswegen, weil die ökologischen Zerstörungen in rechtstaatlichen Gesellschaften überwiegend legal stattfinden. Es bedarf deshalb hier einer zusätzlichen Reflexion, die die Frage  nach der Legitimität der erworbenen Waren und Dienstleistungen stellt. Sind Laubsauger, Schottergärten, Silvesterböller, Fernreisen, übergroße Bildschirme, Erdbeeren im Winter in Zeiten des Klimawandels und vieles mehr legitim? Den modernen Inbegriff dieser vom Kapital vermittelten Bedürfnisse sehe ich im SUV, dessen Neuzulassungen ständig neue Rekorde erreichen. Das zu bedenken und evolutionär zu ändern, wird Zukunft ermöglichen.

UnterstützerInnen für Mahnwache gesucht

Für die Mahnwache am Bahnhofswald suchen die Bürgerinitiative und die WaldbesetzerInnen noch helfende UnterstützInnen. Wer also Lust dazu hat, melde sich bitte am Infostand auf dem Parkplatz am Bahnhofswald.

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung:

rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

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Flensburger Bahnhofswald: BUND legt Widerspruch gegen Waldumwandlung ein

Der Flensburger Bahnhofswald aus der Vogelperspektive – Foto von Bernd Schütt

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Widerspruch gegen die in der vorletzten Woche ausgesprochene Genehmigung einer Waldumwandlung des Flensburger Bahnhofswaldes eingelegt.

Und dieser Widerspruch hat es in sich: In dem 17-seitigen, juristisch ausgeklügelten Schreiben mit zahlreichen Anlagen wird unter anderem argumentiert, schon der B-Plan Hauptpost, für den die Waldumwandlung erfolgte, sei rechtswidrig und ungültig. Dafür werden zahlreiche Argumente angeführt. Darüber hinaus sei die Waldumwandlungsgenehmigung wegen entgegenstehender Vorschriften des Biotopschutzes und unzureichender Alternativen-Prüfung rechtswidrig.

Nach Ansicht der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel hängt damit auch der Bauantrag der Investoren, die am Bahnhofswald ein Hotel und ein Parkhaus bauen wollen und dabei auf die Waldumwandlung angewiesen sind, wieder völlig in der Luft. Ob die Fehler der Planung überhaupt geheilt werden können, sei sehr fraglich. Die Stadt Flensburg und die Investoren müssten sich gründliche neue Gedanken machen, so die Bürgerinitiative in einer Stellungnahme von heute. Sie fordert ebenso, dass geplante Baumfällungen unterbleiben sollten, solange unsicher sei, ob der angestrebte Bau überhaupt möglich ist.

UnterstützerInnen für Mahnwache gesucht

Für die Mahnwache am Bahnhofswald suchen die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel und die WaldbesetzerInnen noch UnterstützerInnen. Wer also Lust hat, sich stundenweise an der Mahnwache zu beteiligen, melde sich bitte am Infostand auf dem Parkplatz am Bahnhofswald.

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

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Überraschungskonzert am Bahnhofswald am Samstag, den 07.11.2020 um 14.00 Uhr

Protestplakate am besetzten Bahnhofswald – Foto: Jörg Pepmeyer

Zwei Musiker des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters geben ein kleines Solidaritätskonzert für den Erhalt des Bahnhofswaldes. Zur Aufführung kommen Stücke für Fagott und Geige. Treffpunkt in der Bahnhofsstraße auf Höhe der Mahnwache.

Der Flensburger Bahnhofswald aus der Vogelperspektive

Eine aktuelles Foto von Bernd Schütt für all diejenigen ZweiflerInnen, die der Meinung sind, beim Flensburger Bahnhofswald würde es sich nicht um einen Wald handeln. Der Blick von oben zeigt deutlich, wie viele Bäume dort stehen. Am unteren Bildrand auf dem Parkplatz an der Bahnhofstraße die Infozelte der WaldbesetzerInnen und der Bürgerinitiative.

Dazu auch noch nebenstehend das Schreiben des Kieler Umweltministeriums an Claus Kühne:

UnterstützerInnen für Mahnwache gesucht

Für die Mahnwache am Bahnhofswald suchen die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel und die WaldbesetzerInnen noch UnterstützerInnen. Wer alo Lust hat, sich stundenweise an der Mahnwache zu beteiligen, melde sich bitte am Infostand auf dem Parkplatz am Bahnhofswald.

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Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Flensburger Bahnhofswald: The Real Facts

Wie wenig die Flensburger Kommunalpolitiker und Entscheider tatsächlich über die Planungen für den Bahnhofswald wissen, zeigt stellvertretend ein Kommentar in der Facebook-Gruppe Flensburg Ahoi am 03.11.20 von Christian Schweckendieck, Bürgerschaftliches Mitglied der FDP-Fraktion. Er schreibt: „Ein Großteil der Bäume bleibt ja auch stehen. Es werden vereinzelt Bäume gefällt. Der „Wald“ bleibt bestehen!“ Diese Aussagen sind falsch.
Erstens: Der Wald bleibt nicht bestehen, sondern er wird „entwidmet“ und verliert damit auch seinen naturschutzrechtlichen Status im Sinne des Landeswaldgesetzes als geschützter Wald.
Zweitens: Es werden nicht „vereinzelt“ Bäume der Säge zum Opfer fallen, sondern
a) mehr als 50 stattliche Bäume mit über 80 cm Stammumfang, die unter die Baumschutzsatzung fallen, plus rund 20 ähnlich große Bäume, die zwar nicht gefällt, aber durch die Bauarbeiten massiv geschädigt und absterben werden und
b) der „untermaßige“ Aufwuchs. „Untermaßig“ sind danach Laubbäume, die nicht unter die Flensburger Baumschutzsatzung fallen, also weniger als 80 cm Stammumfang haben und Nadelbäume, wenn sie unter 100 cm Stammumfang liegen.
Das sind im Bahnhofswald aber die Mehrzahl der Bäume. Also auch nach gesundem Menschenverstand zu betrachtende, stattliche Bäume mit mehreren Metern Höhe. Wenn die alle gefällt werden, bleibt vom Bahnhofswald und von dem Baumbestand, der keinen Waldstatus hat, kaum noch was übrig. Mehr dazu und zu den Fakten hier:

Flensburger Bahnhofswald: Mit Falschinformationen die Öffentlichkeit hinters Licht führen unter:
https://akopol.wordpress.com/2020/07/30/flensburger-bahnhofswald-mit-falschinformationen-die-oeffentlichkeit-hinters-licht-fuehren/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Protestaktion vor der FFG

Am Nachmittag des 6.11. ist eine Protest-Aktion von UmweltaktivistInnen und Friedensbewegten vor dem Eingang der Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft an der Mads-Clausen-Straße in Flensburg Klues geplant. Die Panzerbauer der FFG wollen eine neue Produktionshalle errichten und dafür einen halben Hektar geschützten Wald roden. Die FFG droht, falls ihr die Genehmigung dafür verweigert wird, mit Produktionsverlagerung. Mehr Infos dazu demnächst im AKOPOL-Infoblog.

Der Wald bleibt! – Mehr als 250 Menschen demonstrieren in Flensburg für die Rettung des Bahnhofswalds

Der Wald bleibt! – Der Demozug auf der Friederich-Ebert-Straße  Foto: Jörg Pepmeyer

„Klimawandel ist nicht verhandelbar, das gilt auch für den Bahnhofswald.“

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Mehr als 250 Menschen beteiligten sich am späten Freitagnachmittag an einer Demonstration für die Rettung des Flensburger Bahnhofswald und für den Klimaschutz. Aufgerufen dazu hatte die lokale Fridays for Future Gruppe, die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg und die WaldbesetzerInnen von Böömdörp in de Bahnhoffsbööm.

Seit dem 1. Oktober besetzt ein Umfeld aus 150 engagierten Menschen den Bahnhofswald. Sie wollen so den Bau eines Hotels und eines Parkhauses  verhindern, für die das dortige Biotop mit über 150 Jahre alten Bäumen und Heimat zahlreicher Tierarten, darunter gefährdete Fledermaus- und Vogelarten, zerstört werden soll.

Start der Demo war am Nordermarkt, dann ging es an der Schiffbrücke entlang über den ZOB, die Friedrich-Ebert-Straße zum Rathaus und anschließend zum Carlisle-Park am Bahnhofswald, dem Endpunkt der Demo.

„GROßinvestoren planen in der Ferne
Zerstören unser’n Bahnhofswald
Das lässt uns nicht einfach kalt!!!“

Jede Räumung hat ihren Preis – Foto: Jörg Pepmeyer

In den Ansprachen der UmweltaktivistInnen wurde deutlich, dass man die Besetzung des Bahnhofswaldes auf jeden Fall weiter fortführen werde. Es sei nicht hinnehmbar, dass im Zeichen der Klimakrise ein wertvolles und innerstädtisches Naturhabitat für die Profite einzelner Investoren vernichtet werden soll. Die Entscheidung für den Bau des Hotels und Parkhauses am Bahnhofswald müsse zurückgenommen werden. Der Klimawandel sei nicht verhandelbar, das gelte auch für den Bahnhofswald. Einer möglichen Räumung des besetzten Waldes werde man entschiedenen Widerstand entgegen setzen. Gleichzeitig wurde von einer Sprecherin die zunehmende Vernichtung städtischer Grünflächen und Kleingärten in Flensburg kritisiert. Für viele Flensburger Familien, die in äußerst beengten Wohnverhältnissen leben würden, seien ihre Kleingärten von existentieller Bedeutung. Die Kleingärten seien ebenso wichtig für das innerstädtische Klima und ein Rückzugsraum für zahlreiche Tierarten.

Am Rande der Demonstration wurde bekannt, dass Hanna Poddig, eine der WaldbesetzerInnen von den Investoren des Hotel-Projekts wegen Hausfriedensbruch angezeigt wurde. Sie sieht einer möglichen juristischen Auseinandersetzung jedoch gelassen entgegen. Offensichtlich hat der öffentliche Protest dazu geführt, dass die Investoren sich derzeit nicht trauen mit den ursprünglich angedachten Fällungen von Bäumen im Wald zu beginnen. Auch die Stadt Flensburg, die die Genehmigung dafür erteilen müsste, hält sich derzeit bedeckt. Gleichzeitig hat die Bürgerinitiative Bahhofsviertel angedroht im Falle des Falles sofort Klage zu erheben, eine Normenkontrollklage ist bereits in Vorbereitung.

Forderung nach einer grundlegenden Änderung der Klima-Politik – Foto: Jörg Pepmeyer

Ein Kommentar von Dr. Helmreich Eberlein:

Heimtückisch

Geht es heimtückischer? Da bitten die Investoren um ein Gespräch mit den Baumschützern, und dann verklagen sie die Person, die sich darauf einlässt, wegen Hausfriedensbruch!!! Wer möchte da noch mit diesen Leuten reden?

UnterstützerInnen für Mahnwache gesucht

Für die Mahnwache am Bahnhofswald suchen die Bürgerinitiative und die WaldbesetzerInnen noch helfende UnterstützInnen. Wer also Lust dazu hat, melde sich bitte am Infostand auf dem Parkplatz am Bahnhofswald.

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung:

rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Protestaktion vor der FFG

Am Nachmittag des 6.11. ist eine Protest-Aktion von UmweltaktivistInnen und Friedensbewegten vor dem Eingang der Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft an der Mads-Clausen-Straße in Flensburg Klues geplant. Die Panzerbauer der FFG wollen eine neue Produktionshalle errichten und dafür einen halben Hektar geschützten Wald roden. Die FFG droht, falls ihr die Genehmigung dafür verweigert wird, mit Produktionsverlagerung. Mehr Infos dazu demnächst im AKOPOL-Infoblog.

Demonstration von Fridays for Future für die Rettung des Bahnhofswalds am 30.10. in Flensburg

Treffpunkt:
Freitag, 30.10.2020 um 16.00 Uhr
am Nordermarkt Flensburg

Seit dem 1. Oktober besetzt ein Umfeld aus 150 engagierten Menschen den Bahnhofswald. Sie wollen so den Bau eines Hotels und eines Parkhauses  verhindern, für die das dortige Biotop mit über 150 Jahre alten Bäumen und Heimat unzähliger Tiere (unter anderem gefährdete Fledermaus- und Vogelarten) zerstört werden soll. Dies muss verhindert werden. Wir als Fridays for Future Flensburg solidarisieren uns mit den Aktivist*innen und rufen am Freitag den 30.10.20 zur Demonstration für die Rettung des Flensburger Bahnhofswaldes auf. Wenn wir das globale Klima retten wollen, müssen wir auch vor Ort konsequent handeln. Denn kein Baum ist egal, ob im Dannenröder Wald, in Keyenberg, in Flensburg, überall. Was wir brauchen, ist Wald statt Asphalt. Klima und Menschen vor Profite!

Die Demonstration beginnt um 16:00 Uhr am Nordermarkt, läuft am Zob entlang und endet am Bahnhofswald / Carlisle Park.

Lasst uns gemeinsam für unsere Zukunft und den Erhalt des Bahnhofswaldes auf die Straße gehen!

Hinweis: Die Corona-Hygieneregeln müssen unbedingt eingehalten werden, das Tragen von Masken und die Einhaltung der Abstandsregeln sind zwingend notwendig.

Kundgebung im Carlisle Park: Teilnehmer*innen fordern Erhalt des Bahnhofswalds und eine Wende in Flensburg

Baumprotest im Carlisle-Park am Bahnhof

Ein Beitrag und Fotos von Jörg Pepmeyer

Klarmachen zur Wende!

So lässt sich das Motto beschreiben, unter dem sich heute rund 70 Teilnehmer*innen zu einer Protest-Kundgebung, natürlich unter Wahrung der Corona-Regeln, im Carlisle-Park am Bahnhof trafen. Eingeladen dazu hatten die beiden Umweltaktivisten Christiane Schmitz-Strempel und Günter Strempel. Unterstützt wurden sie von der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg, von Greenpeace, attac und weiteren Mitstreiter*innen verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen und Bürgerinitiativen sowie Einzelpersonen in Flensburg. Somit ein sehr breites und buntes Bündnis.

Vorrangig ging es zwar um den Erhalt des Bahnhofswalds, der im Rahmen eines Hotelneubaus der Axt zum Opfer fallen soll, aber die Protestler hatten noch eine ganze Menge mehr im Gepäck. Sie präsentierten eine Aktion, die deutlich machen sollte, dass in Flensburg eine Wende überfällig sei, im Bereich des Verkehrs, in der Stadtplanung, beim nachhaltigen Schutz wertvoller Naturflächen, bei der Bürgerbeteiligung und vieles mehr. Also hin zu einer wirklich lebenswerten, ökologischen, solidarischen und demokratischen Stadt. Im Park bauten sie dazu aus alten Ästen und Stämmen einen Baum nach, der mit großen Blättern bestückt wurde, auf denen die Kritikpunkte standen. Anschließend wendeten die Aktivisten dann gemeinsam das Blatt. Nun wurden die Alternativen und die Forderungen an die Politik sichtbar.

Günter Strempel spricht zu den Anwesenden

Das war dann auch Thema der Ansprache von Günter Strempel an die Kundgebungsteilnehmer*innen. Er machte ebenso deutlich, dass die Flensburger Politik derzeit nicht nur das Vertrauen der Bürger*innen verspiele, sondern gleichzeitig mit ihren Entscheidungen wertvolle Naturflächen vernichte und vorrangig die privaten Interessen von Investoren und Bauspekulanten bedienen würde. Ohne dass die Bürger*innen die Möglichkeit hätten, angemessen gehört und beteiligt zu werden. So dürfe es nicht mehr weitergehen. Deshalb bedürfe es einer grundsätzlichen Wende in der Stadt. Seine Rede ist hier nachzulesen: Auftakt_Rede Guenter Strempel

Dass die vielgescholtenen Flensburger Kommunalpolitiker*innen sich mehrheitlich die Chance entgehen ließen, mit den Protestlern ins Gespräch zu kommen, war außerordentlich schade. Es wäre sicherlich ein spannender Dialog geworden. Trotz Einladung an die Ratsfraktionen, bei denen lediglich Arne Rüstemeier von der CDU sich ebenso wie die Grünen, die allerdings nur über ihre Fraktions-Geschäftsführerin, per Mail entschuldigte und eine Absage erteilte, war LINKE-Ratsfrau Gabi Ritter die einzige Kommunalpolitikerin, die den Weg in den Carlisle-Park fand und von der Baum-Aktion besonders angetan war.

LINKE-Ratsfrau Gabi Ritter unterstützt die Kritik und die Forderungen der Protestierenden im Carlisle-Park

Sie unterstützt die Kritik und Forderungen der Aktivisten voll und ganz und zweifelt daran, dass angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise der geplante Hotelneubau am Bahnhof tatsächlich irgendwann realisert werden kann. Sie sieht ebenso keinen Grund ausgerechnet den Bahnhofswald dafür zu opfern.

Sie fordert gleichzeitig ein völlig neues Denken und eine neue Debatte zur zukünftigen Entwicklung Flensburgs. Angesichts der drohenden wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Folgen der Corona-Krise stünden die Stadt Flensburg und die Kommunalpolitiker*innen vor Herausforderungen, die mit einem „Weiter so“ nicht zu bewältigen seien. Das gelte insbesondere für die Stadtplanung, die Kultur- und Bildungseinrichtungen, den Wohnungsbau, städtische Investitionsvorhaben, wie die Verlagerung des Wirtschaftshafens und viele weitere Dinge.
Um das wirklich sozial fair und nachhaltig zu bewältigen, braucht es ganz erheblich mehr Bürgerbeteiligung und Demokratie in der Stadt, so Gabi Ritter.

Fasst man die Kundgebung zusammen, dann war doch sehr überraschend, wie trotz Corona viele Flensburger*innen weiterhin bereit sind, sich mit viel Kreativität, Sachverstand und Engagement in die Politik einzumischen. Bei den Gesprächen mit den Teilnehmer*innen und Gabi Ritter war zudem festzustellen, dass die Sorge um die zukünftige Entwicklung in der Stadt außerordentlich groß ist. Groß ist aber auch das Bedürfnis, die möglichen Probleme und Aufgaben mit den Entscheidungsträgern aus Verwaltung und Politik zu lösen und gemeinsam Handlungsalternativen zu entwickeln. Offensichtlich hat man aber im Rathaus und in den Parteien mehrheitlich nicht begriffen, dass dieses bürgerschaftliche Engagement, das Wissen und die Lebenserfahrung dieser Menschen eine große Ressource sind, die man zur Bewältigung der Krise und ihrer Folgen unbedingt nutzen sollte. Bezieht man die Menschen nicht mit ein, oder agiert mit ihnen nicht fair und auf Augenhöhe, wird es weitere und möglicherweise noch schärfere Konflikte in der Stadt geben.

Zum Abschluss:

Manchmal müssen auch nach der Wende die Dinge noch mal richtig gestellt werden, so der Unterstützer und Musiker Ueze Oldenburg…

Nachtrag

Untenstehend der Bericht über die Aktion von Marc Reese in der Flensborg Avis vom 13.05.2020 Überschrift übersetzt: „Ein toter Baum wird gefüllt mit Leben.“ 

Fridays for Future ruft zur Demonstration am 21. Februar in Flensburg auf

Freitag, 21. Februar 2020 um 10:00
Treffpunkt: Störtebecker Schiffscafe
Hafenspitze

Für den 21.02. ruft die Fridays for Future Bewegung wieder zu Demonstrationen für eine Klimawende auf. Auch die Flensburger Umwelt-Aktivisten beteiligen sich daran. Untenstehend ihr Aufruf:

Seit über einem Jahr wird nun schon regelmäßig in vielen Städten weltweit gestreikt. Kinder, Jugendliche, Eltern, Großeltern – eigentliche alle, die an einer lebenswerten, für uns und unserer Umwelt gerechten, Zukunft interessiert sind. Seit über einem Jahr setzt sich eine ganze Generation intensiv mit der Klimakrise, den laufenden und entstehenden Debatten – den Folgen, Lösungsvorschlägen- und versuchen auseinander und versucht diese lange in den Hintergrund gerückte Thematik auf den ersten Platz der Agenda zu bringen.

Als Antwort der Großen Koalition erhalten wir einen nett gemeinten Versuch, die Wissenschaft ernst zu nehmen, ein Klimapaket, welches sich von dem Pariser Klimaabkommen – das 1,5 Grad Ziel zu erreichen – endgültig abwendet. Kein sogenanntes Maßnahmenpaket.  Für ernstzunehmende Klimapolitik – eine Politik, die wirklich nachhaltig für alle in die Zukunft schaut – vordenkt und handelt!
Und auch für den Klimaschutz in Flensburg heißt das: Abholzung des Bahnhofswalds geht gar nicht!

Also, ab auf die Straße am 21. Februar!
Bringt alle mit!

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#klimagerechtigkeit #climatejustice #fridaysforfuture #NeustartKlima #Klimapaketchen #whatdowewant #climaterevolution #fridaysforfutureflensburg #studentsforfutureflensburg

Mehr Infos zu Fridays for Future Flensburg auch auf Facebook

 

#NeustartKlima – Fridays for Future ruft zum Klimastreik und zur Demonstration am 29.11. in Flensburg auf

Freitag, 29. November 2019 von 11:00 bis 13:00
Treffpunkt: Carlisle Park am Bahnhof

Für den 29.11. ruft die Fridays for Future Bewegung zu ihrem vierten globalen Klimastreik auf. Auch die Flensburger Umwelt-Aktivisten beteiligen sich daran. Untenstehend ihr Aufruf:

Seit über einem Jahr wird nun schon regelmäßig in vielen Städten weltweit gestreikt. Kinder, Jugendliche, Eltern, Großeltern – eigentliche alle, die an einer lebenswerten, für uns und unserer Umwelt gerechten, Zukunft interessiert sind. Seit über einem Jahr setzt sich eine ganze Generation intensiv mit der Klimakrise, den laufenden und entstehenden Debatten – den Folgen, Lösungsvorschlägen- und versuchen auseinander und versucht diese lange in den Hintergrund gerückte Thematik auf den ersten Platz der Agenda zu bringen.

Als Antwort der Großen Koalition erhalten wir einen nett gemeinten Versuch, die Wissenschaft ernst zu nehmen, ein Klimapaket, welches sich von dem Pariser Klimaabkommen – das 1,5 Grad Ziel zu erreichen – endgültig abwendet. Kein sogenanntes Maßnahmenpaket. Ein Scherz. Deswegen hören wir nicht auf laut zu sein! Am Freitag den 29.11.19 gehen wir wieder weltweit auf die Straße und demonstrieren für Klimapolitik. Für ernstzunehmende Klimapolitik – eine Politik, die wirklich nachhaltig für alle in die Zukunft schaut – vordenkt und handelt!
Also, ab auf die Straße am 29.!
Bringt alle mit!

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Aufgrund verschiedener vorweihnachtlicher Traditionen und Vergnügungsinstallationen müssen wir den Start der Demo an einen etwas dezentraleren Ort als sonst verlegen – daher Treffpunkt um 11:00 Uhr am Carlisle Park (das ist der, der auf dem Weg zum Bahnhof liegt).

Ciao Kakao und bis Freitag!

#klimagerechtigkeit #climatejustice #fridaysforfuture #NeustartKlima #Klimapaketchen #whatdowewant #climaterevolution #fridaysforfutureflensburg #studentsforfutureflensburg

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