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Flensburger Beteiligung am Mietenmove – Info- und Diskussionsveranstaltung am 27.05.2018 im Flensburger Kulturcafé Tableau

Gegen Wohnungsnot, Mietenwucher und Gentrifizierung – Flensburg braucht bezahlbare Wohnungen für alle!

Aufgrund der verheerenden Wohnraumpolitik in Hamburg organisieren mehrere Mieter- und Stadtteilinitiativen eine Großdemo für den 2. Juni (http://mietenmove.org). Auch FlensburgerInnen wollen sich daran beteiligen.

Ihnen ist es nicht nur wichtig dabei zu sein und mitzuhelfen den Druck auf den SPD-Grüne-Senat und die Spekulanten zu erhöhen, sondern sie wollen hierzu aktiv mobilisieren und mit allen interessierten FlensburgerInnen in den Dialog kommen.

Die Beteiligung an der Demo soll gleichzeitig Anlass sein, auch die Wohnungsnot in Flensburg, die steigenden Mieten und die Gefahr der Gentrifizierung ganzer Stadtviertel verstärkt zum Thema der politischen Diskussion, des gemeinsamen Protests und Handelns zu machen. Ebenso will man dazu beitragen, die Vernetzung bereits bestehender Initiativen in Flensburg und darüber hinaus zu verbessern.

Deshalb laden die Initiatoren ein zu einer

Info- und Diskussionsveranstaltung
am Sonntag, 27. Mai um 15 Uhr
im Tableau in der Kurzen Str. 1

Dort wird es umfangreiche Infos zur Demo in Hamburg, zur Wohnraumpolitik und zur Situation in Flensburg geben. In zwei Impulsreferaten werden die Positionen der SAV (www.sozialismus.info) zur Wohnraumpolitik vorgestellt, anschließend wird Jörg Pepmeyer vom Arbeitskreis Kommunalpolitik die aktuelle Wohnungssituation und Konfliktlinien der wohnraumpolitischen Debatte und die Positionen der Parteien hierzu in Flensburg schildern.

Danach wird es eine Diskussion mit allen Gästen geben, was in Flensburg zu tun ist, welche Forderungen sich z. B. an die KommunalpolitikerInnen und Parteien in Flensburg ableiten lassen und was sich hier vor Ort (und in der Region) zukünftig verändern muss. Welche Alternativen bieten sich zum privaten und profitorientierten Mietwohnungsbau von Investoren und Immobilienspekulanten an? Und wie können Mieterinnen und Mieter sich gemeinsam gegen Gentrifizierung und die Vertreibung aus ihren Wohnquartieren wehren?

Veranstalter: SAV Flensburg – Sozialistische Alternative (www.sozialismus.info) und AKOPOL – Arbeitskreis Kommunalpolitik in Flensburg (https://akopol.wordpress.com)

Zum Thema auch der AKOPOL-Beitrag: „Die Wohnungsnot ist politisch gemacht worden“ – Auch in Flensburg unter: https://akopol.wordpress.com/2017/08/05/die-wohnungsnot-ist-politisch-gemacht-worden-auch-in-flensburg/

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Flensburgerin Beate Clasen-Liebers veröffentlicht ihren neuen Roman „Der Sommer, der eine Stadt veränderte“

Filz, Intrigen und Profite – Ein Roman nicht weit weg von der Flensburger Wirklichkeit

Die auch dem Arbeitskreis Kommunalpolitik freundschaftlich verbundene Aktivistin und zivilgesellschaftliche Akteurin Beate Clasen-Liebers hat mit „Der Sommer, der eine Stadt veränderte“ einen außerordentlicht spannenden Roman veröffentlicht. Ähnlichkeiten mit Flensburg sind nicht rein zufällig.

Das meint Manfred Enderle, Deutsche Literaturgesellschaft zum neuen Roman von Beate Clasen-Liebers:

Gleich zu Beginn möchte ich auf die hervorragenden Kenntnisse der Autorin in Bezug auf kommunale, finanzielle, soziale und politische Gegebenheiten und Zusammenhänge hinweisen!! Der Text erscheint sehr authentisch und die Autorin hat bewundernswerte epische Fähigkeiten!
Dieser Tatsachenroman (?) bricht vor allem eine Lanze für Normalbürger, für die Schwachen, Kranken, Obdachlosen und Gestrauchelten. Das ist wohl das löblichste an diesem Opus magnum und vermutlich auch die Intention der Autorin.
Nachfolgend einige Passagen bzw. Statements, die herausragen:
Die Apothekerin Frau Kurz, die man als Protagonistin bezeichnen kann, muss sich mit der aufwendigen und immer stärker zunehmenden Bürokratie im Gesundheitswesen abmühen.
Sie ist auch politisch sehr interessiert und kämpft mit Gesinnungsgenossen gegen die Privatisierung eines kommunalen Heizkraftwerkes, die einem Investoren-Konsortium eine hohe Rendite verspricht.
Es geht, wie üblich, um Gewinnmaximierung und Immobilien-Deals, die ein Investoren-Clan realisieren möchte.
Weiter gibt es einen Konflikt zwischen der Johannes-Gemeinde und der Ansgar-Gemeinde
Der beliebte Pastor Frank Volkert (Johannes-Gemeinde) hat den einflussreichen Propst Christiansen (Ansgar-Gemeinde) gegen sich. Dieser Propst umgibt sich gerne mit den Betuchten, lässt sich von ihnen hofieren und unterstützt sogar deren zwielichtige Geschäfte. Seit Jahren macht er der Johannes-Gemeinde das Leben schwer, verhindert Aktivitäten, die zum Beispiel die Jugendlichen und die Arbeitslosen fördern könnten (u. a. Methadon-Projekt).
„Seit Jahrzehnten bestimmen wenige Personen, was in der Stadt geschehen soll und was nicht. Die meisten von ihnen sitzen im Rat. Und der Rest gehört zu der oberen Klasse, wie Unternehmer Hossel, Immobilienmakler Denker, Möbelhausbesitzer Fescher, Fabrikant Kruskowski, aber auch Bankdirektor Klebe. Und eben die Hauptakteure, die Investmentbanker, die sogenannten Finanzdienstleister Emmerding und Sibbert. Diese üben Einfluss auf die politischen Vertreter aus. Entsprechende Personen in der Stadtverwaltung sind dabei behilflich.
Auch das Gebäude der beliebten Musikschule soll verkauft werden, weil man an der Stelle ein gewinnträchtiges Vier-Sternehotel bauen will.
Zur Durchsetzung ihrer Interessen schrecken die Geldgierigen auch nicht vor einem Überfall auf den beliebten und in sozialen Belangen äußerst engagierten Pastor Volkert zurück. Er wird schwer verletzt und liegt kurze Zeit im Koma. In diesem Zusammenhang kommt auch der Bankdirektor Klebe ums Leben.
Ein Whistleblower wird gebrandmarkt, obwohl er zur Klärung einiger unzumutbarer Sauereien beigetragen hatte. Er konnte es mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, dass eine bestimmte Clique wieder einmal auf Kosten der Bürger Kasse machen wollte.
Die Staatsanwaltschaft konstatiert, dass es hier ein enges Netzwerk gibt, dass sich konsequent auf Kosten der Bürger der Stadt bereichert, in enger Zusammenarbeit mit einigen Mitarbeitern der Verwaltung, insbesondere mit dem Mitarbeiter Greiter, der bestochen wurde.
Mindestens einer der involvierten Unternehmer verschiebt Millionen auf ein Schließfach in Panama. Steuerhinterziehung! Es handelt sich dabei um den forschen Arbeitgebertyp Kruskowski, der nur seine eigene Gewinnmaximierung im Kopf hat. Ein Interesse oder gar eine Empathie für seine Mitarbeiter ist in seinem Menschenbild nicht vorhanden.
Auf sein Konto geht auch das trostlose Schicksal des fast zu Tode gekommenen Dennis Forster. In diesem Zusammenhang kann man den bürokratischen Wust der Arbeits- und Sozialämter kennenlernen.
Der Fall Dennis Foster zeigt auch, wie unmenschlich das System sich entwickelt hat und dass es dadurch potenziert wird, dass bestimmte Menschen sich als Elite verstehen, sich als Herrscher aufspielen und meinen, sich über alle moralischen Normen hinwegsetzen zu können.der-sommer-der-eine-stadt-veraenderte

Keine Beschnüffelung der BürgerInnen im Internet – AKOPOL fordert Flensburger BundestagskandidatInnen zur Stellungnahme auf

Unsere Demokratie und die Bürgerrechte in ernster Gefahr

Die MitstreiterInnen des Arbeitskreises Kommunalpolitik halten den derzeitigen Skandal zur Totalüberwachung der deutschen und somit auch Flensburger Internetnutzer für unglaublich und ebenso für ein Thema, das sehr wohl auch in Flensburg von besonderer Relevanz ist und in unserer Stadt breit und öffentlich diskutiert werden sollte. Wie stehen insbesondere die Flensburger VertreterInnen der zum Bundestag kandidierenden Parteien und die BundestagskandidatInnen hierzu und wie wollen sie die Rechte der BürgerInnen, der politischen und zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit entsprechend der Verfassung zukünftig vor derartigen Übergriffen schützen? Diese Frage würden wir gerne von ihnen im kommenden Bundestagswahlkampf  eindeutig und klar beantwortet haben. Wir sind ebenso der Überzeugung, dass die derzeitige Praxis der deutschen Geheimdienste und das Verhalten der Bundesregierung den Kern unserer Demokratie und der durch die Verfassung garantierten Bürgerrechte nachhaltig beschädigt und aushebelt. Wir sind nicht bereit, das hinzunehmen.

Hierzu empfehlen wir zum Lesen die ausgezeichnete Kolumne von Jakob Augstein auf SPIEGEL-Online S.P.O.N. – Im Zweifel links: Merkel lässt die Deutschen im Stich unter: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-angela-merkel-und-den-spionage-skandal-a-911146.html

Totalüberwachung der deutschen InternetnutzerInnen und Bruch der Verfassung

Es ist schon erstaunlich: Innenminister Friedrich und Bundeskanzlerin Merkel wissen angeblich von nichts, während sich deutsche Staatschutzbehörden und Geheimdienste seit Jahren amerikanischer Schnüffelsoftware bedienen und eng mit den US-Behörden zusammenarbeiten. Was wird in den nächsten Tagen und Wochen noch herauskommen?

Hierzu schreibt SPIEGEL-Online:
„Das System „XKeyscore“ ist einer internen NSA-Präsentation vom Februar 2008 zufolge ein ergiebiges Spionagewerkzeug und ermöglicht annähernd die digitale Totalüberwachung. Ausgehend von Verbindungsdaten („Metadaten“) lässt sich darüber beispielsweise rückwirkend sichtbar machen, welche Stichworte Zielpersonen in Suchmaschinen eingegeben haben. Zudem ist das System in der Lage, für mehrere Tage einen „full take“ aller ungefilterten Daten aufzunehmen – also neben den Verbindungsdaten auch zumindest teilweise Kommunikationsinhalte.“ Weiterlesen auf SPIEGEL-Online: Schnüffelsoftware „XKeyscore“: Deutsche Geheimdienste setzen US-Spähprogramm ein unter: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bnd-und-bfv-setzen-nsa-spaehprogramm-xkeyscore-ein-a-912196.html

So funktioniert das auch von den deutschen Sicherheitsbehörden genutzte Überwachungssystem XKeyscore. SPIEGEL-Online vom 21.7.2013: Spähsystem XKeyscore: Ergiebiges Spionagewerkzeug Deutsche Geheimdienste nutzen nach Informationen des SPIEGEL das NSA-System XKeyscore – das hat Verfassungsschutz-Präsident Maaßen nun bestätigt. Folien aus dem Fundus von Edward Snowden zeigen, wie ergiebig dieses Werkzeug ist. Weiterlesen unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/xkeyscore-spionagewerkzeug-wird-von-bnd-und-bfv-genutzt-a-912260.html

Flensburger Ratschlag – Treffen des neuen kommunalpolitischen Forums am 18.10.2012 im Feuerstein, Flensburg

Einladung zum ersten

„Flensburger Ratschlag“

am Donnerstag, den 18. Oktober um 19:00 Uhr
im Restaurant „Feuerstein“, Norderstr. 98 – 101

Anlässlich einer Veranstaltung des Arbeitskreises Kommunalpolitik in Flensburg zum Thema „Kommunalwahl 2013 – Was tun? Perspektiven und Alternativen kommunaler Politik in Flensburg“ trafen sich vor vier Wochen zahlreiche Mitglieder verschiedener politischer Gruppen, Parteien und Basisinitiativen zu einem Gedankenaustausch und einer außerordentlich spannenden Diskussion.

Im Ergebnis war man sich einig, dass es einer besseren politischen Vernetzung der im Kommunalparlament und in den Parteien engagierten Menschen mit denjenigen bedarf, die in den zivilgesellschaftlichen, „außerparlamentarischen“ Verbänden, Vereinen, Gruppen und Initiativen tätig sind. Ebenso wurde konstatiert, dass sich nicht nur in Flensburg die kommunale Demokratie in einer Krise befinde, die zwar verschiedene Ursachen habe, aber letztlich bedeute, dass sich weiterhin immer weniger Bürger aktiv am kommunalpolitischen Prozess beteiligen. Einhergehend damit würden die demokratischen Institutionen und ihre Akteure in der Ratsversammlung und den Ausschüssen auch aufgrund zahlreicher politischer Baustellen zunehmend an Glaubwürdigkeit und Zustimmung in der Bevölkerung einbüßen.
Für die nächste Kommunalwahl, so der einhellige Tenor, sei daher mit einem weiteren Rückgang der Wahlbeteiligung zu rechnen, was die Legitimationsbasis der demokratischen Institutionen und die kommunale Demokratie noch mehr schwächen würde. Umso wichtiger sei es, diesem Trend aktiv, zivilgesellschaftlich und politisch entgegen zu wirken.
Deshalb kamen die TeilnehmerInnen des Treffens überein, sich regelmäßig einmal im Monat zu treffen, um über kommunalpolitische Probleme und Themen zu diskutieren sowie darüber, wie man die kommunale Demokratie in Flensburg auch ganz praktisch stärken und mit mehr Leben ausfüllen könne.

Der „Flensburger Ratschlag“ soll daher als überparteiliches und weltanschaulich unabhängiges Diskussionsforum allen politisch Interessierten und Kommunalpolitikern offen stehen und die Möglichkeit schaffen, im direkten Informations- und Meinungsaustausch themengeleitet und konsensorientiert neue Ideen und Strategien nicht nur für die Stärkung der kommunalen Demokratie in Flensburg zu entwickeln.

i. A. Jörg Pepmeyer

Mehr Demokratie e. V. in Karlsruhe: Bericht über die Verhandlung des Eilantrages zu ESM und Fiskalpakt vor dem Bundesverfassungsgericht

Absolutes Novum: Verfassungsgericht setzt mündliche Verhandlung für Eilantrag an 

Da auch MitstreiterInnen des Arbeitskreises Kommunalpolitik die Verfassungsklage von Mehr Demokratie e. V. gegen den ESM und Fiskalpakt unterstützen, bzw. Kläger sind, möchten wird den untenstehenden Bericht von Roman Huber (Geschäftsführender Vorstand Mehr Demokratie e.V.) von der Verhandlung am letzten Dienstag allen Interessierten zum Lesen wärmstens ans Herz legen:

Das war für mich der spannendste Tag in diesem Jahr. Verhandelt wurde in Karlsruhe vor dem Bundesverfassungsgericht unser Eilantrag zu ESM und Fiskalpakt. Allein dieser Fakt ist bereits einer unserer politischen Erfolge. Denn bisher wurde noch nie zu einem Eilantrag eine mündliche Verhandlung angesetzt. Anders am Dienstag. Aufgerufen waren die Bevollmächtigten der fünf Klagen sowie Vertreter von Bundestag und Bundesregierung. Es gab rund 100 Redebeiträge. Anwesend war auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Verhandelt wurde von Vormittag an bis 20.30 Uhr. Eine würdige, hoch konzentrierte Veranstaltung. Jeder Beschwerdeführer und Bevollmächtigte konnte mehrfach zu Wort kommen und es gab keinerlei Redebegrenzungen. Uns haben die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin und der Staatsrechtsprofessor Christoph Degenhart engagiert vertreten. Ich bin sehr dankbar für diese profunde Begleitung.

Prof. Peter Danckert, Mitglied des Bundestages (SPD), einer unserer Beschwerdeführer berichtete davon, wie gerade heute Nacht Finanzminister Schäuble zusammen mit den anderen Finanzministern 30 Mrd. Euro für Spanien beschlossen hatte. Er fragte das Gericht: „Sie glauben doch wohl nicht, dass wir darüber auch nur eine Minute im Bundestag beraten haben. Was sollen wir denn in 4-5 Wochen, wenn das in den Bundestag kommt, machen, als nur zustimmen?“ Und Manfred Kolbe, ebenfalls Bundestagsabgeordneter (CDU) setze hinzu: „Ich kann doch nicht jedes Mal meine eigene Regierung in Frage stellen, wenn ich über Finanzhilfen entscheide. Das System funktioniert so nicht.“

Dies zeigt, wie richtig wir mit unseren Hauptargumentation liegen: Warum auch sollten wir den Bundestag wählen, wenn er immer weniger zu sagen und zu entscheiden hat?! Genau darauf hat sich der Bundestag schon eingestellt. Prof. Martin Nettesheim hat die komplett überarbeiteten Beteiligungsrechte des Bundestags sehr präzise dargestellt. Dies dürfen wir als wichtigen Vorerfolg unserer Beschwerde werten. Das Eigeninteresse des Bundestages, sich nicht selbst zu entmachten, scheint erwacht. Gut so.

Von Seiten der Bundesregierung und von Teilen des Bundestags wurde ein Szenario gezeichnet, das bis zum Zusammenbruch des Währungsraumes reichte, falls der ESM jetzt nicht in Kraft tritt. Das hat das Gericht nach meiner Wahrnehmung nicht allzu sehr beeindruckt. Andererseits wollte Präsident Voßkuhle aber auch keine Schlagzeilen produzieren wie „Gericht stoppt Euro-Rettung“ – mit all seinen möglichen, teilweise irrationalen Folgewirkungen auf den Märkten.

Die Position der Gegenseite war, dass Karlsruhe sowohl ESM und Fiskalvertrag passieren lassen, so dass sie sofort verabschiedet werden können. Schäuble bat das Gericht am Ende der Verhandlung noch einmal explizit in 2-3 Wochen zu entscheiden und unsere Eilanträge abzulehnen. Das wird das Gericht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht tun. Das ist genauso ein Erfolg wie die breite Debatte in den Medien, die wir mit der Klage ausgelöst haben.

Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Herzlich grüßt Sie
Roman Huber
Geschäftsführender Vorstand Mehr Demokratie e.V.

P.S.: Die Verfassungsbeschwerde im Wortlaut finden Sie hier: http://www.verfassungsbeschwerde.eu/

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Impressum

Kontaktadresse
Mehr Demokratie e.V.
Roman Huber
roman.huber@mehr-demokratie.de
Tempelhof 3
74594 Kreßberg

ÖPP (oder auch PPP) – Das Märchen von der hilfreichen Heuschrecke

Zum Schaden der Kommunen – Zum Nutzen der Investoren und Banken

Dass sog. Öfentlich-private Partnerschaften (ÖPP oder auch Private Public Partnership) für die beteiligten Kommunen mit enormen Risiken behaftet und vor allem ein Riesengeschäft für die privaten Investoren und Banken sind, hat schon Werner Rügemer in seinem Buch „Heuschrecken im öffentlichen Raum“ ausführlich beschrieben. Auch der Arbeitskreis Kommunalpolitik hatte bereits schon vor drei Jahren sehr eindringlich in einem Leserbrief in der Flensborg Avis vor dem Schwimmbad-Deal gewarnt und eine Sanierung des alten Hallenbades als preiswertere Lösung favorisiert. Zwar sind die Zahlen in dem eben genannten Leserbrief vom 11. April 2008 natürlich nicht mehr ganz aktuell bzw. zum Teil überholt, aber zumindest ist das dort beschrieben Strickmuster solcher ÖPP-Geschäfte immer noch gültig.

Dass es derzeit in Schleswig-Holstein ein Überangebot an Freizeitbädern gibt, aber trotzdem weiterhin neue Bäder geplant werden, hat die Landesregierung bewogen, eine „Expertise zur Bewertung der Versorgungs- und Konkurrenzsituation Schleswig-Holsteins mit Freizeitbädern“ in Auftrag zu geben, deren Ergebnisse am 15. Juli 2010 veröffentlicht wurden und eindeutig sind: jährliche  Besucherzahlen von 200.000 für das Flensburger Campus-Bad sind demnach kaum zu erwarten. Die braucht Campus-Bad-Betreiber Wolfgang Tober aber mindestens, sonst macht er Miese. Insbesondere eine NDR-Fernseh-Dokumentation aus dem letzten Jahr, wie aber auch die sehr gut gemachte Internet-Seite www.tropenbad.de dokumentieren kritisch und umfänglich den Bäder-Größenwahn nicht nur in Schleswig-Holstein.

Untenstehend nun Internet-Links mit umfangreichen Informationen zum Thema und daran anschließend der eben angesprochene AKOPOL-Leserbrief in der Flensborg Avis.

Expertise zur Bewertung der Versorgungs- und Konkurrenzsituation Schleswig-Holsteins mit Freizeitbädern (Kurzfassung) vom 15. Juli 2010, kurz „Bädergutachten“ unter: baedergutachten

NDR-Fernseh-Dokumentation: Kommunen im Größenwahn unter: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/videos/minuten161.html

Ferienresorts, Erlebnisbäder, Einkaufszentren – eine Millionen-Abzocke? unter: http://www.tropenbad.de/

Interview mit Werner Rügemer zu ÖPP in Telepolis unter: http://www.heise.de/tp/artikel/28/28125/1.html

Ausführliche Informationen zu ÖPP bzw. PPP, ihre Risiken  und Nebenwirkungen auf der Seite der AG Privatisierung von attac unter: http://ppp-irrweg.de/

Flensborg Avis vom 11.04.2008:

37,5 Mio. Euro für das Hallenbad?

Jörg Pepmeyer, Flensburg / Arbeitskreis Kommunalpolitik

Nicht nachvollziehbar ist die Entscheidung der Stadt Flensburg und der Ratsversammlung, auf dem Campus-Gelände ein kombiniertes Sport- und Freizeitbad im Rahmen einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) mit einem Privatinvestor, der Commerzbank-Tochter Commerz Real AG, zu bauen. Offensichtlich kennt die Mehrheit der Ratsmitglieder nicht mal mehr ihren Beschluss vom letzten Jahr, in dem sie sich zwar für den Neubau eines Hallenbades aussprach, aber ebenso den Kostenrahmen vorgab. So hieß es, bei einem Neubau und Betrieb eines Hallenbades im Rahmen eines ÖPP-Projektes, sollten sich die Aufwendungen der Stadt am aktuellen Betriebskostenzuschuss für das bestehende Hallenbad von 600.000 Euro jährlich orientieren.

Davon ist nicht mehr die Rede. Nun soll der städtische Betriebskostenzuschuss sogar im Rahmen des kürzlich beschlossenen Projektes auf 1,5 Mio. Euro jährlich steigen! Somit zahlt die Stadt Flensburg dem Investor, also der Commerz Real AG, bei einer Vertragsdauer von 25 Jahren insgesamt 37,5 Mio. Euro. Das ist mehr als das Zweieinhalbfache der geplanten Baukosten von 14 Mio. Euro! Vorab der Betriebskosten, Besuchererlöse und Einnahmen aus dem Wellness- und Gastronomiebereich, hat der Investor somit sein Risiko mit einer Kapitalrendite von etwa 11% p. A. weitestgehend abgesichert! Gibt es zudem noch öffentliche Fördermittel, wird das ganze Geschäft sogar noch lukrativer für ihn.

Andererseits ist die Stadt damit noch nicht aus dem Schneider, denn die Kalkulationsgrundlage für den kostendeckenden Betrieb des neuen Bades sind 200.000 Besucher jährlich. Das Glücksburger „Spaßbad“, die Fördeland-Therme, schreibt erst bei einer Jahresquote von 250.000 Besuchern schwarze Zahlen und ist davon noch meilenweit entfernt. Eine jährliche Besucherzahl von 450.000 für beide Bäder anzunehmen (im Abstand von nicht einmal acht Kilometern) ist aber schlichtweg illusorisch. Voraussehbar werden beide Hallenbäder Verluste einfahren, für die aufgrund vertraglicher Vereinbarungen mit der Gemeinde Glücksburg die Stadt Flensburg doppelt geradestehen muss.

Die Betreiber des neuen Campus-Bades haben zudem eine Preisstruktur vorgestellt, die im Schnitt einer Preis-Erhöhung von ca. 35% entspricht, zieht man die Eintrittspreise des jetzigen Hallenbades zum Vergleich heran. Auch das lässt sich mit dem Ratsbeschluss vom letzten Jahr nicht vereinbaren.

Stutzig macht in diesem Zusammenhang, dass die umfassende Modernisierung und Sanierung des alten Hallenbades nach Angaben städtischer Finanzexperten mit 1,2 Mio. Euro jährlich zu Buche schlagen würde (wobei die tatsächliche Investitionssumme nicht genannt wurde). Das ist auf die Laufzeit des angedachten ÖPP-Vertrages gerechnet, immerhin eine Ersparnis von 7 Mio. Euro oder 300.000 Euro jährlich.

Warum man sich bei der Stadt und in der Ratsversammlung im Rahmen dieser Variante nicht entschieden hat, einen Hallenbad-Neubau alleine zu realisieren, ist angesichts der städtischen Schuldenlast völlig unverständlich. Denn es macht sicherlich keinen Sinn, ein überdimensioniertes und gegen alle finanzielle Vernunft sprechendes Hallenbad zu bauen, bei dem offensichtlich der Investor den größten Nuzten hat. Wie das im Zweifelsfall enden kann, zeigt exemplarisch das Scheitern eines ähnlichen Projektes auf Sylt. Übrigens unter der Beteiligung des gleichen Investors, der am Bau und Betrieb der Glücksburger „Fördeland-Therme“ beteiligt ist.

Mehr AKOPOL-Artikel zum Thema Campusbad und ÖPP auch unter: https://akopol.wordpress.com/category/campus-bad/ und https://akopol.wordpress.com/category/campusbad/

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