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Mehr als 20.000 Pflegende haben die Wahl

Der Pflegestützpunkt informiert!

Informationsveranstaltung zur Pflegeberufekammer am 25.1.2018

Flensburg. Der Pflegestützpunkt in der Stadt Flensburg lädt alle im Pflegebereich tätigen Fachkräfte sowie Interessierte zu einer Informationsveranstaltung zur Pflegeberufekammer am Donnerstag, 25. Januar um 15 Uhr im Europaraum (Ebene E) des Flensburger Rathauses ein.

Am 21. April wird die erste Kammerversammlung für Pflegefachpersonen in Schleswig-Holstein an den Start gehen. Bis es soweit ist haben im März über 20.000 registrierte Pflegefachpersonen (Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege) die Wahl, wen sie in der Pflegeberufekammer als ihre Vertreterinnen und Vertreter einsetzen wollen.

Die Kammerversammlung ist das Entscheidungsorgan der neuen Heilberufekammer für Pflegende, nach Rheinland-Pfalz die zweite in Deutschland. Sie besteht aus 40 gewählten Vertreterinnen und Vertretern und bestimmt, wie die Kammer ihre eigenen und die gesetzlichen Aufgaben ausführt. Sie entscheidet beispielsweise, wie die Berufsordnung geregelt wird, welche Fort- und Weiterbildungsregelungen es geben wird und auch darüber, was die Kammer unternehmen soll, um die Arbeitsbedingungen für Pflegende zu verbessern. Die Mitglieder der Kammerversammlung sind ausschließlich Pflegefachpersonen, die weiterhin ihren Pflegeberuf ausüben und ihr Mandat ehrenamtlich wahrnehmen.

Jetzt ist das Wahlausschreiben zur Wahl der 1. Kammerversammlung der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein veröffentlicht worden (www.pflegeberufekammer-sh.de).

Alle Pflegefachpersonen, die sich bis zum 30. November 2017 beim Errichtungsausschuss registriert hatten, sind wahlberechtigt. Das heißt auch, sie haben die Möglichkeit zu kandidieren und dafür eine Liste aufzustellen.

„Jede Stimme zählt!“ betont Patricia Drube, Vorsitzende des Errichtungsausschusses. „Egal ob jemand im Funktionsbereich arbeitet oder im ambulanten Pflegedienst, ob in der Leitung, der Lehre oder der direkten Pflege tätig, ob mit oder ohne Weiterbildung oder akademischer Qualifikation – in der Kammerversammlung haben alle den gleichen Status.“

Alle Mitglieder der Kammerversammlung sind gewählte Vertreterinnen und Vertreter unserer Berufsgruppe. Durch die Beteiligung an der Wahl bestimmen Pflegende, wem Sie das Mandat geben, sie zu vertreten.

„Personen, die sich für eine Kandidatur interessieren, insbesondere diejenigen, die keinem Berufsverband und keiner Gewerkschaft angehören, stehen vor der Herausforderung, Mitstreiter zu finden, um gemeinsam eine Kandidatenliste zu bilden“, ergänzt Drube. „Allerdings verhält sich der Errichtungsausschuss in Sachen Wahl absolut neutral. Wer sich zur Wahl stellen will und eine Wahlliste besetzen möchte, kann das über Aushänge, soziale Netzwerke oder auch Organisationen wie Berufsverbände, Gewerkschaften oder den Landespflegerat organisieren.“

Hintergrund

Im Juli 2015 wurde das Pflegeberufekammergesetz vom Schleswig-Holsteinischen Landtag verabschiedet.

Der vom Gesundheitsministerium berufene, ehrenamtliche Errichtungsausschuss hat im Januar 2016 seine Arbeit in Neumünster aufgenommen. Seine Kernaufgaben sind die Vorbereitung und Durchführung der ersten Kammerwahl, aus denen die erste gewählte Kammerversammlung hervorgehen wird.

Die im Aufbau befindliche Pflegeberufekammer wird eine berufsständische Kammer aller in Schleswig-Holstein tätigen Pflegefachpersonen, vergleichbar mit anderen Heilberufekammern wie z.B. der Ärztekammer.

Mit voraussichtlich mehr als 28.000 Mitgliedern wird sie in Schleswig-Holstein die größte Kammer im Gesundheitswesen sein und die Pflegeberufe in allen ihre Berufsausübung betreffenden Angelegenheiten vertreten.

Über den aktuellen Stand und die kommenden Schritte wird Frau Maria Lausen als Mitglied des Errichtungsausschusses am 25.1.2018 ab 15.00 Uhr im Rathaus in Flensburg im Europaraum berichten. Beruflich Pflegende und Interessierte sind herzlich eingeladen.

Kontakt:
Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein (KöR)
Errichtungsausschuss
Fabrikstr. 21
24534 Neumünster

04321 755 2301
info@pflegeberufekammer-sh.de

Vorsitzende
Patricia Drube

Stellv. Vorsitzender
Frank Vilsmeier

Für Gottes- statt für Tariflohn – Ein Buchtipp nicht nur für alle Ehrenamtler in Flensburg

Gisela Notz enttarnt „Freiwilligendienste“ und „Ehrenämter“

Im 19. Jahrhundert fühlten sich wohlhabende Damen zu karikativem Tun für die Ärmsten berufen und halfen für Gotteslohn in der Suppenküche. Heutzutage beköstigen Ehrenamtler/innen an bundesweit mehr als 900 „Tafeln“ Arme, Arbeits- und Obdachlose und nennen dieses Almosen „bürgerschaftliches Engagement“. Hier wie dort gab und gibt es ein „Oben“ und „Unten“, kein politisches Aufbegehren und Hinterfragen gesellschaftlicher Strukturen, kein Reicher wird ärmer, kein Armer reicher, und der Staat freut sich über kostenlose Versorgung, für die eigentlich er zuständig wäre.
In der Altenpflege werden in dramatischem Umfang tariflich bezahlte Stellen eingespart, mit einem Taschengeld abgespeiste „Freiwillige“ des Bundesfreiwilligendienstes ersetzen sie. Die Soziologin Gisela Notz gießt mit ihrem Essay über Gratisarbeit Öl ins Feuer der zahllosen Kampagnen für mehr „bürgerschaftliches Engagement“. Sie urteilt: „Staat und Wohlfahrtsverbände suchen nach Lösungen, um FreiwilligendiesnteKosten zu sparen, vor allem Personalkosten. Viele Menschen, vor allem Frauen, nehmen den Freiwilligendienst‘ an, weil ihnen nichts anderes übrigbleibt. Es wurde ein neues Arbeitsmarktsegment geschaffen, das weder an Mindestlöhne noch an Tarifverhandlungen noch an Existenzsicherung gebunden ist. Es besteht die Gefahr, dass die soziale Grundversorgung wesentlich durch eine zu Niedrigstlöhnen beschäftigte Randbelegschaft aus ‚Freiwilligen‘ unterstützt wird, die nun nicht mehr unbezahlbar, sondern ganz wenig Wert ist.“
Die Feministin Notz weist in einem historischen Überblick zudem nach, dass die staatliche Propaganda für „Ehrenamt“, „freiwilliges Engagement“, „zivilgesellschaftliches Engagement“ oder „Volonteering“ jeweils in Zeiten von Krisen stark anschwillt – sei es nach Kriegen, sei es in der Bundesrepublik seit dem Abbau des Sozialstaates. Wo sich der Wohlfahrtsstaat aus der Verantwortung spart, soll „brachliegendes Potenzial“ von Engagementwilligen ausgeschöpft werden – die lieber einer Erwerbsarbeit nachgingen.
Im Begriff „bürgerschaftliches Engagement“ erscheint „der Bürger“ geschlechtsneutral, während Gratisarbeit die Rollenverteilung des „normalen“ Lebens zementiert: Männer besetzen ehrenamtlich Vereins- und Verbandsvorstände, Frauen organisieren das kirchliche Seniorenzentrum. Sie sollen für die „Ehre“ tun, was sie ohnehin „freiwillig“ tun: pflegen, sorgen, erziehen. Wissenschaftlerin Notz teilt, verständlich und überzeugend argumentierend, auch nicht den Jubel über Engagement mit „visionärem Glanz“: die meist geringfügig mit Schattenlöhnen bezahlte Arbeit in Non-Profit-Organisationen und der „sozialen Ökonomie“.
Gisela Notz‘ kluges Buch ist wichtig, weil es die Begeisterung über „freiwilliges“ Engagement politisch einordnet.

Ulla Lessmann in ver.di News Nr. 5 /2013

„FREIWILLIGENDIENSTE“ FÜR ALLE, Gisela Notz: Von der ehrenamtlichen Tätigkeit zur Prekarisierung der „freiwilligen“ Arbeit, AG Spak-Bücher, Neu-Ulm 2012, 122 Seiten, 10 Euro, ISBN 978-3940865281

Dieser Beitrag wurde uns dankenswerterweise von der Autorin Ulla Lessmann und der Redaktion von ver.di News zur Verfügung gestellt. Siehe ver.di News Nr. 5 vom 30.3.2013

Mehr auch auf: www.verdi-news.dewww.verdi-publik.de und www.verdi.de

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