Archiv der Kategorie: Bahnhofswald

Mit Vollgas in die Klimakatastrophe

DIE LINKE zur drohenden Vernichtung des Bahnhofswalds in Flensburg:

Zum Klimaschutz gehört eben auch der Erhalt eines kleinen Waldes. Am Montag den 18.01. soll der Bahnhofswald in unserer Stadt geräumt werden, eine Rodung ist dann nur noch eine Frage der Zeit.

LINKE-Ratsfrau Gabriele Ritter

„Ein einzigartiges innerstädtisches Biotop soll unwiederbringlich verschwinden, obwohl nachweislich geschützte Arten hier einen Lebensraum gefunden haben. Das Risiko für die Fauna ist aus ökologischer Sicht nicht vertretbar. Auch die Ersatzpflanzungen sind kein Argument, denn gegen den Klimawandel kann man immer etwas tun und es bleibt dabei, dass  innerstädtischer Wald hier für immer verloren geht!“ so Luca Grimminger  der Kreisvorsitzende der DIE.LINKE Flensburg.

„Es ist für mich unverständlich, dass die Stadt hat die Baugenehmigung für das Bahnhofshotel am Donnerstag erteilt hat, obwohl der Widerspruch des BUND gegen die Waldumwidmung noch nicht abschließend behandelt  worden ist.“ sagt Gabriele Ritter, Ratsfrau der Fraktion DIE.LINKE Flensburg. „Dieser Schritt macht mehr als deutlich, dass die Profitinteressen von Investoren offensichtlich mehr wiegen, als die Interessen der Bürger*innen an einer lebenswerten Stadt. Dass schon  wieder Hundertschaften der Polizei auf die Stadt zurollen, ist unfassbar.“

„Bei dem Konflikt um den Bahnhofswald geht es um viel mehr als den  Schutz des Biotops. Es geht darum, ob wir es endlich wagen, unsere  Gesellschaft zukunftsfähig zu gestalten, statt sie mit der ewiggestrigen  Logik des Wirtschaftswachstums mit Vollgas in die Klimakatastrophe zu fahren.“ erklärt Katrine Hoop die Kreisvorsitzende der DIE.LINKE Flensburg.

Achtung! Die geplante polizeiliche Räumung des Bahnhofswalds am Montag wird aufgrund einer Entscheidung der Stadt und Polizei nicht stattfinden. Mehr dazu hier: Verschärfte Coronasituation: Vorerst keine Räumung des Bahnhofswalds in Flensburg unter: https://akopol.wordpress.com/2021/01/16/verschaerfte-coronasituation-vorerst-keine-raeumung-des-bahnhofswalds-in-flensburg/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

 

 

Verschärfte Coronasituation: Vorerst keine Räumung des Bahnhofswalds in Flensburg

Flensburger Bahnhofswald: Aufgrund der Corona-Pandemie vorerst keine polizeiliche Räumung des Besetzer-Camps „Böömdorp“ und keine Baumfällungen im Wald

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Die drohende polizeiliche Räumung des Besetzer-Camps im Flensburger Bahnhofswald und die von den Hotel-Investoren angedachten Rodungsarbeiten werden vorerst nicht stattfinden. Grund dafür ist die verschärfte Corona-Situation in Flensburg.

In einer Mitteilung der Stadt Flensburg heißt es dazu, dass sich der bereits vom Gesundheitsministerium des Landes geäußerte Verdacht der Existenz von mutierten Corona-Viren in Flensburg bestätigt habe. Die Ergebnisse mehrerer Testungen würden typische Merkmale einer Virus-Mutation aufweisen. Gleichzeitig bestehe die Vermutung, dass es sich dabei um eine Mutation handele, die bereits in mehreren europäischen Ländern aufgetreten ist und die deutlich ansteckender sei, als das bisherige Virus.

Vor diesem Hintergrund und angesichts einer neuen Bedrohungslage hat, so die Oberbürgermeisterin Simone Lange in einer Mitteilung von heute, der Vorstand der Stadtverwaltung auch nach Rücksprache mit dem Innen- und Sozialministerium entschieden, „dass alle Maßnahmen vermieden werden müssen, durch die es zu größeren Menschenansammlungen kommen könnte. Deshalb wird die Stadt zur Zeit auch keine Schritte einleiten, die dies zur Folge hätten.

Vor diesem Hintergrund wird es keinen größeren Polizeieinsatz am Bahnhofswald geben. Wir prüfen, wie die Durchsetzung des Baurechtes auf anderen Wegen ermöglicht werden kann.“

Die Gewerkschaft der Polizei, die aufgrund der Corona-Situation dringend von einem Polizeieinsatz am Bahnhofswald abgeraten hatte, bedankte sich bei der Flensburger Oberbürgermeisterin für ihre Entscheidung. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Torsten Jäger zeigte sich sehr erleichtert: „Simone Lange hat damit ausgesprochen verantwortungsvoll und umsichtig entschieden.“ Jäger unterstrich allerdings, dass die GdP mit Blick auf die Corona-Pandemie ausschließlich den Zeitpunkt für eine polizeiliche Einsatzlage dieses Ausmaßes kritisiert habe. Nach wie vor gäbe es keine Zweifel daran, dass die vorgesehenen polizeilichen Maßnahmen im Bahnhofswald rechtmäßig gewesen wären. „Der offenbar lange feststehende und geplante Einsatz in Flensburg hatte bei den Polizistinnen und Polizisten in Schleswig-Holstein für Unmut und Sorgen in einem bislang noch nicht gekannten Ausmaß gesorgt. Da mussten wir als Gewerkschaft reagieren“, erklärte Torsten Jäger das Vorgehen der GdP. Deshalb habe sich die GdP gegen den Einsatz zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen, auch wenn schon immense Vorbereitungen, Mühe und Arbeit investiert worden seien. „Selbstverständlich stehen wir als GdP für die Durchsetzung geltenden Rechts und sind der Überzeugung, dass unsere Landespolizei ständig einsatzbereit ist“, so der GdP-Landesvorsitzende abschließend.

Gleichzeitig versicherten am heutigen Nachmittag Michael Petersen und Ralf Kock, die Verantwortlichen bei der Flensburger Polizei, den Waldbesetzern und der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel nachdrücklich, dass nicht nur am Montag, sondern auch im ganzen Monat Januar eine Räumung nicht stattfinden werde  Zwar will die Polizei nach einer Meldung von shz-Online am Montag vor Ort präsent sein, um bei einer Eskalation der Situation angemessen reagieren zu können, aber eine Räumung des Besetzer-Camps oder Rodung des Waldes werde es „definitiv“ nicht geben.

Christiane Schmitz-Strempel von der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel begrüßt die Entscheidung vorerst von einer polizeilichen Räumung des Bahnhofswalds und des Besetzer-Camps abzusehen. Die Bürgerinitiative sei sehr erleichtert, aber sie sei ebenso sehr entschlossen, den Kampf für den Fortbestand des Bahnhofswalds unverändert fortzuführen. Günter Strempel, ebenfalls Sprecher der Bürgerinitiative, kritisiert in aller Schärfe, dass die Stadt eine Baugenehmigung für das Hotel erteilt habe, obwohl der vom BUND eingelegte Widerspruch gegen die Waldentwidmung noch nicht beschieden wurde. Und er kündigt an: „Es wird eine juristische Prüfung geben, inwieweit das Vorgehen der Stadt in Sachen Baugenehmigung rechtswidrig ist.“

Naturzerstörung im Bahnhofswald

Transparent am Bahnhofswald - Foto: Jörg PepmeyerLeserbrief von Dr. Ralph Müller, Flensburg, zur drohenden Räumung und Abholzung des Bahnhofswalds:

Die Zerstörung des Bahnhofswaldes zeigt überdeutlich das Versagen der Flensburger Kommunalpolitiker. In einer Gegend mit ausgedehnten Brachflächen soll ausgerechnet das letzte ökologisch wertvolle Areal, ein kleiner intakter Naturwald, für ein Hotel und Parkhaus zerstört werden. Warum überbaut  man nicht die häßliche und nur halb genutzte Hauptpost einschließlich des anliegenden versiegelten Parkplatzes, wenn man denn unbedingt ein Hotel bauen will? Dafür gibt es nur einen Grund: weil sich mit der Vermietung der Post und der Zerstörung des Waldes mehr Geld verdienen läßt.

Das ganze Geschwaffel der Investoren von Flensburgliebe und Naturverbundenheit ist lächerleich, reicht aber, um die von Wachstumsphantasien vernebelten Hirne der Lokalpolitiker von SPD, CDU, FDP und auch der Grünen zu überzeugen.  Der sogenannte Klimapakt Flensburg ist nur für Sonntagsreden, ansonsten wird abgeholzt. Für 2 Appfelbäume in einer Wohnsiedlung reichen ein paar Polizisten, für die Abholzung des Bahnhofswaldes besorgt man sich ein  paar Hundertschaften.  Ich schäme mich für Flensburg.

Dr. Ralph Müller

Bahnhofswald in Flensburg: Bürgerinitiative bezeichnet Baugenehmigung als rechtwidrig

Transparent am Flensburger Bahnhofswald – Foto: Jörg Pepmeyer

Mitteilung der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg vom 15.01.2021:

Laut shz von heute hat die Stadt gestern am Donnerstag 14.1.2021 die Genehmigung zum Bau des geplanten  Bahnhofshotels erteilt.

Diese Genehmigung ist eindeutig rechtswidrig.

Sie erfolgt, obwohl der Widerspruch gegen die Waldumwidmung, der vom BUND eingelegt wurde, noch nicht abschließend behandelt ist. In diesem Widerspruch wird mit zahlreichen juristisch gut begründeten Argumenten festgestellt, dass der gesamte Bebauungsplan 303 Hauptpost rechtswidrig ist. Dies ist bis heute nicht widerlegt! Dann darf aber die Baugenehmigung nicht erteilt werden.

Außerdem widerspricht die Baugenehmigung selbst dem angezweifelten Bebauungsplan. In diesem wird u. a. festgelegt, dass in dem Antrag auf Baugenehmigung auch ein Gutachten über die Hangstabilität vorzulegen ist, das sich auf Untersuchungen des Hanges auch auf dem Gelände der Nachbar-Grundstücke stützen muss.*  Solche Untersuchungen sind nie erfolgt!

Dann darf die Baugenehmigung nicht erteilt werden. Sie ist rechtswidrig und darf nicht umgesetzt werden, ihre Umsetzung nicht polizeilich durchgesetzt werden.

Des Weiteren wurde von der Unteren Forstbehörde eine Sondergenehmigung  erwirkt, den Waldabstand von 30 m für den Bau des Hotels unterschreiten zu dürfen. Dabei wurde der UFB aber verheimlicht, dass nach einem Vertrag zwischen Stadt und Bauträger dieser verpflichtet ist, nach dem Hotel auch das geplante Parkhaus zu bauen, so dass die Umwandlung des gesamten Waldes nicht vermieden, sondern nur verschoben ist und weiterhin ansteht. Damit ist der Widerspruch des BUND keineswegs gegenstandslos geworden.

* „Im Zuge der weiteren Bebauungsentwicklung sind sukzessive weitere Untersuchungen im Baufeld geplant. Innerhalb der betroffenen Nachbargrundstücke sind im Rahmen der Beweissicherungsverfahren Spitzendrucksondierungen und Kleinbohrungen im Hangbereich sowie die darauf aufbauenden Hangstabilitätsberechnungen im Ist-Zustand und unter den Verbaubedingungen geplant. Entsprechende Nachweise sind somit vom Vorhabenträger zu erbringen.

(Zitat aus der Abwägung durch die Verwaltung einer Einwendung gegen den B-Plan, in der die fehlende Untersuchung der Hangstabilität moniert wurde.)

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg

c/o Günter Strempel

Thiesholz 1

24941 Flensburg

Achtung! Die geplante polizeiliche Räumung des Bahnhofswalds am Montag wird aufgrund einer Entscheidung der Stadt und Polizei nicht stattfinden. Mehr dazu hier: Verschärfte Coronasituation: Vorerst keine Räumung des Bahnhofswalds in Flensburg unter: https://akopol.wordpress.com/2021/01/16/verschaerfte-coronasituation-vorerst-keine-raeumung-des-bahnhofswalds-in-flensburg/

Der Flensburger Bahnhofswald aus der Vogelperspektive: Die am Montag geplante polizeiliche Räumung des Besetzer-Camp „Böömdorp“ und des Walds werden aufgrund der verschärften Coronasituation in Flensburg nicht stattfinden. – Foto: Bernd Schütt

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

 

 

Besetzter Bahnhofswald in Flensburg: Räumung am kommenden Montag?

Der Flensburger Bahnhofswald aus der Vogelperspektive: Voraussichlich am Montag soll mit großem Polizeiaufgebot das Besetzer-Camp „Böömdorp“ und der Wald geräumt werden. – Foto: Bernd Schütt

Achtung! Die geplante polizeiliche Räumung des Bahnhofswalds am Montag wird aufgrund einer Entscheidung der Stadt und Polizei nicht stattfinden. Mehr dazu hier: Verschärfte Coronasituation: Vorerst keine Räumung des Bahnhofswalds in Flensburg unter: https://akopol.wordpress.com/2021/01/16/verschaerfte-coronasituation-vorerst-keine-raeumung-des-bahnhofswalds-in-flensburg/

Die Stadt Flensburg hat nach einer Meldung von shz-Online am gestrigen Donnerstag die Genehmigung für den Bau des umstrittenen Bahnhofshotels erteilt. Rein theoretisch könnten die Investoren sofort mit dem Bau beginnen, müssten lediglich noch das Datum des Baubeginns anzeigen. Erstaunlich ist jedoch, dass die Investoren eine Baugenehmigung von der Stadt bekommen und damit ebenso die Genehmigung zur Rodung des Waldes, obwohl über den Widerspruch des BUND zur Waldentwidmung noch gar nicht entschieden wurde. Durch den Widerspruch des BUND, der der Unteren Forst-Behörde und der Stadt Flensburg am 9.11.2020 zugestellt wurde, ist der Bebauungsplan 303 Hauptpost nicht vollziehbar. Darin wird nicht nur der Waldumwidmung widersprochen, ohne die keine der geplanten Baumaßnahmen umgesetzt werden kann, auch der gesamte Bebauungsplan wird darin mit zahlreichen juristischen Argumenten als rechtswidrig bezeichnet. Dass die Stadt trotz nicht gesicherter Rechtslage jetzt den Investoren die Baungenehmigung erteilt und damit einen weiteren und unnötigen Konflikt provoziert, ist daher keine kluge Entscheidung. Und sie spricht ebensowenig für die handelnden Personen in der Verwaltung und die Oberbürgermeisterin Simone Lange.

Zur drohenden Räumung die Mitteilung der Waldbesetzer*innen aus dem Böömdörp:

Seit dem ersten Oktober 2020 besetzen wir den Flensburger Bahnhofswald, um zu verhindern, dass die dortigen Bäume einem Neubaukomplex aus Hotel und Parhaus weichen müssen. Wir kämpfen gegen eine vollkommen verfehlte Verkehrs- und Klimapolitik, in der nach wie vor Gewinne zu erzielen wichtiger ist, als einen lebenswerten Planeten zu erhalten.

Wir haben über drei Monate ein Experiment alternativen Miteinanders erprobt, haben voneinander gelernt, wie der Waldkauz singt und wie zutraulich Rotkehlchen sind, wie Baumhäuser gebaut werden und wie Seilverbindungen geknotet werden. Aber es geht um viel mehr: Wir haben auch soziale Verbindungen geknotet: Beeindruckend viele und unterschiedliche Menschen haben uns unterstützt: Klassische Musiker*innen, Autor*innen, Baumpfleger*innen und Handwerker*innen, Menschen, die Essen für uns gekocht, nasse Sachen bei sich getrocknet und uns Decken vorbeigebracht haben. Die Bürger*innen-Initiative ebenso wie die fridays for future.

Aus mehreren vertraulichen Quellen haben wir nun die Info bekommen, dass die Besetzung Anfang nächster Woche, also am 18.1.2021 geräumt werden soll. Wir bereiten uns also auf ein Großaufgebot und einen Großeinsatz der Polizei vor – eine Eskalation, die zeigt mit welch absurdem Aufwand die Interessen einiger weniger gegen große Teile der Flensburger Bevölkerung durchgesetzt werden.
Eine Räumung, die absehbar zeigen wird, dass die Bekenntnisse der Stadt zum Klimaschutz reine Lippenbekenntnisse sind. Ein Einsatz, der – erst recht unter aktuellen Pandemiebedingungen – vor allem eins darstellen wird: eine Machtdemonstration.

Wir sind gekommen, um zu bleiben und werden die Bäume nicht freiwilligverlassen. Aber wir machen uns nichts vor: Wir wissen, dass die Polizei gewissenlos die errichteten Strukturen zu zerstören im Stande ist. Aber weder die Kraft, die sie erschuf noch die Bewegung lassen sich räumen.

Siehe zur Entscheidugn der Stadt Flensburg auch die Stellungnahme der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg vom 15.01.2021: Bahnhofswald in Flensburg: Bürgerinitiative bezeichnet Baugenehmigung als rechtwidrig
unter: https://akopol.wordpress.com/2021/01/15/bahnhofswald-in-flensburg-buergerinitiative-bezeichnet-baugenehmigung-als-rechtwidrig/

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

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Transparent am Flensburger Bahnhofswald – Foto: Jörg Pepmeyer

Erhalt des Flensburger Bahnhofswalds: Crowdfunding für Klage auf Startnext – Supportvideo auf YouTube

Gegen den geplanten Bau von Hotel und Parkhaus im Bahnhofstal will die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg Klage erheben. Für die dafür anfallenden Kosten braucht sie jeden Euro.

Bitte spendet für den Erhalt des Bahnhofswaldes in Flensburg auf Startnext.

Wer die Initiative unterstützen und sich am Crowdfunding beteiligen möchte, findet weitere Informationen unter: https://www.startnext.com/bahnhofswald-flensburg-retten

Spenden sind auch jederzeit möglich hier:
Spendenkonto bei der GLS-Bank
IBAN DE42 4306 0967 1018 7219 01
Kontoinhaberin Chr. Schmitz-Strempel
Verwendungzweck: „Bahnhofswald“

Wenn ihr Fragen vorab habt, bitte per E-Mail an wald@grain.one

Eine wichtige Botschaft aus dem Wald … teilen, liken, unterstützen …

Ebenso halten seit Oktober Klimaaktivist*innen den Flensburger Bahnhofswald besetzt, um dessen Rodung zu Gunsten eines Hotel- und Parkhausneubaus zu verhindern.

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung:

rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Weitere Informationen:

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

und auf Facebook: https://www.facebook.com/BahnhofsviertelFlensburg

Mehr Infos zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Für den Erhalt des Flensburger Bahnhofswaldes: Offener Brief von Waldforscher Prof. Dr. Pierre L. Ibisch

Der Flensburger Bahnhofswald aus der Vogelperspektive – Foto von Bernd Schütt

Der Buten-Flensburger Prof. Dr. Pierre L. Ibisch hat einen Offenen Brief an die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel, die Verteidiger*innen des Flensburger Bahnhofswaldes und die Bürger*innen der Stadt Flensburg geschrieben, in dem er sich vehement für den Erhalt des Flensburger Bahnhofswaldes einsetzt. Ibisch, der in Flensburg aufwuchs, machte am Alten Gymnasium sein Abitur. An der Universität Bonn studierte er anschließend Biologie mit den Prüfungsfächern Botanik, Zoologie und Physik. Von 1993 bis 1996 promovierte er in Bonn mit einer Arbeit zu den Aufsitzerpflanzen Boliviens mit dem Titel Neotropische Epiphytendiversität – das Beispiel Bolivien. Er ist ein Schüler des Botanikers und Makroökologen Wilhelm Barthlot Seit 2004 ist Ibisch Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und gilt als international renommierter Experte im Berich der Waldforschung.  Seine fachlichen Schwerpunkte sind globaler (Umwelt)-Wandel und Naturressourcenmanagement (unter anderem Entwicklung von Anpassungsstrategien, nachhaltige Entwicklung und globaler Wandel), Naturschutz, Biodiversität und Waldökologie. Langjährig war er in der landschaftsökologischen und naturschutzfachlichen Forschung in Südamerika tätig.

 

Prof. Dr. Pierre L. Ibisch
Centre for Econics and Ecosystem Management
Fachbereich für Wald und Umwelt
Alfred-Möller-Str. 1
16225 Eberswalde

Professor für Naturschutz
Professor for Nature Conservation

Forschungsprofessur / Research professorship
Ecosystem-based sustainable development
Ökosystembasierte nachhaltige Entwicklung

Tel. 03334/657178
e-mail pibisch@hnee.de
http://www.centreforeconics.org

An die
Bürgerinitiative Bahnhofsviertel
die Verteidiger*innen des Flensburger Bahnhofswaldes
die Bürger*innen der Stadt Flensburg

                                                                                                                                                  10. Dezember 2020

Liebe Flensburger Waldfreund*innen,

ich habe das Privileg gehabt, in meinem Leben viele Wälder auf den verschiedenen Kontinenten bereisen und erforschen zu können. Dazu gehörten vor allem die Wälder Amazoniens oder der südamerikanischen Anden, aber genauso auch boreale Wälder Russlands oder die europäischen Buchenurwälder. Es war mir bereits vergönnt, mich für Millionen Hektar umfassende Schutzgebiete einsetzen zu dürfen, ein grenzüberschreitendes Biosphärenreservat im Altai-Gebirge mitzubegründen oder Wäldern in verschiedenen Ländern Europas zum UNESCO-Weltnaturerbestatus zu verhelfen. In letzter Zeit habe ich mich mit Mitarbeiter*innen für die Erhaltung des Hambacher Forsts oder des Dannenröder Forsts eingesetzt, wir werben u.a. für die pflegliche Behandlung des ältesten Buchenwaldes Deutschlands, die Heiligen Hallen in Mecklenburg-Vorpommern oder des Leipziger Auwaldes. In ganz Deutschland kämpfen wir für eine Waldwende und einen ökosystembasierten Umgang mit den geschädigten Waldflächen, die unter Klimawandel und Forstwirtschaft leiden.

So viele Wälder, unermessliche Werte, so viele Sorgen. Die große Ökosystemvergessenheit bewirkt, dass wir Wälder übernutzen, zerschneiden, zerstören und überbauen. Weltweit leiden Wälder, verbrennen, vertrocknen und kollabieren. Es geht um große Flächen, es geht um viel. Kommt es da auf ein paar Bäume mehr oder weniger noch an, wenn sie doch dem menschlichen Fortschritt im Wege stehen?

Unbedingt!

Letztlich sind es überall mehr oder weniger kleine lokale Entscheidungen: Hier müssen Bäume für einen Acker weichen oder für die Herstellung von Papier, dort müssen sie Platz machen für einen Tagebau, eine Autobahn, eine neue Tesla-Fabrik – oder ein Hotel. Die vielen kleinen Entscheidungen gegen die Natur und gegen die Wälder tragen zum beschleunigten und globalisierten Verlust der biologischen Vielfalt und der Regulationsfähigkeit unserer Biosphäre bei. Die vielen kleinen Scharmützel allüberall sind am Ende unser Krieg gegen die Natur und unsere Lebensgrundlagen. Das klingt pathetisch, und das ist es auch. Ich habe die Wälder der Erde erleben dürfen – in Süd- und Nordamerika, in Europa, Asien und Afrika. Und nur in wenigen Gebieten geht es den Wäldern gut.

Die Sorge um die Natur und die Wälder ließen mich von Flensburg aus aufbrechen, um Biologie zu studieren, auf Forschungsreisen zu gehen, Ökologe und Naturschützer zu werden. Dennoch und gerade deshalb berührt mich in besonderem Maße, wie meine Geburtsstadt Flensburg im waldärmsten Flächenland Deutschlands mit den kleinen Waldrelikten umgeht, die geblieben sind. Die Marienhölzung ist zu einem ausgeholzten Park verkommen, und kleine Waldinseln wie der Bahnhofswald werden nicht einmal als Wald wahrgenommen.

Es ist völlig richtig, anderswo – und ich war daran beteiligt – versucht man, Wald wieder aufzuforsten. Und es fällt sehr schwer. Es ist viel schwerer etwas gutzumachen, als etwas zu zerstören. Man bemüht sich um die Anlage kleiner neuer Gehölze, um der Natur zu helfen, und vor allem auch den Menschen. In den Städten schwillt der Diskurs zur ökosystembasierten Klimawandelanpassung an.

Wir selbst haben mit unserer Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Brandenburg ein Projekt der Deutschen Klimawandelanpassungsstrategie mit der Stadt Bernau bei Berlin durchgeführt. Dort ging es darum, gemeinsam mit der Stadtverwaltung und für und mit Bürger*innen zu erfassen, wie die Stadt zur Kühlung und Wasserrückhaltung beitragen kann. Wir konnten wissenschaftlich zeigen, wie Baumgruppen und kleine Gehölzinseln zur effektiven Kühlung der Stadt beitragen. Das ist nicht neuartig – weltweit gibt es entsprechende Studien und Bemühungen um naturbasierte Lösungen zu Verbesserung des Stadtklimas. Im Falle von Bernau hat sich die Stadt im Rahmen des Projektes zu einer Leuchtturmmaßnahme entschieden. Der Bürgermeister macht sich persönlich für die Idee stark. Ausgerechnet vor dem Bahnhof der Stadt (!) soll der Vorplatz entsiegelt und begrünt werden. Er ist im Laufe der Zeit zu einem der heißesten Orte geworden – nunmehr muss repariert werden, was zuvor zerstört wurde.

In diesem Jahrhundert werden vielerorts Menschen ihre Altvorderen dafür verfluchen, dass sie nicht die Wälder bewahrten, dass sie die natürlichen Ressourcen zu sorglos abwirtschafteten und wissenschaftliche Fakten ignorierten, um kurzfristige Vorteile zu erzielen.

Ich danke den Bewahrer*innen des Flensburger Bahnhofswaldes und sende einen Gruß der Solidarität und der Unterstützung. Ich habe schon viele Wälder gesehen, aber der Flensburger Bahnhofswald gehörte zu meinen ersten, damals als meine Mutter mich im Kinderwagen an den Bäumen vorbeischob, die jetzt über ein halbes Jahrhundert älter geworden sind … und denen nun ein jähes Ende droht in ihrem jugendlichen Alter.

Der Wald wird uns immer knapper, Wald ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Es gilt für die Relikte entschieden zu kämpfen, es ist soweit.

Herzliche Grüße und danke
Prof. Dr. Pierre Ibisch

Den Brief gibt es im Original hier zum Download

UnterstützerInnen für Mahnwache gesucht

Für die Mahnwache am Bahnhofswald suchen die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel und die WaldbesetzerInnen noch UnterstützerInnen. Wer also Lust hat, sich stundenweise an der Mahnwache zu beteiligen, melde sich bitte am Infostand auf dem Parkplatz am Bahnhofswald.

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Kundgebung am 13.12. um 15 Uhr an der Hafenspitze: Flensburg geht ein Licht auf!

Noch einmal in diesem Jahr: Bürgerinitiativen und Vereine in gemeinsamer Aktion!

Was ist los in Flensburg? Wo fehlt Licht? Was gilt es zu beleuchten und zu verändern?

Kundgebung am Sonntag, den 13.12.20 um 15.00 Uhr an der Hafenspitze

BIs und Vereine stellen sich und ihre Themen vor. Benennen die  aktuelle Lage und geben Ausblicke auf 2021.  – Das wird, wie die Temperaturen es nahelegen, kurz und prägnant geschehen. Infomaterial wird ausreichend vorhanden sein. Laternen, die für mehr Licht sorgen, ebenfalls. Es geht um zivilgesellschaftliches Engagement in Flensburg. Hier bietet sich die Chance, einen nicht unerheblichen Teil desselben kennenzulernen.

ATTAC-Flensburg lädt zur Teilnahme ein. Zugesagt haben bisher:

BI Bahnhofsviertel Flensburg

BI Hafen Flensburg e.V.

Bündnis Fossilfreies Flensburg

AKF – Aktionsgruppe Klima Flensburg

Verein Flensburger Norden

Verschönerungsverein

Greenpeace Flensburg

Verein Bunnies Ranch    

Seebrücke Flensburg                   

Weitere Gruppen mögen hinzukommen.            

Wir freuen uns auf interessierte Hafen-Spaziergänger*innen!

Regionalgruppe ATTAC-Flensburg – flensburg@attac.de

Kundgebung am 11.12. auf dem Südermarkt: Für den Flensburger Bahnhofswald!

Es geht um mehr, als Du denkst!

Kundgebung am Freitag, den 11. Dezember 2020 um 14.00 Uhr auf dem Südermarkt

ER ist ein wertvolles Biotop (kerngesund im übrigen, was sich bekanntlich nicht von jedem Wald sagen lässt), bietet Lebensraum für viele, zum Teil in ihrem Bestand bedrohte Tiere – und ER liegt mitten in unserer Stadt: der Bahnhofswald!

ABER ER soll weichen. Jedenfalls wenn es nach den Plänen der Investoren geht, die von der Flensburger Kommunalpolitik mehrheitlich genehmigt wurden. Wo heute gesunde, kraftvolle Bäume stehen, sollen sich zukünftig zwei Riesenbauwerke erheben: ein sieben Stockwerke hohes Hotel und ein Parkhaus.

Seit dem 22. September ist die Bürgerinitiative Bahnhofswald täglich vor Ort und hält Mahnwache, die Böömbesetter sind seit zweieinhalb Monaten im Wald und haben mehrere Baumhäuser gebaut. Ziel unserer gemeinsamen Aktionen ist es, den Wald zu schützen.

Am 11.12. bringen wir das Thema auf den Südermarkt. Mehrere engagierte Musiker*innen haben ihre Unterstützung  zugesagt und werden vor Ort etwas zum besten geben.

Flensburgerinnen und Flensburger sind herzlich eingeladen:

Kommt Freitagmittag zum Südermarkt!

Keineswegs geht es nur um ein paar Bäume. Grundsätzlich stellt sich die Frage, welchen Stellenwert wir dem Naturschutz einräumen. Wie ernsthaft, wie konkret werden bei der Detailplanung die großen Menschheitskrisen von Klimawandel bis Artensterben mitbedacht? Welche Mobilitätsvorstellungen setzen sich durch? Es geht um Grenzen für die Entwaldung und für das Versiegeln von Flächen. Wie steht es um den Wert von Wald angesichts der Forderung nach wirtschaftlichem Wachstum? FAZIT:

Waldes geht um mehr, als Du denkst!

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg –  https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Acht Wochen Besetzung am Bahnhofswald

Moin aus dem Böömdörp,

wir besetzen seit dem ersten Oktober den Flensburger Bahnhofswald. Viele Menschen hier in der Stadt haben uns schon besucht oder von uns in der Zeitung gelesen oder folgen uns auf twitter, aber weil all das ja immer nur Schlaglichter auf das Geschehen hier werfen kann, dachten wir, wir fassen mal aus unserer Sicht zusammen, warum wir hier sind, was in den letzten acht Wochen so passiert ist und wie der aktuelle Stand ist.

Der Bahnhofswald

Einige finden, dass es sich dabei gar nicht um einen Wald handelt, sondern „nur“ um ein paar Bäume. Offiziell ist nur ein Teil des Areals, auf dem Bäume gefällt werden sollen, Wald und ein anderer Teil nicht. Im Grunde sind uns die Begriffe aber auch egal, denn fest steht: Hier soll ein Biotop für ein Parkhaus und ein Hotel weichen. Wie viele Bäume es sind wollt ihr wissen? Ja, wenn das so einfach wäre… Hier in Flensburg gibt es eine Baumschutzsatzung, die definiert, ab welcher Größe ein Baum unter Schutz steht (das bestimmt sich am Stammumfang in 1m Höhe). Wenn wir nur diese Bäume zählen, landen wir bei etwas über 60. Aber der erwähnte Stammumfang liegt bei 80cm und unserem Empfinden nach sind auch kleinere Bäume schon Bäume – was sollten sie auch sonst sein? Aus unserer Sicht reden wir über mehrere hundert Bäume, vor allem Buche und Ahorn wachsen hier. Einen Teil der „Nicht-Bäume“ haben wir, um diese Absurdität sichtbar zu machen, mit Schildern markiert auf denen steht „ich bin zu klein, um überhaupt als Baum zu zählen“. Und eine Quelle gibt es hier auch. An die soll bis auf weniger als einen Meter heran gebaut werden, angeblich ist das für den Biotopschutz der Quelle ausreichend.

Im Vergleich zu den Kämpfen um Wälder wie den Dannenröder Wald oder den Hambacher Wald mag das wenig sein, aber wir finden: Kein Baum ist egal. Und gerade innerstädtische Wälder sind wichtig für das Stadtklima. Ein Teil der Bäume, die gefällt werden sollen, sind rund 150 Jahre alte Linden. Sie bieten vier verschiedenen Fledermausarten ein Zuhause. Einen Buntspecht haben wir bereits beobachtet und nachts auch einen Waldkauz gehört – beides Vögel, die Höhlen in alten Bäumen oder Totholz als Lebensbaum brauchen.

Der kleinste Vogel Europas, das Wintergoldhähnchen ist hier ebenso zuhause wie Kohl-, Blau- und Schwanzmeisen, Kleiber klettern kopfüber an den Bäumen herum und Rabenkrähen lassen sich in riesigen Schwärmen in manchen Nächten hier zum Schlafen nieder. Dohlen, Rotkehlchen, Gimpel, Zaunkönige und Amseln wohnen ebenso hier wie auch Eichhörnchen und natürlich jede Menge Insekten (wie Ohrenkneifer zum Beispiel) und Asseln.

Ein Parkhaus?

Aber genug zur Biologie. Denn wir sind nicht nur wegen der Bäume selbst gegen die Zerstörung, sondern auch weil wir ablehnen, was hier gebaut werden soll. Ein Parkhaus mitten in der Stadt wird motorisierten Individualverkehr anlocken und verstärken, statt die dringend überfällige Verkehrswende hin zu mehr ÖPNV zu beschleunigen. Wir brauchen kostenlose Busse und Bahnen statt mehr Autos. Und um einen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel für Menschen aus nicht angebundenen Gebieten attraktiver zu machen braucht es sicherlich nicht innenstädtische Parkplätze, sondern allenfalls Pendelparkplätze am Stadtrand, alles andere ist widersinnig, wenn der Verkehr aus den Städten verschwinden soll.

Aber gegen ein Hotel wird doch wohl keine*r was haben…?

Wir finden: Es gibt genug Tourismus in Flensburg. Schon jetzt steigen die Mieten in der Innenstadt so stark, dass sich viele nicht mehr leisten können, dort zu leben. Das liegt vermutlich in erster Linie an Immobilienspekulation, aber einen Teil zur Gentrifizierung trägt eben auch der wachsende Tourismus bei.

Die Investoren

In einer Hochglanzbroschüre versprechen die Investoren, es werde keinerlei Probleme mit einem Hangrutsch des steilen Geländes geben (der auch die denkmalgeschützen Villen an der Schleswiger Straße bedrohen würde), der Artenschutz sei gewährleistet und außerdem würde das Bahnhofsumfeld, was heute angeblich niemandem gefalle, durch ihre Neubauten sicherer.

Die beiden Investoren sind bis auf ein kirchlich moderiertes Streitgespräch mit einem Vertreter der BI und einer Besetzerin im offenen Kanal (https://www.youtube.com/watch?v=LCUoaTUDOvI) und einer damit zusammenhängenden Pressemitteilung bisher medial sehr zurückhaltend gewesen und auch vor Ort zeigen sie sich nicht (und das obwohl sie sich im Gespräch bemühten, stets zu betonen, dass sie als Flensburger Investoren alles besser machen würden, als auswärtige Investoren). Auf ihrer Internetseite versuchen sie absurderweise sogar, die Besetzung als ein Hindernis für den Artenschutz darzustellen. Über die Polizei wurde bekannt, dass gegen eine Person Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gestellt worden sei und mittlerweile staatsanwaltschaftlich ermittelt wird.

Was tun?

Die Stadt hat grundsätzlich grünes Licht für das Bauprojekt gegeben, aber der BUND hat Beschwerde eingelegt gegen die geplante Waldumwandlung. In einem langen Papier wird unter anderem kritisiert, dass alternative Standorte für das Projekt nicht ausreichend geprüft worden seien und daher die Waldumwandlung unzulässig sei. Über diese Beschwerde muss nun von der Forstbehörde entschieden werden. Erst dann kann über den eigentlichen Bauantrag entschieden werden. Das kann theoretisch alles sehr lange dauern, aber darauf wollen wir uns nicht verlassen.

Das Böömdörp „böschüzt die Boime“
Da mit dem ersten Oktober die Rodungssaison beginnt, haben wir beschlossen ab dem 1. Oktober im Bahnhofswald zu leben, um ihn zu beschützen. Oder, wie es ein paar Schüler*innen der Waldorfschule auf einem Solitransparent bezeichneten, die „Boime“ zu „böschüzen“. Am Morgen des zweiten Oktober tauchten auch tatsächlich Arbeiter auf, die bereits erste „untermaßige“ Bäume fällen wollten und unseretwegen nach einer kontroversen Debatte und hinzugekommener Polizei schließlich unverrichteter Dinge abzogen. Wir haben mittlerweile sechs Baumhäuser und noch mehrere kleinere Schlafplattformen gebaut. Sie haben alle ihren ganz eigenen Charme. Im Loft lässt sich prima Musik hören zum Frühstückskaffee, eine Villa Vilekulla (also eine Villa Kunterbunt) darf nirgends fehlen, im Baumhaus namens Hotel haben auch schon ganz junge „Hotelgäste“ genächtigt, das Forsthaus Falkenau ist doppelstöckig, unsere dänischen Mitbesetzis errichteten auf dem größten Baumhaus Rød Grød (Rote Grütze) sogar eine Schaukel und weil es zu roter Grütze auch Sahne braucht, entsteht nebenan Fløde. Und ganz ganz hinten, am Ende des Waldes, direkt neben der Flens-Brauerei findet sich die Punschbude, die – des Ortes wegen – auch Punschbude plop getauft wurde. Wer lieber allein auf einer Plattform schlafen möchte, statt sich Baumhäuser zu teilen, hat die Wahl zwischen der Suite (sie ist wirklich sweet), dem Parkhaus (samt Hängematte mit Überblick über große Teile der Besetzung) und der Sumpfburg (wobei bei letzterer die Herausforderung besteht, sie trockenen Fußes zu erreichen).

Skillsharing und Besuche

Wenn wir nicht gerade bauen, verbringen wir viel Zeit damit, miteinander und voneinander zu lernen. Wissen über und Erfahrungen mit Klettern, Pressearbeit, Baumbestimmung, der städtischen Einwohner*innenfragestunde, Knotenkunde, Messerschärfen und vieles mehr haben wir – zum Teil in angekündigten Workshops, oft aber auch aus spontanen Situationen heraus – ausgetauscht. Außerdem geben wir oft Waldführungen (eine Kurzversion davon findet ihr auch als Video hier: https://www.youtube.com/watch?v=-HTPIQpRZuI)und freuen uns besonders über den Besuch von Schulklassen und Kita-Gruppen. Journalist*innen, die nicht klettern lernen wollen, ermöglichen wir übrigens zu Schummeln: Ihnen stellen wir auch mal eine Leiter auf, damit sie einen Blick in unser niedrigstes Baumhaus werfen können. Besuch bekommen wir jedoch nicht nur von verschiedensten Pressevertreter*innen (von avis und shz über den NDR zu taz und gegenwind sowie freien Journalist*innen) und Flensburger*innen sowie Bahnreisenden, sondern manchmal auch von Politiker*innen. Neben Ratsfrau Gabi Ritter hat auch der Bundestagsabgeordnete Lorenz Gösta Beutin (beide von der Linken) bereits unser Böömdörp besucht und sich solidarisch gezeigt. Weniger begeistert war – wen wundert‘s – Herr Rüstemeier von der CDU Flensburg. Sowohl vor Ort als auch aus der Ferne betonte er seine Zustimmung für das geplante Bauprojekt und ist stets bemüht, die Baum-Ersatzpflanzungen zu beleuchten. Jene Ersatzpflanzungen, die, wenn wir viel Glück haben, irgendwann in ferner Zukunft und außerhalb der Innenstadt einen Bruchteil der heutigen Klimawirkung des Bahnhofswaldes „kompensieren“ könnten. Aber genug zu Arne R. (wer noch immer nicht genug hat: Hier zeigen wir, was aus seiner Sicht keine Bäume sind).

Die Mawa

Großartigerweise gibt es rund um die Uhr eine Mahnwache der Bürger*inneninitiative Bahnhofsviertel. Dort gibt es tagsüber einen Infotisch, es werden Unterschriften gesammelt und Debatten geführt. Außerdem gibt es an der Mawa Kaffee, Tee und warmes Essen dank der großartigen Unterstützung von unzähligen Menschen. Abends wird gesungen, es entstehen eigene Lieder über die „Bahnhoffsbööm“, Rezepte für veganen Käsekuchen werden ausgetauscht und Bilder gezeichnet.

Klassische Musik und die fridays for future

Wir erhalten Unterstützung in vielen verschiedenen Formen: Von ausgeliehenen Autos und dem Versand von Pressemitteilungen über Infos, wo große Mengen Holz auf dem Sperrmüll stehen, von Wärmflaschen, Lichterketten, Klettermaterial und warmen Decken, Wein und Erdnüssen bis hin zu Drohnenaufnahmen unserer Besetzung. Der Nachmittag mit Suleika Bauer und Cem Aktalay vom schleswig-holsteinischen Sinfonieorchester im herbstlichen Wald war dabei zweifelsohne eines der bemerkenswerten Highlights (https://twitter.com/i/status/1326648842100613120). Die Demo mit mehreren hundert Menschen von den fridays for future in Kooperation mit der BI ein weiteres.

Andere „Tatorte“ Flensburgs

Nicht nur am Bahnhof sind Baumfällungen geplant. Wir können uns bedauerlicherweise nicht zweiteilen, sonst wären viele von uns gern gleichzeitig auch im Danni oder auf anderen gefährdeten Bäumen im Flensburger Stadtgebiet. Was wir aber können ist, diese weiteren „Tatorte“ sichtbar zu machen. Wir haben daher einige der weiteren gefährdeten Bäume besucht und waren am Tegelbarg, an der Fuchskuhle, im Christiansenpark, bei der Kita Schwedenheim, am Museum und an der FFG.

Wie weiter?

Einige der Bäume dürfen wegen der Fledermäuse erst ab Dezember gefällt werden, weshalb wir gespannt sind, ob sich mit dem ersten Dezember etwas an der bisher recht entspannten Situation der Besetzung ändern wird. In jedem Fall bereiten wir uns hier auf die kälteste Jahreszeit vor, statten unsere Baumhäuser mit Decken und uns mit Strumpfhosen und weiteren Schlafsäcken aus und bleiben. Denn solange die Baupläne bestehen bleiben gilt: Wir sind gekommen, um zu bleiben.

Der Bericht der Waldbesetzer:innen ist ebenso auf subtilus.info erschienen: https://subtilus.info/2020/11/25/acht-wochen-besetzung-am-bahnhofswald/

UnterstützerInnen für Mahnwache gesucht

Für die Mahnwache am Bahnhofswald suchen die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel und die WaldbesetzerInnen noch UnterstützerInnen. Wer also Lust hat, sich stundenweise an der Mahnwache zu beteiligen, melde sich bitte am Infostand auf dem Parkplatz am Bahnhofswald.

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Nach der Aktion ist vor der Aktion – auch in Flensburg!

Transparent am Flensburger Bahnhofswald

Je länger die Ursachen von Klimaprotesten ignoriert werden, desto vielfältiger werden die Aktionsformen

Ein Beitrag von Sabine Scholl

Draußen ist es kalt und nass, gut dass es zur Zeit reichlich Gelegenheit gibt, sich drinnen mit einem brandheißen Thema zu befassen. „Wie wollen wir leben?“ war in der vergangenen Woche Thema NDR Info und ARD zum Thema  einige Sendungen, die den Klimawandel betreffen, z.B. über weltweites Engagement in Klima- und Artenschutz, aber auch Beiträge wie „Ökozid“ und „Aufschrei der Jugend“ (https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/aufschrei-der-jugend-video-102.html). Die zuletzt genannte Sendung zeigt besonders anschaulich, welche Aktionsformen entstanden sind und was diese bewirkt haben. Junge Menschen sind nicht nur in immer größerer Anzahl auf die Straße gegangen, um auf die Krise des Planeten aufmerksam zu machen und entsprechende politische Beschlüsse einzufordern, es gab auch Gespräche mit Führungskräften in Wirtschaft und Politik. Dabei wurden die Aktivist*innen der Fridays for Future inhaltlich von Klimaforscher*innen unterstützt. Das Ergebnis ist bedrückend: Immer wieder, so zeigt es die o.g. Dokumentation, wurden die Aktivist*innen von den Gesprächspartner*innen vertröstet oder mit unehrlichen Worten abgespeist. So erging es nicht nur der FFF-Gruppe in Berlin, die im Beitrag begleitet wurde. Als dann die Pandemiesituation entstand erlebten wir alle, dass auf einmal möglich war, was vorher für unmöglich erklärt wurde und welche schwindelerregenden Geldbeträge plötzlich krisenbedingt mobilisiert werden konnten, um z.B. Konzerne zu stützen.

Kein Wunder, dass sich Umweltschützer*innen überall und generationsübergreifend angesichts der unzureichenden Klimaschutzmaßnahmen ohnmächtig fühlen und dadurch neue Wege entstehen, um politisch eine Änderung zu bewirken.

Der Weg durch die Institutionen dauert zu lange, das ist vielen klar. Dafür kam bundesweit das Thema Bürgerräte, als Ergänzung zum bisherigen System in den Fokus. In immer mehr Kommunen fühlen sich Einwohner*innen in stadtplanerischen Entscheidungen übergangen und versuchen nun, sich über Weg der Bürgerräte einzubringen. Auch in Flensburg gibt es diesen Vorschlag, denn ob bei der Entwicklung des Hafenumfelds, der Neustadt, des Bahnhofsviertels oder auch des Dorfes Fruerlund – es wird munter geplant, aber Nachhaltigkeit und Naturschutz spielen kaum eine Rolle. Ob in den letzten Jahren in Flensburg ein Mal ein Bauvorhaben aus Umweltschutzgründen gekippt wurde, ist eine interessante Frage.

Zurück zu den Aktionsformen. Mit der Public Climate School, einer offenen Klimagerechtigkeits-Uni für Alle (23. – 27.11.), kann man von Zuhause aus mehr über das Thema Klimakrise und Lösungsansätze erfahren.

Zudem haben sich einige Flensburger*innen zusammengefunden, um Informationen zu geplanten Baumfällungen und Grünflächenversiegelungen in Flensburg zu sammeln, damit diese in der Öffentlichkeit dargestellt werden können und jeder sich ein umfassenderes Bild von stadtplanerischen Entscheidungen machen kann.

Manchen gehen diese Aktionsformen nicht weit genug. Sie wählen einen radikaleren Weg, z.B. durch die Besetzung von Wäldern. Es sind vor allem junge Menschen, die verstanden und auch erlebt haben, dass ein Wald nicht lediglich eine Ansammlung von Bäumen ist und die erkannt haben, dass die ständig fortscheitende Zerstörung von Lebensräumen unsere größte Bedrohung werden wird. Deshalb beschützen sie diese Biotope unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Zuerst gab es die Besetzung des Hambacher Waldes, der medial und bei großen Teilen der Bevölkerung viel Unterstützung erlangte. Mittlerweile gibt es immer mehr besetzte (weil bedrohte) Wälder, wie z.B. der Dannenröder Wald. Videos der Räumungsaktionen zeigen kriegsähnliche Zustände, die für alle Beteiligten, aber besonders für die Aktivst*innen hoch gefährlich sind. Man muss sich wirklich fragen, was solche gewaltvollen Räumungen bewirken. Zumal auf jede Räumung anderswo wieder Wälder besetzt werden, um sie zu schützen. Allein diese Tatsache bedeutet, es wird zu wenig oder überhaupt nicht an der Ursache der Besetzungen gearbeitet. Wenn Bauvorhaben vor Jahrzehnten geplant wurden, als man noch bedenkenlos „aus dem Vollen schöpfte“, kann man doch nicht so tun, als müsse das alles noch maschinenartig abgearbeitet werden, mit den immer gleichen Argumenten von Wachstum und Arbeitsplätzen und ohne die Bedrohung durch das Artensterben und die Zerstörung von Lebensräumen mit in die Waagschale zu legen.

Baumhaus und Transparent im besetzten Flensburger Bahnhofswald

Auch in Flensburg gibt es einen besetzten Wald und auch hier soll ein Bauvorhaben auf Biegen und Brechen durchgesetzt werden – allen Einwendungen, die inhaltlich nicht widerlegt werden konnten, zum Trotz. Der oft genannte demokratische Entscheidungsprozess war nicht ganz so tadellos, wenn man näher hinsieht. Das begann schon damit, dass die Untere Naturschutzbehörde von Beginn an nicht mehr viel zum Vorhaben sagen konnte, da schon im Frühstadium der Planung halbfertige Pläne auf dem Tisch lagen. Später wurde die für den Wald zuständige Behörde, die sich gegen die Waldumwandlung aussprach, ausgehebelt, indem die Oberbürgermeisterin, die auch stellvertretende Vorsitzende beim Klimapakt Flensburg ist, die übergeordnete Behörde in Kiel einschaltete, um dem Wald seinen Schutzstatus entziehen zu lassen. Dass die zahlreichen Einwendungen der Bürger*innen zum Bauvorhaben nur unzureichend beantwortet wurden, sei hier nur kurz erwähnt.

Zu alledem leistete das Flensburger Tageblatt durch einseitige Berichterstattung seinen ganz eigenen Beitrag zur Information der Öffentlichkeit. So wurde nicht berichtigt, dass es sich um Hunderte statt um 58 Bäume handeln wird, die dem Bauvorhaben weichen müssen, dass ein Schutz der Quelle direkt neben einer 5 m tiefen Baugrube wohl kaum möglich ist, dass die Hangstabilität noch nicht geprüft wurde und dass es sich um maximal 25 (Vollzeit?) Arbeitsplätze (statt 100) im Hotel handeln wird, bis hin zur immer wieder verwendeten Fotomontage eines Hotels im Wald, welches es mangels Wald nicht geben wird. Diese einseitigen Darstellungen haben sogar zu einer Beschwerde beim Presserat geführt.

Nun hat der BUND Widerspruch gegen die geplante Waldentwidmung eingereicht und es bleibt abzuwarten, wie weiter verfahren wird.

Auf Brandbriefe an die Stadt Flensburg, Räumungsszenarien wie im Dannenröder Wald zu vermeiden und das Bauvorhaben zu überdenken, hat die Verwaltung bisher nicht reagiert. Man darf gespannt sein, welchen Weg Investoren, Verwaltung und Politik jetzt einschlagen werden: Wird eine gewaltsame Räumung mit allen Konsequenzen angeordnet und ausgeführt, das Bauvorhaben mit allen Risiken durchgesetzt oder beweist man Mut und Größe, indem man Entscheidungen zurücknimmt, weil zu viele verlieren werden. Es geht um mehr…

UnterstützerInnen für Mahnwache gesucht

Für die Mahnwache am Bahnhofswald suchen die Bürgerinitiative und die WaldbesetzerInnen noch helfende UnterstützInnen. Wer also Lust dazu hat, melde sich bitte am Infostand auf dem Parkplatz am Bahnhofswald.

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung:

rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg: https://bahnhofsviertelflensburg.wordpress.com/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Die Stadt, der Wald und das Geld

Fridays for Future Demonstration für den Erhalt des Bahnhofswalds in Flensburg am 30.11.: Forderung nach einer grundlegenden Änderung der Klima-Politik – Foto: Jörg Pepmeyer

Zeitgemäße Kapitalismuskritik

Ein Beitrag von Dr. Boje Maaßen

Auf Demos wie der für den Erhalt des Bahnhofswaldes wird immer wieder auch Kapitalismuskritik geäußert. Es macht daher Sinn, das Verhältnis von Ökologie und Kapital zeitgemäß zu analysieren. Hier meine Überlegungen:

In der traditionellen marxistischen Theorie sind Kapitalisten Eigentümer von Produktionsmitteln, also Fabriken, Maschinen usw. Spekulanten, überbezahlte Fußballspieler u.a. treten hier nicht auf. Inzwischen hat sich der Kapitalismus aber zu einem warenproduzierenden Gesamtsystem weiter entwickelt, an dem nahezu alle Bürger vom Unternehmer über den Fußballstar bis hin zum Harz-Vier-Empfänger mehr oder weniger teilhaben. Es gibt relative Armut, aber (fast) keine absolute Armut in Deutschland. Absolute Armut ist für die Betroffenen und für die Gesellschaft unerträglich, materielle Ungleichheiten in höherem Ausmaße sind ungerecht.

Diese Struktur ist Bedingung für eine ständige Vermehrungswirtschaft (fälschlicherweise immer noch Wirtschaftswachstum genannt, denn ständiges Wachstum gibt es in der Natur nicht) und damit verbunden mit der Zunahme ständig neuer, zumeist überflüssiger und die Ökologie schädigender Bedürfnisse der gar nicht so freien Konsumenten. Die Kritik der ständigen Vermehrungswirtschaft ist keine Kritik an der Wirtschaft an sich, was letztlich inhuman wäre, sondern eben an einer speziellen Form, die allein auf Wirtschaftsvergrößerung aus ist und sich gegenüber anderen Interessen absolut setzt. Wenn aber die Qualität der erwirtschafteten Produkte und Dienstleistungen selbst nicht in Frage gestellt wird (=Gebrauchswertkritik), sondern nur noch deren Verteilung, dann ist das keine zeitgemäße Kapitalismuskritik. Eine zeitgemäße Kapitalismuskritik leistet Robert Kurz in „Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft“ (Eichborn Verlag 1999). Sinngemäß schreibt er: Nicht mehr die Klassen- und Verteilungsfrage der alten Arbeiterbewegung, die im Kern nur auf eine gerechte Verteilung des produzierten Mehrwerts abzielt, muss in das Zentrum der Analyse und Kritik gestellt werden, vielmehr muss die Kritik nun grundsätzlicher die gesellschaftlichen Produktions- und Vermittlungsformen des Werts und der abstrakten Arbeit in den Mittelpunkt stellen. Vor diesem theoretischen Hintergrund ist der traditionelle Sozialismus nicht die große Systemalternative, sondern vielmehr eine staatskapitalistische Spielart des warenproduzierenden Gesamtsystems.

Ich teile diese Position, kritisiere mitnichten die Wirtschaft an sich, sondern nur die Form, die  eine kapitalistische in einer spezifischen Bedeutung ist, nämlich die allein auf Wirtschaftsvergrößerung aus ist und sich gegenüber anderen Interessen absolut setzt. Wenn die erwirtschafteten Produkte und Dienstleistungen wie gesagt selbst nicht in Frage gestellt werden (=Gebrauchswertkritik), sondern nur noch deren Verteilung, wie es immer noch traditionelle Linke und die Gewerkschaften  tun, dann ist das keine aktuelle, sondern veraltete Kapitalismuskritik.

Das herrschende System der Gegenwart besteht im Kern aus den Momenten Bequemlichkeit, Wirtschaftswachstum und Motore. Genauer: Die Bequemlichkeit ist das Hauptmotiv für schlechte Veränderungen. Motore ermöglichen heute im großen Umfang die Bequemlichkeit in Form von motorisierter Mobilität und elektronischer Medien, beide haben heute Suchtcharakter angenommen. Das Wirtschaftswachstum stellt die Suchtmittel auf Dauer her, was sich aber, was die Dauer betrifft, aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen als Irrtum erweisen wird.. Die Ideologie des Wirtschaftwachstums ist weltweit die dominierende Wirtschaftstheorie, die nicht wesentlich kritisiert wird. Bolzonaro lässt in Brasilien Wälder im Amazonasgebiet verbrennen bzw. zumindest toleriert es, Trump fährt in den USA den Naturschutz konsequent zurück. Beide begründen das wie die Befürworter des Hotel- und Parkhausprojekte in Flensburg genau besehen mit Argumenten des Wirtschaftwachstums, nicht mit wirtschaftlichen realen Bedürfnissen. Jede neu erbaute Autobahn wird als Fortschritt begrüßt. Warum durchschauen das so wenige Bürger? Die Gleichsetzung von Bedarfswirtschaft und ständiger Vermehrungswirtschaft beruht auf einer schlechten Abstraktion, weil sie die Differenz beider Wirtschaftsformen verdeckt bzw. unbemerkt lässt. Auch deswegen, weil die ökologischen Zerstörungen in rechtstaatlichen Gesellschaften überwiegend legal stattfinden. Es bedarf deshalb hier einer zusätzlichen Reflexion, die die Frage  nach der Legitimität der erworbenen Waren und Dienstleistungen stellt. Sind Laubsauger, Schottergärten, Silvesterböller, Fernreisen, übergroße Bildschirme, Erdbeeren im Winter in Zeiten des Klimawandels und vieles mehr legitim? Den modernen Inbegriff dieser vom Kapital vermittelten Bedürfnisse sehe ich im SUV, dessen Neuzulassungen ständig neue Rekorde erreichen. Das zu bedenken und evolutionär zu ändern, wird Zukunft ermöglichen.

UnterstützerInnen für Mahnwache gesucht

Für die Mahnwache am Bahnhofswald suchen die Bürgerinitiative und die WaldbesetzerInnen noch helfende UnterstützInnen. Wer also Lust dazu hat, melde sich bitte am Infostand auf dem Parkplatz am Bahnhofswald.

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