Flensburger DIAKO-Krankenhaus meldet Insolvenz an

DIAKO-Krankenhaus in der Flensburger Knuthstraße – Foto: Jörg Pepmeyer

DIAKO Krankenhaus Flensburg beantragt Sanierungsverfahren –
Patientenversorgung wird ohne Einschränkungen in der gewohnt hohen Qualität fortgeführt

Flensburg, 22. November 2022. Seit Monaten ringt die DIAKO Krankenhaus gGmbH um wirtschaftliche Stabilität – heute hat die Geschäftsführung ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Darüber wurden die Beschäftigten der Klinik, u.a. im Rahmen einer Mitarbeitendenversammlung, am Nachmittag informiert. Das zuständige Amtsgericht Flensburg hat dem Antrag bereits stattgegeben. Betroffen ist ausschließlich das Krankenhaus in der Flensburger Knuthstraße.

„Auch wenn ein Schutzschirmverfahren eine große Chance für die nachhaltige Sanierung unseres Krankenhauses bietet, habe ich mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, erklärt Klinikgeschäftsführer Ingo Tüchsen. Eine solche Nachricht sei verständlicher Weise für die Beschäftigten und auch die Bürgerinnen und Bürger in Flensburg zunächst beunruhigend. „Das ist nicht das Ende unseres Krankenhauses, sondern ein wichtiger Schritt in eine sichere Zukunft“, stellt Tüchsen klar. „Wir sind weiterhin in vollem Umfang für alle da, die unsere medizinische Hilfe benötigen, und auch die Löhne und Gehälter unserer Mitarbeitenden sind durch den Schutzschirm gesichert.“

Wie alle Krankenhäuser in Deutschland stehe man vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen und habe deshalb frühzeitig Restrukturierungsmaßnahmen in die Wege geleitet. Dank des großen Einsatzes der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Unterstützung der auf das Gesundheitswesen spezialisierten Münchner Unternehmensberatung WMC Healthcare habe man bereits viel erreicht. So hätte man z.B. Strukturen und Prozesse verbessert. Die noch immer andauernden Folgen der Corona-Pandemie, Inflation und die explodierenden Energiekosten hätten aber leider dazu geführt, dass die Effekte noch nicht ausreichend seien. „Das hat uns in eine wirtschaftliche Schieflage gebracht, die die Einleitung des Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung erforderlich machte.“ Und weiter heißt es bei der DIAKO: „Wir werden nun die bereits eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen weiter umsetzen, einen Sanierungsplan aufstellen und beim Amtsgericht einreichen. Dabei bleibt die Verantwortung für das Unternehmen vollständig in den Händen der Geschäftsführung. Zur Kontrolle des Verfahrens stellt das Gericht der Geschäftsführung einen so genannten vorläufigen Sachwalter an die Seite.“

Für das DIAKO Krankenhaus Flensburg hat das Amtsgericht den Hamburger Rechtsanwalt Dr. Tjark Thies von der Kanzlei REIMER Rechtsanwälte in diese Funktion bestellt. Unterstützt wird Ingo Tüchsen bei der nachhaltigen Sanierung des Krankenhauses von zwei Generalbevollmächtigten: Christian Eckert von WMC Healthcare und Rechtsanwalt Stefan Denkhaus von der Hamburger Kanzlei BRL. Während Eckert als Spezialist für Kliniksanierungen das Krankenhaus bereits seit einigen Monaten bei der Restrukturierung unterstützt, wird Denkhaus als Fachanwalt für Sanierungsrecht das Eigenverwaltungsverfahren in Bezug auf die betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte begleiten.

Ein Kommentar von Jörg Pepmeyer

Krankenhäuser gehören in öffentliche Hand!

Im November letzten Jahres machte ein anonymer Briefschreiber  und Insider der DIAKO auf die prekäre wirtschaftliche Lage des Krankenhauses aufmerksam. Damals behauptete die DIAKO-Geschäftsführung, dass die Auslastung und damit die Erlöse  gut seien. Diese Aussagen stellen sich nunmehr in einem ganz  anderen Licht dar. (Mehr dazu in einem Beitrag des Nordschleswiger vom 24.11.2021: Finanziell unter Druck, aber nicht insolvent: Diako Flensburg weist Gerüchte zurück unter: https://www.nordschleswiger.dk/de/suedschleswig/finanziell-unter-druck-aber-nicht-insolvent-diako-flensburg-weist-geruechte-zurueck )

Auch das Franziskus Krankenhaus der Malteser musste in den letzten zwei Jahren, vor allem Corona bedingt, auf seine Rücklagen zurückgreifen. Da ist die im Juni diesen Jahres vertraglich besiegelte Fusion der beiden Krankenhäuser und der geplante Bau des gemeinsamen neuen Zentralkrankenhauses am Peelwatt wohl der Strohhalm gewesen, an den man sich geklammert hat. Aber auch das dürfte sich in der geplanten Form sicherlich erledigen, weil die finanziellen Ressourcen beider Krankenhäuser in Flensburg, auch wenn das Land 250 Mio. Euro für den Klinik-Neubau zuschießen will, derzeit wohl nicht ausreichen, um für mehrere Hundert Millionen Euro ein neues Krankenhaus auf der grünen Wiese zu bauen. Und auch die Geschäftsführung des Franziskus-Krankenhauses ließ bereits durchblicken, dass ohne ein tragfähiges und erfolgreiches Sanierungskonzept für das DIAKO-Krankenhaus alle Planungen in dieser Richtung Makulatur sein dürften. Und ebenso steht im schlimmsten Fall der Verkauf des DIAKO-Krankenhauses an einen privaten Klinikbetreiber an. Der müsste sich dann bereit erklären in die Fusion und die Planungen für den Bau des neuen Krankenhauses am Peelwatt einzusteigen. Nur steht das jetzt alles mehr oder weniger in den Sternen.

Ich habe mich schon bei den Beschlüssen der politischen Gremien in Flensburg im letzten Jahr, wie auch bei der Zustimmung der Ratsversammlung zum Verkauf des Peelwatt-Grundstücks am 28. Januar diesen Jahres gefragt, ob die Flensburger Kommunalpolitiker wirklich über die prekäre wirtschaftliche Lage des DIAKO-Krankenhauses Bescheid wussten, oder das bewusst ignoriert haben.

Insofern erscheint es sinnvoller, das geplante neue Flensburger Krankenhaus in öffentlicher Trägerschaft zu bauen und zu betreiben, dann gäbe es auch nicht den leidigen Streit um die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen im neuen Krankenhaus. Wobei angesichts der derzeitigen unsicheren Rahmenbedingungen es ebenso überlegenswert wäre, das Krankenhaus-Projekt am Peelwatt vorerst auf Eis zu legen und die weitere Entwicklung abzuwarten.

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Veröffentlicht am 22. November 2022, in Flensburg News. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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