OB-Wahl in Flensburg: Dr. Fabian Geyer gewinnt mit 56,0% die Stichwahl

OB-Wahl: Gewinner Dr. Fabian Geyer und Verliererin Simone Lange im Intervie mit dem NDR – Foto: Jörg Pepmeyer

Simone Lange profitiert nicht von Stimmen der SSW-Wählerschaft

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Nachdem bei der ersten ersten Runde der OB-Wahl am 18. September in Flensburg keiner der Kandidatinnen und Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen konnte, gab es heute die Stichwahl zwischen Fabian Geyer und der amtierenden Oberbürgermeisterin Simone Lange. Mit 12%-Punkten Vorsprung gewann Fabian Geyer, der von CDU, FDP und WiF unterstützt wurde, deutlicher, als von vielen erwartet. Fabian Geyer zeigte sich angesichts des klaren Wahlerfolgs ebenso überrascht: „Ich bin völlig überwältigt, ich bin völlig sprachlos.“

Simone Lange, Kandidatin von SPD und Grünen, gelang es dagegen nicht, die Stimmen der SSW-Wählerschaft für sich zu gewinnen. Die SSW-Kandidatin Karin Haug hatte in der ersten Runde der OB-Wahl noch 16,3% geholt und Simone Lange 36,2%. Zusammen hätte das heute locker gereicht. Aber es kam anders, die SSW-Wähler*innen entschieden sich mehrheitlich nicht zugunsten von Simone Lange. Dies lag sicherlich auch daran, dass der SSW  keine Wahlempfehlung für Simone Lange abgegeben hatte. Die war sichtlich enttäuscht. Aber, so die Oberbürgermeisterin: „Ich bedanke mich bei all den Menschen, die mich gewählt haben, bei meinem Wahlkampfteam und den Menschen, die mich unterstützt und für mich geackert haben.“ Und so sei eben die Demokratie, sie lebe auch vom Wechsel.

Stammwählerschaft? Nix zählt mehr

Auffällig war bei dieser OB-Wahl, dass alte Wahlmuster offensichtlich ausgedient haben. So war schon bei der ersten Runde die SSW-Kandidatin in den ehemaligen Hochburgen des SSW mehr oder weniger durchgefallen, rangierte Karin Haug sogar an dritter Stelle hinter Fabian Geyer und Simone Lange. Aber ebenso waren die vermeintlichen Hochburgen der SPD auch diesmal keine sichere Bank für die Oberbürgermeisterin. Fabian Geyer holte auch dort überraschend viele Stimmen und sogar noch mehr, als am 18. September. Lediglich in den innerstädtischen Wahlbezirken und Stadtteilen, deren Bevölkerung mit enormen sozialen und ökonomischen Problemen zu kämpfen hat, konnte Simone Lange weiterhin punkten. Dort lag allerdings die Wahlbeteiligung teilweise unter 20%. Dafür lag sie in den Quartieren der gutverdienenden Mittelschicht mehr als doppelt so hoch, wovon vor allem Fabian Geyer profitierte. Während er, wie beim ersten Wahldurchgang, in den sozialen Brennpunkten kein gutes Ergebnis erzielte

Wahlbeteiligung wenig geringer

Trotzdem war die Wahlbeteiligung insgesamt noch recht hoch. Mit 32,8% lag sie nur 4,1% unter der vom 18. September. Das, obwohl etliche Beobachter*innen geunkt hatten, dass vor allem viele links und ökologisch orientierte Wähler*innen aus Enttäuschung über Simone Lange und ihr Handeln im Bahnhofswald-Konflikt nicht zur Wahl gehen würden. Offensichtlich spielte das aber nur eine unwesentliche Rolle bei der Wahlbeteiligung. Die Zahl der ungültigen Stimmen betrug 286, was einen Anteil von 1,1% der abgegebenen Stimmen ausmacht. Von einem aktiven und bedeutsamen Wahlboykott kann im obigen Zusammenhang ebenfalls nicht die Rede sein.

Nach der Wahl ist vor der Amtsübergabe. Fabian Geyer wird voraussichtlich am 15. Januar 2023 sein Amt als Oberbürgermeister antreten. Er versprach im Gespräch mit dem Stadtblog sach- und lösungsorientiert zu arbeiten und freut sich jetzt schon auf die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf ihn zukommen werden. Man darf gespannt sein, was insbesondere von ihm zum Sanierungsprojekt am Hafenostufer im kommenden Jahr zu erwarten ist. Ebenso wird das Thema Bahnhofswald und die Bereitstellung von Bauflächen für Investoren und Gewerbe weiterhin für Zündstoff sorgen. Das dürften die ersten Bewährungsproben für den zukünftigen Oberbürgermeister sein. Gleichzeitig gilt es auch die enormen Herausforderungen der derzeitigen sozialen und wirtschaftlichen Krise in der Stadt Flensburg für alle Menschen zufriedenstellend zu meistern. Bei der Bewältigung dieser Aufgaben ist Dr. Fabian Geyer Entscheidungssicherheit, Fingerspitzengefühl, viel Glück und Erfolg zu wünschen.

Mehr zu den OB-Wahl-Ergebnissen auf der Homepage der Stadt Flensburg unter https://wahlen.flensburg.de/Flensburg/

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Veröffentlicht am 2. Oktober 2022, in Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Rat & Ausschüsse, Soziales. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Moin Herr Pepmeyer,

    vielen Dank für Ihre-wie immer-gute und unermüdliche Arbeit zu aktuellsten Themen.

    Nun- ich finde, daß es schwierig ist, anhand von Statistik und Wahlbeteiligung in den Bezirken klare Rückschlüsse zu ziehen. Sicherlich sind sehr viele Menschen mit Simone Lange unzufrieden gewesen- und ganz besonders die Zeitzeugen der Ereignisse am Bahnhofswald, der Umgang mit Bunnies Ranch, ganz besonders auch die fehlende Möglichkeit der Bürgerbeteiligung bei allen Entscheidungen, Pläne zum Hafen Ost usw. .

    Aber war für diese Bürger Dr. Geyer wirklich eine Alternative? Es mag so aussehen und er hat mit Sicherheit von der Unzufriedenheit vieler Flensburger profitiert. Das- und sein fast aggressiver Wahlkampf, z.B. in der Innenstadt- hat sicherlich Einiges bewirkt.-
    Die sogenannten „ungültigen“ Wahlscheine können aber durchaus auch Ausdruck des Protestes gegen zwei als unwählbar erlebte KadidatInnen sein- wer weiß ?
    Es bleibt abzuwarten, ob Herr Dr. Geyer die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen wird.

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  2. Danke für diese schnelle Analyse. Ich bin gespanngt, was sich nach genauerem Nachforschen noch ergibt.
    Widersprücjlich finde ich, dass dass Thema SSW-Wähler in den Medien so gehypt wurde, obwohl gleichzeitig gesagt wird, dass sie diesmal nicht als Block abgestimmt haben. Viel spannender funde ich das Auseinanderklaffen der Wahlbeteiligung in den verschiedenen Stadtbezirken. War es in verschiedenen Vierteln eine Wahl der Resignation? Liefert die Wahl auf den zweiten Blick doch Aussagen über die Hafenverlegung oder das Bahnhofsviertel?

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