Wer wird Oberbürgermeister*in Flensburgs? – Stichwahl zwischen Simone Lange und Fabian Geyer am 2. Oktober

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Nach der ersten Runde der OB-Wahl in Flensburg konnte keiner der Kandidatinnen und Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen. Am 2. Oktober wird es somit zu einer Stichwahl kommen.

Zwar konnte Fabian Geyer 43,5 % der Wähler*innen für sich gewinnen und wurde von seinen Anhänger*innen mit „Fabian, Fabian“ Rufen lautstark in der Bürgerhalle des Rathauses gefeiert, dennoch müssen er und die amtierende Oberbürgermeisterin Simone Lange, die mit 36,2 % ein überraschend gutes Ergebnis erzielte,  in die Stichwahl. Der SSW war weniger zufrieden mit dem Abschneiden seiner Kandidatin. Karin Haug erreichte mit 16,3 % in etwa das Ergebnis, dass der SSW auch bei der letzten Kommunalwahl für sich verbuchen konnte.

Ratsherr Marc Paysen von Flensburg WÄHLEN, für viele das Enfant Terrrible der Flensburger  Kommunalpolitik, holte glatte 4 %. Das, obwohl Julian Heldt ihn in einem shz-Beitrag als OB-Kandidat regelrecht disste. Sollte die Wählergeimschaft Flensburg WÄHLEN ein ähnliches Ergebnis bei der nächsten Kommunalwahl im kommenden Mai erzielen, wären zwei Sitze in der Ratsversammlung drin.

Ob das auch für den Fraktionsstatus reichen würde, ist derzeit unklar, weil die schwarz-grüne Landesregierung die Kommunalverfassung ändern will, so dass in Zukunft eine Fraktion in der Ratsversammlung aus mindestens drei gewählten Vertreter*innen bestehen müsste. Sehr zum Schaden vor allem kleinerer Parteien und Wählergemeinschaften, deren kommunapolitischen Spielraum man zukünftig erheblich einengen will.

Besonders ungewöhnlich war jedoch, dass Simone Lange vor allem in den innerstädtischen Wahlbezirken besonders punkten konnte, die eigentlich Hochburgen der Grünen bei der letzten Kommunalwahl waren und in denen die Grünen zum ersten Mal überraschend viele Direktmandate gewannen. Das, obwohl Simone Lange als Oberbürgermeisterin beim Konflikt um den Bahnhofswald sehr unklug und widersprüchlich handelte und sich den Zorn vieler Umweltschützer*innen zuzog.

In den eigentlichen SPD-Hochburgen konnte dagegen Fabian Geyer außergewöhnlich viele Stimmen sammeln. Anders ausgedrückt, viele SPD-Wähler*innen haben anscheinend eher Fabian Geyer ihre Stimme gegeben, als dass sie Simone Lange unterstützen mochten. Wenn man so will, ist Simone Lange eher eine  Kandidatin der Grünen und ihrer Wähler*innen, und weniger der SPD-Wahlklientel.

Fabian Geyer war, unterstützt von der CDU und FDP, besonders erfolgreich beim konservativen und neoliberalen Wahlvolk in den „besseren“ Vierteln und den Eigenheimgebieten der Stadt. Auf Duburg und in der Neustadt sah es dagegen für ihn mit gerade mal etwas über 20 % ziemlich schlecht aus. Simone Lange verbuchte dort, wie auch in anderen Stadtteilen, in denen Menschen leben, die von den aktuellen sozialen und ökonomischen Herausforderungen besonders gebeutelt sind, besonders hohe Stimmanteile.

Somit zeigte das Wahlergebnis bei einer Beteiligung von 36,9 % auch die sozialen und ökonomischen Friktionen in der Stadtgesellschaft auf. Man darf zudem gespannt sein, ob der SSW seine Wähler*innen bei der Stichwahl zur Unterstützung von Simone Lange aufruft, denn im SSW ist die Lust auf einen OB Fabian Geyer nicht besonders groß. Es wird also am 2. Oktober noch mal sehr spannend.

Mehr zu den Ergebnissen auf der Homepage der Stadt Flensburg unter https://wahlen.flensburg.de/Flensburg/

Werbung

Über akopol

Netzwerk für mehr Öffentlichkeit, Transparenz und Demokratie in Flensburg

Veröffentlicht am 19. September 2022, in Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Rat & Ausschüsse, Soziales. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Dank an Jörg für diesen Bericht mit den informativ-aufgearbeiteten Zahlen!
    So was bekommt man nur von Akopol.
    Jörg schreibt: „Ratsherr Marc Paysen von Flensburg WÄHLEN, für viele das Enfant Terrrible der Flensburger Kommunalpolitik, erzielte glatte 4%.
    Das, obwohl ihn Julian Heldt in einem shz-Beitrag als OB-Kandidat regelrecht disste“
    (Lt. onlineDuden steht „dissen“ für Jargon> jemanden als verachtenswert hinstellen, voller Verachtung schlechtmachen; jemanden herabsetzend kritisieren; despektierlich über jemanden reden))schreiben
    Ich kenne Marc Paysen persönlich nicht, meine trotzdem, dass diesem Anfänger Heldt andere Mittel als umgangssprachlicher Jargon zur Verfügung hätte stehen müssen, hätte er es überhaupt gewollt und darum geht es hier.

    aus Tageblatt : „Oberbürgermeisterwahl 2022 in Flensburg Der vierte OB-Kandidat: Wenn Marc Paysen spricht, verlassen andere Ratsmitglieder den Saal
    Von Julian Heldt | 05.09.2022“

    An der zu verlierenden Ehre des Ratsherrn Marc Paysen hat leider dieses andere Enfant terrible von Presseerzeugnis mitgewirkt und rumgekleckst, wo er, einem Kodex nach, ausgerechnet nicht hingehört.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: