Geyer verhindern.

Ein Beitrag von Judith Michelsen

Simone Lange hat spätestens seit dem Bahnhofswalddesaster bei einigen an Zustimmung eingebüßt, insbesondere in sozial-ökologisch orientierten Kreisen in Flensburg. Fabian Geyer wird daher als ernsthafter Konkurrent gehandelt, scheinbar parteilos und unabhängig lächelt er uns von jedem zweiten Laternenpfahl, aus dem Briefkasten oder von der Leuchtreklame entgegen. Bei einigen, mit denen ich rede oder von denen ich lese, scheint der Frust über Simone Lange so groß, dass eine Wahl von Fabian Geyer eine ernsthafte Alternativ darzustellen scheint. Doch Vorsicht: wer progressive, sozial-ökologisch gerechte Politik für Flensburg möchte, ist bei Geyer an der falschen Adresse.

Wer nicht gerade ein eigenes Unternehmen führt, der*dem dürfte der Name Fabian Geyer vor seiner Kandidatur vermutlich wenig gesagt haben. Er ist Geschäftsführer des Unternehmerverbandes, was sich auch in seiner Politik zeigt. Zwar schmücken zwei schöne grüne Blätter seine Werbeartikel, doch stellen die wohl eher die Überbleibsel von fallenden Bäumen dar. Ganz unverhohlen ruft er die Bereitstellung von Gewerbeflächen für expansionswillige Unternehmen als großes wirtschaftspolitisches Ziel aus. Wo diese Flächen entstehen sollen, bleibt mir, wie vieles bei Fabian Geyer, unklar. Zu vermuten ist, dass er nicht Parkplätze reduzieren und Gewerbeflächen nachverdichten, sondern Kleingärten platt machen und Landschaftsschutzgebiete umwandeln wird – eben auf der „grünen Wiese“ bauen wird, von der wir in Flensburg nicht mehr viel haben. Vor diesem Hintergrund liest sich Geyers Ankündigung, die Standortsicherung der Flensburger Brauerei habe „oberste Priorität“, mit der Sorge, dass andere als wirtschaftliche Interessen in dieser Frage zu wenig Beachtung erfahren könnten. In Sachen Sportförderung sieht Geyers „Flensburgplan“ vor, für den schon erfolgreichen Spitzensport der SG Flensburg-Handewitt und des SC Weiche 08  „Geld in die Hand nehmen“ zu wollen. Die Infrastruktur des Amateur- und Breitensports vieler junger Menschen und Freizeitsportler*innen zu stärken, bleibt hier stattdessen als Leerstelle zurück. Eine solche Politik verwundert auch nicht, ist Fabian Geyer doch seit Jahren näher an den Geschäftsführer*innen der Unternehmen dran als an der breiten Masse der Flensburger*innen. Angesichts dieser Verstrickungen wundert mich auch seine sehr material- und kostenintensive Kampagne nicht mehr.

Klimaschutz scheint bei Fabian Geyer gegenüber der Wirtschaftspolitik zu einer Nebensache zu verkommen, die allein technisch zu lösen ist. Er möchte einen Plan für eine Flensburger Kreislaufwirtschaft entwickeln, klingt toll, wie das aussehen soll, bleibt vollständig offen. Dass der Aufbau einer effektiven Kreislaufwirtschaft den Kompetenzbereich eines Oberbürgermeisters komplett überschreitet und wohl eher eine bundesdeutsche oder europäische Aufgabe ist, ignoriert Fabian Geyer geflissentlich. Lösungen, die schon längst auf dem Tisch liegen und sofort umgesetzt werden könnten, wie die Reduktion des Autoverkehrs in der Innenstadt oder die Vermeidung von Neubau – Mieten ließen sich auch anders begrenzen – bleiben von ihm unbeachtet.

Fabian Geyer gibt vor, unabhängig und parteilos zu sein und sieht die Aufgabe des Oberbürgermeisters als „politik-freien Raum“. Indirekt wirft er Simone Lange dabei vor zu viel gestaltet, zu viel Politik gemacht zu haben. Aber was sind seine Vorschläge denn anderes als Politik? Ein Oberbürgermeisteramt gestaltet die Prozesse einer Stadt immer mit und ist damit immer politisch. Sich davon scheinbar frei zu machen, passt zu der neoliberalen Vorstellung der „unsichtbaren Hand des Marktes“, die komplett unpolitisch sei, es faktisch aber niemals ist.

So sehr man sich über Simone Lange ärgern kann, Fabian Geyer, der Kandidat der FDP und CDU, würde aus meiner Sicht für die Zukunft Flensburgs und unserer Kinder definitiv den größeren Schaden anrichten. Deswegen gilt für mich: Geyer verhindern.

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Veröffentlicht am 15. September 2022, in Aufrufe, Ökologie, Bahnhofsviertel, Bahnhofswald Flensburg, Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Danke Frau Michelsen, für einen solchen klaren Warnruf braucht man sicher schon etwas Mut, ich stimme zu, aber nicht ganz.
    Frau Simone Lange hat ausgedient. Die Mittwochausgabe des FL-Tagesblatts mit der Ablichtung von Lange, Kohrt und Zehrenfeld „schaufelschwingend“ vor drei Bauplätzen ist für mich eine peinliche Lachnummer und ihr letzter Versuch vor der Wahl.
    Sollte Lange OB bleiben, so sehe ich das Bahnhofsviertel u. das jetzt noch grüne Tal
    völlig asphaltiert und zugebaut. Mir graust es. In der gleichen Geschwindigkeit und mit ebenso wenig Skrupel oder Respekt vor Natur würde Geyer so weitermachen!
    Duschkewitz/Hansen freuen sich schon heute auf die Realisierung ihres verkruxten Hotels u. Parkhaus.
    „flexible Bürgernähe“ wähnt Herr Schlicht für Geyer, aber wie flexibel darf es überhaupt sein?
    Ich mache Simone Lange den großen Vorwurf, über Jahre nicht mit „ihren“ Bürgern überhaupt geredet oder auf andere Art zielgerichtet kommuniziert zu haben und auf andere Möglichkeiten einzugehen. Stur eigene Ziele erreichen war ihr Motto.
    Seit 2017 glaubt sie, dass ihr Jungmädellächeln schon reicht, um sie lieb zu haben.
    Ihr Satz vor der Ratsfraktion nach der Rodung hieß 2021 „sie würde nur die Ratsbeschlüsse ausführen“ (helfen) – für mich unglaubwürdig aber das fällt Lange seit 2 Jahren schwer auf die Füße u. ist nicht heilbar.
    Keine Sympathie für Geyer und keine für Lange! Flensburger Wähler sollten sich nach unverbrauchten Köpfen umschauen. Haug oder Paysen können ihr Engagement beweisen.

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  2. „Flensburger hat endlich eine/n Oberbürgermeister’in mit kommunaler Fachkunde, Organisationsgeschick, flexibler Bürgernähe und mit bodenständiger politischer Weitsicht zum Wohle der Bürger und der Stadt verdient“

    „Flensburg hat endlich einen OB“ ….

    Frau Lange wünscht sich die Glaskugel, in die Sie offenbar schon geguckt haben.
    Der Rest Ihres Satzes sind nicht mehr als nur „Versprechen in die Zukunft“

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  3. Rolf Dieter Schlicht

    Das, was wir als OB’in derzeit haben, können wir mehr oder weniger einschätzen.
    Die Arbeit, die Ergebnisse und Erlebnisse der derzeitigen Mandatsträgerin zog sich dahin.
    An große Errungenschaften kann ich mich nicht richtig erinnern, denn, dass eine OB’in sich auf die Fahnen geschrieben hat, „hochpreisige“ Kitas – für sie werbewirksam – bauen zu lassen – und die eine oder andere Schule aufzupolieren, kommt mir beinahe schon auffällig teil-sozial vor. Frei nach dem Motto, klotzen ist besser als kleckern, darf der großzügige Neubau des Gebäudes für die Berufsfeuerwehr nicht unerwähnt bleiben. Dass die Gebäude der Freiwilligen Feuerwehren im Stadtbereich teilweise baufällig und für den Betrieb nicht
    wegen gravierender Baumängel (auch Sanitär) mehr nutzbar sind, sollte zumindest in einem kritischen Beitrag einer Erwähnung bedürfen.
    Die Umgestaltungspläne der Flächen Hafen-Ost sowie Hafen-West bereiten mir aus unzähligen Gründen Kopfschmerzen. Alleine die angeblich unaufschiebbare Notwendigkeit, gerade in der aktuell vorherrschenden politischen, wirtschaftlichen sowie der wirtschaftspolitischen Probleme, erinnern mich an uferlose Phantasiegebilde ungewissen Ausmaßes! Eigentlich nur die „Spitze des Eisbergs“, angefangen bei Bauer Knop bis hin zur umstrittenen Sperrung der Rathausstraße …… Weitere konkret nachvollziehbare Initiativen
    bzgl. der Innenstadtgestaltung, zu der auch das misslungene Sicherheitskonzept des Südermarktes gehört, möchte ich als weiteres Negativ-Beispiel nicht unerwähnt lassen.
    Flensburger hat endlich eine/n Oberbürgermeister’in mit kommunaler Fachkunde, Organisationsgeschick, flexibler Bürgernähe und mit bodenständiger politischer Weitsicht zum Wohle der Bürger und der Stadt verdient.

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