Widerstand gegen die Einführung des Studienmoduls „Wehrtechnik“ an der Hochschule Flensburg

Studierende wehren sich gegen Militarisierung der Lehrinhalte und starten Petition

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

In einer Konventssitzung des Fachbereiches 1 der Hochschule wurde am 13. April mit einer hauchdünnen Mehrheit beschlossen das Modul „Wehrtechnik“ für den Studiengang Maschinenbau an der Hochschule Flensburg zu etablieren. Es soll ab dem Wintersemester 2022/23 für zwei Semester probeweise angeboten werden. Nicht als verpflichtende Lehrveranstaltung im Rahmen der Studienordnung, sondern wahlweise mit jeweils 4 Semesterwochenstunden ohne Vergabe von Credit Points.

Obwohl seit der Sitzung rund zweieinhalb Monate vergangen sind, gibt es , abgesehen vom Beschluss des FB1, bisher noch keine öffentlichen Informationen der Hochschule über das Modul und welche Lehrinhalte es umfassen wird. Ein Dozent begründete das auf Nachfrage gegenüber Studierenden damit, dass dies eine rein hochschulpolitische Angelegenheit ist. Es sei der standardmäßige Entscheidungsprozess für die Einführung eines neuen Moduls durchlaufen worden.

Dennoch wurden folgende Lehrinhalte und Zielsetzungen des Moduls bekannt:

Flug-, und Zielballistik, Radar-, Sonartechnik, Plattformtechnik (ABC-Schutz), Netzwerktechnik (Entschlüsselung und Störung von Signalen) und Elektronische Kampfführung.

Damit soll das Modul angehenden Ingenieur*innen nicht nur einen Einblick in die unterschiedlichen Gebiete der Rüstungsindustrie bieten sondern auch ihre Chancen zum beruflichen Einstieg in Rüstungsunternehmen verbessern, von denen es in der Region eine ganze Anzahl gibt.

Dagegen regt sich studentischer Widerstand. Die beteiligten Studierenden lehnen die Einführung des Moduls vor allem aus ethischen Gründen ab und fragen sich, was ein derartiges Modul an einer zivilen Hochschule zu suchen habe. Ebenso kritisieren sie, dass die Hochschule Flensburg, die für Innovation und Fortschritt stehe, ein rückschrittliches und rein wirtschaftlich motiviertes Modul „Wehrtechnik“ einführen wolle. Das sei absurd.

Auch die Geheimniskrämerei der Hochschule wird kritisiert. Ein Studierender: „Ein ganz normaler Entscheidungsprozess für ein ganz normales Modul eben. Ist es nicht aber ein gesellschaftlich relevantes Thema, welches öffentlich diskutiert werden sollte?“ Und ergänzend fügt er hinzu: „Freiheit von Forschung und Lehre hin oder her; die staatliche Institution Hochschule entscheidet mit ihrem Lehrangebot auch damit, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickelt. Es kann nicht sein, dass eine solche prägnante Entscheidung ohne einen öffentlichen Diskurs und mit mangelndem Einbezug der Studierenden getroffen wurde.“ Die Einführung des Moduls „Wehrtechnik“ könne daher nicht einfach so hingenommen werden.

Die widerständigen Studierenden haben deshalb eine Petition auf Change.org initiiert, die ein Meinungsbild zur Einführung des Moduls „Wehrtechnik“ abbilden soll. Außerdem soll so die Information um die Existenz des Moduls verbreitet und ein öffentlicher Diskurs angeregt werden.

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Veröffentlicht am 5. Juli 2022, in Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Sehr schöne und vor allem notwendige Aktion. Wünsche den Studentinnen und Studenten viel Erfolg. Für eine zivile und soziale Zeitenwende. Gegen Rüstungsproduktion in den Fabriken und Hochrüstung in den Köpfen. Weiter so!

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  2. Stephan Eder

    Aus ethischen Gründen… 🙄
    Ein Problem von sich weg zu schieben statt sich damit auseinander zu setzen und zu hoffen das sich das Problem von alleine lösen wird ist schon sehr intelligent…
    Den Studiengang nicht zu etablieren bedeutet die Kontrolle darüber zu verlieren.
    Der Standort Flensburg verliert.
    Ich empfehle den Studenten, statt Party mehr Nachrichten zu sehen.

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    • Kein Werben für Töten und Sterben

      Nicht an Gymnasien durch Jugendoffiziere und „Karriereberater“ der Bundeswehr,
      und nicht an Uni’s. Fertig!

      Wer „Wehr-Technik“ als Begriff verkauft der lügt u. nicht erst mit der Ampelkoalition.

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      • Stephan Eder

        Der Begriff Wehrtechnik enthält doch das Gegenteil von Töten und sterben.
        Einfach mal nachdenken… Putin interessiert sich kein Stück für ihren Pazifismus.

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