Verfügbares Pro-Kopf-Einkommen: Flensburg mit 19.134 Euro weiterhin eines der Schlusslichter in Deutschland

Das durchschnittliche verfügbare Pro-Kopf-Einkommen sinkt in Flensburg von 2016 bis 2019 um real 2,04%

Ergebnisse einer Studie des WSI zu den Einkommensunterschieden in den 401 bundesdeutschen Kreisen und Städten

Während das durchschnittliche verfügbare Pro-Kopf-Einkommen 2019 in der Stadt Heilbronn 42.275 Euro und im Landkreis Starnberg 38.509 Euro erreichte, betrug es laut einer  Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Flensburg gerade einmal 19.134 Euro. Damit war es das niedrigtse aller Kreise und kreisfreien Städte in Schleswig-Holstein und eines der niedrigsten in den westlichen Bundesländern und bedeutet für Flensburg Platz 394 im bundesweiten Ranking der 401 kreisfreien Städte und Kreise. Schlechter stehen in den westdeutschen Bundesländern nur Wilhelmshaven mit 19.050, Herne mit 18.907, Bremerhaven mit 18.590, Duisburg mit 17.741 und Gelsenkirchen mit 17.015 Euro da. Aber auch im Ranking und Vergleich mit den ostdeutschen Kreisen und Städten sieht es für Flensburg nicht wirklich besser aus. Dabei betrug der reale Zuwachs von  2016 bis 2019 in Flensburg -2,04 %. Anders ausgedrückt, das durchschnittliche verfügbare Pro-Kopf-Einkommen in unserer Stadt sank seit dem Jahr 2016 real um eben diesen Wert. Das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen für die Bundesrepublik lag insgesamt im Jahr 2019 im Durchschnitt bei 23.706 Euro.

Dazu die Pressemitteilung des WSI:

Untersuchung des WSI:

Einkommen: Neue Studie liefert Daten zu allen Stadt- und Landkreisen, analysiert Umverteilung und regionale Preisniveaus

13.04.2022. Unter den 401 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten lassen sich zum Teil frappierende Einkommensunterschiede feststellen: Während das durchschnittliche verfügbare Pro-Kopf-Einkommen 2019 in der Stadt Heilbronn 42.275 Euro und im Landkreis Starnberg 38.509 Euro erreichte, war es in Gelsenkirchen mit 17.015 Euro und in Duisburg mit 17.741 Euro nicht einmal halb so hoch. Auch das Einkommensgefälle von West nach Ost ist mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung nicht verschwunden. So gibt es in den neuen Ländern mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark (24.127 Euro) nur einen Kreis, in dem das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen den Durchschnitt für die Bundesrepublik insgesamt von 23.706 Euro überschreitet. In den alten Ländern besteht zudem ein Süd-Nord-Gefälle. Im Durchschnitt liegt das Pro-Kopf-Einkommen in Bayern und Baden-Württemberg etwa 2.600 Euro höher als im übrigen Westdeutschland. Insbesondere in einigen kleineren Städten oder ländlichen Gebieten mit sehr hohen Einkommen wird der Durchschnitt durch eine überschaubare Zahl sehr reicher Haushalte beeinflusst. Öffentliche Dienstleistungen und die Umverteilung durch Steuern, Sozialabgaben und Transferzahlungen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Lebensverhältnisse in Deutschland regional nicht noch deutlicher auseinandergehen. Regionale Unterschiede im Preisniveau, etwa bei Mieten, spielen ebenfalls eine Rolle, im Vergleich zu Abgaben und Transfers ist die aber meist weitaus kleiner. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Sie liefert detaillierte Daten für alle 401 Kreise und kreisfreien Städte, die über eine interaktive Karte und eine Tabelle mit Lesehilfen erschlossen sind.

Interaktive Karte und Daten: Zum Öffnen hier klicken

In ihrer Untersuchung greifen die WSI-Experten Dr. Eric Seils und Dr. Toralf Pusch auf die aktuellsten verfügbaren Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Länder für 2019 und auf neu verfügbare Daten zu regionalen Preisniveaus zurück. Dadurch können sie die Einkommenssituation in ganz Deutschland auf drei wichtigen Ebenen durchleuchten: Die Markteinkommen pro Kopf aus Erwerbstätigkeit oder Vermögen. Die verfügbaren Einkommen pro Kopf, die sich aus den Markteinkommen nach Umverteilung ergeben. Und schließlich die preisbereinigten verfügbaren Einkommen pro Kopf, die zusätzlich noch regionale Preisunterschiede berücksichtigen.

Die Analyse zeigt, dass das System staatlicher Abgaben und Transfers, zu denen etwa Kindergeld, Arbeitslosengeld oder Rentenzahlungen zählen, einen erheblichen Beitrag zur Angleichung der Einkommen in der Bundesrepublik leistet. „Geht man von den Markteinkommen aus, dann sind diese im obersten Zehntel der Kreise und Städte mit dem höchsten Durchschnitt 1,6 mal so hoch wie im Zehntel mit dem niedrigsten Durchschnitt. Bei den verfügbaren Einkommen ist es das 1,3-Fache“, so Seils. Oder mit einem anderen statistischen Maß ausgedrückt: Schaut man auf die Markteinkommen, müssten 7,3 Prozent der gesamten Einkommen umverteilt werden, um zumindest eine Gleichverteilung unter den deutschen Kreisen zu erreichen. Nach der Umverteilung sind es noch 4,5 Prozent der verfügbaren Einkommen in Deutschland.

Auch die Einkommensunterschiede zwischen Ost und West bzw. Süd und Nord in den alten Bundesländern verringern sich spürbar. Dabei sorgt das staatliche System von Abgaben und Transfers natürlich auch innerhalb der einzelnen untersuchten Städte und Kreise für etwas geringere Einkommensunterschiede. Dass die Unterschiede gerade auf lokaler Ebene gleichwohl groß sein können, zeigt ein Blick auf manche Einkommens-Spitzenreiter: Eine wichtige Ursache für extreme Werte – etwa in Heilbronn und im Landkreis Starnberg – sind in sehr hohen Einkommen weniger Haushalte zu suchen. „Was hier als regionale Ungleichheit erscheint, hat also in Wirklichkeit auch mit sehr hohen Einkommen einzelner Personen zu tun“, analysiert WSI-Experte Seils.

Aus den staatlichen Abgaben werden aber natürlich nicht nur Transfers, sondern auch öffentliche Dienstleistungen finanziert, deshalb weist die Statistik in den allermeisten Städten und Kreisen einen negativen Umverteilungs-Saldo aus. „Die privaten Haushalte verlieren aber nichts. Sie erhalten ihre Steuern und Abgaben in Form von staatlichen Leistungen zurück“, erläutert WSI-Experte Seils. Zu denken sei hier beispielsweise an die öffentliche Infrastruktur, Bildung, Polizei, die Bundeswehr oder soziale Sachleistungen. Im regionalen Vergleich spielen auch Faktoren wie die jeweiligen Markteinkommen oder die Altersstruktur eine wichtige Rolle für den jeweiligen Beitrag: Mit einem Saldo von -15.314 Euro pro Kopf liefert die bayerische Landeshauptstadt München einen besonders großen Beitrag zur Umverteilung. Ähnlich fällt die Bilanz im Hochtaunuskreis (-14.338 Euro) und im Landkreis Starnberg (-14.274 Euro) aus. Positive Werte weisen vor allem Kreise mit niedrigen Markteinkommen und einem hohen Anteil alter Menschen auf. Den höchsten jährlichen Überschuss aus der regionalen Umverteilung verbuchte der Landkreis Mansfeld-Südharz mit 1.715 Euro pro Kopf. Es folgen die Stadt Görlitz mit 1.596 Euro und das Altenburger Land mit 1.295 Euro.

Regional unterschiedlich hohe Preisniveaus tragen der Studie zufolge ebenfalls zu einer gewissen Angleichung der Einkommen bei. Regionen mit hohem Einkommen haben tendenziell auch höhere Mieten und sonstige Preise. „Die Leute haben dann zwar mehr Geld im Portemonnaie, können sich aber nicht in gleichem Maße mehr leisten“ erklärt WSI-Wissenschaftler Pusch. So fallen die kaufkraftbereinigten Einkommen in den neuen Ländern generell etwas höher aus als die nominalen Pro-Kopf-Beträge erwarten lassen würden. Es verbleibt aber ein realer Einkommensunterschied von 12 Prozent. Der nivellierende Effekt unterschiedlicher Preisniveaus sei allgemein weitaus geringer als jener der Umverteilung. Auch nach der Preisbereinigung bleiben so die Stadt Heilbronn und die Landkreise Starnberg und Miesbach die Regionen mit den höchsten preisbereinigten Einkommen. Gelsenkirchen und Duisburg sind weiterhin am äußersten unteren Rand der Verteilung zu finden. Halle an der Saale profitiert hingegen von den etwas niedrigeren Preisen im Osten und kann sich geringfügig vom unteren Ende abheben.

„Vor allem die staatliche Umverteilung korrigiert die Verteilung der realen verfügbaren Einkommen zwischen den Regionen in beachtlichem Umfang“, resümiert Seils. Insbesondere in der personellen Einkommensverteilung verbleibe aber eine beträchtliche Ungleichheit, die sich auch in den hohen durchschnittlichen verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen insbesondere bei den regionalen Spitzenwerten zeigt.

Weitere Informationen:

Eric Seils, Toralf Pusch: Ungleichheit, Umverteilung und Preise im regionalen Vergleich. WSI Policy Brief Nr. 70, April 2022.

Daten und Lesehilfen zu Verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen, Umverteilung und regionalen Preisniveaus in 401 Kreisen zum Download

Interaktive Karte

Karte als pdf

Siehe dazu auch den Stadtblog-Beitrag vom 24. April 2019 mit den Vergleichszahlen von 2018:

Pro-Kopf-Einkommen: Flensburg bleibt im bundesweiten Vergleich eins der Schlusslichter

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Veröffentlicht am 13. April 2022, in Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Hartz IV, Soziales, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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