Trotz nahendem Fristende: Bunnies Ranch schlägt der Stadt drei Modelle für ihre Zukunft im Bahnhofstal vor

Foto: Bunnies Ranch

In einem Offenen Brief wendet sich der Verein Bunnies Ranch an die Vertreter*innen der Stadt Flensburg, um sich mit konkreten Modellen für ein Weiterbestehen einzusetzen.

Am 7.2.2022 fand ein Treffen mit Oberbürgermeisterin Simone Lange, dem Geschäftsführer der Sanierungsgesellschaft (IHRSan), Markus Pahl und dem Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung, Axel Kohrt (SPD) statt. Es ist deutlich geworden, dass die Ereignisse und Beschlüsse der letzten Monate von dem Umstand geprägt waren, dass die Kommunikation ins Stocken geraten sind, so die Vertreter*innen von Bunnies Ranch. Obwohl die Stadt und der Verein inhaltlich übereinstimmende Ziele verfolgen und diese beispielsweise in Leitlinien und Planungsunterlagen der Stadt formuliert sind, sehen die Vertreter*innen der Stadt keinen Sinn darin, über weitere Möglichkeiten einer Fortführung der Vereinsarbeit im Bahnhofstal zu diskutieren.

„Wir halten vor allem das Schaffen einer weiteren Brachfläche auf ungewisse Zeit für eine negatives Signal für alle Menschen, welche sich im Bereich urbane Soziokultur engagieren. Auch Themen wie Natur, Biodiversität, Tier- und Artenschutz sind Zukunftsthemen, an denen die Stadt nachhaltig arbeiten und diese auch umsetzen muss.“ so Vorstandsmitglied Bianca Möller. Der Verein hoffe auf eine Besinnung auf das, was die Mitglieder von Bunnies Ranch seit zwei Jahren, mit Nachdruck  versuchen, konstruktiv zu vermitteln: in Zusammenarbeit neue Wege zu finden, bei dem ein Kulturort im Sanierungsgebiet erhalten und ggf. gewinnbringend in das neu zu planende Gebiet integriert werden kann. Gerade die innerstädtische Flächenknappheit macht deutlich: Nur gemeinsam ist das möglich.  Dabei könne Bunnies Ranch sicher nicht für alle, wenngleich für mehrere Arten von Kulturinitiativen Modell stehen.
Die Vertreter*innen der Stadt hatten im Gespräch unisono erklärt,  inhaltlich können sie diesen Zielen vollumfänglich zustimmen, darunter auch dem Bedarf für Raum für alternative Wohnformen – aber, wie der Ausschussvorsitzende des SUPA, Axel Kohrt betont hätte, eben nur da, wo sie (die Ratsmitglieder) entscheiden, dass es stattfindet darf. Und das soll es ab Ende Februar nicht mehr auf dem Mühlendamm 19.

Von mangelnder Anerkennung und Vertrauenswürdigkeit war die Rede – seitens der Oberbürgermeisterin.
„Aus Sicht der Stadt spricht es anscheinend gegen unsere Glaubwürdigkeit, dass wir mehrmals dringlichst um Verlängerung der befristeten Verträge gebeten haben. Einerseits wurde erneut gemeinsam festgestellt, dass es derzeit keine Ausweichflächen gibt. Andererseits wird uns vorgehalten, dass wir uns – an den Sanierungsleitlinien orientiert auf Lösungen konzentriert haben, die den Erhalt unseres Angebots im Bahnhofstal anstreben. Wir setzen uns schlicht für unsere Inhalte ein, und dass diesen ein Raum zusteht“, so Hanna Kalkutschke. Der Verein verweist auf seine öffentliche Kommunikation und die Zusage der Oberbürgermeisterin vom Januar 2021.

Der Prozess der letzten zwei Jahre spiegele nachvollziehbar wider, wie durch den Einsatz vieler Beteiligter mittlerweile ein ganz anderer Stand der Zusammenarbeit erreicht worden sei. „Wir wissen, dass sich verschiedene Menschen im Rathaus für unsere Sache eingebracht haben, und das erkennen wir durchaus an. Der von außen wahrnehmbare Stimmungswechsel im Rathaus zum Umgang mit Bunnies Ranch erklären wir uns so, dass es offenbar noch nicht gelungen ist, das Projekt positiv mit transformativer Stadtentwicklung in Verbindung zu bringen. In Anbetracht der Corona-Pandemie ist nachvollziehbar, dass manche Themen aus dem Blick geraten sind und viele Entscheidungsträger noch keinen Besuch vor Ort bei Bunnies Ranch einrichten konnten.  Anstelle des Erhalts von Vorurteilen sähen wir natürlich lieber den Erhalt von Kulturorten als Priorität für Flensburg.“ so Vorstandsmitglied Hanna Kalkutschke.

Der Vorstand des Bunnies Ranch e. V. (von links) Bianca Möller, Hanna Kalkutschke und Sebastian Reincke. Foto (c) Bunnies Ranch

Stadt, Sanierungsträger und Verein haben nicht nur viel Zeit mit der Kommunikation verbracht. Bunnies Ranch hat auf eigene Kosten fachliche Unterstützung dazu geholt. In anderen Städten scheint die Offenheit für unkommerzielle Kulturprojekte grösser zu sein, beispielsweise bei der „Alten Mu“ in Kiel oder dem „Wandelwerk“ in Köln. Aber auch Projekte in Dänemark, wie das „Domen“ und „Institut for X“ in Aarhus zeigen, dass es nicht nur spannend ist, neue Wege auszuprobieren, sondern dass diese, sogenannten ‚Dritten Orte‘ und Reallabore, immer stärker „als eine Art lebendige, fortlaufende Art der Beteiligung der Bürger*innen an der Stadtentwicklung gesehen werden“, wie die ZwischeZeitZentrale aus Bremen in ihrem Plädoyer für Bunnies Ranch erklärt.

„Eine Blauäugigkeit, wie sie Axel Kohrt dem Verein bescheinigt, bestand rückblickend bei uns tatsächlich“, so der Vereinsvorstand. Die Mitglieder seien davon ausgegangen, dass durch den direkten und regelmäßigen Kontakt mit dem Sanierungsträger bestehende Vorbehalte und Missverständnisse ausgeräumt werden. Nach einem Jahr ist allerdings das Fazit, dass selbst die wichtigsten Fakten und Ziele des Vereins viele Mitglieder des Planungsausschusses nicht erreicht haben. Dadurch sei nochmals deutlich geworden, wie wichtig Präsenzgespräche mit den einzelnen Fraktionen sind. Der Verein verfolgt diesen Austausch aktuell verstärkt, appelliert aber aufgrund des Auslaufen der aktuellen Frist an die Fraktionen, möglichst bald auf das Gesprächsangebot des Vereins zurückzukommen. Und an die Stadt Flensburg, sich doch nochmal zu überlegen, ob nicht zurückgekehrt werden kann zu der zukunftsfähigen Kooperation, welche bereits bestanden hatte.

Bunnies Ranch hat nun noch einmal mit einem Offenen Brief die Initiative ergriffen, die Stadt auf mögliche Modelle zum Erhalt des Vereins im Bahnhofstal hinzuweisen.

Die drei beschriebenen Modelle haben gemein, dass sie die Sanierungsziele der Stadt nicht blockieren wollen. Im Gegenteil: Der Verein möchte Bereiche des Sanierungsgebiets mit Inhalten füllen, darunter soziokulturelle Angebote, Mitmachkultur und Nachhaltigkeitsprojekte. Insbesondere die Bereiche, die den Übergang zwischen zukünftiger Bebauung und schützenswertem Grünbereich bilden, seien dafür gedacht. Der Verein bekommt von verschiedensten Seiten viel Zuspruch für diese Zukunftsversion.

Der Offene Brief kann in ganzer Länge unter www.bunniesranch.de nachgelesen werden.

Auf ihrer Website (https://www.bunniesranch.de/die-nachlesebar/) stellt Bunnies Ranch e. V. außerdem eine Sammlung von Schriftstücken zur Einsicht zur Verfügung, darunter ein Plädoyer der ZwischenZeitZentrale aus Bremen und ein Gutachten zum Thema „Unversiegelt Wohnen in der Stadt“. Bunnies Ranch möchte damit dazu auffordern, sich an der Gestaltung und Entwicklung der Stadt zu beteiligen.

Dazu wird es auch noch eine Veranstaltung am 26. und 27.2. geben. Kurzfilme zum Thema, eine Kunstaktion und „Augenhöhe-Feuertonnengespräche“ soll es geben. Das Programm wird in Kürze bekannt gegeben.

Weiter Infos: www.bunniesranch.de

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Veröffentlicht am 17. Februar 2022, in Bahnhofsviertel, Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Kultur, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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