Sozialverband VdK kritisiert geplante Rentenanpassung

VdK: Nachholfaktor sorgt für mehr Ungerechtigkeit

  • Ampel-Parteien vor der Wirtschaft eingeknickt
  • Löhne steigen künftig deutlich stärker als die Renten

Berlin, 29.11.2021. Nach der Ankündigung des geschäftsführenden Bundessozialministers Hubertus Heil, dass die Renten statt der erwarteten 5,2 Prozent um 4,4 Prozent steigen werden, kritisiert der Sozialverband VdK, dass der Nachholfaktor schon vor der Rentenanpassung 2022 aktiviert werden soll. „Es ist ein Trugschluss, dass der Nachholfaktor mehr Generationengerechtigkeit schafft. Das Gegenteil ist der Fall. Die Ampel-Parteien sind offensichtlich vor dem Druck der Arbeitgeber und wirtschaftsnaher Professoren eingeknickt“, stellt VdK-Präsidentin Verena Bentele fest.

„Für diese mag es keinen Unterschied machen, ob es 0,8 Prozentpunkte mehr oder weniger Rente gibt. Aber gerade arme Rentnerinnen und Rentner merken diesen Unterschied sehr wohl in ihrem Geldbeutel, wenn gleichzeitig die Lebensmittelpreise und Heizkosten immer weiter steigen. Auch sie sind somit Verlierer der Corona-Krise. Nach der Nullrunde in diesem Jahr braucht es 2022 eine ordentliche Rentenanpassung, die den Kaufkraftverlust ausgleicht“, fordert Bentele.

„Der Nachholfaktor sorgt für mehr Ungerechtigkeit: Niedrige Rentenanpassungen von heute führen zu niedrigen Renten von morgen. Fällt also die Rentenanpassung heute niedrig aus, spüren das auch die zukünftigen Rentnerinnen und Rentner“, betont Bentele. Laut Sozialversicherungsbericht 2021 der Bundesregierung steigen die Altersrenten im Zeitraum 2021 bis 2035 um 37 Prozent. Dagegen steigen die Löhne um 53 Prozent. „Die Löhne steigen künftig deutlich stärker als die Renten. Deshalb gilt es endlich die Kürzungsfaktoren wie der Nachholfaktor dauerhaft aus der Rentenformel zu streichen. Sonst werden die Rentner auch in Zukunft abgehängt“, so Bentele.

Der Rentenversicherungsbericht 2021 der Bundesregierung prognostiziert, dass die Renten um 5,95 Prozent in den neuen und 5,18 Prozent in den alten Bundesländern steigen. Der genaue Wert steht erst im März 2022 fest. Durch den Nachholfaktor werden diese Rentenanpassungen 2022 reduziert. Wie hoch die Reduzierung ist, ist jedoch noch nicht ganz sicher. Laut Bundessozialminister sinkt dadurch die Rentenanpassung 2022 um 0,8 Prozentpunkte.

Über den Sozialverband VdK

Der Sozialverband VdK setzt sich mit seinen mehr als 2 Millionen Mitgliedern für soziale Gerechtigkeit ein. VdK-Mitglieder profitieren von der kompetenten Beratung im Sozialrecht. Als größter Sozialverband Deutschlands vertritt der VdK wirksam die sozialpolitischen Interessen aller Bürgerinnen und Bürger: unabhängig – solidarisch – stark. Mehr unter www.vdk.de.

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Veröffentlicht am 29. November 2021, in Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Hartz IV, Soziales, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. NachDenkseiten : Noch mehr Minijobs und endlich Einstieg in die Aktienrente

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=77492

    Auszug daraus: „Unter Merkel hat die Zahl der Minijobber unter den Rentnerinnen und Rentnern zugenommen – um 40 Prozent. Im Jahre 2020 waren dies 1,04 Millionen Menschen. Noch im Alter zwischen 75 und 85 Jahren hielten sich 207.586 Rentner mit meist geringfügigen Arbeiten wie Putzen, Ausliefern und Bürodiensten über Wasser, im Alter über 85 Jahren waren es in Deutschland noch 12.101! „

    Am besten den Link aufrufen und den ganzen Artikel lesen

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  2. Dass Löhne stärker steigen als Renten das ist auch gerecht, weil der Aufwand für die Erreichbarkeit u. Erhaltung eines Arbeitsplatzes etc. etc. höher ist.
    Vergleichen kann man aber dies hier:
    eine Bruttorente in Höhe von 2.000 € bringt bei den vermuteten 4,4 % gleich 88,00 € mehr;
    während eine niedrige Bruttorente von 1.000 € nur 44 € bringt. Durch die prozentuale Rentenerhöhung schaukeln sich höhere Renten automatisch immer höher, das finde ich so nicht bedarfsgerecht.
    Ein Sozialrechtler hat bereits vor Jahren vorgeschlagen, das Modell umzugestalten und nur noch ab einer bestimmten Rentenhöhe (1.500) Festbeträge auszuzahlen aber gerade die niedrigen Renten, statistisch seien es typische Frauenrenten, prozentual besser zu fördern und es begründet mit der Tatsache, dass die Sozialämter immer mehr zu einem Surrogat, zu einem Ersatzamt für mangelhafte Rentenhöhe geworden sind.
    Die von den neuen Koalitionären angepeilte „Aktienrente“ wird Jahre benötigen, um einen ausreichenden Fond anzusparen und kommt für aktuelle niedrige Renten sowieso viel zu spät und für die Rentner, die 2022 u. fortlaufend auf der Rentenschwelle stehen, ebenfalls.
    Es wird unvermeidbar werden, ein Bedingungsloses Grundeinkommen ins Gesetz zu schreiben. Also, alle Jobcenter und Sozialämter (vllt. auch Rentenämter?) bundesweit schließen, das erspart jährlich Milliarden an Raummiete, an Strom, Heizung, Betriebskosten und Mitarbeiter.
    Wer darüber nicht diskutieren will, hat schon verloren, wir befinden uns in einem Digitalen Zeitalter, an einer Umbruchstelle, Millionen Arbeitsplätze der kommenden 10 Jahre sind unaufhaltsam im Wandel.

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