Historische Altlasten in Flensburg: DIE LINKE fordert echte Aufarbeitung und sichtbare Erinnerungskultur

Eingang Schule strategische Aufklärung in Flensburg mit „Reichsadler“. Es ist die „künstlerisch“ leicht veränderte Version des Nazi-Reichsadlers (ab 1935 bis 1945) mit entferntem Hakenkreuz. Den gibt es es so ähnlich auch noch an der Marinesportschule. Mehr dazu auch unter:  https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsadler#/media/Datei:Reichsadler_Deutsches_Reich_(1935%E2%80%931945).svg – Foto: Jörg Pepmeyer

In einem Offenen Brief „Flensburg 2021 unterm Reichsadler?“ kritisieren TouristInnen aus Cottbus den Umgang mit den historischen Altlasten in Flensburg.

Für DIE LINKE Grund in einer Stellungnahme eine konsequentere Aufarbeitung  der Flensburger Geschichte zu fordern:

Echte Aufarbeitung und sichtbare Erinnerungskultur

Die Spuren des Nationalsozialismus sind im öffentlichen Raum Flensburgs sichtbar. Zu Recht kritisieren Tourist*innen aus Cottbus in einem offenen Brief an die Flensburger*innen, dass an den Fassaden der Marineschule Mürwik ein NZ-Reichsadler über einen Kranz mit nur notdürftig herausgekratztem Hakenkreuz prangt. Und das ist nur eins von vielen NS-Überbleibseln. Flensburg kommt hierbei als letztem Sitz der NS-Regierung eine ganz besondere Verantwortung zur Aufarbeitung und Gestaltung öffentlicher Erinnerungsorte zu.

„Entnazifizierter“ Reichsadler mit den Wappen Schleswig-Holsteins und Flensburgs unter den Schwingen, an der Marinesportschule in Flensburg-Mürwik, wo im Mai 1945 die letzte Reichsregierung verhaftet wurde. Foto: Sönke Rahn CC BY-SA 4.0

Auch die Kolonialgeschichte Flensburgs prägt das Stadtbild mit den Bauten der Kaufleute, die an der Arbeit von versklavten und ausgebeuteten Menschen in kolonialisierten Territorien reich geworden sind, ohne dass eine angemessene Auseinandersetzung damit stattfindet. Es fehlt die Perspektive der Menschen, die unter der Flensburger Kolonialgeschichte gelitten und dagegen Widerstand geleistet haben. Die Theaterwerkstatt Pilkentafel hat zuletzt 2019 mit der Installation »Die Leerstelle verankern« im Flensburger Hafen der Forderung nach einem entsprechenden Denkmal Gehör verschafft. Leider hat die Initiative seitens der Stadtpolitik nur wenig Resonanz gefunden.

Wir begrüßen die Kampagnen für Weltoffenheit und Vielfalt in Flensburg. Der Weg in eine menschenfreundliche Zukunft gelingt aber nur durch konsequente Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und den daraus gewachsenen bestehenden Ungerechtigkeitsstrukturen. Eine Stadt lässt sich nicht bunt anstreichen, nachhaltige Veränderungen lassen sich nur in kontinuierlicher Auseinandersetzung mit tatsächlichen Problemen von Diskriminierung und Ungleichheit erarbeiten. DIE LINKE Flensburg fordert daher eine echte Aufarbeitung der Verbrechen in der Flensburger Geschichte, eine aktive Antidiskriminierungsarbeit und eine sichtbare Erinnerungskultur im öffentlichen Raum.

Als spannende Empfehlung der Stadtblog-Redaktion zum oben erwähnten Thema Kolonialgeschichte Flensburgs: Zucker, Rum und Sklavenarbeit – Ein kurzer Abriß zur Kolonialgeschichte Flensburgs von 1755 bis 1840

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Veröffentlicht am 27. Oktober 2021, in Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Inklusion und Integration, Kultur, Soziales. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Der Adler ist ein Nazi-Adler!
    Der dortige Reichsadler ist ein Hoheitssymbol der Nazis von 1935-1945 gewesen und während der Nazizeit dort auch installiert worden. Auch wenn das Hakenkreuz entfernt wurde, bleibt es immer noch ein Nazisymbol. Wie man damit umgehen sollte, darüber kann man ja geteilter Meinung sein. Aber ebenso haben Menschen das Recht ihr Unverständnis zu formulieren. Das kann man auch ganz nüchtern betrachten und sich überlegen, wie geht man emotionsfrei damit um. Eine von der Entfernung her nicht sichtbare Eklärungstafel hilft da nicht wirklich weiter. Das gibt Raum für Missverständnisse und führt schlimmstenfalls zu einer fatalen Außenwirkung für die Stadt.
    Der Nazi-Reichsadler an der Schule strategische Aufklärung hat übrigens nichts mit dem Bundesadler zu tun, der hoheitliches Symbol der Bundesrepublik Deutschland seit 1950 ist. Aus gutem Grund hat man es vermieden nach dem Krieg im Bundeswappen einen Adler zu verwenden, der im Design zu sehr an den Nazi-Reichsadler erinnerte, sondern hat sich am Reichswappen der Weimarer Republik orientiert. Dass wurde 1926 von Karl-Tobias Schwab entworfen und war ab 1928 hoheitliches Symbol der Weimarer Republik. https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeswappen_Deutschlands

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  2. Die LINKE hat nichts zu fordern!

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