Appell: Bunnies Ranch im Bahnhofstal einplanen

Angesichts der neuerlichen Beschlussvorlage für die Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses am 02.11.2021 veröffentlichen wir untenstehend den

Appell der Bürgerinitiative (BI) Bahnhofsviertel Flensburg

Sehr geehrte Mitglieder des
Ausschusses für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung,

nach Studium der vor einigen Tagen eingebrachten Beschlussvorlage SUPA-64/2021 möchten wir an Sie appellieren, der Vorlage in dieser Fassung nicht zuzustimmen.

Unser, wie wir meinen, gemeinsames Anliegen ist, dass die Stadtteilentwicklung unter Berücksichtigung grundlegender und nachhaltiger Werte vorangetrieben wird. Nur so können Quartiere entstehen, die die Bedingungen für ein gutes Leben für alle erfüllen und auch dem Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht werden.

Einige dieser Grundwerte

  • Durchmischung von Wohnformen
  • Einbindung von Kultur- und Freizeitangeboten
  • Einbindung von kleinteiligem Gewerbe und Handel
  • Einbindung von Naturflächen
  • Einbindung der Bürger*innen und Initiativen in allen Phasen der Entwicklung

Aus der Beschlussvorlage geht hervor, dass der gemeinnützige Verein Bunnies Ranch e. V. mit seinen soziokulturellen Inhalten nicht in vollem Umfang im Wettbewerbsgebiet vorzusehen ist. Lediglich einige ”Anregungen des Vereins zur Gartenkultur, dem Tier- und Naturschutz sollen Berücksichtigung finden”. Im Antrag ist die Rede von ”lärmintensiveren Vereinsaktivitäten”, ohne diese näher zu definieren.

In der Ausgangssituation steht: ”Die Errichtung eines Vereinsgebäudes mit Werkstätten und Ateliers und von Stellplätzen für ein Wagenprojekt sind sehr lärmintensiv und schränken die geplante Wohnnutzung in der näheren Umgebung (W1) ein. Aus diesem Grund wird empfohlen, diese Nutzungen im Wettbewerbsverfahren nicht zu berücksichtigen”.

  • Bedarf es für so eine grundlegende Entscheidung nicht detaillierterer Informationen?
  • Müsste nicht vor einem Beschluss begutachtet werden, welche Geräuschpegel tatsächlich entstehen?
  • Sind verschiedene Modelle gründlich überlegt und geprüft worden? Es liest sich so, als wären gleich mehrere Werkstätten und Ateliers geplant und was genau ist unter Wagenprojekt zu verstehen?
  • Wie lässt sich erklären, dass im Unterschied zum Verein Bunnies Ranch e. V. für die Kulturwerkstatt Kühlhaus e. V. ein alternativer Standort im Bereich des Wohnquartiers denkbar erscheint, ohne dass die Frage von Lärmemissionen zur Sprache kommt?

Dass ein Atelier- und Werkstatthaus sogar direkt in der Innenstadt gut funktionieren kann, ist unter anderem am Beispiel des Aktivitetshuset in der Norderstraße belegbar. Aus Werkstätten muss nicht zwangsläufig Lärm emittieren. Für die weiteren genannten ”lärmintensiven Vereinsaktivitäten” lassen sich womöglich sehr gute Lösungen finden. Statt einer Verdrängung könnte z. B. eine weit weniger eingreifende Lösung mithilfe von Auflagen gefunden werden.

Grundsätzlich ist auch an den SUPA-Beschluss vom 2.6.2020 zu erinnern: „Alternative und kreative Wohnformen, wie das Wohnen auf dem Wasser, Wohnwagensiedlungen oder sog. Tiny Houses genießen bei Einzelfallprüfung die Unterstützung der Stadt Flensburg, so sie den Umwelt-, Klima- und Emissionsschutzansprüchen genügen“ (Leitlinien für die Steuerung des Wohnungsbaus in Flensburg, RV-32/2020). Dieser Grundsatz ist hier zu beachten.

Zum Mietverhältnis
In der Beschlussvorlage heißt es: ”Ein neues Mietverhältnis mit dem zwischenzeitlich gegründeten Verein Bunnies Ranch e.V. soll im Bahnhofstal nicht geschlossen werden. Es wird der Versuch unternommen, ein Ersatzgrundstück zu vermitteln.”

Die Notwendigkeit einer sofortigen Freilegung des Grundstücks Mühlendamm 19, auf dem sich die Bunnies Ranch befindet, können wir nicht erkennen. Erst die Ergebnisse eines städtebaulichen Wettbewerbes werden aufzeigen, was in dem Gebiet möglich ist. Diesen Ergebnissen vorzugreifen könnte vermeidbare Schäden verursachen. Außerdem hat der Verein klar zu erkennen gegeben, dass ein Zwischennutzungsvertrag gewünscht ist, und dass man einer Entwicklung, die durch einen städtebaulichen Wettbewerb begleitet wird, nicht im Wege stehen werde.

Alternativen
Zu den Alternativen heißt es: ”Verzicht auf die Entwicklung eines urbanen, innenstadtnahen Wohnquartiers im Bahnhofstal. Damit einhergehend Rückzahlung der für den Ankauf der Grundstücke bereitgestellten Fördermittel”.

Erst nach Durchführung des städtebaulichen Wettbewerbs besteht die Grundlage, um beurteilen zu können, in welcher Form die Wohnbebauung in Kombination mit anderen Nutzungen realisiert werden kann.

Die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg setzt sich ein für eine klimagerechte und gemeinwohlorientierte Gestaltung des gesamten Bahnhofsumfeldes. Vorrangiges Ziel muss nach unserer Überzeugung sein, Qualitäten zum Ziele einer Stadt für alle zu erreichen.

Dass die Vereine Bunnies Ranch e. V. und Kühlhaus e. V. bereichernde, gewachsene und mit dem Stadtteil verbundene Inhalte darstellen steht für uns außer Frage. Gerade solche Initiativen sind Teil unserer grundsätzlichen Wertevorstellung und gehören eingebunden.

Flensburg, am 16. Oktober 2021
Die Vertreter*innen der BI Bahnhofsviertel Flensburg

Mehr zum Thema auch in dem Stadtblog-Beitrag vom 23.10.2021: Öffentliche Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses am 02.11.2021 im Flensburger RathausUmwelt- und Planungsausschuss entscheidet über Zukunft der beiden Kulturprojekte  Bunnies Ranch und Kühlhaus unter: https://akopol.wordpress.com/2021/10/22/offentliche-sitzung-des-umwelt-und-planungsausschusses-am-02-11-2021-im-flensburger-rathaus/

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Veröffentlicht am 25. Oktober 2021, in Aufrufe, Ökologie, Bahnhofsviertel, Bahnhofswald Flensburg, Bürgerbeteiligung, Flensburg News, Kultur, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Veranstaltungstipps. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Liebe Bürgerinitiative Bahnhofsviertel,
    In Ihren Anträgen an die Ratsfraktionen haben Sie sich als kritischer und konstruktiver Diskussionspartner zur Verfügung gestellt und somit die Pläne der BI Bahnhofsviertel dargelegt. Will man ernst genommen werden, ist ein so begleitender Ton auch richtig. Nur sprechen Sie eventuell nicht für Alle.

    Ihren Inhalten mag ich deshalb gar nicht folgen wollen. Liest sich auch so, dass Sie ZWAR einer „urbanen“ Mischform unter der Prämisse einer Umgestaltung des Bahnhofs-Tales folgen unter der Berücksichtigung einer Beibehaltung für Bunnies Ranch e.V. und der Kühlhaus e.V.

    Aber der Rest an Natur „kann das weg“ ?

    Wie viele Bäume glauben Sie, müssen weg oder Hektar an Grünfläche oder an Buschwerk? Wie viele Tiere, Hasen und Kaninchen, Vögel, Kleinstlebewesen, Arten von Schmetterlingen und so weiter… werden verschwinden ins… nennen wir es Nirgendwo? Oder bestenfalls in den Fragmenten es ehemaligen Bahnhofswaldes?
    Wie viel Platz „für eine klimagerechte und gemeinwohlorientierte Gestaltung des gesamten Bahnhofsumfeldes“ – bleibt da noch übrig für sich ausbreiten wollende Natur und Tierwelt, die das Recht daran verlieren oder was ist dann „Klimagerecht“

    Wenn es noch stimmt, sollen 700 Wohnungen entstehen.
    1. mag ich mir diese Masse nicht vorstellen wollen, die die Natur einfach asphaltiert auslöscht.
    2. Die Stadt Flensburg (Landesregierung in Kiel) fördert von 700 Wohnungen „sozial“ nur ein Drittel = ca. 233 Wohnungen.

    Was glauben Sie, welches „Universitäre Klientel von Nebenan“ werden die Besitzer oder mindestens Mieter sein und zu welchen Quadratmeterpreisen?

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