Archiv für den Tag 3. August 2021

Haithabu: Wikinger an der Wolga

Lesung mit Dr. Christoph Schmidt „Von Bagdad zum Ural“: Aus dem Reisebericht des Ibn Fadlan

Um Anmeldung wird gebeten

Das Wikinger Museum Haithabu lädt am Donnerstag, 12. August, um 17:30 Uhr zu einer spannenden Zeitreise in die Welt vor 1000 Jahren ein.

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Christoph Schmidt liest aus dem Reisebericht des Ibn Fadlan – Foto: © Chr. Schmidt

Im Versammlungshaus bei den Wikinger Häusern liest der Archäologe Dr. Christoph Schmidt aus dem Originaltext des arabischen Diplomaten Ibn Fadlan.
Der Wissenschaftler entführt seine Zuhörer während seiner zweistündigen Lesung ins 10. Jahrhundert und nimmt sie mit auf eine Expedition von Bagdad an die Wolga.
Ibn Fadlanschildert in seinem Bericht anschaulich Religion, Kultur und Lebensgewohnheiten der Menschen, die ihm auf seiner einjährigen Reise begegnen.
Dabei trifft er auf schwedische Wikinger, die am Ufer der Wolga ihr Lager aufgeschlagen haben. Facettenreich beschreibt der Diplomat ihr Aussehen, ihre Sitten und Gebräuche, darunter das Begräbnis eineshohen Wikingerfürsten.

Aufgrund begrenzter Sitzplätze wird um eine Anmeldung unter 04621 813122 gebeten.

Die Veranstaltung findet bei den Wikinger Häusern Haithabu statt.

Kosten: 14 Euro

Wikinger Museum und Wikinger Häuser Haithabu

Am Haddebyer Noor 3
24866 Busdorf, Deutschland

Auf unserer Corona-Sonderseite im Internet (landesmuseen.sh/coronavirus) sind stets aktuelle Besuchshinweise zu finden.

Flensburg Portal ohne Grün

von

Flensburg ist seit dem 8. Juni mit einer eigenen Facebook Seite vertreten. Verantwortlich für die Inhalte ist die Pressestelle der Stadt. Oberbürgermeisterin Simone Lange hat die „Akte Facebook“ an Pressesprecher Clemens Teschendorf übergeben.

Die Seite präsentiert sich mit einem Top-Bild, welches eine Silhouette Flensburgs zeigt. Nordertor, Johanniskirche, Wasserturm, Schifffahrtsmuseum und Rathaus sind darauf abgebildet.

Aber da fehlt doch was? Das Bild wirkt irgendwie leblos. Kein Wunder, Grün fehlt komplett. Ist dies Absicht und präsentiert sozusagen die Stadt von morgen, in der Pflanzen keinen Raum mehr haben? Wir hoffen doch nicht und haben einmal eine eigene Version erstellt.

Wie wird mit Natur in der Stadt umgegangen und welche Rolle spielt Natur in der Stadtentwicklung? Diese Fragen beschäftigen uns nicht nur im Zusammenhang mit dem Bahnhofswald. In Flensburg sind Blockrandbebauung und Klötzchenarchitektur gerade Trend.

Gut, dass dies nun auf der neuen Facebook-Seite der Stadt Flensburg diskutiert werden kann.

https://www.facebook.com/Stadt-Flensburg-102323605408906

Wer mehr über den Umgang der Stadt Flensburg mit wichtigen Grünflächen wissen möchte, findet exemplarisch hierzu zahlreiche Infos auf der Homepage der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg

Öffentliche Sitzung des Finanzausschusses am 12.08.2021 im Rathaus Flensburg

Präsenzsitzung: Interessierte EinwohnerInnen können die Sitzung am 12. August im Ratssaal des Rathauses mitverfolgen und sind herzlich willkommen.

Anmeldung erforderlich

Wichtige TOPs unter anderem zu den Themen:  Anbau Campusbad: Multifunktionsbecken, Kommunale Immobilien, Errichtung und Betrieb der Rettungswache Nord/ Planungsauftrag für die Vorplanung, Mobile Luftfilter für den Einsatz in KiTas und Schulen – Städtischer Finanzierungsanteil, Förderung einer nachhaltigen Lösung für Lufthygiene an Flensburger Schulen – Prüfauftrag für fest installierte Lüftungsanlagen, Förderung von Betreuungsangeboten in Schulen der dänischen Minderheitund in Ersatzschulen, Kommunale Bildungsplanung: Modul „Schulentwicklung Gemeinschaftsschulen“, Fortzahlung der Übungsleiterpauschale an Sportvereine, Sachstand finanzwirtschaftlicher Auswirkungen durch die Corona-Pandemie, Sachstand „Flensburg startet durch!“, Liegenschaft Fahrensodde – Anfrage der CDU-Ratsfraktion

 

Stadt Flensburg                                                                                                         Flensburg, 30.07.2021
Der Vorsitzende des Finanzausschusses

Bekanntmachung
zur 34. Sitzung des Finanzausschusses
am Donnerstag, 12.08.2021, 16:00 Uhr,
Rathaus, Ratssaal

Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung:
Wir weisen darauf hin, dass beim Fortbewegen in den Räumlichkeiten des Rathauses eine Mund-
Nasen-Bedeckung zu tragen ist. Am Platz darf diese abgelegt werden.

Kinderbetreuung:
Wir weisen darauf hin, dass ehrenamtlich Tätige nach §24 Abs. 1 Nr. 4 Gemeindeordnung Anspruch
auf Erstattung der nachgewiesenen Kosten einer entgeltlichen Betreuung von Kindern oder
pflegebedürftigen Angehörigen haben.
Sollte Unterstützung bei der Organisation der Kinderbetreuung benötigt werden, melden Sie sich
bitte mit einer Vorlaufzeit von mindestens 24 Stunden bei der für den Ausschuss zuständigen Geschäftsführung.
Für zukünftige Ausschusssitzungen bereiten wir außerdem ein darüberhinausgehendes
Angebot vor.

Die unter „B. Voraussichtlich nichtöffentlicher Teil“ aufgeführten Tagesordnungspunkte werden
nach Maßgabe der Beschlussfassung des Finanzausschusses voraussichtlich nichtöffentlich beraten.

RathausBitte beachten Sie die nachstehenden Hinweise für die Öffentlichkeit:
Aufgrund der aktuellen Corona-Situation ist die Anmeldung für eine Gästeliste erforderlich, da nur begrenzte Kapazitäten an Plätzen für Gäste zur Verfügung stehen. Sollten darüber hinaus noch Plätze frei sein, kann auch unangemeldeten Gästen bis zum Erreichen der Kapazitätsgrenze Einlass gewährt werden. Die Anmeldung erfolgt telefonisch unter 0461/85 4068 oder per Mail an sameith.lena@flensburg.de. Aus organisatorischen Gründen bitten wir Gäste mit einer Mobilitätseinschränkung um einen Hinweis bei der Anmeldung.

Ferner beachten Sie bitte folgende Hinweise:
– Gemäß der aktuellen Corona-Verordnung sind wir verpflichtet, Ihre Kontaktdaten zu erheben
– Der Zugang für alle Gäste erfolgt ausschließlich über den Haupteingang „Am Pferdewasser“
– Bitte denken Sie an Ihre Mund-Nasen-Bedeckung!

Tagesordnung
A. Voraussichtlich öffentlicher Teil

1. Bestätigung der Tagesordnung

2. Einwendungen gegen die Niederschrift über den öffentlichen Teil der 33. Sitzung vom 03.06.2021

3. Über- und außerplanmäßige Aufwendungen/Auszahlungen

4. Nachträge 2021
4.1 Kernhaushalt; hier: 1. Nachtrag 2021 RV-91/2021
4.2 Sondervermögen Kommunale Immobilien; hier: 1.Nachtragswirtschaftsplan 2021 FA-50/2021
4.3 Sondervermögen Infrastruktur; hier: 1. Nachtragswirtschaftsplan 2021 FA-51/2021

5. MV: Anbau Campusbad: Multifunktionsbecken FA-47/2021

6. Kommunale Immobilien
6.1 MV: Sondervermögen Kommunale Immobilien, hier: Strategiebericht 2020
FA-26/202 2. Lesung
6.2 MV: Sondervermögen Kommunale Immobilien, hier: Energiebericht 2020 FA-27/2021 2. Lesung
6.3 MV: Sondervermögen Kommunale Immobilien hier: Tertialbericht zum 30.04.2021 FA-30/2021 2. Lesung

7. Errichtung und Betrieb der Rettungswache Nord/ Planungsauftrag für die Vorplanung FA-48/2021

8. Freigabe der Fortzubildendenstelle im Produkt Veterinärdienste, Stellenplan-Nr. 122301-01366 FA-52/2021

9. Mobile Luftfilter für den Einsatz in KiTas und Schulen – Städtischer Finanzierungsanteil HA-40/2021

10. Förderung einer nachhaltigen Lösung für Lufthygiene an Flensburger Schulen, Prüfauftrag für fest installierte Lüftungsanlagen FA-17/2021 2. Ergänzung

11. Förderung von Betreuungsangeboten in Schulen der dänischen Minderheitund in Ersatzschulen FA-45/2021

12. MV: Kommunale Bildungsplanung: Modul „Schulentwicklung Gemeinschaftsschulen“ FA-37/2021

13. Fortzahlung der Übungsleiterpauschale an Sportvereine FA-46/2021

14. Beschlusskontrolle

15. Mitteilungen und Anfragen
15.1 Sachstand finanzwirtschaftlicher Auswirkungen durch die Corona-Pandemie
15.2 Sachstand „Flensburg startet durch!“
15.3 Liegenschaft Fahrensodde Anfrage der CDU-Ratsfraktion vom 23.07.2021 AF-56/2021

B. Voraussichtlich nichtöffentlicher Teil

16. Einwendungen gegen die Niederschrift über den nichtöffentlichen Teil der 33. Sitzung vom 03.06.2021

17. Übertragung eines Geschäftsanteils der Campus-Hallen GmbH RV-90/2021

18. Beschlusskontrolle

19. Mitteilungen und Anfragen

C. Voraussichtlich öffentlicher Teil

20. Bekanntgabe der nichtöffentlich gefassten Beschlüsse

Für die Richtigkeit:

Christian Schweckendieck, Vorsitzender
Henning Dunken, Fachbereichsleitung Finanzen

Alle Unterlagen und die Beschlussvorlagen zur Sitzung gibt es hier

Wie geht Kiel die Mobilitätswende an? Fragen an OB Kämpfer

Ein Beitrag von Julia Born, VCD Ortsgruppe Flensburg

„Kiel ist jahrzehntelang eine autogerechte Stadt gewesen. Wir machen Mobilität in Kiel moderner, umwelt- und menschenfreundlicher und bezahlbarer“, sagt der Kieler Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer. Wichtige Schritte – und ein Vorbild auch für Flensburg? Denn in Flensburg gibt es trotz Klimapakt im Verkehr mehr Klimagase statt weniger.

  • Herunterladen: Das ganze Interview als PDF-Datei – mehr

Klimakrise verlangt Handeln

  • Herr Dr. Kämpfer, die Landeshauptstadt Kiel gibt das Blog „Kielmobil – Der Kieler Mobilitäts-Blog“ (kielmobil.blog/die-kieler-verkehrswende) heraus. Darin findet sich auch ein Beitrag von Ihnen zur Mobilitätswende in Kiel. Warum ist das Thema Mobilität aus Ihrer Sicht so wichtig?

Mobilität ist ein menschliches Bedürfnis. Wir respektieren das. Unser Ziel ist nicht weniger, sondern eine andere Mobilität.
Denn die Klimawende verlangt Handeln von uns. Wir müssen den Kfz-Verkehr emissionsfrei machen und die Alternativen – Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr – stärken.

Dabei geht es auch um Lebensqualität. Es ist kein Zukunftsmodell, dass die Städte mit immer größeren Autos zugeparkt werden, die 23 Stunden am Tag herumstehen und dann im Schnitt 1,3 Personen befördern. In den Städten verlieren wir durch den Kfz-Verkehr Lebensqualität – durch Lärm, Abgase, Unfallgefahr und Raumverschandelung durch riesige Parkplätze.

Verkehrsraum Kiel: Defizite und Stärken

  • Sie sagen von sich selbst, als Läufer, Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger, Fähren- und Busbenutzer kennen Sie die Stärken und Schwächen des Kieler Verkehrsnetzes. Was sehen Sie denn als die drei größten Stärken und Schwächen in Kiel?

Zunächst zu unseren Schwächen:

  • Der Anteil des öffentlichen Verkehrs in Kiel beträgt nur 10 Prozent. Das ist grottenschlecht und deutlich unter Bundesschnitt. Ein Grund ist, dass wir dummerweise vor vierzig Jahren die Straßenbahn abgeschafft haben. Als Großstadt braucht man einen ÖPNV-Anteil von mindestens 20 Prozent und aufwärts.
  • Beim Fußverkehr haben wir große Defizite bei den Mindest-Gehwegbreiten. Das hängt damit zusammen, dass viele Flächen zum Parken ausgewiesen sind.
  • Beim öffentlichen Nahverkehr sind die Preise zu hoch und das Angebot nicht immer gut genug, um wirklich viele Menschen in die öffentlichen Verkehrsmittel zu locken. Öffentliche Verkehrsmittel müssen flexibel und attraktiv werden. Deshalb gehen wir gerade einen historischen Schritt: Gegen den Trend senken wir in Kiel die Preise im Gegenwert von mehreren Millionen Euro.

Busse und Fähren emissionsfrei, Anteil von Rad- und öffentlichem Verkehr deutlich steigern

Wir haben aber auch deutliche Stärken:

  • Wir haben in Kiel einen recht hohen Radverkehrsanteil von 22 Prozent und teilweise sehr tolle Referenzstrecken, so dass man als geübter Radfahrer gut überall hinkommt.
  • Wir haben ein hohes Tempo vorgelegt, um Fähren und Busse möglichst emissionsfrei zu machen. Wir haben auf Hybrid- und vollelektrische Systeme umgestellt und investieren 100 Millionen in einen neuen Betriebshof und neue Fahrzeuge. Etwa zu einem Drittel wurde das aus Bundesmitteln bezahlt – auch in Zusammenhang mit unseren hohen Stickstoffdioxid-Emissionen.
  • Wir arbeiten intensiv am Ziel, den ÖPNV-Anteil wesentlich zu steigern. Wir sind fest entschlossen, ein hochwertiges ÖPNV-System (Bahn oder Bus auf eigener Spur) zu bauen und haben dafür bislang eine breite politische Mehrheit.
    Unseren eigenen Beschäftigten, etwa 5000 Menschen, haben wir jetzt das Jobticket zuzüglich einer Förderung angeboten, so dass die jetzt für ganze drei Euro ein Monatsticket erhalten. Wir motivieren die anderen Arbeitgeber, das auch zu tun. Den Kauf eines Fahrrades, mit dem man zur Arbeit fährt, bezuschussen wir mit zwei Dritteln des Neupreises (bis zu 1000 Euro).

ÖPNV auf dem Wasser: Ost- und Westufer zusammenbringen

  • Kiel bietet ja auf der Förde schon einige Personenfähren an (mehr). Welche Rolle kann der „ÖPNV auf dem Wasser“ aus Ihrer Sicht für die Verkehrswende spielen?

Die Verkehrswende besteht aus vielen einzelnen Mosaiksteinen. Die Schifffahrt ist einer davon, aber durchaus ein wichtiger. Wir wollen die trennende Wirkung der Kieler Förde „aufbohren“ und bessere Ost-West-Verbindungen schaffen. Unsere Flotte wird gerade umgestellt auf Hybrid- und vollelektrische Schiffe.

Sehr stolz bin ich, dass auf der Schwentinelinie eine Fähre inzwischen vollelektrisch unterwegs ist. Betriebszeiten und Takt wurden ausgeweitet und die Preise stark gesenkt.

Wenn man bisher mit dem Fahrrad hin und zurück fahren wollte, muss man über 12 Euro zahlen. Jetzt zahlt man hin und zurück 2 Euro. Jugendliche sogar nur 1 Euro, Studierende mit dem Semesterticket kostenlos. Wir freuen uns, dass immer mehr Menschen das nutzen, z.B. Lernende und Lehrende von der Fachhochschule.

Verkehre stärker trennen: Hauptwidmungen vornehmen

  • Wenn Fuß-, Rad- und öffentlicher Verkehr gefördert werden, kann das zu Einschränkungen im Kfz-Verkehr führen. Da kann es Konflikte geben. Wie gehen Sie damit um?

Viele glauben, die Verkehrswende sei ein Nullsummenspiel. Es gibt sicher Konflikte, aber der Vorteil der einen Verkehrsart muss keineswegs immer zu Lasten einer anderen Verkehrsart gehen.

Wir wollen breitere und bessere Fahrradwege, mehr Platz für Fußverkehr und Platz für eine Stadtbahn. Aus meiner Sicht muss man da stärker trennen und Hauptachsen schaffen: Auf der einen Straße hat man vielleicht keinen optimalen Fahrradweg. Dafür ist die Parallelstraße eine Fahrradstraße, in der vielleicht noch Autos fahren dürfen, aber kein Durchgangsverkehr mehr. Man kann nicht immer in einer Straße alles unterbringen und alle Konflikte lösen, sondern muss manchmal großräumiger denken.

Alle haben ein legitimes Interesse gut voranzukommen, aber wir müssen die Verkehre besser sortieren. Oft muss man für Straßen eine Hauptwidmung vornehmen. Denn alles kriegt man einfach nicht hin. Man kann nicht allem gerecht werden, da macht man häufig faule Kompromisse und niemand ist zufrieden.

Mobilität muss sich ändern – aber Veränderungen zu akzeptieren ist manchmal schwierig

  • Wirtschaftsförderung und Verkehrswende – manche sehen das als Widerspruch. Sie sind gleichzeitig Wirtschaftsdezernent in Kiel. Wie vereinen Sie diese Aufgaben?

Dabei gibt es natürlich Zielkonflikte. Aber Technologien und Branchen ändern sich. Wir gehen davon aus, dass wir bis 2050 ein Drittel weniger Pkw haben. Die Automobilbranche steht vor der Transformation. Dafür werden andere Wirtschaftszweige – Mobilitätsangebote, Fahrradhersteller, Hersteller von öffentlichen Verkehrsmitteln – profitieren. Wirtschaftsförderung und Verkehrswende widersprechen sich also nicht.

Eine andere Sache ist es, wenn z.B. einzelne Händler vor dem Problem stehen: Vor meinem Geschäft sollen Parkplätze wegfallen, weil eine Premium-Radroute gebaut werden soll. Oder die Anlieferung wird erschwert.
Das sind reale Konflikte mit Unternehmen, die dann teilweise Existenzängste bekommen. Da muss man sehr viel sprechen, erklären und gegebenenfalls einen Kompromiss oder Übergangszeitraum finden, damit die Betroffenen sich damit anfreunden können. Das ist nicht immer einfach.

In der Theorie akzeptieren fast alle, dass sich etwas ändern muss. Aber wenn es dann umgesetzt werden soll, fällt es  manchen doch schwer, die Veränderungen zu akzeptieren. Hier Lösungen zu finden ist eine herausfordernde Aufgabe.

Lösungen finden: Kreative …

Thema Parkplätze: Wenn ich in einem dicht belegten Viertel sage „Ab morgen wird konsequent kontrolliert und abgeschleppt“, dann gehen die Leute auf die Barrikaden. Deshalb sprechen wir zum Beispiel mit Einzelhändlern und sagen: Ihr habt tagsüber Kunden. Aber um 19:00 Uhr, wenn die Leute von der Arbeit kommen, ist euer Parkplatz leer. Könnt ihr nicht z.B. für einen Monatsbeitrag von zwanzig Euro den Leuten da einen Parkplatz garantieren?

Dann haben die Anwohnenden ihren Parkplatz, ganz ohne Suchverkehr, und ich kann mehr Platz für zu Fuß Gehende schaffen.

… traditionelle Lösungen …

  • In Kiel gibt es einige „wunde Punkte“ im Verkehr. Dazu gehört zum Beispiel die Luftbelastung am Theodor-Heuss-Ring. Die Luftabsaugstationen sorgen regelmäßig für Lacher bei „extra 3“. In Ihrer Amtszeit wurde ein riesiges Parkhaus am Kieler ZOB fertiggestellt, ein dreimal so großes Parkhaus am Holstein-Stadion wird derzeit geplant. Im Süden von Kiel sind große, autobahnähnliche Straßenbau-Projekte in Vorbereitung (Südspange, A21).
    Wie passt das zusammen mit einer Verkehrswende? Sind solche Projekte noch zeitgemäß?

Auch in dreißig Jahren wird es noch Autos geben, aber die sind weniger, leiser und emissionsfrei. Wenn ich ein Stadion plane, muss ich Platz für ein Mindestmaß an Autos vorsehen. Im Vergleich zu anderen Stadien wird unser Verkehrskonzept wesentlich fortschrittlicher sein, aber wir werden das Parken nicht auf Null drücken können.

Zum Parkhaus am ZOB: Da haben wir einen zentralen Omnibusbahnhof. An vielen Stellen in der Innenstadt reduzieren wir Parkplätze, hier ziehen wir das Parken zusammen. Man kann sein Auto hier sicher und bequem abstellen. Dadurch haben wir weniger Rangier- und Suchverkehr und mehr Platz auf den Straßen, um den Verkehrsraum besser aufzuteilen. Wir werden künftig weniger Parkplätze brauchen, aber wir werden noch welche brauchen.

… und manchmal bleibt nur der am wenigsten dumme Kompromiss

Beim Theoder-Heuss-Ring waren Luftfilter die einzige Möglichkeit, ein Fahrverbot zu verhindern. Wir schützen die Anwohnenden, weil die Luft durch die Filter sauberer wird. Gleichzeitig vermeiden wir es, dass Pkw wegen eines Fahrverbots millionenfach Umwege fahren, um ihre Ziele zu erreichen. Mit einem Fahrverbot würden wir den Kfz-Verkehr von der Hauptverkehrsachse in Nebenstraßen lenken. Das würde neue Unfallgefahren schaffen und die Anwohnenden durch Lärm, Stau und Abgase belasten – auch der CO2-Ausstoß wäre wesentlich höher. In der Summe ist das keine besonders tolle Lösung, ist aber allen dümmeren Lösungen vorzuziehen.

Die Autobahn ist ein großer Konflikt, aber vom Bund beschlossen. Sie wird gebaut, das ist Tatsache – und es geht jetzt darum, wie der Verkehr, der am Ortsschild in Kiel ankommt, verteilt wird. Was die umweltschonendste Lösung ist, ist umstritten. Wir werden versuchen, eine möglichst gute Lösung zu finden. Aber mir ist klar, das wird eine schwierige, kontroverse und hitzige Diskussion. Das wünscht man sich nicht als Bürgermeister, aber so ist Politik.

„Bibel“ für die Verkehrswende in Kiel geschaffen

  • Unter dem Titel „Verkehrswende in Kiel“ haben Sie die verstreuten Beschlüsse und Maßnahmen rund um das Thema Verkehr, z.B. aus Masterplan 100 Prozent Klimaschutz, Lärmaktions- und Luftreinhalteplan usw., zu einem einheitlichen Mobilitätskonzept zusammengefasst. Die Hauptbereiche sind Fuß-, Rad- und öffentlicher Verkehr sowie Kfz-Verkehr (mehr).

Ja, es war ein enormes Stück Arbeit, all die verstreuten Beschlüsse von Bundesplanung bis hin zum Ortsbeirat zu sichten und zusammenzufassen. Selbst Fachleute hatten da den Überblick verloren. Das ist jetzt unsere „Bibel“ für die Verkehrswende in Kiel und alle paar Jahre werden wir das aktualisieren.

Meine persönliche Vision für Kiel im Jahr 2030:

  • 2030 werden wir – wenn es nach mir geht – ein schienengebundenes Stadtbahnsystem eröffnen.
  • Wir werden 30 Prozent Elektroautos auf den Kieler Straßen haben.
  • Wir werden einen Radanteil von deutlich über 25 Prozent haben, denn 25 Prozent will ich schon im Jahr 2025 erreichen – dank neuer Premiumradrouten, wie man sie von Utrecht oder Kopenhagen kennt.

Kiel: ÖPNV auf dem Wasser, um Ost- und Westufer zusammenzubringen

Online am 9. August: Grüner Kapitalismus oder System Change?

Eine Veranstaltung von Lorenz Gösta Beutin

Grüner Kapitalismus oder System Change?

Ein Gespräch über die verzweifelte Notwendigkeit des Klimaschutzes, von CO2-Preis bis Verbotspolitik.

Mit Jan Hegenberg und Lorenz Gösta Beutin
Montag, 9. August
19-20:30 Uhr
Zoom-Link: https://us02web.zoom.us/j/84711431751…
Öffentlich Jeder auf und außerhalb von Facebook
Am Montag, 9. August, spreche ich mit Jan Hegenberg aka „Der Graslutscher“ über die Debatte zum Klimaschutz in Deutschland, über die dringend notwendigen Maßnahmen, von CO2-Preis bis zum Verbot von Verbrennungsmotor und Kurzstreckenflügen und welche ordnungspolitischen Maßnahmen und Regeln Die Linke vorschlägt und wie diese einzuschätzen sind. Ich freue mich auf eine kontroverse, kritische Diskussion und auf Eure Fragen an uns.
Ihr könnt direkt über Zoom am Webinar teilnehmen oder Ihr schaut bei Facebook oder YouTube zu.
Jan Hegenberg betreibt den Blog „Der Graslutscher“, in dem er über Klimaschutz und Verkehrswende schreibt und Mythen über die Energiewende auseinandernimmt. In letzter Zeit schreibt er auch Faktenchecks für die Seite „Volksverpetzer“.
Lorenz Gösta Beutin ist Klima- und energiepolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag und Mitglied des Parteivorstands der Linken.
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