Warnung vor möglicherweise schädlichem Bambusgeschirr

Die Verbraucherzentralen warnen vor möglicherweise gesundheitsschädlichem Kunststoffgeschirr und To-Go-Artikeln mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern. Diese Produkte sind nicht für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen, werden aber trotzdem seit Jahren verkauft.

Vermeintlich nachhaltiges Geschirr besteht neben Bambus und anderen Naturmaterialien oft auch aus Kunststoffen. Ob es sich um reine Naturmaterialien oder Kunststoffgemische handelt, ist in der Regel nicht zu erkennen. Von Kunststoffprodukten mit zugesetzten Bambusfasern ist bekannt, dass sie beim Kontakt mit heißen Getränken und Speisen möglicherweise krebserregendes Formaldehyd abgeben können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Geschirr aus Kunststoff und Bambus deshalb als nicht geeignet für den Kontakt mit heißen Speisen und Getränken eingestuft. Untersuchungsämter wie das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Stuttgart berichten seit dem Jahr 2014 regelmäßig über bedenkliche Grenzwertüberschreitungen in Bambus-Kunststoff-Geschirr. Vereinzelt wurden Produkte vom Markt genommen. Allerdings reichen die Mittel und Möglichkeiten der amtlichen Lebensmittelüberwachung nicht aus, um die Vielzahl an Produkten zu untersuchen und vom Markt zu nehmen. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb seit Jahren ein Verbot der gesamten Produktgruppe.

Problematische Mischungen aus Kunststoff und Naturfasern

Im Juni 2020 hat eine Expertengruppe der Europäischen Kommission Bambus und andere natürliche Materialien in Kunststoffgeschirr für nicht verkehrsfähig erklärt, unabhängig von gemessenen Grenzwertüberschreitungen. Das bedeutet, dass diese Produkte nicht in den Umlauf gebracht werden dürfen. Es gibt einige Stoffe, die speziell als Zusatz in Kunststoffgeschirr zugelassen sind. Nur diese sind auf Risiken geprüft und grundsätzlich sicher. Eine solche Zulassung lag für Bambus und andere natürliche Materialien nie vor. Produkte aus reinem Bambus sind weiterhin zugelassen.

Nicht zugelassene Produkte sind noch im Handel

Erst Ende des Jahres 2020 haben die meisten Überwachungsbehörden begonnen, die nicht zugelassenen Produkte vom Markt zu nehmen. Umfassend und vollständig ist das bisher nicht erfolgt. Eine vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit geplante Recherche zu Bambusgeschirr im Online-Handel wurde im Jahr 2020 gestrichen. Insbesondere im Online-Handel ist weiterhin Kunststoffgeschirr mit Naturfasern erhältlich.  

Umfassender Rückruf fehlt

Die Verbraucherzentralen raten davon ab, diese Produkte zu kaufen oder zu verwenden. Wer entsprechende Produkte im Handel findet, kann diese bei der zuständigen Behörde im Landkreis melden. Behörden und Bundesregierung müssen nach Ansicht der Verbraucherzentralen einen umfassenden Rückruf veranlassen und die Öffentlichkeit bundesweit darüber informieren, dass sie Plastikgeschirr mit Naturfasern nicht kaufen und benutzen sollten. Händler sollten nicht zugelassene Produkte zurückzunehmen und den Kaufpreis erstatten. Von einem Rückruf betroffene Unternehmen sollten künftig verpflichtet werden, alle ihnen zur Verfügung stehenden Kanäle zu nutzen, um Verbraucher zu warnen. Stille Rückrufe reichen nicht aus. Händler müssen verpflichtet werden, Rückrufinformationen gut sichtbar auszuhängen.

Die nächste Bundesregierung hat die Vorgaben im Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch zu präzisieren und Ermessenspielräume sowie Rechtsunsicherheiten bei den Behörden zu verkleinern. Die Behörden benötigen klare Vorgaben für die Rückrufe und für die Bereitstellung von öffentlichen Informationen im Sinne des Vorsorgeprinzips. Nur dann können sie schnell und umfassend tätig werden.

Mehr Informationen finden Sie hier.

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Veröffentlicht am 1. August 2021, in Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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