Archiv für den Tag 21. Juni 2021

Maritimes Zentrum erforscht Schiffsbetrieb der Zukunft – ein Riese hilft

Ein 13 Tonnen schwerer Gasmotor ist das Herzstück für kommende Forschungstätigkeiten am Maritimen Zentrum der Hochschule Flensburg. Dabei dreht sich alles um umweltschonenden Schiffsbetrieb.

21.06.2021 Thiemke und Wilhelm

Jan E. Wilhelm (hinten) und Projektleiter Prof. Dr. Michael Thiemke neben dem 13 Tonnen schweren Gasmotor. – Foto: Hochschule Flensburg

Der Riese schlummert – noch. Fast schon liebevoll streicht Jan E. Wilhelm mit seinen von Öl und Schmutz verschmierten Händen über die blaulackierten, glänzenden Zylinderköpfe des tonnenschweren Gasmotors. Bald schon soll der Koloss erwachen, soll der maritimen Forschung neue Erkenntnisse liefern.

Jan E. Wilhelm hat den Gasmotor in einem aufwändigen Beschaffungsverfahren und von Lieferschwierigkeiten geprägten Prozess hierhergebracht. Nach Kielseng, dem maritimen Forschungsstandort der Hochschule Flensburg. Der Schiffstechniker arbeitet für das Projekt „Grenzland Innovativ Schleswig-Holstein“ (GrinSH), in dem verschiedene Vorhaben Wissens- und Technologietransfer für die Region betreiben. Wilhelm und Projektleiter Prof. Dr. Michael Thiemke forschen in ihrem Teilvorhaben an „Innovativen Beiträgen zur nachhaltigen Energienutzung in Schleswig-Holstein“. Herzstück ist der Gasmotor, den die Firma MTU gebaut hat.

Der Gasmotor wird zum einen eine Windkraftanlage und deren Schwankungen bei der Netzeinspeisung simulieren. Der Vorteil: Im Gegensatz zu einem E-Motor, der Energie aus dem Stromnetz zieht, läuft der Gasmotor entkoppelt vom Stromnetz, beeinflusst die Messungen der Energieeffekte also nicht. Zum anderen machen sich die Forschenden die Fahrprofile des Gasmotors (also die Schwankungen, die verschiedene Windbedingungen simulieren) zunutze, um Abgasuntersuchungen durchzuführen. „Das Fahrprofil passt aber auch zum Verhalten von Schiffen auf See“, erklärt Wilhelm.

21.06.2021 FSG-Auszubildende

Auszubildende der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) haben die Abgasleitung und die Kühlwasser-Ausgleichsbehälter für den Gasmotor gebaut und installiert. – Foto: Hochschule Flensburg

Doch nicht nur für Wissenschaftler*innen ist dieser Versuchsaufbau von Interesse: „Wir haben viele Partner in der Wirtschaft, Unternehmen, die unser Labor für Testungen nutzen“, erklärt Prof. Thiemke. So wird beispielsweise eine Firma am Gasmotor ihre Sensoren erproben, die etwa den Wasseranteil im Öl messen sollen. „Auch durch Spenden tragen Unternehmen dazu bei, die Ausstattung des Maritimen Zentrums so zu ergänzen, dass wir die aktuellen Forschungsthemen rund um umweltschonende Schiffsbetriebe deutlich besser wahrnehmen können“, berichten Thiemke und Wilhelm. So hat „Sauer und Sohn“ das Druckluftsystem in Kielseng saniert, hat die Petersen-Stiftung die Anschaffung eines Partikelmessgerätes finanziell unterstützt. Oder haben die Auszubildenden der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) die Abgasleitung und die Kühlwasser-Ausgleichsbehälter für den Gasmotor gebaut und installiert. Nicht zuletzt tragen auch die Studierenden ihren Teil bei. „Sie haben unermüdlich konstruiert, Anlagen und Rohrleitungen errichtet und Räume und Einrichtungen modernisiert “, erzählt Wilhelm.

Durch den Motor und die neuen elektrischen Komponenten, wird eine Plattform auch für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten im Bereich hybrider Antriebs-, Energieversorgungs- und Automatisierungssysteme geschaffen.

Es ist also alles vorbereitet. Wenn der Riese erwacht, findet er ein Umfeld vor, in dem er mit unseren Studierenden, Wissenschaftlern und Wirtschaftspartnern in einer freundlichen Umgebung arbeiten kann.

SALON Night am 24. Juni 2021 in der Norder147

6q4p4Auch wenn die Bedingungen noch nicht wieder ganz beim Alten sind, möchten wir euch herzlich zu unserer ersten SALON Night seit Februar 2020 einladen.

Es gibt einen besonderen Cocktail, schöne Atmosphäre und gute Musik. Und wenn das Wetter mitspielt, rollen wir den Teppich draußen aus, stellen Sofas und Sesselchen drauf und nehmen mal wieder ein bisschen Stadtraum ein.

Seid getestet, am besten negativ, und bringt bitte auf jeden Fall eine Maske „für die Wege dazwischen“ mit.

Wir freuen uns auf euch!

BUND bemängelt Gewässerschutz: Auch Schleswig-Holstein schneidet schlecht ab

Elbe leidet unter Folgen des Klimawandels

Kiel. Deutschland verstößt gegen europäische Vorgaben zum Gewässerschutz. Anders als vertraglich vereinbart werden bis 2027 auch in Schleswig-Holstein nur wenige Gewässer in einen guten ökologischen Zustand versetzt, kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH). In einer über 100 Seiten langen Analyse nimmt er Stellung zu den aktuellen Plänen zur Erfüllung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL).

Für viele Seen und Flüsse – wie beispielsweise der Elbe und ihren Nebenflüssen, aber auch für das Grundwasser, ist die Erreichung der gesetzten Ziele nicht absehbar. Dies verstößt gegen geltendes EU-Recht. Der BUND verlangt vom Land Schleswig-Holstein daher wesentliche Nachbesserungen der behördlichen Planungen.

Dr. Florian Schulz, Wasserexperte des BUND SH warnt: „Schleswig-Holstein gefährdet den Schutz unserer Lebensgrundlage Wasser, wenn der Gewässerschutz so halbherzig und schleppend betrieben wird. Wir müssen jetzt handeln, denn wir befinden uns bereits mitten in einer Gewässerkrise. Um die Ziele für 2027 noch zu erreichen, muss Schleswig-Holstein massiv nachbessern, um zukünftig eine gute Wasserqualität sicherzustellen.“

Die Herausforderungen wachsen mit der Klimakrise. In Dürrezeiten führen Flüsse weniger Wasser, womit ihre Schadstoffkonzentration steigt. Bei Starkregen belasten unkontrollierte Einleitungen von verschmutztem Mischwasser und Straßenabwasser die Gewässer. Der BUND SH fordert: Die Landesregierung muss einerseits die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung stellen, damit notwendige Maßnahmen zeitnah und konsequent umgesetzt werden können. Andererseits muss das Land die Rechtsgrundlagen wie die Düngeverordnung verbessern, damit etwa schädliche Bewirtschaftungsmethoden unterbunden werden.

„Bislang ist die Landwirtschaft unter anderem wegen zu hoher Nitrateinträge eine Hauptverursacherin schlechter Wasserqualität. Auch die durch Erosion ausgelösten Sedimenteinträge tragen maßgeblich zum schlechten Zustand der Gewässer bei. Steuerfinanzierte Agrarbeihilfen darf es künftig nur noch geben, wenn Gewässerschutzstandards eingehalten werden,“ konstatiert Schulz.

Auch Ole Eggers, Landesgeschäftsführer BUND SH äußert Kritik: „Bereits 2017 hat der BUND EU-Beschwerde eingelegt. Wir erwarten von der Bundesregierung einen strategischen Aktionsplan, in dem konkrete Maßnahmen systematisch aufeinander aufgebaut sind. Doch dieser Plan fehlt. Dreh- und Angelpunkt ist auch eine aktive Beteiligung der Öffentlichkeit. Nur so gibt es gesellschaftlichen Rückhalt für die notwendigen Maßnahmen, um das Allgemeingut Wasser zu schützen. Fristverlängerungen nach 2027 dürfen nur gut begründete Ausnahmen sein. Je länger wir warten, desto teurer wird künftiger Gewässerschutz. Wir haben es in der Hand, künftigen Generationen einen Zugang zu kostbarem Trinkwasser zu ermöglichen.“

Der BUND Schleswig-Holstein wird zum Fristende der Öffentlichkeitsbeteiligung für die Elbe eine ausführliche Stellungnahme abgeben. Der Umweltverband macht zudem auf Bundes- und Landesebene Vorschläge zu Maßnahmen, um den guten ökologischen Zustand an Flüssen, Seen und des Grundwassers bis zum Jahr 2027 zu erreichen.

Weitere Informationen:

Die Stellungnahme des BUND-Landesverbands Schleswig-Holstein:
https://bit.ly/35Gd460

Die Stellungnahme des BUND-Bundesverbands:
www.bund.net/stellungnahme-wrrl

Zur Wasserrahmenrichtlinie, der europäischen Richtlinie zum Gewässerschutz: https://www.bund.net/fluesse-gewaesser/wasserrahmenrichtlinie/

Zur EU-Beschwerde zur Wasserrahmenrichtlinie von BUND und NABU, in der schon viele der Defizite beschrieben wurden: https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/fluesse/fluesse_wrrl_eu-beschwerde.pdf

BUND-Gewässerreport 2018: https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/bund-gewaesserreport-2018/

SSW: Landesspezifische Grundrechte müssen einklagbar sein

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Wenn durch die Landesverfassung gewährte Grundrechte verletzt werden, können diese bisher nicht vor dem Landesverfassungsgericht eingeklagt werden. Das will der SSW im Landtag jetzt ändern.

„Wir haben zwar landesspezifische Grundrechte, die über das hinausgehen, was das Grundgesetz vorgibt. Aber diese landesspezifischen Grundrechte können nicht eingeklagt werden. Das heißt, die Menschen haben Grundrechte auf dem Papier, aber wenn es darauf ankommt, dann haben sie keine Möglichkeit, diese Grundrechte auch einzufordern. Das wollen wir ändern“, sagt Lars Harms, Vorsitzender des SSW im Landtag.

„Wenn etwa jemand vom Zugang zu Behörden ausgeschlossen wird, weil man nicht die technischen Voraussetzungen oder Computerkenntnisse hat, dann hat man keine Chance, sein Recht zu bekommen. Das diskriminiert beispielsweise alte Menschen, die nicht so internetaffin sind und lieber auf Briefverkehr setzen“, so Harms.

Auch wenn nationale Minderheiten sich diskriminiert fühlten, hätten sie derzeit keine Möglichkeit, dies verfassungsrechtlich überprüfen zu lassen, kritisiert der SSW-Landtagschef. Harms: „In Zeiten in denen Minderheitenrechte in vielen Ländern unter Druck sind, ist das genau das falsche Zeichen, das aus Schleswig-Holstein kommt“.

Der SSW-Entwurf sieht daher vor, dass Beschwerden vor dem Landesverfassungsgericht künftig auch bei Verletzungen landesspezifischer Grundrechte möglich sein sollen, die nicht durch das Grundgesetz mit abgedeckt sind.

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