Onlineshop prio.one macht Werbung für Antibabypille ohne Arztbesuch

Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein sieht Geschäftsmodell kritisch

Aktuell wenden sich viele junge Frauen aus Schleswig-Holstein an die Verbraucherzentrale, weil sie auf den Online-Shop prio.one aufmerksam geworden sind. Das Unternehmen mit Sitz in Irland bietet Antibabypillen zum Bestellen an und macht unter anderem Werbung auf Instagram mit Rabattcodes. Die Verbraucherzentrale sieht das Geschäftsmodell kritisch.

Bei prio.one können Interessierte ohne persönlichen Besuch beim Arzt aus Antibaby-Pillen aller gängigen Hersteller wählen. Dazu müssen sie sich durch einen Fragenkatalog klicken und erhalten am Ende ein Rezept per Ferndiagnose. „Gefragt wird nach diversen gesundheitlichen Details. Diese können Kundinnen gar nicht genau beantworten, wenn sie vorher nicht untersucht wurden“, sagt Lenia Baga, Juristin bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Gesundheitliche Risiken wie etwa Thrombosen bleiben so im Zweifelsfall unbemerkt. Zudem können Nutzerinnen ihre Antworten auf die Fragen nachträglich ändern.

Pille als Mittel gegen Regelbeschwerden

Das Geschäftsmodell zielt nach Auffassung der Verbraucherzentrale vor allem auf junge Frauen, die an der Pille als Verhütungsmittel oder als Medikament gegen Regelbeschwerden interessiert sind. In den vergangenen Tagen haben sich viele junge Ratsuchende an die Verbraucherzentrale gewandt, weil sie das Angebot durch Werbung und Rabattcodes auf Instagram entdeckt haben. „Der Shop wirbt mit innovativen Lösungen für Frauengesundheit. Doch die Pille ist ein verschreibungspflichtiges Medikament mit möglichen heftigen Nebenwirkungen“, gibt Baga zu bedenken. Gerade junge, unerfahrene Frauen können so dazu verleitet werden, die Pille voreilig und ohne gründlichen ärztlichen Check einzunehmen. „Besser und sicherer ist es, sich Verhütungsmittel bei einer Frauenärztin verschreiben zu lassen“, empfiehlt Lenia Baga. Das ist in der Regel unkompliziert und diskret möglich.

Privatrezept aus dem Onlineshop auf eigene Kosten

Wenn sich junge Frauen unter 22 Jahren die Pille vom Frauenarzt verschreiben lassen, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland den größten Teil der Kosten. Bei prio.one dagegen gibt es ausschließlich Privatrezepte. Diese müssen die Kundinnen in voller Höhe selbst bezahlen. Darauf weist der Anbieter in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen hin.

Verschreibung per Ferndiagnose ohne Untersuchung

Grundsätzlich ist die Antibabypille in Deutschland verschreibungspflichtig. Kinder unter 14 Jahren brauchen für die Verschreibung eine Einverständniserklärung der Eltern. Bei prio.one und anderen Online-Shops mit Sitz im Ausland kann man die Pille trotzdem ohne vorherigen Arztbesuch bestellen, denn in Großbritannien ist eine ärztliche Ferndiagnose auf Basis eines ausgefüllten Fragebogens erlaubt.

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Veröffentlicht am 2. Juni 2021, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Veranstaltungstipps, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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