Wasserstoff aus Afrika – ein neokolonialer Weg?

Kritik an der Wasserstoff-Konferenz vom 27.5. an der Hochschule Flensburg

Ein Beitrag vom Netzwerk Flensburg postkolonial

Am Donnerstag den 27.05.2021 fand an der Hochschule Flensburg eine Konferenz unter dem Titel „Wasserstoff aus Afrika – Ein Weg zur Klimaneutralität Deutschlands?“ statt. Organisiert wurde die Konferenz vom Center for Business and Technology in Africa. Geladen waren unter anderem der Wirtschaftsminister Mauretaniens, die Botschafterin Tunesiens, CDU-Politiker*innen und Wirtschaftsvertreter.

Schaut man ins Programm, wird deutlich wessen Interessen hier im Fokus stehen: Nach hinführenden Beiträgen unter Titeln wie „Green hydrogen from Africa: A Mauritanian perspective“ und „Tunisia as an investment destination for green hydrogen projects“ folgen zwei große Blöcke. Der erste Block thematisiert die „politische Unterstützung für (nord)deutsche Unternehmen beim Thema Wasserstoff in Afrika“, der zweite diskutiert „Projekte der deutschen Wirtschaft zu Wasserstoff“. Deutschlands Energieversorgung, so die eindeutige Sprache des Programms, soll durch Nutzung von Ressourcen andernorts gesichert werden, wobei deutsche Unternehmen gleichzeitig Gewinne „erwirtschaften“ sollen.

Doch die Muster sind bekannt: Der Ressourcen- und Energiehunger der Länder des Globalen Nordens wird durch Ausbeutung von Mensch und Natur andernorts gedeckt. Vollständig unhinterfragt bleibt der Energie- und Ressourcenbedarf Deutschlands, der viel zu hoch ist, um weltweit verallgemeinert zu werden. Stattdessen soll dieser weiterhin auf Kosten anderer Menschen, Regionen und der Natur gesättigt werden. Ausgeblendet wird die historische koloniale Verflechtung zwischen Europa und Afrika, ausgeblendet werden massive Machtungleichgewichte zwischen den beteiligten Akteuren, ausgeblendet werden Fragen nach neokolonialer Ausbeutung. Strukturelle Ungleichheiten zwischen Nord und Süd wurden in der Kolonialzeit gewaltsam zementiert, bestehen bis heute auf dem Weltmarkt fort und ermöglichen neokoloniale Ausbeutung.

Nicht thematisiert wird weiterhin, dass mit dem Wirtschaftsminister Mauretaniens der Regierung eines Landes ein Podium geboten wird, in dem nach Angaben von Amnesty International Sklaverei zwar offiziell verboten, aber weiterhin existent und weitestgehend straffrei ist.

Es wird deutlich, dass im Programm Fachleute fehlen, die die angedeuteten gesellschaftlichen Implikationen kritisch beleuchten könnten. Stattdessen werden einseitig ökonomische Interessen fokussier. Es ist ein Unding, dass bei einer Konferenz zu Ressourcenimporten vom afrikanischen Kontinent nach Europa, die an einer wissenschaftlichen Institution stattfindet, die Wirtschaftsförderung im Zentrum steht und koloniale Verstrickungen vollständig ausgeblendet werden.

Sie dazu auch den Stadtblog-Beitrag vom 07.05.2021: Kongress der Hochschule Flensburg am 27.05.2021: Wasserstoff aus Afrika – Ein Weg zur Klimaneutralität Deutschlands?
unter: https://akopol.wordpress.com/2021/05/07/kongress-der-hochschule-flensburg-am-27-05-2021-wasserstoff-aus-afrika-ein-weg-zur-klimaneutralitat-deutschlands/

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Veröffentlicht am 29. Mai 2021, in Ökologie, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Hallo liebe Leute vom Netzwerk Flensburg postkolonial.

    Obwohl das Thema ein ausgiebig weites Feld ist, will ich in aller Kürze euren Argumenten zustimmen und denke auch, die afrikanischen Bürger sollen ihre Ressource für ihren Wohlstand selber nutzen statt sie zu verkaufen.
    Dem pv-Magazin habe ich heute jedoch entnommen, dass Altmaier bereits mit Saudi-Arabien eine Absichtserklärung unterzeichnete, um dort grünen Wasserstoff produzieren zu lassen um ihn in D der Wirtschaft zugänglich zu machen.
    Das pv-magazin verbittet sich allerdings jedes Kopieren ihres Inhalts.

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