Netzwerk fordert: Stadtwerke Flensburg sollen sich gegen Holzimporte aus Namibia positionieren

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Heizkraftwerk am Flensburger Hafen-Westufer: Das Netzwerk Flensburg-Postkolonial fordert den Stadtwerke-Vorstand und Aufsichtsrat auf, für die Energiegewinnung kein Holz aus Namibia als Ersatzbrennstoff zu verwenden und „sich unmissverständlich in einem öffentlichen Statement von Rohstoffimporten aus Ländern des Globalen Südens zu distanzieren.“ – Foto: Jörg Pepmeyer

Die AktivistInnen des Netzwerks Flensburg-Postkolonial fordern in einem Brief den Vorstand und den Aufsichtsrat der Flensburger Stadtwerke auf, auf den Import von namibischen Holz als Ersatzbrennstoff für die Energiegewinnung im Kraftwerk zu verzichten.

Gleichzeitig fordern sie vom Stadtwerke-Vorstand und Aufsichtsrat: „sich unmissverständlich in einem öffentlichen Statement von Rohstoffimporten aus Ländern des Globalen Südens zu distanzieren und zu einer Energieversorgung auf Basis regenerativer und regional verfügbarer Energiequellen zu bekennen.“ Unterzeichnet haben den Brief verschiedene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Professorinnen und MitarbeiterInnen der Europa-Universität Flensburg. Wir dokumentieren untenstehend den Brief:

Sehr geehrter Herr Dr. Wernicke, liebe Mitglieder des Aufsichtsrats,

in den vergangenen Wochen sorgten Berichte über mögliche Holzimporte aus Namibia als Ersatzbrennstoffe für deutsche Kohlekraftwerke bundesweit für Aufsehen und Kritik [1]. Bisher fokussierte die Debatte vor allem auf das Hamburger Kraftwerk Tiefstack. Eine Studie des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement [2] bringt nun auch das Flensburger Kraftwerk, welches in den kommenden Jahren einen Kohleausstieg plant und noch kein fundiertes Konzept für eine fossilfreie Wärme- und Stromversorgung vorlegen konnte, als mögliche Abnehmerin ins Gespräch.

Der angedachte Import von Holz aus Namibia wird von zahlreichen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen kritisiert. Nicht nur die Umweltbilanz der Holznutzung ist unter anderem aufgrund des langen Transportweges fraglich [3], sondern auch neokoloniale Strukturen werden kritisiert. Denn das Muster ist bekannt: Der nicht-nachhaltige Ressourcen- und Energiehunger der Länder des Globalen Nordens soll durch Ausbeutung von Mensch und Natur andernorts gedeckt werden. Dies ist bei dem Holz aus Namibia das gleiche Prinzip wie bei der gegenwärtig in Flensburg verwendeten Steinkohle, die vermutlich aus Russland stammt und aufgrund massiver Menschenrechtsverletzungen in der Kritik steht, oder bei angedachten Wasserstoffimporten aus dem Kongo [4]. Strukturelle Ungleichheiten zwischen Nord und Süd wurden in der Kolonialzeit zementiert und bestehen bis heute auf dem Weltmarkt fort und ermöglichen derartige Formen von Ausbeutung.

Daher fordern wir, das Netzwerk Flensburg-Postkolonial, die Stadtwerke Flensburg auf, sich unmissverständlich in einem öffentlichen Statement von Rohstoffimporten aus Ländern des Globalen Südens zu distanzieren und zu einer Energieversorgung auf Basis regenerativer und regional verfügbarer Energiequellen zu bekennen.

Wir freuen uns von Ihnen zu hören und verleiben mit freundlichen Grüßen,

Netzwerk Flensburg-Postkolonial

Unterzeichner*innen mit namentlicher Nennung (alphabetisch):

Elisabeth Bohde, Pilkentafel Flensburg
Inken Carstensen-Egwuom, Post-Doc an der Europa-Universität Flensburg
Katrine Hoop, Flensburg
Jonas Lage, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Europa-Universität Flensburg
Bea Lundt, em. Professorin an der Europa-Universität Flensburg, Gastprof. an der University of Education Winneba Ghana
Nelo Schmalen, Flensburg
Thorsten Schütte, Pilkentafel Flensburg
Christine Thon, Professorin an der Europa-Universität Flensburg
_________
[1] Janzing, Bernward (2021): Holz aus Namibia statt Kohle? In: taz.de, 31.03.21. Online verfügbar unter: https://taz.de/Energiepolitik-in-Deutschland/!5758430/ Burghardt, Peter (2021): Hamburger Holzweg. In Süddeutsche Zeitung, 06.04.21. Online verfügbar unter: https://www.sueddeutsche.de/politik/energie-hamburger-holzweg-1.5256666 Wille, Joachim (2021): Da ist was im Busch. In: Frankfurter Rundschau. Online Verfügbar unter: https://www.fr.de/wirtschaft/da-ist-was-im-busch-90239912.html Schröder, Axel (2021): Hamburg will Buschholz aus Namibia verfeuern. In: Deutschlandfunk. Online verfügbar unter: https://www.deutschlandfunk.de/bessere-klimabilanz-als-gas-hamburg-will-buschholz-aus.697.de.html?dram:article_id=488178
[2] Flesch, Felix/Ohlde, Gerhard/Senanyake, Navoda/Monschin, Marlon/Wilhelm, Karsten (2021): Road Map to Biomass Industrial Park. Biomass Partnership with Namibia. Hg. V. Institute for Applied Material Flow Management. Online verfügbar unter: https://www.dasnamibia.org/?wpfb_dl=117
[3] Rabenstein, Dietrich (2021): Buschholz aus Namibia: Ersatz für die Steinkohle in Deutschland? Hg. v. Hamburger Energietisch e.V.. Online verfügbar unter: https://www.hamburger-energietisch.de/WP-Server/wp-content/uploads/Buschholz-aus-Namibia-als-Ersatz-fuer-die-Steinkohle-in-Deutschland-kurz-V1.0.pdf
[4] Hilpert, Simon/Lage, Jonas (2021): Grüner Wasserstoff als goldener Weg der Flensburger Energiewende? Online verfügbar unter: https://akopol.wordpress.com/2021/02/04/gruener-wasserstoff-als-goldener-weg-der-flensburger-energiewende/

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Veröffentlicht am 26. April 2021, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Stadtwerke Flensburg, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Guten Tag,
    In Ihrem Text „Netzwerk fordert: Stadtwerke Flensburg sollen sich gegen Holzimporte aus Namibia positionieren“ haben Sie mich unter [3] als Autor aufgeführt.
    Gern wüsste ich (und andere in Hamburg gegen namibisches Buschholz Aktive) mehr über Ihre Initiative, die Reaktionen und einen möglichen Auftritt von giz/IfaS.
    Eine ziemlich vollständige Dokumentation zur Buschholz-Affäre finden Sie unter:
    https://www.hamburger-energietisch.de/biomasse-statt-kohle/

    Beste Grüße
    Prof. Dr. Dietrich Rabenstein

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