Da waren es nur noch sieben – Flensburger Ratsfraktion B90/Grüne verliert Mitglied

Ratsherr Andreas Zech will trotz Austritt aus der Grünen-Ratsfraktion sein Mandat weiter wahrnehmen

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Mit sofortiger Wirkung ist Ratsherr Andreas Zech aus der Flensburger Ratsfraktion der Grünen ausgetreten. In einer persönlichen Stellungnahme (siehe untenstehend) legte er seine Gründe dar. Insbesondere beim Thema Hafen-Ost und Bahnhofswald gab es zwischen ihm und dem Rest der Grünen-Fraktion einen unüberbrückbaren Dissens. Zech betonte, dass er sich weiterhin als fraktionsloses Ratsmitglied für links-grüne Politik und Ziele einsetzen will. Er unterstütze jedoch auch gerne weiterhin Projekte und Vorhaben der Fraktion B90/Grüne, soweit sie für ihn schlüssig und nachvollziehbar seien. Zech gehörte als Nachrücker der Grünen-Ratsfraktion seit Anfang November 2020 an.

Mit dem Austritt von Andreas Zech ändern sich auch die Mehrheitsverhältnisse in der Flensburger Ratsversammlung. Die Grünen, die bei der Kommunalwahl 2018 in Flensburg mit 18,8 % zweitstärkste Kraft hinter der CDU wurden, bekamen aufgrund der sehr knappen Abstände beim Wahlergebnis ebenso wie CDU, SPD und SSW acht Ratsmandate zugesprochen. Nun sind es nur noch sieben. Ob sich die veränderte Fraktionstärke damit auch auf die Zusammensetzung der Ausschüsse auswirkt, ist noch unklar.

Hier nun die Erklärung von Andreas Zech:

Es sind mehr als 100 Tage vergangen, seit ich mein Mandat als Ratsherr für die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen angetreten habe. Zeit für mich ein Resümee der Zusammenarbeit zu ziehen.
Während dieser Zeit kam es immer wieder zu unterschiedlichen Auffassungen in Bezug auf die Ratsarbeit an sich und hinsichtlich der inhaltliche Positionierung im Falle einzelner Beschlüsse auch und gerade hinsichtlich der Umsetzung grüner Kernthemen.
Um die Einigkeit in der Fraktion nicht auf Dauer unnötig zu belasten, habe ich die Konsequenzen gezogen und beschlossen, die Fraktion mit sofortiger Wirkung zu verlassen.
Ich habe lange mit mir gerungen und die Entscheidung fiel mir wahrlich nicht leicht, ob ich das Mandat zurückgeben oder es als unabhängiger Ratsherr vorerst weiterführen soll.
Zu letzterem habe ich mich entschieden, denn aus vielen Zusammenhängen und vielen Gesprächen wurde mir immer wieder vor Augen geführt, dass links-grüne Stammwähler sich durch die Fraktion nicht ausreichend vertreten fühlen. Denen möchte ich aber weiterhin als Sprachrohr zur Verfügung stehen.
Damit diene ich letztendlich auch einer grünen, nachhaltigen und zukunftsweisenden Politik, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist und die Themenfelder Sozialer Zusammenhalt, Ökologie und Wirtschaft stärker ausbalanciert.
Dabei werde ich mich auch in Zukunft in der Kommunalpolitik bei grünen, haushaltspolitischen und gesellschaftsrelevanten Themen einmischen. Ich unterstütze auch gerne weiterhin Projekte und Vorhaben der Fraktion B90/Grüne, soweit sie für mich schlüssig und nachvollziehbar sind.

Flensburg, 20.4.2021

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Veröffentlicht am 20. April 2021, in Ökologie, Bahnhofswald, Bahnhofswald Flensburg, Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Ostufer und Hafen, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Die Quittung für wenig ökologische Politik der Grünen in Flensburg

    Es ist schon erstaunlich mit welcher Chuzpe die Mehrheit der Grünen-Ratsfraktion dem Hotelvorhaben am Bahnhofswald und damit der Vernichtung eines wertvolllen innerstädtischen Naturhabitats zustimmte. Dabei war es nicht das erste Mal, dass die Grünen sich durch Entscheidungen auszeichneten, die wenig mit ökologischer Poltik zu tun haben. Die Zustimmung im SUPA oder der Ratsversammlung reihenweise Kleingärten für Bauvorhaben lokaler Bauspekulanten und Investoren platt zu machen, macht eine plakative Kippensammelaktion nicht besser. Auch sonst ist bei den Flensburger Grünen nicht mehr viel grün. Vor Jahren hätte es dafür Parteiauschlussverfahren gegeben, als die Grünen eben noch grün waren. Insofern ist die Entscheidung von Andreas Zech nachvollziehbar.

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    • Parteiausschlussverfahren? Das muss aber sehr lange her sein.

      Mann/Frau, farblich etwas grün, sitzt auch nicht im Vorstand der WiREG, um dauernd mit Widersprüchen und mit großer Sorge um das Grün in FL und Schleswig-Schuby (Gewerbegebiete) unangenehm aufzufallen.
      Natur ist nur dazu da, um den Arbeitsplätzen, den Steuern und der Kfw-Bank Wirtschaftsförderung zu dienen. Dahin zieht eben nun das Logistikzentrum des Flensburger „plopp“
      Auf den uns zukommenden Wahlständen der BT wird die Gelbe Sonnenblume auf uns warten und wir bekommen einen Setzling u. umweltfreundliche Fleyer geschenkt und die OB hat ihren Klimapaktstand aufgebaut und alle reden uns an, ob wir schon mit dem Fahrrad unterwegs sind?

      Wenn die Baumstümpfe im ehemaligen Bahnhofswald jetzt noch eine frühlingshafte Keimung erleben dürfen, haben sie im Sommer eben Pech.

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  2. Finde ich gut, Andreas Zech, denn es sind die Weisen, die vom Irrtum zur Wahrheit reisen und Emanzipation macht auch nur stärker.

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