Barriere-Check III: Vom Flensburger Nordermarkt zur Hafenspitze

Ein Beitrag von Julia Born, VCD Flensburg

Flensburgs wunderschöne Altstadt zieht viele Besucher:innen an. Zu beliebten Zielen beim Spazierengehen gehören der Nordermarkt und die Hafenspitze. Genau das war die Route beim dritten Barriere-Check im März 2021. Die Teams waren wieder unterwegs mit Blindenstock und Rollstuhl. Das Ergebnis: Gute Ansätze und Verbesserungsbedarf. Die Vorbereitungsgruppe fordert nun den nachhaltigen Umgang mit den Kritikpunkten ein.

Foto: SF
Die Schiffbrückstraße führt vom Nordermarkt Richtung Hafen. In der Mitte sind glatte Platten verlegt – doch leider zu schmal. Mit Rollstuhl, Rollator, Einkaufstrolley oder Kinderwagen wird man durchgerüttelt.
Wenn die kleinen Vorderräder des Rollstuhls in den Fugen hängen bleiben, besteht zudem Sturzgefahr.

Inhaltsübersicht:

  • Barriere-Check in Flensburg: Zum dritten Mal unterwegs
  • Gute Ansätze und Nachbesserungsbedarf: Vier Beispiele
  • Barrierefreiheit schaffen: Nachhaltiger Umgang mit Einträgen gefordert
  • Ausblick: Barriere-Checks drei- bis viermal im Jahr

Barriere-Check in Flensburg: Zum dritten Mal unterwegs

In der Woche vom 15. – 19. März 2021 waren zum dritten Mal engagierte Flensburger:innen, diesmal coronagerecht in kleinen Teams, unterwegs und prüften: Wie gut lässt sich der Weg vom Nordermarkt zur Hafenspitze begehen von Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Blindenstock? Denn öffentliche Straßen und Plätze sollen ausdrücklich möglichst barrierefrei gestaltet sein.

Beteiligt waren wieder mehrere Gruppierungen: Die Flensburger Ortsgruppen von VCD, VdK, Aktionsgruppe KLIMA, Seniorenbeirat, Stadtteilforum Südermarkt-PLUS, Arbeitskreis des Behindertenbeauftragten und das TBZ Flensburg.

Fazit der Barriere-Checker:innen: Gute Ansätze sind vorhanden. Gleichzeitig gibt es viel Nachbesserungsbedarf, damit auch Seh- und Bewegungsbehinderte hier bequem und sicher unterwegs sein können.

Einige Kommentare

  • Kopfsteinpflaster ist ja schön, doch für Menschen mit Rollator, Rollstuhl, Kinderwagen oder Trolley ein echtes Problem.
  • Diesen Weg kann man als Blinder nicht allein gehen. Es gibt zu viele Gefahrenstellen.
  • Durch die Barriere-Checks nehme ich die Hürden, mit denen Bewegungs- und Sinnesbeeinträchtigte kämpfen, erst wahr.
  • Man merkt, wie extrem kleinteilig beim Fußverkehr gearbeitet werden muss. Die Barriere-Checks sind wichtig, denn sie lenken den Blick auf die Details.
  • Die Radler:innen waren rücksichtsvoll. Doch Fuß- und Radverkehr gemeinsam in einem Flanier- und Erlebnisbereich ist utopisch.

Gute Ansätze und Nachbesserungsbedarf: Vier Beispiele

Foto: VCD Flensburg
Die taktile Linie führt Blinde und Sehbehinderte durch die Große Straße. Beim Nordermarkt ist ein Aufmerksamkeitsfeld verlegt. Es signalisiert: Hier abbiegen! Doch wer sich daran orientiert, stößt zusammen mit dem Sonnenschirm bzw. im Sommer mit der Bestuhlung dort.
Foto: VCD Flensburg
Die Busspur ist zur Hafenpromenade hin durch Pfähle gesichert. Zur Kreuzung Schiffbrücke hin ist der Übergang völlig plan.
Es gibt keine taktilen Signale, durch die ein Sehbehinderter spürt, dass er hier vorsichtig sein muss.
Foto: VCD Flensburg
Der „Kapitänsweg“ – signalisiert durch die im Pflaster verlegten Steine – ist eine schöne Flensburger Erlebnisroute.
Direkt im Weg: Ein Schild und ein Verkaufswagen … Davor: Ein ungesicherter Schlauch.
Foto: Regina Bunge, VdK
Fahrradständer sind eine gute Sache. An dieser Stelle sind sie jedoch sehr ungünstig angebracht. Aufgrund der Baustelle wird der gesamte Fuß- und Radverkehr hier vorbeigeführt. Eine Beleuchtung ist nicht vorhanden.

Barrierefreiheit schaffen: Nachhaltiger Umgang mit Einträgen gefordert

Wie auch bei den letzten Malen wurde wieder eine ausführliche Dokumentation erstellt. Diese wird zur Kenntnis weitergegeben an den Flensburger Behindertenbeauftragten, Christian Eckert, den Seniorenbeirat, den Sozialverband VdK, Stadtverwaltung und Ratsfraktionen sowie das TBZ als beteiligte Einrichtung. Schrittweise können so Verbesserungen vorgenommen werden.

“Wir werden in Kürze über den Überweg Schiffbrücke und die Busspur sprechen und überlegen, wie sich dieser Übergang sicherer gestalten lässt”, verspricht Barbara Hartten, technische Betriebsleiterin des TBZ, die regelmäßig an den Begehungen teilnimmt. “Wenn das mit der Baustelle jetzt länger dauert, werden wir auch über eine Beleuchtung nachdenken.”

Mängelmelder: Missstände “gelöst”, da keine Mängel

Um sie vorzumerken, wurden die anderen Missstände in den Mängelmelder des TBZ eingetragen. Bereits am Folgetag waren sämtliche Einträge mit “gelöst” markiert (Beispiel: mehr).

“Ich habe mich total gefreut”, berichtet Julia Born, Sprecherin der VCD Ortsgruppe und Organisatorin, “zumal im Herbst 2020 tatsächlich kurzfristig Nachbesserungen vorgenommen worden waren. Dafür waren wir dem TBZ sehr dankbar.
Doch dann las ich im beigefügten Kommentar, dass die Einträge keineswegs gelöst sind. Der zuständige Bearbeiter schätzte sie nicht als ‘Mängel’ ein und hat sie deshalb mit ‘erledigt’ markiert” (mehr).

“Sehr enttäuscht” sei er, so Bernd Wittke, Vorsitzender des Seniorenbeirats. “Blinde, Bewegungseingeschränkte, Ältere und Kinder sind an diesen Stellen ganz erheblich behindert, teilweise sogar gefährdet. Natürlich ist uns klar, dass Nachbesserungen zum Teil aufwändiger sind. Hier macht man es sich jedoch sehr einfach – auf Kosten von Benachteiligten.”

Zeitnah nachhaltiger Umgang mit Einträgen erwartet

Regina Bunge, stellvertretende Landesvorsitzende des VdK, die ebenfalls beim Barriere-Check mitwirkt, unterstützt das Anliegen: “Wir brauchen eine nachhaltige Dokumentation solcher Kritikpunkte. So dass man sehen kann: Der Hinweis wurde eingetragen, die Erledigung ist für einen späteren Zeitpunkt vorgemerkt.
Es geht nicht an, berechtigte Mängel als ‘erledigt’ zu einzustufen, nur weil eine längerfristige Bearbeitung nötig ist.”

“Außerordentlich”, so der Behindertenbeauftragte der Stadt Flensburg, Christian Eckert, begrüße er die gemeinsame Aktion der verschiedenen Gruppen. Als “absolut inakzeptabel” bewertet er jedoch die Vorgehensweise des TBZ.  “Als kommunaler Beauftragter der Stadt Flensburg für Menschen mit Behinderung erwarte ich eine zeitnahe Kontaktaufnahme des TBZ mit der Vorbereitungsgruppe, um hier schnellstmöglich eine zufriedenstellende Lösung zu finden.”

Ausblick: Barriere-Checks drei- bis viermal im Jahr

“Drei- bis viermal im Jahr führen wir einen Barriere-Check durch”, erläutert Julia Born. “Unser Vorbereitungsteam, bestehend aus Klaus Heide (Arbeitskreis des Behindertenbeauftragten), Regina Bunge (stellvertretende Landesvorsitzende des VdK), Bernd Wittke (Vorsitzenden des Seniorenbeirats) und mir als Sprecherin des VCD Flensburg, entscheidet gemeinsam, wo die nächste Begehung stattfindet.”

Ein großes Dankeschön abschließend an alle Beteiligten für ihr Engagement!
Übrigens: Wer bei sich vor Ort einen Barriere-Check durchführen will, den laden wir ein, Kontakt aufzunehmen: flensburg@vcd-nord.de. Wir leisten gerne Unterstützung!

  • Barriere-Check III (März 2021): Vom Nordermarkt zur Hafenspitze – Dokumentation.  PDF-Datei: mehr
  • Was ist der Barriere-Check, warum ein Barriere-Check? Häufig gestellte Fragen. Präsentation. PDF-Datei – mehr
  • Barriere-Check II (27.10.2020): Vom Südermarkt zum Deutschen Haus – PDF-Datei  – mehr
  • Barriere-Check I (01.09.2020): Vom Deutschen Haus zum Bahnhof.  PDF-Datei – mehr
Screenshot: GoogleMaps
Die Route des dritten Barriere-Check: Abschnittweise wurde die Strecke vom Nordermarkt zur Hafenspitze untersucht.

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Veröffentlicht am 31. März 2021, in Ökologie, Bildung, Flensburg News, Soziales, Stadtplanung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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