Vorbild für Flensburg: „LeiLa Liefert“ – und das klimaneutral

Klimaneutrales Online-Shopping in Göttingen

Ein Beitrag von Julia Born, VCD Flensburg

Online-Shopping wird klimaneutral und regional! Das ist die Idee von „LeiLa Liefert“ in Göttingen. Im Frühjahr 2020 gründete Leila Morgenroth dort einen Lieferservice mit dem Lastenrad. Über ein gemeinsames Online-Portal oder anderweitig bestellte Waren werden am gleichen Tag ins Haus gebracht. Unterstützer sind neben anderen der Verein Pro City Göttingen und die Stadt Göttingen. Ein Vorbild auch für Flensburg?

Leila Morgenroth, Göttingen Leila liefert – unterwegs in Göttingen.

Inhaltsübersicht:

  • LeiLa liefert – Interview mit Leila Morgenroth
  • Die Göttinger Klimakarte
  • Von Göttingen lernen: Mut, Zusammenarbeit und Servicebereitschaft

LeiLa Liefert – Interview mit Leila Morgenroth

Die Universitätsstadt Göttingen in Niedersachsen hat knapp 120.000 Einwohner:innen. Seit 2020 gibt es dort einen Lieferservice mit dem E-Lastenrad. Initiatorin Leila Morgenroth erklärt das Projekt.

  • Leila, wie funktioniert euer Lieferdienst?

Ganz einfach: Man bestellt per Telefon oder online etwas in einem Laden seiner Wahl. Die Läden geben uns Bescheid, wir holen die Waren ab und liefern noch am selben Tag an die Wunschadressen aus. Dieser Service ist für das Stadtgebiet Göttingen abrufbar.
Hintergrund war die Corona-Krise, die letztes Jahr sehr deutlich gemacht hat: Der Innenstadt-Einzelhandel braucht eine gemeinsame Online-Plattform, verbunden mit einem lokalen Lieferdienst, der möglichst noch am Tag der Bestellung die Ware zu den Kund:innen bringt. Das ist bei uns derzeit in Planung. ProCity Göttingen hat ein erstes Portal dazu bereitgestellt: “Einkaufen-in-Goettingen.de”.

  • Wie kann so ein Angebot kostenlos sein?

Inzwischen sind wir ein Team von sieben, fünf davon sind Fahrer:innen. Alle sind ehrenamtlich dabei und erhalten keine Vergütung. Sehr wichtig ist ein weiterer Unterstützer als Mechaniker, der uns auf Zuruf spontan platte Reifen, ausfallende Akkus oder reparaturbedürftige Bremsen in Ordnung bringt. Auch andere Begeisterte bringen sich ein, wenn es ihre Zeit erlaubt. Verantworlich für Aufgaben wie Netzwerken, Kommunikation mit den Kund:innen, den Läden, Organisation, Presse- und Medienarbeit ist die Initiatorin.

Gemeinsame Verantwortung für das Projekt

Ich kann mir vorstellen, dass mittelfristig eine Vergütung angezeigt ist für den Arbeitsaufwand, die Kosten für Reparaturen, Verwaltung, Koordination usw. Vorläufig läuft das Angebot aber auf Spendenbasis.
Deshalb sind wir sehr dankbar für die Unterstützung unserer Partnergeschäfte, des ADFC, der e-bike-family, der Energieagentur, der Stadt Göttingen, den Grünen, ProCity – und zufriedenen Kund:innen für Trinkgelder. Unsere ehrenamtliche Leistung wird kostenlos angeboten, aber alle Beteiligten tragen mit ihrer Unterstützung und Spende dazu bei, dass das Projekt bleibt.

  • Und wie wird euer Lieferdienst angenommen?

Nur positiv tatsächlich – der Lieferdienst wird super angenommen, gerade weil er kontaktlos und unkompliziert ist, und genau dafür ist er ja auch ins Leben gerufen worden. In beiden Lockdowns hatten bzw. haben wir sehr viel zu tun. Wir erleben viele dankbare Kunden, kriegen hier und da Schokolade zugesteckt, und die Beziehungen zu den Läden machen auch richtig Spaß. So ist es doch toll, wenn man mal wieder den “Bello” sieht oder den neuen Klima-Punkt vorbeibringt für die Klimakarte der Energieagentur Göttingen: Eine Lieferung von uns ist gleich ein Punkt auf der Klimakarte (siehe unten).

Gemeinsame Online-Plattform “Einkaufen in Göttingen”

  • Wieviele Läden machen fest bei euch mit? Und was macht man, wenn ein Geschäft euch nicht auf der Liste hat?

Eine ganze Reihe von Läden haben unser Angebot fest in ihrem Repertoire und bewerben es, zum Beispiel Buchhandlungen, eine Weinhandlung, Optiker, der Waschbär-Umweltladen und mehr.
Ist ein Geschäft noch nicht dabei, kann man bei uns anfragen, ob das Geschäft schon einmal über uns geliefert hat. Gern besprechen wir dann mit den Zuständigen, wie man mit uns unkompliziert zusammenarbeitet. Wir liefern die neuen Sachen dann flott und zuverlässig an eine Wunschadresse in Göttingen.

  • Und wie gefällt dir deine Tätigkeit?

Das Fahren macht viel Spaß, man entdeckt Straßen und Häuser, die man selbst als Göttingerin noch nicht kennt. Die Zusammenarbeit mit den Läden und der Stammkundschaft ist schön, die Menschen freuen sich, wenn wir kommen. Begeistert bin ich nach wie vor auch von der Zusammenarbeit mit den anderen Ehrenamtlichen – gemeinsam denken, arbeiten und gemeinsam an die Sache glauben – das ist toll.

Weiterlesen

  • Facebook: LeiLa Liefert – mehr
    Kurz-Video – mehr
  • Instagramm: LeiLa Liefert – mehr

Die “Göttinger Klima-Karte”

Die Göttinger Klima-Karte ist eine Aktion der Energieagentur Region Göttingen. Bei den beteiligten Unternehmen erhält man einen Stempel – zum Beispiel für das Nutzen von LeiLa liefert, das Mitbringen der eigenen Einkaufstasche, den Verzicht auf Plastikstrohhalme, die Verwendung eines Mehrweg-Kaffeebechers, den Einkauf von unverpackten Produkten.

Wenn alle Stempel gesammelt sind, bekommt man ein attraktives Klimaschutz-Paket (solange der Vorrat reicht), bestehend aus einem Baumwoll-Beutel, einem Gemüse- bzw. Obstbeutel, einem Fair-Cup, Trinkhalmen aus Bambus und ein Bienenwachspapier. Mit jeder abgegebener Klima-Karte wird zusätzlich ein Klimaschutz-Projekt im Stadtgebiet unterstützt.

  • Energieagentur Region Göttingen: “Klima shoppen – Göttingen genießt bewusst” – mehr

Von Göttingen lernen: Mut, Zusammenarbeit und Servicebereitschaft

Was könnten wir in Flensburg von Göttingen lernen?

  • Zuerst einmal den Mut, neue Ideen auszuprobieren, und die Bereitschaft zu Kooperation!
  • Besserer Service durch Lieferdienst: Gebraucht wird ein zentraler, für alle zugänglicher Ort als Standplatz für ein Minidepot. Ein solcher Ort könnte z.B. das Karstadt-Gebäude bzw. das Parkhaus sein. Hier könnten Waren im Lauf des Tages eingeliefert und am Abend an die Kund:innen ausgeliefert werden. Bequemer geht Einkaufen nicht.
  • Eine gemeinsame Internetseite und App “Flensburg-kauft-ein” – auf Deutsch, Dänisch und Englisch, mit allen Geschäften (nicht nur der Innenstadt) zur Auswahl, sortierbar nach Rubriken wie Fahrrad, Lebensmittel, Optik usw.
    Dazu eine Online-Bestellmöglichkeit und Hinweise auf den Lieferservice. Mit Infos zu Parkmöglichkeiten für Auto und Rad, ÖV-Haltestellen, erreichbare Toiletten für jedes Geschäft (vgl. dazu auch Flensburg-mobil.de > “Detailansicht”, wo dies alles schon bereit steht: mehr)
    Und auf der Startseite: Sonderangebote, Aktionen, Tipps fürs klimafreundliches Einkaufen …

Es gibt einiges zu tun – wann gehen wir es an?

Leila Morgenroth, GöttingenCoronagerechte Lieferung an die Stammkundschaft
Leila Morgenroth, GöttingenAuf das Lastenrad passt so einiges!
Leila Morgenroth, GöttingenDie Göttinger Klima-Karte, eine Aktion der Energieagentur Region Göttingen. Für klimafreundliches Einkaufen gibt es Pluspunkte.
LeiLa Liefert

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Veröffentlicht am 9. März 2021 in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Zu kurz gedacht und eine Beruhigungspille für das Umweltgewissen der urban hipsters:
    Es fehlt die ganzheitliche Betrachtung der Lieferkette. „Last mile logistics“ bringen dem Klima überhaupt nichts, da nur ein Bruchteil der supply chain abgebildet wird. Und es wird weiterhin geordert, produziert, verpackt, verschickt und konsumiert als gäbe es kein Morgen. Während der Autobahnbau weiter geht und Nordstream 2 gegen alle Widerstände weiter gebaut und dem Volk als „Brückentechnologie“ verkauft werden soll, tauen die Permafrost-Böden, vermeldet der Deutsche Wetterdienst, dass das international vereinbarte 2 Grad-Ziel bei der Klimaerwärmung längst nicht mehr zu halten ist, wird die Zukunft verspielt. Die Kipp-Punkte im Klima-System werden bald überwunden sein, und dann ist es für uns alle längst zu spät. Bis dahin werden ein paar spaßbefreite Idealisten und Idealistinnen weiter versuchen, die Welt zu retten. Der Zug ist bereits abgefahren. Wir haben es nur noch nicht gemerkt…

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    • Stimmt alles! Ich könnte aber darin auch ein Schnellballsystem mit Vorbildcharakter und Nachahmung erkennen.
      „Es fehlt die ganzheitliche Betrachtung der Lieferkette(n)“ sorry, hiermit wird eine „Transportkette“ aber unterbrochen, statt UPS/Hermes wird per Lastenrad ausgeliefert, ob die Mengen sich vergrößern, liegt ja auch an Ihrem/unserem Verhalten. Die globalen Lieferantenketten sind zwar in der Diskussion, ist nur so, dass der Kapitalismus so was wie ein „Mobiles“ ist, also ein sich selbst erhaltendes Monster, das auf Opfer keinen Blick wirft. Darf ich fragen, wie alt Ihr Rechner ist, Ihr Betriebssystem, brauchen Sie auch alle 2 Jahre ein neues Smartdings? Ich nicht und meine Autoreifen werden grundsätzl. nur als runderneuerte ersetzt, weil der Kautschuckabbau in Vietnam u. Thailand auf Landraub und Menschenopfer basiert.
      Und schauen Sie diesen Link aus Zeit online über den Kipppunkt des Golfstroms, erwartet gegen 2100.

      https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2021-02/stefan-rahmstorf-klimaforschung-extremwetter-klimawandel/seite-2
      Das Golfstromsystem ist so schwach wie seit über 1.000 Jahren nicht mehr.

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