Archiv für den Tag 9. März 2021

Vorbild für Flensburg: „LeiLa Liefert“ – und das klimaneutral

Klimaneutrales Online-Shopping in Göttingen

Ein Beitrag von Julia Born, VCD Flensburg

Online-Shopping wird klimaneutral und regional! Das ist die Idee von „LeiLa Liefert“ in Göttingen. Im Frühjahr 2020 gründete Leila Morgenroth dort einen Lieferservice mit dem Lastenrad. Über ein gemeinsames Online-Portal oder anderweitig bestellte Waren werden am gleichen Tag ins Haus gebracht. Unterstützer sind neben anderen der Verein Pro City Göttingen und die Stadt Göttingen. Ein Vorbild auch für Flensburg?

Leila Morgenroth, Göttingen Leila liefert – unterwegs in Göttingen.

Inhaltsübersicht:

  • LeiLa liefert – Interview mit Leila Morgenroth
  • Die Göttinger Klimakarte
  • Von Göttingen lernen: Mut, Zusammenarbeit und Servicebereitschaft

LeiLa Liefert – Interview mit Leila Morgenroth

Die Universitätsstadt Göttingen in Niedersachsen hat knapp 120.000 Einwohner:innen. Seit 2020 gibt es dort einen Lieferservice mit dem E-Lastenrad. Initiatorin Leila Morgenroth erklärt das Projekt.

  • Leila, wie funktioniert euer Lieferdienst?

Ganz einfach: Man bestellt per Telefon oder online etwas in einem Laden seiner Wahl. Die Läden geben uns Bescheid, wir holen die Waren ab und liefern noch am selben Tag an die Wunschadressen aus. Dieser Service ist für das Stadtgebiet Göttingen abrufbar.
Hintergrund war die Corona-Krise, die letztes Jahr sehr deutlich gemacht hat: Der Innenstadt-Einzelhandel braucht eine gemeinsame Online-Plattform, verbunden mit einem lokalen Lieferdienst, der möglichst noch am Tag der Bestellung die Ware zu den Kund:innen bringt. Das ist bei uns derzeit in Planung. ProCity Göttingen hat ein erstes Portal dazu bereitgestellt: “Einkaufen-in-Goettingen.de”.

  • Wie kann so ein Angebot kostenlos sein?

Inzwischen sind wir ein Team von sieben, fünf davon sind Fahrer:innen. Alle sind ehrenamtlich dabei und erhalten keine Vergütung. Sehr wichtig ist ein weiterer Unterstützer als Mechaniker, der uns auf Zuruf spontan platte Reifen, ausfallende Akkus oder reparaturbedürftige Bremsen in Ordnung bringt. Auch andere Begeisterte bringen sich ein, wenn es ihre Zeit erlaubt. Verantworlich für Aufgaben wie Netzwerken, Kommunikation mit den Kund:innen, den Läden, Organisation, Presse- und Medienarbeit ist die Initiatorin.

Gemeinsame Verantwortung für das Projekt

Ich kann mir vorstellen, dass mittelfristig eine Vergütung angezeigt ist für den Arbeitsaufwand, die Kosten für Reparaturen, Verwaltung, Koordination usw. Vorläufig läuft das Angebot aber auf Spendenbasis.
Deshalb sind wir sehr dankbar für die Unterstützung unserer Partnergeschäfte, des ADFC, der e-bike-family, der Energieagentur, der Stadt Göttingen, den Grünen, ProCity – und zufriedenen Kund:innen für Trinkgelder. Unsere ehrenamtliche Leistung wird kostenlos angeboten, aber alle Beteiligten tragen mit ihrer Unterstützung und Spende dazu bei, dass das Projekt bleibt.

  • Und wie wird euer Lieferdienst angenommen?

Nur positiv tatsächlich – der Lieferdienst wird super angenommen, gerade weil er kontaktlos und unkompliziert ist, und genau dafür ist er ja auch ins Leben gerufen worden. In beiden Lockdowns hatten bzw. haben wir sehr viel zu tun. Wir erleben viele dankbare Kunden, kriegen hier und da Schokolade zugesteckt, und die Beziehungen zu den Läden machen auch richtig Spaß. So ist es doch toll, wenn man mal wieder den “Bello” sieht oder den neuen Klima-Punkt vorbeibringt für die Klimakarte der Energieagentur Göttingen: Eine Lieferung von uns ist gleich ein Punkt auf der Klimakarte (siehe unten).

Gemeinsame Online-Plattform “Einkaufen in Göttingen”

  • Wieviele Läden machen fest bei euch mit? Und was macht man, wenn ein Geschäft euch nicht auf der Liste hat?

Eine ganze Reihe von Läden haben unser Angebot fest in ihrem Repertoire und bewerben es, zum Beispiel Buchhandlungen, eine Weinhandlung, Optiker, der Waschbär-Umweltladen und mehr.
Ist ein Geschäft noch nicht dabei, kann man bei uns anfragen, ob das Geschäft schon einmal über uns geliefert hat. Gern besprechen wir dann mit den Zuständigen, wie man mit uns unkompliziert zusammenarbeitet. Wir liefern die neuen Sachen dann flott und zuverlässig an eine Wunschadresse in Göttingen.

  • Und wie gefällt dir deine Tätigkeit?

Das Fahren macht viel Spaß, man entdeckt Straßen und Häuser, die man selbst als Göttingerin noch nicht kennt. Die Zusammenarbeit mit den Läden und der Stammkundschaft ist schön, die Menschen freuen sich, wenn wir kommen. Begeistert bin ich nach wie vor auch von der Zusammenarbeit mit den anderen Ehrenamtlichen – gemeinsam denken, arbeiten und gemeinsam an die Sache glauben – das ist toll.

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  • Facebook: LeiLa Liefert – mehr
    Kurz-Video – mehr
  • Instagramm: LeiLa Liefert – mehr

Die “Göttinger Klima-Karte”

Die Göttinger Klima-Karte ist eine Aktion der Energieagentur Region Göttingen. Bei den beteiligten Unternehmen erhält man einen Stempel – zum Beispiel für das Nutzen von LeiLa liefert, das Mitbringen der eigenen Einkaufstasche, den Verzicht auf Plastikstrohhalme, die Verwendung eines Mehrweg-Kaffeebechers, den Einkauf von unverpackten Produkten.

Wenn alle Stempel gesammelt sind, bekommt man ein attraktives Klimaschutz-Paket (solange der Vorrat reicht), bestehend aus einem Baumwoll-Beutel, einem Gemüse- bzw. Obstbeutel, einem Fair-Cup, Trinkhalmen aus Bambus und ein Bienenwachspapier. Mit jeder abgegebener Klima-Karte wird zusätzlich ein Klimaschutz-Projekt im Stadtgebiet unterstützt.

  • Energieagentur Region Göttingen: “Klima shoppen – Göttingen genießt bewusst” – mehr

Von Göttingen lernen: Mut, Zusammenarbeit und Servicebereitschaft

Was könnten wir in Flensburg von Göttingen lernen?

  • Zuerst einmal den Mut, neue Ideen auszuprobieren, und die Bereitschaft zu Kooperation!
  • Besserer Service durch Lieferdienst: Gebraucht wird ein zentraler, für alle zugänglicher Ort als Standplatz für ein Minidepot. Ein solcher Ort könnte z.B. das Karstadt-Gebäude bzw. das Parkhaus sein. Hier könnten Waren im Lauf des Tages eingeliefert und am Abend an die Kund:innen ausgeliefert werden. Bequemer geht Einkaufen nicht.
  • Eine gemeinsame Internetseite und App “Flensburg-kauft-ein” – auf Deutsch, Dänisch und Englisch, mit allen Geschäften (nicht nur der Innenstadt) zur Auswahl, sortierbar nach Rubriken wie Fahrrad, Lebensmittel, Optik usw.
    Dazu eine Online-Bestellmöglichkeit und Hinweise auf den Lieferservice. Mit Infos zu Parkmöglichkeiten für Auto und Rad, ÖV-Haltestellen, erreichbare Toiletten für jedes Geschäft (vgl. dazu auch Flensburg-mobil.de > “Detailansicht”, wo dies alles schon bereit steht: mehr)
    Und auf der Startseite: Sonderangebote, Aktionen, Tipps fürs klimafreundliches Einkaufen …

Es gibt einiges zu tun – wann gehen wir es an?

Leila Morgenroth, GöttingenCoronagerechte Lieferung an die Stammkundschaft
Leila Morgenroth, GöttingenAuf das Lastenrad passt so einiges!
Leila Morgenroth, GöttingenDie Göttinger Klima-Karte, eine Aktion der Energieagentur Region Göttingen. Für klimafreundliches Einkaufen gibt es Pluspunkte.
LeiLa Liefert

Reisen in der Pandemie – Tipps für die Urlaubsplanung zum Weltverbrauchertag

Online-Veranstaltung zum Thema Reisen und Vorkasse am 10. März

Reiseplanung in Corona-Zeiten ist eine Herausforderung. Wenn die gebuchte Reise ausfällt, ist es für Verbraucher:innen schwer, ihre Rechte durchzusetzen. Viele haben schlechte Erfahrungen mit Reiseunternehmen gemacht und wollen sich jetzt besser absichern, denn in der Reisebranche sind Vorauszahlungen üblich. Zum Weltverbrauchertag am 15. März 2021 informieren die Verbraucherzentralen über Reisen in der Pandemie.

Kurz vor der ersten Urlaubssaison sind Verbraucher in der Zwickmühle. Nach einem Jahr voller Einschränkungen ist die Reiselust groß, aber schlechte Erfahrungen und Unsicherheit über die weitere Entwicklung machen die Entscheidung schwierig. In der Pandemie haben viele Reiseunternehmen beim Krisenmanagement versagt. Die Folge: Kunden mussten nach dem Ausfall ihrer gebuchten Reisen bis zu ein Jahr auf die Erstattung ihrer Vorauszahlungen warten. Etliche haben bis heute keine Rückzahlung erhalten. Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass die Reise- und Flugbranche strukturelle Mängel aufweist.

Rechtliche Lage ist undurchsichtig

„Die rechtliche Situation der Verbraucher gegenüber Reiseunternehmen ist kompliziert und in vielen Punkten ungeklärt. So sind Urlauber beispielsweise bei einer Pauschalreise besser abgesichert als bei einzeln gebuchten Flügen oder Übernachtungen“, erläutert Kerstin Heidt, Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Ob Reisende in der Pandemie kostenfrei stornieren können, hängt von Details ab. Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes spielen dabei eine Rolle, ebenso Tarifbedingungen von Fluggesellschaften oder der Unternehmenssitz des Vertragspartners. Bei der Planung und Buchung von Reisen in der Pandemie können sich Verbraucher gegen Verluste besser absichern, wenn sie Einzelheiten beachten.

Vorauszahlungen vermeiden

Wer spontan bucht und kurz vor Reisebeginn bezahlt, verringert das finanzielle Risiko. Wichtig ist eine klare schriftliche Regelung für den Fall, dass die Reise durch Einschränkungen unmöglich oder stark erschwert wird – zum Beispiel bei Lockdown, Beherbergungsverboten oder Ausgangssperren am Reiseziel. Viele Betroffene hatten sich im vergangenen Jahr beschwert, weil Ferienhausanbieter trotz geschlossener Grenzen bis zu 100 Prozent des Mietpreises verlangten.

Pauschalreisen bieten mehr Sicherheit

Bei Pauschalreisen ist der Preis über eine Versicherung des Reiseveranstalters abgesichert. Dies muss das Unternehmen mit einem Sicherungsschein bei der Buchung nachweisen. Erst dann dürfen Veranstalter oder Reisebüros eine Anzahlung verlangen. Für Individualreisen gibt es diesen gesetzlichen Insolvenzschutz nicht. „Wer nur einen Flug buchen will, tut das am besten direkt bei der Airline und zahlt per Kreditkarte. Falls die Airline Insolvenz anmeldet, besteht so eine größere Chance auf Erstattung“, so Kerstin Heidt. Voraussetzung ist, dass die Kreditkartengesellschaft ein Chargeback-Verfahren anbietet.

Wichtige Fragen vor der Buchung klären

Vor einer Reisebuchung sollten Urlauber wissen, wie die Situation am Urlaubsziel aussieht. Ist das Reiseziel als Risikogebiet eingestuft, gelten Einschränkungen? Hilfreich bei der Vorbereitung sind die Reisehinweise und die App ’sicher reisen‘ des Auswärtigen Amtes. Wichtig ist außerdem der Überblick, wann welche Vorauszahlungen fällig werden und welche Stornierungsmöglichkeiten im Vertrag festgehalten sind. Bei diesen wichtigen rechtlichen Fragen sollten sich Verbraucher nie auf mündliche Zusagen verlassen. Entscheidend ist, was im Vertrag steht.

Informationen für Verbraucher

Die Verbraucherzentralen haben auf ihrem Online-Portal umfassende Informationen und Tipps zu Reisen in der Pandemie zusammengestellt. In den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein erhalten Interessierte Flyer und weiteres Informationsmaterial.

In kostenfreien Online-Vorträgen informieren die Verbraucherzentralen bundesweit über das Thema „Vorkasse bei Reisebuchung“. Die Referenten sprechen Risiken und Fallbeispiele an und geben Tipps für eine vorausschauende Reiseplanung. Der Reiserechts-Fachfrau Kerstin Heidt von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein bietet diesen Vortrag am 18. März 2021 an. Alle Vortragstermine und Links zur Anmeldung gibt es hier.

Online-Veranstaltung zu Reisen und Vorkasse

Anlässlich des Weltverbrauchertages diskutieren die Verbraucherzentralen am 10.03.2021 mit Experten aus Verbraucherschutz, Wirtschaft und Recht das Thema „Vorkasse – Verbraucher ohne Schutz beim Reisen“ in einer  öffentlichen Online-Veranstaltung.

Informationen, Anmeldung und Livestream der Veranstaltung finden Sie hier.

Weitere Informationen:

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