Empörung – Zum Umgang mit Natur in und um Flensburg

„Wir träumen von einem Flensburg, das mit seinem Potential ein wirklich grünes Aushängeschild im Norden werden kann.“

Ein Leserbrief von Eike Lina Bordeaux und Dörte Heidbrede

Der 1. März ist unser neuer Feiertag! Bis dahin bangen wir um jeden Baum, Knick und Strauch und empören uns über Menschen mit Motorsägen, die in unseren Augen machtvoll ihre gemeinte Größe über die Natur ausleben. Es wird angesägt, ausgerissen, leer gerodet, auf halber Höhe gekappt und Knicks kaputt gepflegt. Uns ist bewusst, dass Knickpflege wichtig ist. Doch um diese einzigartige Kulturlandschaft zu schützen, kann es nicht sein, diese zu zerrupfen, komplett zu kappen oder pilzanfällig zerfasert stehen zu lassen.

Also: In und um Flensburg bietet sich uns ein Bild der Verwüstung.

Wir fragen uns: Welche Sprache versteht der Mensch? Welche Worte versteht die Gesellschaft? Wenn Worte nicht ausreichen, vielleicht ein Gefühl? Lässt es uns aufmerksam werden, wenn es im Februar so warm ist, dass gefühlt die Grillsaison beginnt? Wenn wir mit massiver Trockenheit zu tun haben, wie im letzten Frühjahr? Wenn, beispielsweise in Wees im Sommer, ein Moor brennt, ausgelöst durch Trockenheit?

Wer mag es nicht als Lug und Trug ansehen, was wir Kindern im Hinblick auf Natur und Klimaschutz in Schule und Kita beibringen, wenn es öffentlich ad absurdum geführt wird, weil in Quickborn, Kiel, Neumünster und Flensburg nach Maßgabe des Profits gerodet wird? Was ist für die nächste Generation die wirkliche Wahrheit? Wir sind diejenigen, die den Klimawandel antreiben und hautnah miterleben!

Unsere Wahrheit ist die oben genannte, wir empören uns über die Bilder der Verwüstung bis zum festlichen Datum des 1.März. Wir sind traurig um alle schützenswerten Bäume, die es nicht mehr gibt. Ja, auch um alle Bäume, die laut Baumschutzsatzung mit ihrer Größe und ihrem Durchmesser als „Nicht Baum“ gelten. Wir wissen um die Verbindung der gerodeten Bäume, zum Beispiel am Museumsberg, mit dem großen Ganzen. Wir machen uns Sorgen um Kinder, die ohne oder mit wenig Kontakt zur Natur aufwachsen, und die in kommenden Jahren am nächsten Baum stehen, um als ausführende Kraft ohne Kommentar und Gefühl die Säge anzusetzen. Wir wundern uns über die Arbeiter, die an der gerodeten
Fläche, zum Beispiel am Sankt Jürgen Platz, auf Nachfrage nicht wissen, mit welcher Aussicht, sie dies tun bzw. was das TBZ genau mit diesem Platz vorhat. Wir verstehen Menschen, die öffentlichkeitswirksam sagen und zeigen, dass es so nicht weitergehen kann. Wir sehen Projekte wie den „Klimapakt“ der Stadt als „greenwashing“ und Augenwischerei an, wenn, als Beispiel, Hinz aber nicht Kunz mit dem Rad zum Brötchenholen fährt. Es wirkt auf uns nicht echt! (U.a: wer sich mal die Fotos zum Klimapakt im Internet anschaut, kann sich Gedanken zur Frauenquote machen!)

Wie soll es echt auf uns wirken, wenn die Natur auf vielfältige Art und Weise offensichtlich an verschiedenen Stellen massiv zerstört wird und andererseits das Grüne vom Himmel gepredigt wird?

Wir träumen von einem Flensburg, das mit seinem Potential ein wirklich grünes Aushängeschild im Norden werden kann. Flensburg sollte entschlossen Klimaneutralität früher als 2050 anstreben, Fahrradwege konsequent und sicher ausbauen, Altbauten ökologisch sanieren, mehr Blühstreifen setzen, Busse kostenlos fahren lassen, den Erwerb von Lastenrädern sponsorn, wenn dafür das Auto abgeschafft wird, in allen öffentlichen Gebäuden Ökostrom einsetzen, Dächer begrünen, grüne Inseln schaffen, sanften Tourismus anschieben, Gemeinschaftsgärten in Wohnsiedlungen vorantreiben, Kleingartenkolonien als einzigartige Lebens- und Kontakträume aufkaufen und unter Schutz stellen, grüne Wildnis einfach zulassen, auch wenn es nicht in unser aufgeräumtes Bild passt, kostenlose Berater der Stadt für enkeltaugliches und ökologisches Bauen einstellen, Parkhäuser außerhalb der Stadt bauen, um möglichst viele Autos aus der Stadt heraus zu halten und das „klasseklima“ Projekt der Stadt auf alle Bildungseinrichtungen auszuweiten, denn bekanntlich schützt Mensch nur, was er liebt. Es gibt noch weit mehr Ideen. Wir wünschen uns, dass dies möglichst selbstverständlich passiert, ohne sich gleich öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen. Wir wünschen uns zudem, dass dies transparent geschieht und nicht wie am Beispiel des St.Jürgen Platzes, wo vor einiger Zeit ohne Kenntnis der Anwohner Blumen in das einzige mögliche Fußballareal der Kinder gepflanzt wurden. Das ist nicht gesellschaftskonform und koexistent gedacht.

Möchte die Stadt Flensburg zudem die 100.000 Einwohner Marke knacken und sich mit dem Titel der Großstadt schmücken, so sehen wir gerade dann unsere genannten Punkte als relevant und essentiell in Verbindung mit einem nachhaltigem Leben und Handeln in Flensburg an.

Weil das in unseren Augen wirklich ehrliches und modernes Denken ist, weil es dran ist, weil es magnetisch wirkt, weil man dann nicht mehr weit weg in den Urlaub fahren muss, um es möglichst grün und natürlich zu haben. Wir nehmen ernst, was passiert und es geht uns nah. Wir glauben, dass, wer anders als oben beschrieben, weiter macht, keine Zukunft hat. Wir als Menschheit haben eine Chance, wenn wir umdenken. Wenn nicht hat (und diese Kraft macht uns letztendlich hoffungsfroh)
zuletzt die Natur wieder die Oberhand.

Aber um in aller Verbundenheit mit ihr weiterleben zu wollen und auch der nächsten Generation Lebenswert zu hinterlassen, muss ein Umdenken passieren, und dies schon beim nächsten Strauch, Baum oder der nächsten wilden Ecke. Das ist unsere Wahrheit und damit sind wir nicht allein.

Eike Lina Bordeaux und Dörte Heidbrede

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Veröffentlicht am 3. März 2021, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Stadtplanung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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