Rodung des Bahnhofswalds: Leserbrief von Dr. Henning Schmidt

Gerodeter Bahnhofswald in Flensburg am 22.02.2021- Foto: Pay Numrich

Ich habe mich immer auf den 1. März gefreut.  Dann schweigen endlich die Motorsägen, und aus der Marienhölzung verschwinden die Pkw Anhänger,  die die 100 jährigen und in Scheiben geschnittenen  gesunden Buchen in die Kaminöfen transportieren. Bis zum 30.September dürfen dann keine Bäume mehr gefällt werden, Bäume die der Gewerbesteuer und den Renditen aus Immobilien im Wege stehen, Bäume die zu viel Laub abwerfen, den Blick verstellen, die Sonne verdunkeln, mit ihren Wurzeln Unheil anrichten, den Straßenverkehr behindern, spielende Kinder anlocken könnten, gefährliche Äste abwerfen, zu Papier verarbeitet werden, Bäume die, ups! aus Versehen gefällt wurden oder wo die Kettensäge ausgerutscht ist oder  wo  die Untere oder die obere  Naturschutzbehörde oder die untere oder die Obere Forstbehörde oder der Denkmalschutz oder das TBZ oder die Ratsversammlung in ihrem Zuständigkeitschaos  und ihrer Lethagie die Bäume nicht schützen konnten oder wollten, von eine liberalen Bauordnung begünstigt, nach der jeder bauen kann wie und wo er will und einer Baumschutzordnung, die offensichtlich ein zahnloser Tiger ist. Und dann gibt es ja noch die Ausnahmen: kranke Linde, blitzgeschädigte Eiche, Espensterben, Ulmensterben, Borkenkäfer, mit denen das Abholzen ganzer Wälder, insbesondere auf Baugrundstücken gerechtfertigt wird.,

Bäume und ihre pflanzlichen Kollegen produzieren den Sauerstoff, ohne den wir nicht leben könnten und schützen uns vor dem CO2 , das unser Klima so verändert,  dass unsere Existenz bedroht ist.

Aber das hilft ihnen nicht, wo sie stören, müssen sie weg, und da sie nicht fliehen können werden sie einfach abgesägt und abgefackelt dem Eigennutz geschuldet. Respekt muß nicht sein, und wenn man nicht das bekommt, was man will, z.B.als Investor, nimmt man das Gesetz eben selber in die Hand und schafft klare Verhältnisse (Neumünster, Kiel, Quickborn)

Ich wage nicht, mir vorzustellen, wie unserer Welt aussehen würde wenn sich nicht ein paar tapfere Naturschützer unermüdlich vor die Natur stellen würden, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern. Die Welt sieht so schon schlimm genug aus.

Dr. Henning Schmidt

Flensburg

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

 

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Veröffentlicht am 22. Februar 2021, in Ökologie, Bahnhofswald, Bahnhofswald Flensburg, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Stadtplanung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Danke Herr Henning für diesen zart-bitteren, zum Heulen und zum Wutschnauben schönen Brief.

    … „wie unsere Welt aussehen würde wenn sich nicht ein paar tapfere Naturschützer unermüdlich vor die Natur stellen würden“

    Ich höre schon die Verbalkünstlerischen Spötter über Aktivisten schimpfen, vor 3-4 Jahren dachte ich auch noch, die sitzen alle am Smartdings oder denken laut über künstliche Fingernägel nach – oder über das Abi als Parameter in die Welt der Börse oder der Altersvorsorge.

    Ne, da scheint sich ein Teil der Jungen auf einen anderen Weg zu machen und das müssen wir alle irgendwie ideell unterstützen.

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