Kriminelle Energie – Leserbrief von Dr. Helmreich Eberlein

Der Bahnhofswald: Illegal gerodet – Foto: Dr. Helmreich Eberlein

Was war das für eine Geschrei über Gewalt, als unbekannte Autonome Autos beschmiert hatten! Wie eifrig wurde das ausgeschlachtet von den Befürwortern der Bauprojekte am Bahnhofswald! Aber eines muss man sagen: Menschenleben waren da nicht in Gefahr.

Das kann man über die unsägliche Selbstjustiz der Investoren am Freitag so nicht sagen: da wurden schwere Verletzungen bis zu Todesfällen unter den Baumbesetzern ebenso billigend in Kauf genommen wie schwere Covid-19-Erkrankungen bis hin zum Tod bei ungezählten, auch völlig unbeteiligten Menschen. Sachbeschädigungen? Schlimmer: illegal wurden zahlreiche Bäume gefällt oder so angesägt, dass sie anschließend gefällt werden mussten. Mit hoher krimineller Energie: offensichtlich war den Beteiligten klar, dass ihre Taten illegal waren und sie nach kurzer Zeit gestoppt werden würden, und so taten sie alles, um in dieser kurzen Zeit so viele Bäume wir irgend möglich endgültig zu zerstören. Egal, wer darauf war, egal, auf wen sie beim ersten Wind fallen würden, egal, dass einige vom Fällungsverbot seit 1. Februar umfasst waren (diese trugen sogar ein Warnschild!). Bäume sind aber nicht reine Privatsachen, sie haben Wert für die Allgemeinheit als Klimaretter, Luftreiniger und Lebensraum gefährdeter Lebewesen. Deshalb gibt es in Flensburg eine Baumschutzsatzung.

Dass reiche Leute sich eine Privatarmee anheuern und damit ihre Interessen durchsetzen entgegen den staatlichen Gesetzen, das kennt man sonst eher von Bananenrepubliken. Dass wir in Deutschland mal mit so etwas ein Problem haben würden, hätte ich mir bis Freitag früh nicht vorstellen können. Das darf nicht einreißen. Wenn das Schule macht,  können wir den Rechtsstaat vergessen; dann werden wir ein Mafia-Staat. So ein Vorgehen darf auf keinen Fall Erfolg haben!

Die Stadt Neumünster hat einem Investor die Baugenehmigung verweigert wegen Vertrauensverlust. Der hatte ebenfalls illegal Wald gerodet (allerdings ohne Menschenleben zu gefährden!), um bauen zu können. Ich finde, dasselbe sollte Flensburg jetzt auch tun: die Baugenehmigung entziehen. Und eine Strafanzeige hinterher schicken.

Aber stattdessen mussten wir am Sonntag erleben, dass die Oberbürgermeisterin noch einen draufsetzte, dem ersten Superspreading-Event am Freitag noch einen weiteren am Sonntag hinzufügte und mit einem klaren Wortbruch den Investoren durch Räumung der verbliebenen Baumhäuser den Weg freigemacht hat! Ist das hier eine Bananen-Republik? Gelten Menschenleben nichts, wenn die Interessen von Investoren auf dem Spiel stehen? Und was ist mit den Interessen der vielen, die danach umso länger geschlossen halten müssen, weil sich das Virus 2x wild vermehren durfte?

Dr. med. Helmreich Eberlein

Flensburg

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Veröffentlicht am 21. Februar 2021 in Ökologie, Bahnhofswald, Bahnhofswald Flensburg, Bürgerbeteiligung, Flensburg News, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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