Archiv für den Tag 9. Februar 2021

Bahnhofswald Flensburg: Offener Brief von Florian Rostenbeck an Oberbürgermeisterin Simone Lange

Quell- und Feuchtgebiet im Flensburger Bahnhofswald

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Simone Lange,                                                Flensburg, 09.02.2021

ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie noch nachträglich für das neue Jahr alles Gute, viel Gesundheit und Glück und dass Sie sich auch 2021 weiterhin für das Wohl der Menschen in Flensburg einsetzen können. Die Pandemie und die neue Virusmutation hat nun auch Flensburg fest im Griff und aus diesem Grund habe ich auch ihre Entscheidung begrüßt, die Umweltaktivistinnen und ~aktivisten in den Baumhäusern am Bahnhofswald nicht durch mehrere Polizeihundertschaften gewaltsam von den Bäumen holen zu lassen und somit die Aktivistinnen als auch Polizistinnen in unmittelbare Gesundheitsgefahr zu bringen. Dies war eine sehr vernünftige Entscheidung von Ihnen und über diese sind Ihnen viele Menschen in dieser Stadt sehr dankbar.

Ich bin 2019 nach Flensburg gezogen, um an der Universität Lehramt zu studieren. Meine Faszination für die Natur möchte ich später einmal an die nächste Generation weitergeben und sie für den Erhalt unserer gemeinsamen Lebensgrundlage motivieren. Letztes Jahr nach dem dritten Dürresommer in Folge ist jedoch meine Angst vor der Zukunft unserer Generation und unserer Kinder immer größer geworden. In Australien brannten die Wälder, in Sibirien taute der Permafrost und der Amazonas stand schon zum zweiten Mal großflächig in Flammen. Aber auch bei uns in Flensburg waren die Folgen des Klimawandels bereits hautnah zu spüren. Große Bäume wie Ahorn und Eichel verloren schon im Juli ihre grünen Blätter, viele Bäche sind einfach ausgetrocknet und der Pegelstand in vielen Flüssen war deutschlandweit besorgniserregend. Viele Bauern sind jetzt nicht nur durch die Tiefstpreise für ihre Lebensmittel, sondern auch noch durch die Trockenheit existenziell bedroht. Die Zahl der Hitzetoten erreichte 2020 auch durch unsere überalterte Bevölkerung ein Rekordniveau. Tiere aus wärmeren Regionen wie die Tigermücke verbreiten sich in Deutschland und stellen als Krankheitsüberträger unser Gesundheitssystem zukünftig vor neue Herausforderungen. Aber auch die Coronakrise hat uns einmal mehr gezeigt, dass Viren durch das immer weitere Vordringen des Menschen in den Lebensraum der Tiere durch Zoonosen auf den Menschen überspringen und in der Folge einen unvorstellbaren Schaden anrichten können. Schon 1972 warnte der Club of Rome vor den Grenzen des Wachstums, doch es brauchte erst die Ereignisse der vergangenen Jahre, damit verbindliche Regelungen zum Klimaschutz auf den Weg gebracht werden konnten. Neben der Klimakrise stehen wir auch vor einem gewaltigen Artensterben, welches uns ebenso existenziell bedrohen wird. Aus diesem Grund finde ich es sehr gut von Ihnen, dass Sie sich auch in der Öffentlichkeit hinter die Klimabewegung stellen und mit dem Klimapakt bereits eine Institution geschaffen haben, damit Flensburg ein Teil der Lösung dieser Herausforderungen werden kann. In Zeiten wie diesen sind eine nachhaltige Stadtentwicklung, klimafreundliche Mobilität und der Erhalt von innerstädtischen Waldflächen mit der darin enthaltenen Artenvielfalt in den Städten der Zukunft von besonderer Bedeutung.

Ich kann mir vorstellen, dass Sie gerade enorm unter Druck stehen. Auf der einen Seite stehen die Investoren, die der Stadt mit hohen Regressforderungen drohen, wenn Sie die Rodung des Bahnhofswaldes nicht noch im Februar anordnen. Auf der anderen Seite sehen Sie auch die große Zahl der Menschen, die sich in den zurückliegenden Monaten und Jahren für den Erhalt des Waldes eingesetzt haben. Schülerinnen und Schüler, Pensionäre, Studierende, Kunsthistoriker, Biologinnen und Professoren, Arbeitsuchende, Lehrkräfte, Ärzte und Psychologen, Pastoren, Informatiker, Buchhändlerinnen und Buchhändler, Familien und ihre Kinder,… . Die aktuelle Pandemielage erschwert es natürlich, dass alle diese Bürgerinnen und Bürger ihre Interessen auf die Straße bringen können. Stellvertretend für all diese Menschen harren die Baumbesetzerinnen und Baumbesetzer seit Monaten in der Kälte aus. Natürlich gehört der Wald rein rechtlich den Investoren, aber eigentlich gehört er doch zu Flensburg und somit allen Menschen, die in dieser Stadt leben.

Eine Rodung im Februar wäre auch aus Artenschutzgründen problematisch, da nicht wirklich ausgeschlossen werden kann, dass in den Habitatbäumen nicht doch Fledermäuse leben. Weiterhin
könnte eine von Ihnen angeordnete Räumung trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zur weiteren Ausbreitung der Virusmutation und somit zu weiteren Toten in der Stadt führen.

Ich habe auch nach dem Studium der Planungsentwürfe der Investoren, der Bebauungspläne und einiger anderer Gutachten noch ein paar Gedanken, einige Fragen und ein paar Anregungen, welche ich Ihnen im Folgenden kurz zusammengefasst habe. Ich freue mich aber auch sehr, wenn Sie Zeit haben, den langen Brief darunter zu lesen.

➢ Der Bahnhofswald:

● stellt einen wichtigen Verdunstungsschutz und Kühlfunktion für die Innenstadt dar

● ist Heimat einer großen Artenvielfalt mitten im Stadtgebiet

● bindet CO2 und steigert die Lebensqualität

➢ Durch den Hotelneubau kann der Bahnhofswald nach dem B-Plan nicht erhalten werden

● Durch den städtebaulichen Vertrag können Hotel und Parkhaus nur zusammen gebaut werden und der Waldstatus wird verloren gehen

● Nach dem Bebauungsplan bleiben nur ca. 18 Bäume im ehemaligen Wald stehen,
die nicht die ökologische Funktion eines Waldes erfüllen können

● Die Zahl der tatsächlich gerodeten Bäume liegt allein in der Bahnhofsstraße bei über 200 und nicht nur insgesamt bei 64

● Ca. 5.400 Ersatzpflanzungen wären nötig, um allein den Wert einer 100 Jahre alten Buche auszugleichen

➢ Es gibt auch noch zahlreiche weitere Unsicherheiten:

● Was passiert, wenn dem Widerspruch des BUND gegen die Waldumwidmung stattgegeben wird? Wird dann nur das Hotel gebaut, was gemäß städtebaulichem Vertrag nicht möglich ist?

● Sollten nicht erst Hanggutachten auf den Anliegergrundstücken durchgeführt werden?

● Wie sorgt ein Parkhaus in der Stadt dafür, die Zahl der Autos in der Stadt zu reduzieren, wenn Pendlerinnen durch die Stadt zum Parkhaus fahren müssen?

● Was passiert, wenn der Wald gerodet wird, das Hotel und Parkhaus aber nicht die erhofften Funktionen hinsichtlich Auslastung und Aufwertung des Bahnhofsumfeldes erfüllen?

● Droht dem Gelände dann ein gleiches Schicksal wie der Fläche der ehemaligen Luftschlossfabrik, die auch erst geräumt wurde und seitdem nichts geschehen ist?

● Wurde schon ausreichend über alternative Baugrundstücke nachgedacht, bevor der Wald unwiederbringlich verloren geht?

● Wie wollen Sie Ihre eigene Glaubwürdigkeit bei den Bürgerinnen der Stadt Flensburg erhalten?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie weiterlesen.

Der Bahnhofswald mit seinen Rotbuchen und Ahornbäumen, dem Hermelin, vielen Wald- und Singvögeln, vier streng geschützten Fledermausarten und vielen anderen Tieren und Pflanzen stellt ein sehr wertvolles Refugium für Natur und Menschen gleichermaßen dar. Dieser zusammenhängende Wald leistet im ohnehin waldärmsten Bundesland Schleswig Holstein mit 11 % Waldanteil durch seinen Verdunstungsschutz einen wichtigen Beitrag für das Stadtklima und die hier lebenden Menschen. Dagegen hat das Technische Betriebszentrum nach eigenen Angaben aus Gründen der nicht mehr gewährleisteten Verkehrssicherheit im Jahr 2020 bereits 238 Bäume im Stadtgebiet fällen
müssen und diese Zahl lag aufgrund des steigenden Klimastresses, unter dem die Bäume zu leiden haben, über der Zahl der Vorjahre.

Ich finde es sehr traurig, dass von seiten der Investoren und der Stadtverwaltung der Eindruck erweckt wird, dass die Natur sogar einen Vorteil aus der Rodung ziehen wird, da für jeden gefällten Baum 4 neue Bäume gepflanzt werden. Dabei wird aber auch aus ökonomischer Sicht ein großer Fehler begangen. Im Bahnhofswald stehen unter anderem Linden, die bereits 1880 gepflanzt wurden und weitere 80-100 Jahre alte Buchen. Eine hundert Jahre alte Buche hat einen ökologischen Gesamtwert ab 135.000 Euro aufwärts. Um diesen ökonomischen und ökologischen Wert zu erreichen, müsste man eine gefällte Buche nicht mit vier Neupflanzungen, sondern mit ca. 5400 neuen Buchen ausgleichen. (1)

Es braucht Jahrzehnte, bis sich in einer Ersatzpflanzung das gleiche Ökosystem entwickeln kann, wie es in einem intakten Ökosystem vorhanden ist. Diese Zeit haben wir aber aufgrund des Artenschwundes und des Klimawandels nicht mehr. Die Ausgleichspflanzungen liegen auch nicht im unmittelbaren Stadtbereich, womit sie keine direkte Wirkung auf das Stadtklima haben. In einem intakten Wald ist es wichtig, auch geschwächte Bäume stehen zu lassen, da das Totholz ökologisch besonders wertvoll ist und durch Ersatzpflanzungen nicht ersetzt werden kann. Weiterhin werden bei den Ausgleichspflanzungen nur Bäume berücksichtigt, welche in einem Meter Höhe einen Stammumfang von mehr als 80 cm haben und somit unter die Baumschutzsatzung fallen und überhaupt als Baum gezählt werden. Geschwächte Bäume werden ebenso nicht durch Ausgleichspflanzungen kompensiert und diese stellen mitten in einem nicht genutzten Wald auch keine Gefahr dar. Aus diesen Gründen liegt die Zahl der tatsächlich gerodeten Bäume nach Zählungen von mehreren Privatpersonen und Initiativen bei über 200 allein an der Bahnhofsstraße. Diese Zahl ist natürlich nicht offiziell, aber Sie können gerne in den Bahnhofswald kommen und sich davon überzeugen.

Aus diesem Grund bin ich von der Verwaltung der Stadt Flensburg sehr enttäuscht, dass trotz dieser Tatsachen die Baugenehmigung für das Hotel und das Parkhaus erteilt wurde. Als Stadt, die sich verpflichtet hat, bis 2050 klimaneutral zu werden, hat die Verwaltung damit ihr Vertrauen bei vielen Menschen aus Flensburg fast schon verspielt.

Mir ist bewusst, dass die Entscheidung auch mit der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in der Stadt zusammenhängt. Aber soll nicht ein erheblicher Teil der Arbeitsplätze in dem bereits vorhandenen Postgebäude in neuen Büros entstehen? Weiterhin beruht die Aussage, dass in Flensburg ein neues Hotel gebaut werden soll, auf einem Gutachten zum Hotelbedarf aus dem Jahr 2013. Inzwischen sind aber bereits neue Hotels in der Stadt hinzugekommen, womit dieses Gutachten nicht mehr aussagekräftig ist. Kann es dann nicht sein, dass so keine neuen Arbeitsplätze durch das Hotel entstehen, sondern eher andere Hotels vom Markt verdrängt und die Arbeitsplätze nur verlagert werden? Letztlich finde ich es sowieso fraglich, ob der Standort zwischen dem Posthof, der Brauerei, dem Bahnhof und der Schleswiger Straße durch die Geruchs- und Lärmbelästigung für ein Mittelklassehotel überhaupt attraktiv ist und zukünftig entsprechend ausgelastet sein wird.

Die Planungen zur Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes begannen bereits vor über 6 Jahren und in diesen Planungen wurde die vorhandene Waldfläche und ihre Wirkung auf das Stadtklima nicht berücksichtigt. Der Waldanteil liegt in Flensburg je nach Quelle nur bei 6-10 %, wohingegen andere Städte ihren innerstädtischen Waldanteil sogar vergrößern. Flensburg ist durch seine Lage im Trogtal der weichseleiszeitlichen Jungmoränen im Osten und den Altmoränenzügen im Westen von der Frischluftversorgung durch den vorherrschenden Westwind teilweise abgeschnitten. Daher sind Frischluftschneisen wie das Gleisbachtal, welches ja auch bald bebaut werden soll, besonders wichtig. Durch die siebengeschossige Hotelbebauung, welche die Hauptpost überragen wird, ist die Frischluftversorgung der Stadt über diese Schneise möglicherweise behindert. Diese Frischluftschneise ist aber besonders wichtig, da andere Kerbtäler wie das Osbektal und das Lautrupsbachtal diese Funktion durch bestehende Bauwerke wie die Brücken der Bismarckstraße und der Osttangente nicht mehr im vollen Umfang erfüllen können und die Kaltluftabflüsse in der Nacht teilweise behindert werden. (2)

Weiterhin frage ich mich, warum die erforderlichen Untersuchungen zur Hangstabilität auf den Grundstücken der Anlieger noch nicht vorgenommen wurden. Der Zugang zu diesen ist auch trotz der Waldbesetzung möglich. Diese Grundstücke sind am meisten von einem instabilen Hang infolge der Bauarbeiten betroffen. Auch wenn nach dem Bebauungsplan nicht alle Bäume des Bahnhofswaldes direkt gerodet werden sollen und die Investoren eine Illusion von einem Hotel im Wald auf ihrer Hochglanzbroschüre bewerben, werden die umstehenden Bäume wahrscheinlich sehr stark unter den Baumaßnahmen leiden. Da durch die Genehmigung der Forstbehörde das Hotel die 30 m Grenze zum Baumbestand unterschreiten darf, kann man davon ausgehen, dass der Wurzelstock dieser Bäume sehr stark durch die Erdarbeiten beschädigt wird und die Bäume möglicherweise absterben könnten.

Nach Ihren eigenen Aussagen in der Videobotschaft vom 18.01.2021 ist die Baugenehmigung unabhängig vom Waldstatus und die Entwidmung des Waldes stehe nicht zur Rede. Dies stimmt allerdings nur so lange, bis der Widerspruch des BUND gegen die Waldumwandlung nicht gerichtlich abgewiesen wird. Weiterhin existiert ein städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt und den Investoren, laut dem der Bau des Hotels an die Erbauung des Parkhauses vertraglich gekoppelt ist. Hat diese Kopplung nicht zur Folge, dass der Waldstatus eben nicht erhalten werden kann, da durch den Bau des Parkhauses die 30 m Grenze nach dem Landesforstgesetz zum jetzigen Wald unterschritten wird und somit eine Waldumwandlung notwendig ist? Die Einsicht in diesen Vertrag wird vonseiten der Stadtplanung jedoch schon seit Dezember verwehrt und auch nach einer persönlichen Anfrage im Fachbereich Stadtentwicklung und Klimaschutz wurde mir die Auskunft erteilt, dass es eine vertragliche Vereinbarung gäbe, dass das Parkhaus später gebaut werden solle. Da dieses Parkhaus formell auch im öffentlichen Interesse zur Entlastung der Parkplatzsituation im Bahnhofsumfeld gebaut wird, sollte jeder Bürger nach dem Informationszugangsgesetz Einsicht in diesen Vertrag bekommen. Nach einer persönlichen Anfrage wurde mir mit dem Verweis auf eine laufende juristische Prüfung diese Einsicht jedoch versagt. Deshalb frage ich mich, warum die Stadt diesen Vertrag nicht zugänglich machen möchte.

Es gibt also noch viele rechtliche und bauliche Unsicherheiten, die dem Bau des Hotels und des Parkhauses im Wege stehen. Bevor man jetzt voreilig durch eine Waldrodung unwiederbringliche Tatsachen schafft, die Glaubwürdigkeit verspielt und am Ende durch unvorhergesehene Komplikationen eine weitere Brachfläche ohne gesellschaftlichen Nutzen in der Stadt schafft, sollte man eher über Alternativstandorte nachdenken. Sonst haben wir am Ende vielleicht die Situation wie bei der ehemaligen Luftschlossfabrik, bei der Simon Faber versprochen hatte, es sollen auf diesem Gelände Einrichtungen für die gesamtgesellschaftliche Nutzung entstehen, aber bis heute ist auf dieser Fläche immer noch nichts passiert. Dadurch hat sich der ehemalige Oberbürgermeister nicht wirklich beliebt gemacht, was letztlich vielleicht auch zu seiner deutlichen Abwahl beigetragen hat. Da ich Sie als Mensch wirklich schätze, würde ich mir nicht wünschen, dass auch Ihnen das passiert. Weiterhin ist dieses Thema bereits auch in der überregionalen Presse präsent und wenn es nicht so traurig wäre, könnte bestimmt auch bald eine deutschlandweite Satiresendung darüber berichten.

Nach offiziellen Angaben der Stadtverwaltung werden nur 64 Bäume gefällt. Im jetzigen Gebiet mit Waldstatus bleiben jedoch nach Punkt 6.9 im Bebauungsplan durch die erforderliche Waldumwidmung allerdings nur ca. 18 Bäume stehen, das komplette Unterholz und Totholz wird entfernt und vom eigentlichen Wald bleibt nichts mehr übrig. Das Bild von einem Hotel im Wald ist also eine Irreführung und der Wald würde seine eigentliche wertvolle biologische Funktion verlieren. Im Folgenden ein Zitat aus dem Bebauungsplan:

6.9.(…) „Innerhalb der mit der Nummer M1 und M2 gekennzeichneten Flächen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft sind zur Beseitigung der Waldeigenschaften der umgewandelten Waldflächen alle nicht zum Erhalt gekennzeichneten Gehölze zu entfernen. Neu aufkommender Gehölzaufwuchs muss regelmäßig entfernt werden.“ (Stadt Flensburg Bebauungsplan „Hauptpost“ (Nr. 303))

Warum wird dann in diesem Zusammenhang vonseiten der Investoren von einer selektiven Baumentnahme und nicht von einer selektiven Baumerhaltung gesprochen und warum stellen Sie das als Chefin der Unteren Naturschutzbehörde und der Stadtverwaltung nicht richtig?

Viele Flensburgerinnen und Flensburger, viele junge Leute und auch ich hatten eigentlich große Hoffnungen in Sie, dass Sie dazu beitragen, dass die Stadt Ihre Klimaziele erreichen wird und Flensburg sich an die künftigen Herausforderungen des Klimawandels anpassen kann. Wenn Ihnen die Zukunft der Fridays-for-Future-Generation so sehr am Herzen liegt und Sie sich öffentlich mit diesen solidarisieren, dann erwartet diese Generation aber auch von Ihnen, dass Sie trotz der bereits erteilten Baugenehmigung wahre Größe beweisen und alles dafür tun, für den geplanten Hotelbau ökologisch vertretbare Alternative zu finden und den ökologisch und ökonomisch bedeutenden Bahnhofswald für jetzige und zukünftige Generationen und für eine lebenswerte Stadt zu erhalten.

Die Aufwertung des Stadtgebietes gelingt eben nicht nur mit neuen Betonbauten, sondern auch durch urbane Naturräume und ein gesundes Stadtklima. Die Funktion eines Waldes für die Menschen in der Stadt lässt sich durch kein Geld ersetzen.
Damit könnte Flensburg seiner Rolle als Klimastadt endlich ein Stück gerecht werden, Sie könnten sich einer breiten Zustimmung aus der Bevölkerung sicher sein und unsere Stadt vorbildlich in die richtige Richtung führen.

Ich glaube an Sie.
Viele Grüße und bleiben Sie gesund,
Florian Rostenbeck

1) Tiemeyer, V. & Thoren t.B., Vom Wert der Bäume, S. 31 Stiftung für Ornithologie und Naturschutz, (SON), (o.J.)

2) Trüper T.& C. Gondesen, Landschaftsplan Flensburg, Teil I, Bestandsaufnahme und Bewertung, Büro TTG, (1997)

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Bahnhofswald Flensburg: Baumbesetzer*innen legen Widerspruch gegen die Allgemeinverfügung der Stadt ein

Die Baumbesetzer*innen des „Böömdörp“ im Bahnhofswald haben beim Verwaltungsgericht in Schleswig Widerspruch gegen die Allgemeinverfügung der Stadt Flensburg eingelegt, weil sie nach Meinung der Aktivist*innen auf Falschbehauptungen basiere. Mit der Allgemeinverfügung vom 29.01.2021 will die Stadt die Besetzer*innen zwingen, das Gelände freiwillig zu verlassen, andernfalls droht sie eine Räumung mit „unmittelbaren Zwang“ durchzusetzen. Die Stadt führt unter anderem Brandschutzprobleme und baurechtliche Verstöße der Besetzer*innen in der Begründung zur Allgemeinverfügung an. (Mehr dazu hier ) Untenstehend nun der Text des Widerspruchs, in dem auch zu den Behauptungen der Hotel-Investoren und der Stadt Stellung genommen wird. Zum Vergrößern draufklicken.

Infos: twitter.com/boomdorp
Telegram: https://t.me/boomdorp
Kontakt: 0178-4944376

Siehe dazu auch den Beitrag im Stadtblog Flensburg vom 7. Februar 2021:
Stadt Flensburg fordert BesetzerInnen per Allgemeinverfügung ultimativ zum Verlassen des Bahnhofswalds auf unter:
https://akopol.wordpress.com/2021/02/07/stadt-flensburg-fordert-besetzerinnen-per-allgemeinverfuegung-ultimativ-zum-verlassen-des-bahnhofswalds-auf/

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

 

Freiheit für Julian Assange! – Mahnwache am 13.02.2021 an der Holmnixe in Flensburg

Freiheit für Julian Assange

Whistleblower / Enthüller / Aufdecker schützen!

Die Flensburger Gruppe „Freiheit für Julian Assange“ lädt ein zur Mahnwache :

am Samstag, den 13.02.2021 von 12 – 14 Uhr an der Holmnixe. 

Julian Assange,

Gründer von Wikileaks, deckte vor Jahren US-amerikanische Kriegsverbrechen und politischen Machtmissbrauch auf.

Seit 1 1/2 Jahren befindet sich Julian Assange (Australischer Staatsbürger) in einem Hochsicherheitsgefängnis in Belmash/ London in Einzelhaft.
Seine Gesundheit ist stark bedroht und seine Prozessvorbereitungen werden stark behindert.

Die Vereinigten Staaten haben Großbritannien um Auslieferung von Assange ersucht. Die US-Anklageschrift vom 23. Mai 2019 umfasst siebzehn Punkte. Auf alle Anklagepunkte steht eine theoretische Maximalstrafe von 175 Jahren Haft. Zwar hat ein Gericht in London am 4.1.2021 entschieden, dass Assange vorerst nicht an die USA ausgeliefert werden darf. Der Grund seien die Haftbedingungen, die den 49-jährigen gebürtigen Australier in den USA erwarteten, teilte das Gericht mit. Die Richterin begründete ihre Entscheidung näher damit, dass damit zu rechnen sei, dass Assange sich in Isolationshaft das Leben nehmen werde. Die US-Regierung hat gegen den Urteilsspruch jedoch Berufung eingelgt.

Alle drei schwedischen Sexualdelikt-Verfahren (wegen desselben Vergewaltigungsvorwurfs) wurden im November 2019 eingestellt, neuneinhalb Jahre nach Einleitung des ersten Verfahrens.

Dazu ein Bericht der Tagesthemen vom 4.1.2021:

Gericht in London – Briten liefern Assange nicht an USA aus

WikiLeaks-Gründer Julian Assange darf nicht an die USA ausgeliefert werden. Das entschied ein Londoner Gericht. Mexiko hat angekündigt, ihm politisches Asyl zu gewähren. Die US-Regierung ist enttäuscht und will in Berufung gehen. Weiterlesen hier

Ein Bericht der Berliner Zeitung:

Zum Verhandlungsbeginn ein aufschlussreicher Artikel im SPIEGEL

Prozess gegen Julian Assange Mögliche Höchststrafe: 175 Jahre Knast

Nach monatelanger Verzögerung wegen der Coronakrise ist der Prozess gegen den WikiLeaks-Gründer fortgesetzt worden. In London sitzt mit ihm auf der Anklagebank: der investigative Journalismus.
Von Jörg Schindler, London
Weiterlesen hier

Weitere Quellen und Infos:

wikipedia Julian Assange: https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Assange

Mathias Bröckers / www.broeckers.com
Nils Melzer / UN Sonderbericherstatter

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